Der gläserne Bürger...noch mehr als gedacht..?

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nysn

Re: Der gläserne Bürger...noch mehr als gedacht..?

Beitragvon nysn » 29. Januar 2009 15:03

Also Gehälter, Anschriften usw. das alles gibt es im TAXERINGSKALENDER für das jeweilige Steuerjahr.

Das sind Bücher, die man ganz normal für jedes, Län, Stadt in fast jeder Buchhandlung kaufen kann. Darin enthalten sind alle Infos über Einkommen und Vermögen von Privatleuten sowie von Firmen.
Das ist ganz legal und jeder kann sich diese Daten besorgen.

Außerdem kann auch jeder einfach beim Skatteverket anrufen und sich informieren - auch ganz legal.

Über das Autokennzeichen kann man den jeweiligen Halter über SMS abrufen.

Dass die Lebensläufe (CVs) für alle einfach abrufbar sind, halte ich für "unwahrscheinlich". Möglicherweise werden diese Daten beim Arbeitsamt gespeichert, wenn man dort als arbeitssuchend registriert ist. Aber diese Daten können sicherlich nicht von jedem eingesehen werden. Gleiches gilt ja auch für die Daten, die bei Krankenhäusern/Vårdcentral usw. über einen geführt werden - die sind auch geschützt und nicht für jeden zugänglich.

Dass man in Schweden durch die Personennummer und die leichte Zusammenführung von Daten dann so ziemlich einfach zum "gläsernen Bürger" wird, damit muss man eben leben, wenn man sich entschließt, nach Schweden auszuwandern. Ob man/frau es gut oder schlecht findet - da scheiden sich die Geister. Die Schweden selbst scheinen es anscheindend gut zu finden, die stehen voll hinterm ihrem "Öffentlichkeitsprinzip" und würden es am liebsten gleich auf die gesamte EU übertragen - so nach dem Motto "This is how we do it in Sweden" - vorbildlich eben :D

S-nina

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Re: Der gläserne Bürger...noch mehr als gedacht..?

Beitragvon HeikeBlekinge » 29. Januar 2009 15:13

Dass die Lebensläufe (CVs) für alle einfach abrufbar sind, halte ich für "unwahrscheinlich". Möglicherweise werden diese Daten beim Arbeitsamt gespeichert, wenn man dort als arbeitssuchend registriert ist.


Genau das ist richtig.
Man kann sich zudem online persönlich einen solchen CV anlegen und verwalten!
www.lilla-koksgarden.se


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Re: Der gläserne Bürger...noch mehr als gedacht..?

Beitragvon blueII » 29. Januar 2009 19:14

Nun ob es stimmt oder nicht, ich werde nochmals genauer nachfragen wo und warum es hinterlegt ist und für wen zugänglich.

Verhört habe ich mich jedenfalls nicht. Er erzählte noch, dass man die Daten nicht löschen lassen kann.
Nach einem gewissen Zeitraum ist dies erst möglich.
So hatte man ihm angeboten seinen Geburtsort zu löschen (er ist in Frankreich geboren, hat aber eine schwedische Mutter), was er natürlich abgelehnt hat.

Das man sich von Chef zu Chef über einen potentiellen Arbeitnehmer unterhält ist nicht besonders abwägig sondern über all praktizierter Alltag. Empfinde ich auch keinenfalls als anrüchig, sondern legitim.

Heike

nysn

Re: Der gläserne Bürger...noch mehr als gedacht..?

Beitragvon nysn » 29. Januar 2009 20:16

Verhört habe ich mich jedenfalls nicht. Er erzählte noch, dass man die Daten nicht löschen lassen kann.
Nach einem gewissen Zeitraum ist dies erst möglich.
So hatte man ihm angeboten seinen Geburtsort zu löschen (er ist in Frankreich geboren, hat aber eine schwedische Mutter), was er natürlich abgelehnt hat.


Hej Heike,
wenn er das so gesagt hat, dann wird es auch stimmen - denke ich.

Es hört sich allerdings so an, als wäre dein Bekannter beim Arbeitsamt schon als arbeitssuchend registriert und hat dort alle seine Daten mit seinem Sachbearbeiter in die dortige Datenbank eingetragen. Diese dann im Nachhinein zu löschen/ändern, damit ist der Sachbearbeiter wohl nicht einverstanden und das können/dürfen die wohl auch nicht - sie würden ja dann das Risiko eingehen, unrichtige Angaben zu unterstützen (ausgelassene Daten sind ja streng genommen auch "unrichtig").

Für immer ist sein CV sicher nicht registriert - wenn nicht direkt, dann bestimmt nach einigen Monaten, wenn er nicht mehr arbeitslos wäre, würden diese wieder gelöscht werden.

Die breite Öffentlichkeit kann nun auch nicht seinen CV anschauen - das können nur Unternehmen, die über "arbetsförmedlingen" Leute suchen.

Find ich auch heftig, dass er solche Schwierigkeiten hat, einen Job zu finden. Aber ein bisschen typisch schwedisch ist es auch. Hört sich auch irgendwie merkwürdig an, wenn die bereit sind seinen Geburtsort wegzulassen. :roll:

Wahrscheinlich haben die Schweden auch damit ein Problem und wenn er vielleicht noch einen nicht-schwedischen Namen haben sollte - gar "Ali oder Yusuf" heißen sollte - dann passt er halt schon zweimal nicht in eine "schwedische Schublade".

Meiner Meinung nach ist Schweden sowieso ein Dorf - mit einer ausgesprochenen Dorfmentalität. Was der Schwede nicht kennt, das glaubt er nicht ...

Und wenn du Ausländer bist, dann musst du dich in Schweden immer irgendwie hinten anstellen - die Qualifikation zählt nur peripher - erst mal kommt die Nationalität und dann wie/ob du persönlich in die Gruppe dazu passt - ist man zu "exotisch", d. h. kann man möglicherweise sogar mehr als der Durschnitts-Schwede, dann ist das eben auch nicht unbedingt gut - nicht mehr "lagom".

Sagen tun man das nicht, das wäre politisch nicht korrekt - aber in der Praxis wird es so gehandhabt - leider.

S-nina


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