Schwedens nette Lastwagenfahrer

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unbekannt

Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon unbekannt » 2. September 2014 22:19

Hallo zusammen,

dieser Tage bin ich auf einer wenig befahrenen Landstraße gefahren. Fahren ist eigentlich das falsche Wort. Es ist mehr ein Gleiten über diese endlosen, sanft geschwungenen Landstraßen. Irgendwann war ich dann in einer Schlange, die sich hinter einem LKW gebildet hatte, wobei "Schlange" die Situation nicht ganz richtig trifft. Die Schlange bestand aus drei Autos, was in manchen Regionen Schwedens schon einem ungewöhnlich hohen Verkehrsaufkommen entspricht. So fuhren wir also mit 80 bis 90 hinter diesem LKW her, bis etwas passierte, was in Schweden gar nicht so ungewöhnlich ist. Auf einmal fährt der LKW rechts ran auf eine Bushaltestelle, lässt die aus drei Autos bestehende Schlange vorbei und fährt dann gleich wieder weiter. Ist doch nett, oder? Der LKW war übrigens von DHL. Also, wenn das so ist, dann warte ich auf mein Paket gerne einen Tag länger. Übrigens fahre ich (und viele andere auch) rechts ran, wenn ich meine, dass der Wagen hinter mir es eiliger hat.

Warum soll ich mich beim Autofahren abhetzen? Schneller komme ich dadurch auch nicht ans Ziel. Was bei riskanten Überholmanövern so alles passieren kann, ist nachfolgend zu sehen und zur Nachahmung nicht zu empfehlen:





Schade, dass diese klassische Filmsequenz aus Bullitt http://de.wikipedia.org/wiki/Bullitt nicht mehr vollständig in Youtube vorhanden ist und zu allem Überdruss in zwei Teilen vorliegt. Der Eingangsteil, der die Spannung langsam ansteigen lässt, fehlt leider.

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon knut245 » 3. September 2014 09:16

Ein sehr lobenswertes Verhalten, das man sich viel öfter wünscht. Vor allem von sturen Bauern auf dem Traktor und bummeligen Wohnwagenfahrern...
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon HeikeBlekinge » 3. September 2014 11:54

Aso ich erlebe das ständig.
Ist hier eine völlige Selbstverständlichkeit und haben wir selbst auch schon gemacht.
Und auch Bauern und Wohnwagenfahrer fahren rechts ran!
www.lilla-koksgarden.se


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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon Sams83 » 3. September 2014 18:55

Mache ich in D auch, insb. in unbekannten Gegenden bei Überlandfahrten, aber auch schon mal im bekannten Umfeld. Ist nämlich ganz schön nervig und anstrengend, einen Drängler hinter sich zu haben....

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon unbekannt » 3. September 2014 19:20

Ja, das mag ich auch nicht, wenn einer hinter mir herfährt. Am liebsten möchte ich die Straße für mich alleine haben.

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon jörgT » 4. September 2014 07:29

@Heike:
Bei uns in Dalarna und auch auf unserer diesjährigen Tour in Jämtland nimmt diese Freundlichkeit immer mehr ab. Was vor drei bis fünf Jahren noch selbstverständlich war, ist heute die Ausnahme!
Ich kann nicht sagen, ob das eine Tendenz im ganzen Land ist, aber es war schon auffällig ...
Jörg

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon danielsson » 4. September 2014 22:16

Hallo zusammen,

das Erlebnis ist wirklich klasse und eine nette Geste.
Aber an dieser Stelle muss ich jetzt eine Lanze für die deutschen Autofahrer brechen. Hier unten in Göteborg (gehe davon aus, dass das Erlebte weiter nördlich war wegen dem geringen Verkehrsaufkommen) fahren die Leute wie die bekloppten. Zwar irgendwo zwischen 70 und 110, aber dafür rchts, links, oben, unten. Der Berufsverkehr um Göteborg herum fließt, eigentlich, aber der schwedische Autofahrer zieht halt gerne mal nach ganz links raus mit 70, oder meint von ganz rechts nach ganz links und wieder nach ganz rechts zu müssen. Auf der Autobahn. Und nett ist da niemand mehr, eher rüpelhaft und undiszipliniert. Im Grunde also wie in D. Leider.

