Der Umgang mit Daten in Schweden

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Tommy
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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon Tommy » 20. März 2007 10:06

Mich stört diese sogenannte Offenheit sehr - und dafür haben meine schwedischen Kollegen überhaupt kein Verständnis.
Diebesbanden können ohne weiteres an den Fähranlegern sehen wer das Land verlässt, und dann deren Buden ausräumen.
Ist nur ein Beispiel.
Besonders demokratiefördernd ist es auch nicht, wenn in den Zeitungen das Einkommen bekannter und unbekannter Leute abgedruckt wird. Klar ist es sinnvoll, wenn man Einblick in die Behörden hat - mir wurde jedoch erst kürzlich genau das verweigert. Ist also ein Recht mit Ausnahmen. Der Fall ist jetzt gerichtsanhängig, aber das dauert solange, dass der Nutzen eines eventuellen Einblicks wohl viel zu spät kommen wird.

Wenn man dagegen irgend eine Eingabe oder andere Kommunikation mit Behörden hat, liest die Journaille das mit und man muss damit rechnen, dass du am nächsten Tag mit Bild (auch öffentlich zugänglich) in der Zeitung stehst. Viele wollen aus diesem Grunde nicht von ihren demokratischen Grundrechten Gebrauch machen.

ICH FINDS GANZ EINFACH SCHEISSE!

Ind den blöden Spruch "Wieso, ich hab doch nichts zu verbergen" find ich noch viel mehr Scheisse.

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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon janaquinn » 20. März 2007 10:27

Hej Tommy,
wenn dich soviel an Schweden stört und du alles sch*** findest, bescheidene Frage, warum lebst du dann noch dort?
Nix für unggut
JANA
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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon jörgT » 20. März 2007 10:51

Tut mir leid, Tommy, aber ich finde den Spruch gut und kann mit der Datenzugänglichkeit in Schweden gut leben.
Allerdings stimmt es, dass sich besonders in den letzten Jahren Neid und Missgunst (avundsjuka) breitmachen.
Die neue Regierung schürt das nach Kräften und nutzt es für ihre Veränderung des Staates (Stichwort Staatsbetriebe) weidlich aus ...
Trotzdem lebe ich gern hier - obwohl nicht alles Gold ist, was glänzt!
Jörg

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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon Skogstroll » 20. März 2007 11:22

Ich bin auch nicht immer überglücklich über das Mass an Transparenz. Aber das System hat eine lange Tradition und auch seine Vorteile. Ich bin nun aber freiwillig nach Schweden gegangen, und ich habe es vorher - zumindest in groben Zügen - gewusst. Also muss ich es auch akzeptieren. Ist mit das deutsche System lieber, bleibt mir die Freiheit, zurück nach Deutschland zu ziehen.

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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon Imrhien » 20. März 2007 12:19

...und wenn ich daran denke was in Deutschland alles mit meinen Daten gemacht wird OHNE dass ich je was davon erfahre....

Wieviele Menschen haben die tolle PayBackCard und überlesen beim "Vertragsabschluss" den Passus "Daten können an Dritte Parteien abgegeben werden". Nun, da wundert mich nicht mehr, dass man soviel Werbung bekommt die genau auf einen zugeschnitten ist und wenn man dann noch e-mail angibt ist man selber Schuld an der Spamflut die man damit heraufbeschwört.

Sicherlich gibt es sowas auch in Schweden. Aber ich weiss doch gerne was mit meinen Daten passiert. In Schweden weiss ich wenigstens, dass jeder alles wissen kann. Ob mich das manchmal auch stören wird? Keine AHnung, das muss ich erst rausfinden. Ich stelle es mir aber einfacher vor. Und dass man weiss was der Nachbar verdient, oder umgekehrt... das finde ich besser als in Deutschland dumm rumdrucksen zu müssen weil im Vertrag steht, dass man nicht drüber reden darf. Wie soll man als Berufsanfänger eine Gehaltsverhandlung führen wenn einem keiner der da arbeitet sagen darf/will was er bekommt?

Und, ja ich denke schon, dass ich den Spruch "ich hab nichts zu verbergen" auf mich anwenden kann. Seien wir mal ehrlich. Man kann (und es wird sicherlich getan) über jeden alles rausfinden. Also bilde ich mir nicht ein, dass das hier in Deutschland nicht möglich wäre. Wenn sich jamand (Behörden z.B.) ernsthaft für mich interessiert findet er schon raus was er braucht. Und was soll er dabei rausfinden? Was ich monatlich auf dem Konto habe? Wie gerne ich das Geld ausgebe das ich bekomme? Naja, das schadet mir nicht. Gefährlicher wird es und das gilt für alle Länder, wenn die Daten (z.B. der PayBack) genutzt werden. Dann könnte eine Krankenkasse in ein paar Jahren sagen: "wir versichern sie lieber nicht, sie kaufen zu oft ungesundes Zeugs ein"

Wer nicht glaubt, dass das möglich ist, der irrt. Auch wenn es wie Science Fiction klingt, technisch ist es möglich. Nur noch eine Frage der Zeit... Ob das in Schweden oder Deutschland besser oder schlimmer ist? Keine Ahnung.

