Der stille Tod der ländlichen Idylle

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svenska-nyheter
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Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon svenska-nyheter » 16. April 2013 13:54

Schweden wird immer mehr zu einem zweigeteilten Land: Während die Großstadtregionen vor allem in Stockholm immer weiter wachsen, flieht die arbeitsfähige Bevölkerung aus den ländlichen Regionen. Das hat für viele Kleinstädte und Kommunen verheerende Folgen – sie gehen einem stillen Tod entgegen. Und es gibt wenig Hoffnung auf eine Trendwende.

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(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

Petergillarsverige
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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon Petergillarsverige » 16. April 2013 15:12

Liegt es an der Kinderzahl?
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Faxälva
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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon Faxälva » 16. April 2013 16:52

...wie Kinderzahl...versteh ich nicht... meine Arbeitskollegen hier auf dem Land haben ALLE mindestens 3 Kinder..... aber es liegt wohl an dem vermaldeiten Steuersystem, währe es hier wie in Norwegen, würde glesdbygden blühen! ....aber so gehen wir hier, wo all Strom produziert wird und der Wald abgeholzt wird, leer aus da Steuern da bezahlt wird, wo das Kontor ist....und zuruck kommen Almosen aus Stockholm....
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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon Speedy » 16. April 2013 17:38

Petergillarsverige hat geschrieben:Liegt es an der Kinderzahl?


...ganz sicher nicht, in S werden mehr Kinder gebohren als in D. Nein, die Arbeit findet man nur weiter suedlich. Frage ist ob das von der Regierung gewollt ist???

Fragt sich Speedy

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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon EuraGerhard » 17. April 2013 08:18

Speedy hat geschrieben:...ganz sicher nicht, in S werden mehr Kinder gebohren als in D.

Aber immer noch zu wenig, um gewissermaßen "aus eigener Kraft" die Bevölkerungszahl auch nur halten zu können. Das ist aber in ganz Europa nicht anders.

Problem dürfte aber speziell in Schweden doch hauptsächlich die Landflucht sein, zusammen mit der zunehmenden Überalterung speziell der Landbevölkerung: Gerade junge Leute ziehen gerne in die Städte, gründen dort Familien etc. Und die alten Menschen bleiben auf dem Land und sterben irgendwann weg.

Auch in wesentlich dichter besiedelten Ländern wie z.B. Deutschland oder sogar den Niederlanden, immerhin dem Land mit der (nach Malta) zweithöchsten Bevölkerungsdichte in der EU, gibt es inzwischen ernsthafte Überlegungen, ganze Dörfer aufzugeben.

Strukturelle Gründe für die Landflucht gibt es viele. Nicht zuletzt die Mechanisierung und Industrialisierung der Land- und Forstwirtschaft haben dazu geführt, dass auf dem Land zahlreiche Arbeitsplätze weggefallen sind.

Mein persönlicher Eindruck ist sogar, dass man in Schweden deutlich mehr tut als beispielsweise in Deutschland, um der Landflucht entgegen zu treten. So ist z.B. die Verfügbarkeit schneller Internetanschlüsse auf dem Land in Schweden deutlich besser gewährleistet.

MfG
Gerhard

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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon HeikeBlekinge » 18. April 2013 07:26

Mein persönlicher Eindruck ist sogar, dass man in Schweden deutlich mehr tut als beispielsweise in Deutschland, um der Landflucht entgegen zu treten. So ist z.B. die Verfügbarkeit schneller Internetanschlüsse auf dem Land in Schweden deutlich besser gewährleistet.


Klar, das ist auch unheimlich fortschrittlich. Bleibt ja nur diese Unannehmlichkeit mit den Kindern, die in die zig Kilometer entfernte Schule stundenlang fahren muessen, weil die ländlichen Schulen immer mehr abgeschafft werden...

lg
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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon EuraGerhard » 18. April 2013 07:34

HeikeBlekinge hat geschrieben:Bleibt ja nur diese Unannehmlichkeit mit den Kindern, die in die zig Kilometer entfernte Schule stundenlang fahren muessen, weil die ländlichen Schulen immer mehr abgeschafft werden...

Ist schon klar, auch Schweden ist keine heile Welt. Allerdings bin ich mir auch nicht sicher, ob die Landflucht überhaupt gestoppt werden kann. Selbst wenn der Staat wirklich alles tun würde, was er könnte.