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon Skogstroll » 5. September 2014 08:10

Ich fahre nun seit über zehn Jahren jeden Tag 30km zur Arbeit und wieder zurück, und das in einer Region mit gut einem Einwohner pro Quadratkilometer. Der überwiegende Teil der Strecke ist für 100 km/h freigegeben, der überwiegende Teil der Fahrer liegt irgendwo zwischen 110 und 150, manche noch darüber. Fast jeden Tag erlebe ich Überholmanöver, die meinen Adrenalinspiegel in die Höhe treiben. Der schwedische Autofahrer fährt nach dem Prinzip "Sehe ich keinen Gegenverkehr, dann gibt es auch keinen" und überholt bevorzugt vor nicht einsehbaren Kurven oder Hügeln. Dabei ist es egal, ob Schnee liegt oder nicht, und der Winterdienst ist oft unter jeder Kritik. Immer mal passiert ein Unfall, bisweilen mit tödlichem Ausgang, aber das schreckt niemanden ab. Regelmässig werde ich von Fahrzeugen mit Anhänger überholt, obwohl die mit höchstens 80 Sachen unterwegs sein dürften. Erst vorgestern lag ein Auto mit abgeschnittenem Dach im Graben. Letzte Woche durfte ich beobachten, wie ein überholender LKW den (an dieser Stelle gut sichtbaren) Gegenverkehr zu einer Vollbremsung bis fast zum Stand gezwungen hat.
Vorfahrtsregeln gelten als unverbindliche Empfehlung. Wenn man glaubt, dass der Verkehr auf der Hauptstrasse die Bremsung noch schafft, dann wird losgefahren. Mir ist so einer mal in die Heckklappe gefahren, weil ich doch tatsächlich am Vorfahrtsschild gewartet habe und er das für unnötig hielt.
Nein, bitte erzählt mir nichts von den so furchtbar netten schwedischen Autofahrern.

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Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon knut245 » 5. September 2014 10:15

Lustig das zu lesen. Ich fahre unter anderem deswegen auch in Schweden so gerne Auto, weil es da so entspannt zugeht... Dass man mich überholt, wenn ich mit Tempomat exakt auf der erlaubten Geschwindigkeit über die Landstraßen juckele, dafür habe ich Verständnis. Schließlich habe ich Urlaub und die haben Alltag.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

unbekannt

Re: Schwedens nette Lastwagenfahrer

Beitragvon unbekannt » 5. September 2014 11:00

Meine Gegend hat 22 Einwohner / Quadratkilometer, was etwa dem schwedischen Durchschnitt entspricht. Auf den Straßen geht es überwiegend gesittet zu. Seltene Ausnahmen gibt es natürlich immer. Nicht alle Menschen sind ausgeglichen oder ganz bei der Sache.

Ganz anders mein diesjähriges Erlebnis auf der Rheintalautobahn zwischen Heidelberg und Baden-Baden. Das sind gerade mal 90 km, für die wir zwei Stunden gebraucht haben. Dabei entschloss ich mich auf der mittleren Spur der dreispurigen Autobahn im Verkehr mitzuschwimmen. In der Praxis heißt das mit 160 km/h in den nächsten Stau zu fahren, wobei man natürlich mit 170 km/h auf der linken Spur von einigen immer noch als Verkehrshindernis angesehen wird. Diese Fahrkultur ist vollkommen irrational, kostet viel Geld und ist gefährlich. Ein Zeitvorteil gibt es überhaupt nicht. Auf der kurzen Strecke gab es einen Stau wegen eines Verkehrsunfalls, einen weiteren wegen eines Platzregens und einen dritten wegen dichten Verkehrsaufkommens. Es war ein ganz normaler Wochentag gegen 14:00. Hätte man einfach Tempo 100 eingeführt, würde ohne Zeitverlust alles flüssiger und stressfreier laufen. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war trotz überwiegend fehlender Geschwindigkeistbegrenzungen auf der Autobahn ja nur 45 km/h.

Ein Hauptproblem bei diesen Szenarien ist die irrige Einstellung man könne den anderen genau vorschreiben, wie man sich zu verhalten hat. Jeder andere Verkehrsteilnehmer wird als Hindernis verstanden. Kleine Fahrfehler der anderen werden aufgebauscht und die eigenen werden ausgeblendet. So machen sich die Menschen unnötigen Stress. OK, der Verkehr im Großraum Stockholm ist auch ganz schön fordernd, aber kein Vergleich zu manchen deutschen Autobahnen.


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