Die Schweden - erst Freund dann Feind?

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Hanse

Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Hanse » 11. Oktober 2006 09:42

Hejdå miteinander

aus unserem Ort ist vor ca. 1 Jahr (für vorerst mal 3 Jahre) eine Familie mit 2 Kindern nach Schweden, Nähe Stockholm gezogen. Zwangsweise nach dem Motto "entweder Umzug oder Job weg".
Meine Frau hat jetzt mal bei Eltern + Geschwistern hier im Ort nachgefragt, wie´s denen so geht.
Die Antwort hat uns etwas geschockt:
Landschaft, Leben - alles Klasse aber
hauptsächlich die Jungs (10 + 12 Jahre) werden teilweise "wie bei uns die Türken" behandelt - als krasse Ausländer-Aussenseiter! :?

Bei unseren Bekannten im Nachbarort hält sich derzeit ein Freund auf, welcher nun seit 8 Jahren in Schweden (Bengstfors) lebt.
Von hier kam die Aussage, die Schweden seien unheimlich kontaktfreundlich, hilfsbereit, gesprächig und nett - so lange zu erwarten ist , dass man sich als Besucher (=vorübergehend) dort aufhält.
Sobald aber klar wird, dass man dort bleibt, wandelt sich das Ganze in Schweigen, Ablehnung und schon beinahe in Ausländerfeindlichkeit.

Sind das negative Einzelerfahrungen oder ist da allgemein was dran?

Noch was ganz anderes:
Für Andrea hab´ich noch was gefunden (betr. taxeringsvärdet):
Beitrag vom 18.04.2004 hier im Forum "Abwicklung Hauskauf in Schweden" und hier eine Antwort vom 25.06.2004.:
"taxeringsvärdet ist gesetzlich auf 75% des Marktwerts festgelegt".
Sollte das stimmen, entsprechen die angegeben Verkaufspreise sehr selten dem tatsächlichen Marktwert, hier scheint noch einiges an Luft zu sein!
Ausserdem interessant: http://www.swedenabroad.com
u.a. steht hier: jährliche Grundsteuer = z.Zt. 1,5% vom taxeringsvärdet.
:!: Also beim Kauf auch auf den taxeringsvärdet aufpassen!!!

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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Skogstroll » 11. Oktober 2006 10:00

Hej Hanse,

in Dresden steht ein älteres Haus (Museum) mit vielen Inschriften. Eine davon lautet: "Gott schütze jeden vor Türken und Schweden".
Im Ernst: Wir haben solche Erfahrungen nicht gemacht. Ich denke, das kann an zwei Sachen liegen: Erstens, welche Erfahrungen haben die Leute früher mit Deutschen gemacht. Man muss es sagen, wie es ist: Es waren wohl nicht immer die angenehmsten. Daran kann man leider wenig ändern. Zweitens: Wie anpassungs- und integrationswillig ist man selbst, wie tritt man auf.
Leider gibt es immer wieder gerade Deutsche, die mit fast kolonialer Überheblichkeit da erheblichen Flurschaden verursachen. Ich betrachte mich als Gast in Schweden und versuche, mich so zu verhalten. Klar, ich zahle hier auch meine Steuern, aber ich bekomme auch Gegenleistungen dafür, manche davon recht grosszügig. Man muss akzeptieren, dass man in Schweden ist. Das klingt banal, aber ich kenne wirklich Leute, die trotzdem auf der Verwendung ihrer deutschen Muttersprache beharren oder sich allenfalls zu englisch herablassen, das sie dann noch schlechter sprechen als die meisten Schweden. Sowas kommt ganz schlecht an.
Wir haben uns von Anfang an so gut es ging integriert und konsequent schwedisch gestottert. Das Feedback darauf war durchweg positiv.
Es mag auch regionale Unterschiede geben. Hier in Norrbotten ist man meist froh über jede Zuwanderung, jahrelang waren hier die Bevölkerungszahlen teils stark rückläufig. Die Aufnahme hier war von neutral über freundlich bis herzlich.

