Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Hier diskutieren wir Nachrichten, News, Nyheter aus und über Schweden. Alles was neu & interessant ist! Von TT, DagensNyheter, Expressen u.a.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute/ak ... achrichten
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
svenska-nyheter
-bot-
Beiträge: 16218
Registriert: 9. Juli 1998 17:00

Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon svenska-nyheter » 15. Oktober 2007 10:20

Wie weit soll der religiöse Einfluss bei schwedischen Schulkindern gehen dürfen? Vor allem immer mehr Eltern mit Migrantenhintergrund schicken ihre Kinder in so genannte religiöse Freischulen – immer weniger dagegen in kommunale Schulen, wo Religionsunterricht nur noch in sehr allgemeiner Form vorkommt. Jetzt zeigt jedoch eine staatliche Studie, dass die religiösen Schulen genauso gut oder schlecht abschneiden wie solche ohne religiöse Ausrichtung. Dennoch erwägt die Regierung, die Kinder in Zukunft besser vor religiöser Indoktrination zu schützen.

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

Benutzeravatar
Laubfrosch/Lövgroda
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 134
Registriert: 19. April 2007 08:45
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Laubfrosch/Lövgroda » 15. Oktober 2007 12:38

Sorry, aber wenn immer mehr Eltern ihre Kinder freiwillig in religiöse Schulen schicken, wovor will der Staat dann eigentlich "schützen"?

Wer schützt z.B. Christen eigentlich vor der langsam wiederkehrenden staatlichen Säkullarisation im Kleinen? (Dient in seiner deutlichkeit mehr der Veranschaulichung)
Hejdå

Lövgroda och hans kusk Stefan från Dorsten i Tyskland

Benutzeravatar
Skogstroll
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1383
Registriert: 30. August 2006 11:42

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Skogstroll » 15. Oktober 2007 14:21

Diese Debatte ist sehr, sehr schwedisch und reinste political correctness, insofern also nicht allzu ernst zu nehmen.
Interessant ist aber der Aussage, dass die privaten Schulen genauso gut oder schlecht sind wie die staatlichen.

Skogstroll

Benutzeravatar
Laubfrosch/Lövgroda
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 134
Registriert: 19. April 2007 08:45
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Laubfrosch/Lövgroda » 15. Oktober 2007 14:44

Skogstroll hat geschrieben:Diese Debatte ist sehr, sehr schwedisch und reinste political correctness, insofern also nicht allzu ernst zu nehmen.


Das würde ich so nicht sehen, aus folgendem Grund:

Ich habe im Juni d.J. eine Schülergruppe nach Leeds (GB) zu einem internationalen Schülertreffen begleitet. Dort waren Schüler aus 8 Ländern weltweit eingeladen und angereist (u.A. auch ein Stockholmer Gymnasium) Während die Schüler hier mit vielen Aktivitäten versorgt wurden, trafen die Erwachsenen Lehrer und Begleiter sich regelmäßig in der Bar um sich Ihrerseits zu unterhalten und auszutauschen (Leider hielten die US-Amerikanischen Lehrerinnen und ihr Begleiter keinerlei Kontaktaufnahme für notwendig sondern beschränkten diese auf herablassende Komentare hinsichtlich des Standards der Südafrikanischen Schulkinder und in der Duldung der Zerstörung zweier Snookertücher durch ihre Horden, aber das nur am Rande) Die anderen Erwachsenen trafen sich jedenfalls regelmäßig um sich zu unterhalten.

Eines Abends kam dann auch das Thema Schule und Religion zur Sprache. Und da zeigten sich schon einige deutliche Tendenzen in diese Richtung, ganz so als wenn man einen zunehmenden Einfluss der Religion auf die Kinder als eigenen Machtverlust fürchtete. Insbesondere die französische Lehrerin hielt hier (wie eigentlich die ganze Zeit) flammende Reden und bezeichnete sich selbst als "stolz einer religionsfreien Schule anzugehören". Bezeichnender Weise kamen die emotionslosesten und vernünftigsten Äusserungen u.A. von den türkischen Lehrern (aus Adana welches tief im asiatischen Teil unweit der syrischen Grenze liegt), für die die Trennung von Staat und Religion zwar etwas völlig natürliches war aber kein Grund die Religion als solches aus den Schulen, oder dem Leben der Kinder zu verda.... Auch die beiden schwedischen Lehrerinnen hielten sich bei diesem Thema eher neutral, von den unseren ganz zu schweigen, die sowieso in erster Linie einen angenehmen Abend ohne Problemdisskussionen suchten, und das war auch richtig so finde ich,

U.A. wegen diesem Erlebniss würde ich diese Frage nicht unbedingt als rein schwedisches Problem achtlos wegwerfen, sondern prinzipiell mit Aufmerksamkein verfolgen.