MfG
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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon Petergillarsverige » 18. April 2013 09:28

Meine Großmutter ging in einem 200 Erwachsenen-Einwohnerkaff in eine Dorfschule. Für 100 Kinder hat es sich gelohnt die zu bauen. Alles eine Frage der Kinderzahl. :D Meine Urgroßmutter hatte allein 11 Kinder
Die Zeiten haben sich aber geändert. Der romantische Fußweg über 2 Stunden der Kinder von Bullerbü durch den im Winter dunklen Wald ist heute nicht mehr in, sowas ist heute unzumutbar.
Aber wir haben ja Autos.

Mal ernsthaft: Es ist traurig wie das Land ausblutet. Obwohl es heute viele Möglichkeiten gibt von zuhause aus zu arbeiten wird das viel zu wenig genutzt. Das wäre mindestens ein Baustein gegen den Trend. Wenn Sprit und Erdgas immer teurer werden, zieht es noch mehr Leute in die Stadt. In vielen Ländern sieht man wo das hinführt.
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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon unbekannt » 18. April 2013 09:54

Hallo zusammen,

die Landflucht findet meiner Ansicht nach nicht nur in Schweden statt. Im Schwarzwald gibt es Dörfer, deren Bevölkerung so langsam aussterben. In vielen Häusern, in denen vorher Familien mit 4 bis 5 Personen gelebt haben, lebt nur noch die alte Großmutter. Noch sieht alles bewohnt aus. Im mittleren Westen der USA gibt es auch viele Geisterstädte. Das Phänomen ist weltweit, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländer.

Früher war in Schweden was los auf dem Land. Auf dem Land gab es Forstwirtschaft und Landwirtschaft. Die Bewohner hatten nicht alle Autos. Man blieb dort wo man ist und es bestand Nachfrage nach Schulen, Geschäften, Häusern und weiterer Infrastruktur.

Ich wohne in einer 400-Einwohner-Siedlung. Vor einem Jahr verschwand die unbemannte Tankstelle. Sie wurde abgerissen. Der noch verbliebene Dorfladen lebt wahrscheinlich am Existenzminimum. Die Hauspreise sind noch stabil, aber ein Haus direkt am Ortseingang hat seit fast einem Jahr keinen Verkäufer gefunden.

Für mich ist der Grund klar. Die Privatwirtschaft investiert in Infrastruktur (Wohnungen, Geschäfte, Gastronomie, Freizeitangebot) nur dort, wo die Gewinne langfristig gesichert sind. Und das ist in den Ballungszentren der Fall. Dieser Effekt zieht noch mehr Menschen in die Ballsungszentren, bis die hohen Miet- und Immobilienpreise eine Schmerzgrenze erreichen. In den Ballungszentren sind auch die Arbeitsplätze.

Untersuchungen haben ergeben, das Menschen gerne in unmittelbarer Nähe von kleinen Städten von um die 50.000 Einwohnern leben, aber nicht auf einem "Kaff" im Nirgendwo. Es sind also kein überzeugten Großstädter, die in die Stadt ziehen. Der Grund sind die Arbeitsplätze.

Nur der Staat hat die Mittel etwas gegen die Landflucht zu unternehmen. Zum Beispiel in dem Straßen ausgebaut werden oder ein Stadtbahn die Randgebiete mit einem Mittelzentrum verbindet, ein Krankenhaus auf dem Land ausgebaut wird, Investionsanreize für Firmen gegeben werden und so weiter. Dies muss in ausreichender Zahl und konzentriert geschehen, damit es zu einer Initialzündung kommt. In der Praxis leider nicht so einfach durchzuführen, da jeder was vom großen Kuchen der staatlichen Anreize haben möchte. Wenn jemand meine Vorschläge irgendwie utopisch findet, muss ich ihm leider Recht geben. Vor allen geht das immer auf Kosten der Umwelt und der Natur.
Zuletzt geändert von unbekannt am 18. April 2013 09:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der stille Tod der ländlichen Idylle

Beitragvon Tulipa » 18. April 2013 09:58

Ein zusätzliches Problem haben die kleinen Dorfschulen bekommen, seit für alle "Lehrer" eine Lehrerausbildung mit Abschluss gefordert wird. Ob an kleinen Schulen besonders viele Selfmade-Lehrer unterrichteten weiss ich nicht, aber nun bekommen diese oft nicht den geforderten Prozentanteil anerkannter Lehrer zusammen. Dann beginnt der Teufelskreis: einige Fächer können nicht mehr angeboten werden, Eltern melden ihre Kinder an anderen Schulen an usw.

Ich bin da zwiespältig: natürlich finde ich kleine Bullerby-Schulen klasse. Aber das Niveau ist ja eh schon so niedrig, wenn dann noch fast keine Lehrer eine richtige Ausbildung haben - nee, danke.

LG
Tulipa
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