die Kids und der Schulwechsel

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Skogstroll
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Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon Skogstroll » 9. März 2007 09:03

Volker hat geschrieben:Es bringt Wohlstand hervor und die Menschen sind gebildet, freundlich und rücksichtsvoll.


Na, ich schick' dir 'ne Einladung zur nächsten Firmenweihnachtsfeier, danach siehst du das anders.
Ein Faktum ist natürlich, dass Schweden in der PISA-Studie deutlich besser abgeschnitten hat als Deutschland. Finnland übrigens nochmal deutlich besser, was die Schweden einigermassen wurmt.
Warum ist das so? In jedem Fall liegt es nicht an der sooo viel besseren Wissensvermittlung, sondern eher an einer gleichmässigen Förderung. Nach schwedischem Verständnis müssen immer alle Kinder immer alle Aufgaben bewältigen können und dürfen um Gottes Willen nicht frustriert werden, weshalb es Zeugnisse auch erst ab der 8. (oder 7.?) Klasse gibt. Das hat Vor- und Nachteile. Unbestrittener Vorteil ist, dass man Elite- und Einzelkämpfermentalitäten weitgehend vermeidet. Nachteil ist, dass sich das Tempo immer am langsamsten orientiert. Meine Tochter ist z.B. in Mathe etwas heller und verliert langsam die Lust an der Schule, weil sie in Mathe "stopp" hat, also nicht weiterarbeiten darf, bis auch der letzte alles verstanden hat.
Die perfekte Lösung ist das ganz sicher nicht, es führt aber dazu, dass der Durchschnitt der Schüler besser abschneidet. Genau dazu macht die PISA-Studie eine Aussage. Das Problem deutscher Schulen ist da, dass es zwei, drei Überflieger pro Klasse gibt und zwanzig, die schon abgeschaltet haben.
Dass die Schweden so gut englisch sprechen liegt daran, dass sie ständig mit dieser Sprache konfrontiert werden. Der Sprachunterricht an den Schulen ist unglaublich theorie- und grammatikorientiert. Viele Schweden haben z.B. Deutsch gelernt und können Konjugations- und Deklinationstabellen herbeten, aber kein Wort sprechen.
Meine Frau unterrichtet Deutsch am Gymnasium und kämpft genau damit. Sie versucht, ihren Schülern wirklich die Sprache und nicht deren Grammatik zu vermitteln. Das klappt auch, nur wird sie dabei vom Schulsystem selbst ausgebremst: Das nämlich verlangt die nationale Prüfung, und die fragt wieder genau die Konjugations- und Deklinationstabellen ab. Sprache verstehen und sprechen? Fehlanzeige!

Skogstroll

Peter i Klackbua

Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon Peter i Klackbua » 9. März 2007 09:23

jörgT hat geschrieben:
Peter i Klackbua hat geschrieben:Ausser in Englisch gäb´s wohl kein relevantes Fach wo er "ein Polster" mitbrächte.


Ich habe zwar keine Kinder im Schulalter mehr, aber Ihr diskutiert, als ob es nie eine Pisa-Studie gegeben hätte und das deutsche Schulsystem das beste der ganzen Welt wäre - typisch deutsch!
Ich glaube, ich verzieh´mich auf die Trollwiese!
Jörg :oops:


Hier geht es nicht um die Qualität der einzelnen Schulformen - sondern deren Kompatibilität!

Und vielleich auch am Rande um die Frage wie geht es Kindern in der Schule die migrationsbedingt ein paar Probleme mit in die Schultasche haben.

Die PISA-Studie ist da vollkommen egal. In Schweden wie auch in Deutschland stehen Migrantenkinder vor Schulproblemen. Ob diese nun relativ in Schweden oder Deutschland für Ausländer kleiner sind - ist allenfalls für Leute interessant die weder aus Deutschland noch Schweden stammen und vor der Wahl Deutschland oder Schweden stehen.

Ansonsten geht es ausschliesslich um die Frage des konkreten Einzelfalls: Schaffe ich im jeweils anderen Schulsysthem einen vergleichbaren Abschluss?
Dabei interessiert es mich ja auch innerhalb Deutschlands herzlich wenig ob ich bei meinem Bremer Abi weniger weis als mit meinem Abi aus Bayern. Ganz im Gegenteil: Wenn ich als bayrischer 2,irgendwas-Abiturient in Bremen zu einem Einserabi kommen könnte - wäre das mit Blick auf den NC ein eindeutiger Vorteil!
Ist nun mal so - so lange der Abischnitt zählt und die Unis keine Aufnahmefrüfung machen...

Auf eine Diskussion Typisch Deutsch oder typisk Svensson lasse ich mich hier auch nicht herab... Mich wundert ganz am Rande nur dass es sich für einige deutsche Internate offensichtlich lohnt Schwedische Eltern (bzw. deren Kinder) gezielt anzuwerben (Siehe z.B. Schloß Salem). Der Svensson der es sich leisten kann schickt seine Kinder nach England oder Deutschland. Der Rest darf sich darüber freuen "Sverige är bäst".

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janaquinn
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Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon janaquinn » 9. März 2007 09:45

Hej Peter,
mag ja sein, das einige deutsche Internate schwedische Eltern anwerben, aber wer kann sich, als Otto-Normal-Verdiener, in Deutschland ein Elite-Internat wie Schloss Salem leisten? Die Schulkosten fressen ein normales Monatsgehalt auf und ob sich das Kind dort wirklich wohl fühlt, ist fraglich.
In der heutigen Zeit, wo wir in Deutschland auf einen Stundenlohn von nicht mal 3,-€ zusteuern, bleiben die schwächsten auf der Strecke. In Schulen wo mittlerweile Metalldetektoren angebracht sind, weil die Schüler bis an die Zähne bewaffnet hinkommen, als wenn sie nicht zum Unterricht kommen, sondern in den Krieg ziehen, wo Lehrer resigniert haben, weil von den paar Schülern, die wirklich kommen, nicht mal ein Viertel wirklich am Unterricht interessiert sind, sondern lieber mit dem Handy telefonieren, neee da will ich meine Kinder nicht hinschicken.
Ich weiss nicht, wie die Schulsituation bei euch in Östereich aussieht, aber in Deutschland steuern wir geradewegs in eine Katastrophe. 15jährige haben keine Ahnung wer der Bundeskanzler ist, aber was Botox ist, wissen sie ganz genau. Sie können die Charts rauf und runter beten, aber haben keine Ahnung vom Einmaleins, von Rechtschreibung oder Lesen und Rechnen will ich garnicht erst sprechen.
Mein Mann, in seinem alten Hotel, hat die Bewerbungen neuer Lehrlinge durchgeschaut und ihm sind graue Haare gewachsen. Bewerbungsschreiben, die in 3 Sätzen 25 Schreibfehler hatten, teilweise mit Eselsohren und Kaffeeflecken überseht, kaum lesbar und mit Bleistift oder Filzstift geschrieben. Zeugnisse, welche vor Fehlstunden und 5 und 6 nur so wimmelten. Von den Leuten, die sich durch ihre Zeugnisse und Bewerbungen qualifizierten, erschienen nicht mal die Hälfte zu den Vorstellungsgesprächen und wenn sie denn kamen, hatten sie keine Ahnung, für was und wen sie sich eigentlich beworben hatten. Sie wußten nichts von der Company, hatten keine Ahnung von dem Beruf Koch und gekleidet waren sie, als wenn sie in den nächsten Club gehen wollten, aber nicht zu einen Bewerbungsgespräch in ein 5*+ Hotel. Und dies waren Abiturienten!
Armes Deutschland, wo bist du hingekommen. Ist dies die Elite Deutschlands? NA Danke
In diesem Sinne
JANA
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Volker
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Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon Volker » 9. März 2007 16:07

Skogstroll hat geschrieben:
Volker hat geschrieben:Es bringt Wohlstand hervor und die Menschen sind gebildet, freundlich und rücksichtsvoll.


Na, ich schick' dir 'ne Einladung zur nächsten Firmenweihnachtsfeier, danach siehst du das anders.


Hallo Skogstroll,

ich glaube das Thema "Firmenweihnachtsfeiern im internationalen Vergleich" wäre sehr unglücklich gewählt. Als Retourkutsche könnte ich ja ein paar meiner Erlebnisse in deutschen Studenten- und Schülerverbindungen zu Besten geben. Der Eindruck, der danach entstehen könnte, dass alle deutschen angehenden Akademiker Alkoholprobleme hätten, wäre ja auch vollkommen falsch. Also lasse ich das lieber.

Dass der Deutschuntericht überladen mit Grammatik ist, habe ich auch mitgekriegt. Viele Schüler wählen dann Deutsch nach ein paar Jahren ab und fangen mit Spanisch an, weil sie von einem Leben in Spanien träumen. Im Gegensatz dazu kommt mir der Schwedisch-Unterricht relativ praxisnah vor. Das wundert micht dann um so mehr.

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Also wir haben uns Schweden ausgesucht, weil es unserer Wellenlänge bzw. unserer Denkweise entspricht. Die Lebensart gefällt uns hier einfach. Und dazu muss man auch hinter des Prinzipien des schwedischen Bildungswesens stehen. Sonst wird man hier nicht glücklich.

Wer nach Schweden auswandert, um sich großartige finanzielle Vorteile zu erhoffen oder ausschließlich wegen der Natur und der schönen roten Häuschen, wird sehr schnell vom Frust überwältigt.

Noch ein Scherz zum Schluss: Für strenggläubige Neoliberale mit einer Portion Standesdünkel versehen ist Schweden nicht das Auswanderungsland der ersten Wahl.

Fischkopf
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Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon Fischkopf » 9. März 2007 16:19

Hallöchen!

Ist es nicht auch so, daß ich nur in das Land auswandern sollte von dem ich bedingungslos Überzeugt bin?
Ich bin von Schweden voll und ganz überzeugt, hätte ich nur den kleinsten Zweifel, sei es am Schulsystem oder das Gesundheitssystem würde ich nicht gehen.

Mit bestem Gruß
Fischkopf

blue

Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon blue » 9. März 2007 19:23

Fischkopf hat geschrieben:Hallöchen!

Ist es nicht auch so, daß ich nur in das Land auswandern sollte von dem ich bedingungslos Überzeugt bin?
Ich bin von Schweden voll und ganz überzeugt, hätte ich nur den kleinsten Zweifel, sei es am Schulsystem oder das Gesundheitssystem würde ich nicht gehen.

Mit bestem Gruß
Fischkopf


Herrje wie geht das denn?....ich glaube wenn man irgendetwas oder auch von irgendwem überzeugt ist, gibt es immer auch etwas, was einem stört oder nicht gefällt, aber aus Liebe zu dem oder das, toleriert.

LG Heike

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Imrhien
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Re: die Kids und der Schulwechsel

Beitragvon Imrhien » 14. März 2007 22:37

Ich sehe das genau wie blue. Man kann nicht alles super toll finden und zu hundertprozent von allem überzeugt sein. Zumindest glaube ich das. Es ist ja immerhin eine komplexe Geschichte mit vielen Variablen. Man solle sich sicher sein aber immer überzeugt? Ich bin doch auch nicht in Deutschland von allem überzeugt. Trotzdem fühle ich mich ganz wohl. Ich will ja auch nicht weg weil hier alles schlecht wäre. Dann hätte ich bald ein Proble, denn in Schweden ist auch nicht alles Gold was glänzt wenn ich die Beiträge hier richtig verstehe...
Aber es stimmt schon, dass man von der Grundhaltung her hinter dem Entschluss und auch dem Land stehen sollte in das man auswandern möchte. Täte man dies nicht, bräuchte man auch nicht auswandern.
Grüße Imrhien


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