Skogstroll hat geschrieben:Interessant ist aber der Aussage, dass die privaten Schulen genauso gut oder schlecht sind wie die staatlichen.

Skogstroll


Das verwundert mich nicht weiter, vielmehr verwundert es mich, dass dieses so offen nach außen deklariert wird, ganz im Gegensatz zu anderen Privatinternaten, wo reiche Eltern ihren lernunwilligen Sprösslingen Abschlüsse kaufen. Ich finde so eine Transparenz sehr ermutigend.
Hejdå

Lövgroda och hans kusk Stefan från Dorsten i Tyskland

Benutzeravatar
Skogstroll
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1383
Registriert: 30. August 2006 11:42

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Skogstroll » 15. Oktober 2007 15:36

européen hat geschrieben:Das verwundert mich nicht weiter, vielmehr verwundert es mich, dass dieses so offen nach außen deklariert wird, ganz im Gegensatz zu anderen Privatinternaten, wo reiche Eltern ihren lernunwilligen Sprösslingen Abschlüsse kaufen. Ich finde so eine Transparenz sehr ermutigend.


Das wundert nun wieder mich nicht, denn die Untersuchung wurde vom skolverket durchgeführt und ist keine kritische Selbsteinschätzung der betroffenen Schulen.
Was das Thema Religion in der Schule betrifft, so scheitert eigentlich jede Religion in der Schule schon an der offiziellen Sichtweise zum Thema Diskriminierung. Die reine Erwähnung einer Religion ist danach schon Diskriminierung der anderen. Und Diskriminierung ist hier ein unglaublich heisses Eisen.
Ein Beispiel: Wenn meine Tochter Geburtstag hat, dann möchte sie Kindergeburtstag feiern. Dazu muss immer die ganze Klasse (die ist gottseidank nicht so gross) eingeladen werden, einschliesslich aller, die sie eigentlich nicht leiden kann und einschliesslich aller Jungs, die sich ohnehin fehl am Platz fühlen (man kann nur auf deren Absagen hoffen). Trotzdem darf sie die Einladungen nicht in der Schule - auch nicht auf dem Hof - verteilen, damit sich nicht jemand, der keine bekommt (und auch keine haben will) diskriminiert fühlt. Also fahren die Eltern am Abend oder am Wochenende durchs Dorf und klappern alle Klassenkameraden ab.
Letztenlich weiss natürlich jeder, wer bei welchem Geburtstag eingeladen war, aber das ist egal.
Die Idee, jeder Diskriminierung im Ansatz zu begegnen, ist sicher gut gemeint, aber wie so oft ist das Gegenteil von "gut" eben "gut gemeint". Man schiesst furchtbar übers Ziel hinaus, aber vieles renkt sich in der täglichen Praxis auch wieder ein.

Skogstroll

Benutzeravatar
Laubfrosch/Lövgroda
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 134
Registriert: 19. April 2007 08:45
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Laubfrosch/Lövgroda » 15. Oktober 2007 15:51

Skogstroll hat geschrieben:Ein Beispiel: Wenn meine Tochter Geburtstag hat, dann möchte sie Kindergeburtstag feiern. Dazu muss immer die ganze Klasse (die ist gottseidank nicht so gross) eingeladen werden, einschliesslich aller, die sie eigentlich nicht leiden kann und einschliesslich aller Jungs, die sich ohnehin fehl am Platz fühlen (man kann nur auf deren Absagen hoffen). Trotzdem darf sie die Einladungen nicht in der Schule - auch nicht auf dem Hof - verteilen, damit sich nicht jemand, der keine bekommt (und auch keine haben will) diskriminiert fühlt. Also fahren die Eltern am Abend oder am Wochenende durchs Dorf und klappern alle Klassenkameraden ab.
Letztenlich weiss natürlich jeder, wer bei welchem Geburtstag eingeladen war, aber das ist egal.


Nicht böse gemeint, aber ein bisschen krank ist das schon, oder ?

Was hat es denn bitte mit Diskriminierung zu tun, wenn ich eine Pappnase die gar nicht kommen will auch nicht einlade ?