Grüße
Wiebke

P.S.: Nichts was jemals im Internet erschienen ist, geht wirklich verloren. Auch wenn es nicht mehr über die Ursprungsseite aufrufbar ist. Auf irgendeinem Rechner wird es schon noch liegen...

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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon janaquinn » 20. März 2007 12:23

Hej Wiebke, danke besser hätte ich es nicht schreiben können!
LG JANA
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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon Imrhien » 20. März 2007 12:35

:oops:
Da werd ich ja ganz schamviolet :)

Danke. Aber ich wusste ja, dass wir uns in vielen Dingen nicht unähnlich sind. Wahrscheinlich mag ich Dich deshalb so sehr?

Kann es nicht mehr abwarten Dich endlich mal besuchen zu dürfen...
Naja, es wird auf alle Fälle noch in diesem Jahr werden :)

Liebe Grüße
Wiebke

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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon Skogstroll » 20. März 2007 13:07

Datenschutz ist ja gut und schön, nur was nützt er?
Klar, Deutschland hat ein schönes Datenschutzgesetz. Aber es reicht, arbeitslos zu werden, und man darf sofort Arzt und Bank von der Schweigepflicht befreien. Völlig freiwillig natürlich. Geld gibt's dann aber keins, falls man wirklich auf dem Schutz seiner Daten beharrt. Jede Versicherung darf auf der Aufhebung der Schweigepflicht des Arztes bestehen. Wozu hat man dann dieses System? Damit der Lehrer nicht vor der Klasse die Ergebnisse der letzten Klassenarbeit verkünden darf?
Da erscheint mir das schwedische System eigentlich konsequenter. Das PUL (personuppgiftslagen) garantiert einen Minimalschutz, mein Telefon kann ich für Werbeanrufe (leider sehr populär in Schweden) sperren lassen, und ansonsten haben wir die offene Gesellschaft. Und wie gesagt: Wenn ich damit nicht leben kann, dann steht es mir frei, ein Land mit einer anderen Datenschutzphilosophie zu wählen.

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ungebetene Telefonanrufe

Beitragvon Volker » 20. März 2007 17:05

Skogstroll hat geschrieben: Das PUL (personuppgiftslagen) garantiert einen Minimalschutz, mein Telefon kann ich für Werbeanrufe (leider sehr populär in Schweden) sperren lassen,
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Hallo,

sein Telefon gegen ungebetene Werbeanrufe unter http://www.nix.nu/ zu schützen, kann ich nur empfehlen. Es funktioniert. Wir haben seit 3 Monaten unsere Ruhe.

In Deutschland war das nicht so. Schließlich hatten wir im Schnitt 2 bis 3 Werbeanrufe pro Tag für allen lächerlichen Blödsinn.

Dann wurden wir über Wochen etwa alle 1 bis 2 Stunden angerufen. Als wir den Hörer abnahmen, hörten wir entweder nur Stille bis nach Minuten aufgelegt wurde oder es war schon aufgelegt. Das fällt schon unter die Sparte Telefon-Terror. Schließlich ordneten wir eine Fangschaltung an, was etwa 70 Euro kostete. Danach stellte sich heraus, dass alle Anrufe von mehreren Call-Centern der Werbebranche kamen. Offenbar haben ebenfalls genervte und frustrierte Telefonverkäufer auf diese Art und Weise versucht ihre Statistik zu fälschen. Geholfen hatte die Aktion nicht. Die Anrufe gingen weiter. Da wir aber schon kurz vor der Auswanderung standen, war es uns egal.

Diese Art sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen, kostet nur Geld, verbessert aber volkswirtschaftlich gesehen das Bruttosozialprodukt, was rein zahlenmäßig als Wohlstandsmehrung einer Nation angerechnet wird.

Zu diesem Zeitpunkt waren ungebetene Werbeanrufe in Deutschland schon verboten, aber gehalten hat sich daran kaum jemand. Schön, dass man in diesem Forum auch eine Art Vergangenheitsbewältigung betreiben kann. Offenbar hatten wir aber besonders viel Pech gehabt.

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Re: Der Umgang mit Daten in Schweden

Beitragvon janaquinn » 20. März 2007 17:28

Hej, für Deutsche Werbe-Anruf-Genervter kann ich die Robinson-Liste empfehlen:
http://www.erobinson.de/

Sollten es im übrigen Firmen sein, mit denen ihr noch nie etwas zutun hattet, darauf hinweisen, das sie sich gerade strafbar machen, Kaltaquise ist strafbar in Deutschland! Meist sind dies aber unseriöse Call-Center, die solche Anrufe starten. Die Seriösen Call-Center arbeiten meist/ausschließlich im Auftrag verschiedener Unternehmen.
Muss mal ne´Lanze für meine ehemaligen Kollegen brechen, habe in einem Call-Center einer grossen bayrischen Versicherung gearbeitet.

Aber aus meiner Zeit in diesem Call-Center weiss ich auch, daß Datenschutz in Deutschland nur auf dem Papier besteht.Frei nach dem Motto: Gib mir dein Geburtstdatum und ich erzähle dir dein Leben!
Näher gehe ich darauf nicht ein, musste eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben und noch bin ich dort angestellt.

LG JANA
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