Hälsningar,
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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon stavre » 11. Oktober 2006 10:13

ich glaube ,die im "süden" sind deutschmüde.habs schon des öfteren gehört.man muß sich mal vorstellen.ein nettes kleines überschaubares dorf.zuerst kaufen einige dänen einige häuser.geht ja noch,denken die schweden.mmh.und in nullkommanichts leben nur noch 3 schweden in dem .mal so beschaulichen dorf.der kaufmann mußte schon schließen,weil alle ihr zeugs aus der heimat mitbringen.in der kirche ist nur noch weihnachten was los.und im dorf selber?dorfleben ,gibts schon lange nicht mehr.nun verkauft der übriggebliebene schwede sein haus ,weil er nicht mehr mag,und träumt von anderen zeiten.
dieser schwede wurde ,dann als deutschhasser tituliert.
so jetzt denkt euch mal,das ganze wäre in D und die ausländer ,egal welche,würden in einem kleinen dorf sich ansiedeln.
mehr muß ich nicht sagen.
habe es selber miterlebt.und ihr fragt euch welches dorf das ist?
ich weiß es.


und noch was: so wie man in den wald reinruft ,so kommts auch wieder raus.

elke ,die hier in jämtland mit den leuten gut klar kommt.

Hanse

Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Hanse » 11. Oktober 2006 10:23

... ´tschuldigung - wollte ja nur mal fragen :oops:

Gruss von Hanse aus Deutschland, der so wohl mit Deutschen als auch mit Türken und Schweden gut auskommt! :wink:

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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon janaquinn » 11. Oktober 2006 10:33

Hej Zusammen, ich bin auch der Meinung, daß man so aufgenommen wird, wie man sich gibt und den Leuten gegenüber verhält. Tritt man "großkotzig" und "typisch Deutsch" auf, wird man überall auf Ablehnung stossen, egal in welchem Land der Welt man ist. Wir Deutschen haben leider einen schlechten Ruf, jedenfalls was unser Auftreten betrifft, aber es ist an uns selbst das zu revitieren und den Menschen zu zeigen, daß nicht alle so sind. Als wir vor 7 Jahren in Dänemark geheiratet haben, haben wir uns so verhalten, wie wir es immer tun, ruhig, zurückhaltend und nicht erwartend das alle Welt deutsch spricht. WIr haben versucht uns auf Englisch zu verständigen, und nicht nur auf deutsch. Und wir haben durchaus nur positive Resonanzen bekommen. Es war eine herrliche Ruhe gehabt, bis... ja bis, am Wochenende, Pfingsten, die "typischen" Deutschen eingefallen sind: Laut, Gröllend, Unhöflich und den ganzen Tag nur am "saufen"- Wir waren froh als wir am Sonntag abreisen konnten und diese Typen hinter uns lassen konnten.

Mein Mann und ich sprechen oft über unser neues Leben in Schweden und eines ist uns klar:

1. Die Sprache muß soweit beherrscht werden, von Beginn an, daß wir uns mit den Leuten unterhalten können, daß es am Anfang nicht gleich perfekt ist und man Schnitzer reinhaut, ist normal. Mit der Zeit kommt die Übung.

2. Nur Zuhause wird Deutsch und Englisch gesprochen, 2-sprachige Familie, in der Öffentlichkeit, sobald wir das Haus verlassen, nur noch Schwedisch. Denn WIR wollen uns integrieren.

3. Wir sind Gäste in einem Land, welches uns gestattet in ihm zu leben, und das uns erstmal vorbehaltlos aufgenommen hat, obwohl es uns eigentlich nicht braucht. Also verhalten wir uns auch wie Gäste und akzeptieren die Lebensweise und Kultur so, wie wir erwarten, das es Gäste in Deutschland auch tun würden.

4. Sind wir am Überlegen, wenn wir oben wohnen, ein Grillfeier bzw. Willkommensfeier für die Nachbarn zu machen, um uns vorzustellen, als neue Nachbarn und den Menschen, die Möglichkeit zu geben, uns kennenzulernen.

Es gibt viele Aspekte, welche bei einer Auswanderung beachtet werden müssen, aber der wichtigste in meinen Augen ist: RESPEKT und ACHTUNG vor dem Leben und der Kultur der anderen.
Wenn man das beachtet und auch dementsprechend lebt, wird man in allen Ländern, nicht nur in Schweden, ein positive Bild abgeben und vielleicht auch die Meinung anderer Länder Deutschland gegenüber ändern können, vielleicht nicht komplett, aber zumindest wäre ein Anfang gemacht.

In diesem Sinne

JANA
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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Skogstroll » 11. Oktober 2006 10:41

Hej Elke,

ich habe auch schon von regelrechten deutschen Kolonien in Småland gehört, mit allen von Dir aufgezählten Konsequenzen. Klar, da versteht man, dass der nächste Hausaufkäufer nicht gerade stürmisch begrüsst wird, selbst wenn er persönlich vielleicht ganz nett gewesen wäre.
Traurig, dass es so ist. Wenn dann noch eine Befreiung von der Grundsteuer in der Diskussion ist... man kann die Leute verstehen.

Hälsningar från N 67º 2' 52"
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Hanse

Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Hanse » 11. Oktober 2006 10:47

Oh je, oh je

ich glaube ich habe hier völlig ungewollt eine Lawine losgetreten.
So wollte ich es eigentlich nicht - bitte keine Antworten mehr hierzu.

Nicht OK ist aber, von Toleranz und Achtung gegenüber anderen zu reden und gleichzeitig das Bild des gröllenden, saufenden und großkotzigen Deutschen zu verbreiten.

Gruss und Friede - Hanse

Ns.: Die Familie, von der ich geschrieben habe, habe ich eigentlich nie als arrogant oder grosskotzig empfunden - und die beiden Jungs gleich gar nicht!

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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Skogstroll » 11. Oktober 2006 10:48

Hej Jana,

mit Eurer Planung und Einstellung kann es fast nur gut gehen! Schön, ein paar angenehme Deutsch ins Land zu bekommen. LYCKA TILL!!!

Hälsningar,
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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon Lejon » 11. Oktober 2006 10:48

Hej Jana,

deinem Beitrag geb ich mindestens 200% ig recht, und kann dir nur zustimmen. Mir geht es oft so mit unseren Ausländischen Mitbürgern....da ich in einer Gegend arbeite mit sehr hohem Anteil Ausländern. Auch mein Klientel... meint oft mich auf ihrer Landessprache ansprechen zu müssen (ich müsste doch wohl ihre Sprache können, wenn ich dort arbeite).....obwohl sie schon mind. 15 Jahre hier in Deutschland sind....find ich schon sehr arrogant........

Ich denke als Ausländer sollte man sich schon bemühen die Sprache ein wenig zu beherrschen...egal wo man ist ob in Deutschland oder gar Schweden :)

Gruß Lejon ;)

P.S. übrigens gefällt mir deine Signatur auch sehr gut :)

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Re: Die Schweden - erst Freund dann Feind?

Beitragvon janaquinn » 11. Oktober 2006 11:10

Hej Hanse, ich wollte deinen Bekannten nicht zu nahe treten, sicherlich sind es sehr nette Menschen, die vielleicht negative Erfahrungen gemacht haben. Natürlich sind nicht alle Deutschen so, wie diese Leute damals in Dänemark. Schließlich fährt auch nicht jeder Deutsche im Sommer nach "Malle" und besäuft sich am Ballermann. Ich möchte mich dafür entschuldigen, sowohl bei dir als auch bei deinen Bekannten, denen ich mit meinem Statement zu nahe getreten bin.

Was ich sagen wollte ist einfach: Es ist an uns, die Meinung, die über uns Deutsche herrscht, in ein positive Bild umzuwandeln, diesen Negativ-Touch den einige wenige unserer Landsleute über uns zeigen, zu revidieren. Ich lebe nach dem Motto: Behandle jeden Einzelnen so, wie du behandelt werden willst.

Und damit fahre ich überaus gut und wenn ich abends ins Bett gehe, weiß ich, ich habe die Welt zwar nicht grundlegend geändert, aber zumindest für mich ein bißchen Lebenswerter und einfacher gemacht.

Friede auf Erden

JANA
Zuletzt geändert von janaquinn am 11. Oktober 2006 11:24, insgesamt 1-mal geändert.
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