Ich glaube wirklich ein tolleranter Mensch zu sein, aber doch bitte schön mit Sinn und Verstand
Hejdå

Lövgroda och hans kusk Stefan från Dorsten i Tyskland

glada

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon glada » 15. Oktober 2007 17:26

Diese Regel mit den Geburtstagseinladungen herrscht auch an unserer Schule. Werden alle Kinder eingeladen, darf man die Karten in der Schule verteilen, ansonsten ruft man an, schickt die Einladungen per Post oder steckt sie direkt in die Briefkästen. Aber ist das wirklich so schlecht? Heute hatte in unserer Schule ein Junge Geburtstag, ist sind alle Klassenkameraden bis auf drei eingeladen worden. Man kann sich vorstellen, wie die sich gefühlt haben. Man muss dabei bedenken, dass es eine sehr kleine Schule ist. Man kann da nicht mit deutschen Maßstäben rechnen. Da wäre es in der Tat unsinnig, die ganze Klasse einzuladen, wenn es 28 Schüler sind. Die Klassen auf dem Lande sind doch sehr viel kleiner. Mein Sohn geht in eine Klasse mit den Vorschülern, den Erst- und Zweitklässlern. Trotzdem sind es nur 19 Schüler mit zwei Lehrerinnen (wovon die eine es für absolut unhaltbaren Zustand hält, so viele Schüler zu haben). Also Skogstroll: wenn ihr die Pappnasen nicht auf der Geburtstagsparty haben wollt, nutzt einfach die oben genannten Möglichkeiten... :wink:

Was mir noch zu den Geburtstagen einfällt: Die meisten sind doch oftmals recht langweilig, weil sich die Abläufe oftmals wiederholen. Wenn man sich mal was Neues einfallen lässt, kann man bei den Kindern im Dorf schnell Punkte sammeln. Kurios finde ich immer wieder, dass eine genauer Zeitplan eingehalten werden muss. Auf den Einladungen steht oft, dass es um 15.00 anfängt und um 17.00 Uhr zu Ende ist.

Oliver

Benutzeravatar
Skogstroll
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1383
Registriert: 30. August 2006 11:42

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Skogstroll » 15. Oktober 2007 18:35

Wer von wem zu welchem Kindergeburtstag eingeladen wird ist doch eigentlich nur ein Spiegel der ohnehin in der Klasse herrschenden Vorlieben und Verhältnisse. Warum soll man das übertünchen? Es kann nunmal nicht jeder mit jedem, und das lässt sich auch nicht herbeireden.
Die Schule hier ist übrigens noch eine Nummer kleiner, es sind gerade mal 12 Kinder, und da sind schon erste und zweite Klasse zusammen. Dazu kommen dann aber noch die echten Freundinnen, die vielleicht schon in der Dritten sind, so dass schnell mal 16-18 Kinder zusammenkommen. Da ist der strenge Zeitplan ein Segen!
Hier im Dorf fangen allerdings die ersten Eltern an, gegen die strengen Einladeregeln zu revoltieren. Was ich gut finde. Warum soll man schon sieben- oder achtjährige seltsamen "gesellschftlichen" Zwängen unterwerfen?

Skogstroll

Benutzeravatar
Laubfrosch/Lövgroda
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Beiträge: 134
Registriert: 19. April 2007 08:45
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Laubfrosch/Lövgroda » 16. Oktober 2007 09:43

Also auch ich finde diese strenge Norm für etwas übertrieben und nicht mehr ganz zeitgemäß. Das bei nur 3 Nichteingeladenen man als Elternteil von sich aus versucht das Ganze etwas sensibler zu handhaben, versteht sich in meinen Augen von selber.

Und zu dem Thema: Stönende Lehrer über ach so große Klassen, sind da die Sichtweisen wirklich sehr unterschiedlich.

Bei o.g. Treffen in Leeds kam auch dieses Thema zur Sprache und die Auskünfte variierten von 15-18 Schüler (F/E) über bei uns normale Größen bis hin zu 45-50 Schüler pro Klasse :shock: (Südafrika).

Die entsprechenden Gesichter der jeweils anderen Lehrer könnt Ihr Euch vorstellen.

Irgendwie sahen die französischen und spanischen Kollegen auch etwas entspannter aus. :D
Hejdå

Lövgroda och hans kusk Stefan från Dorsten i Tyskland

Manty

Re: Debatte um Schulen mit religiöser Ausrichtung

Beitragvon Manty » 16. Oktober 2007 10:01

"Wer von wem zu welchem Kindergeburtstag eingeladen wird ist doch eigentlich nur ein Spiegel der ohnehin in der Klasse herrschenden Vorlieben und Verhältnisse. Warum soll man das übertünchen? Es kann nunmal nicht jeder mit jedem, und das lässt sich auch nicht herbeireden."

Das ist wohl wahr und so ist es doch auch im späteren Leben, wenn man z. B. arbeiten geht. Man kann mit dem einem Kollegen halt besser als mit dem anderen. Ich verstehe immer dieses Friede, Freude, Eierkuchen Getue nicht.
Wie ist das eigentlich in den dagis? Wird dort auch schon so ein Zirkus veranstaltet?


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Neuigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste