Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

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Benno

Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Benno » 23. April 2009 15:40

Nachdem ich mich durch 15 Seiten "Körpersprache" durchgearbeitet habe, mal eine andere Frage, aber ähnliches Thema.
Findet ihr, daß Schweden in Büchern oder Filmen realitisch dargestellt wird? Ich lese z.B. viele Krimis wie die von Arne Dahl oder Leif GW Persson. Vor allem in Perssons sind Schwedens Polizisten oft brutal, ausländer-, frauen- und schwulenfeindlich, versoffen, fluchen dauernd usw. Ich finde es unterhaltsam zu lesen (im Moment noch auf Deutsch) und kann mir die Figuren sehr gut vorstellen. Aber ist diese Darstellung typisch schwedisch?
Genauso die entsprechenden Filme. Bei Wallander oder Beck wird teils so viel geballert und ziemlich detailliertes Grauen gezeigt, daß die Filme meist erst ab 16 sind. Der "Tatort" darf 20 Uhr laufen, diese Filme erst nach den Nachrichten. Daß sie düsterer sind in einem Land wo ein halbes Jahr Nacht ist (ok, übertrieben) sehe ich ein, aber sind Schweden vielleicht grade wegen ihrer angeblichen "Gleichheit" insgeheim scharf auf brutales? Daß Schweden nicht "Inga Lindström" ist, kann sich wahrscheinlich jeder denken, aber wie siehts mit dem Gegenteil der heile Welt Filme aus?
Was meint ihr dazu? Wird Schweden von seinen eigenen Autoren udn Filmemachern richtig dargestellt?

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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Imrhien » 23. April 2009 18:17

Hm, interessante Frage.
Mir sind bisher zum Glück auch solche Schweden noch nicht untergekommen, oder sie haben sich nicht gezeigt... Mit Polizisten hatte ich bisher wenig zu tun, und die waren nett. Aber gab es da nicht vor ein paar Wochen gerade im Radio die Meldung, dass mindestens ein Polizist wegen brutalem Verhalten gegenüber Ausländern angeklagt wurde? Habs nur nebenbei gehört und nicht mehr nachverfolgt... wollte ich eigentlich... Mist, ist mir entgangen.
Aber zur Frage zurück: Ich hoffe, dass auch dieses Bild nicht stimmt und mindestens genauso wenn nicht mehr übertrieben ist. Es macht mir sonst Angst hier zu leben...
Im Alltag fühle ich mich aber sehr sicher und gar nicht bedroht. Weder von verrückten blutwilden Schweden, noch von den Polizisten. Hier im Ort sollen 2 Motorradclubs sein und einer davon hatte auch schon Ärger mit der Polizei. Als wir herkamen, stand wochenlang die Polizei um die Ecke und hat Autos überprüft. Da war mir schon mulmig. Gesehen habe ich aber bisher noch niemanden der komisch gewesen wäre. Man sieht hin und wiede rmal ein Motorrad, aber nicht mehr als anderswo auch. Stören tun sie nicht. Die Jugendlichen machen auf ihren Mopeds und so mehr Krach.
Bisher kann ich es also nicht bestätigen.

Grüße
Wiebke

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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Drottning » 23. April 2009 18:25

Ich würde sagen, das liegt im Auge des Betrachters.

Mal als Beispiel Henning Mankell: Seine Bücher sind eher dunkel, neblig, diesig, das Wetter ist schlecht etc. etc. Er sieht das so. Wenn man seine Biografie gelesen hat, versteht man es. Trotzdem wird ein anderer Schweden nicht so negativ sehen. Interessant ist schon, dass viele schwedische Autoren eher düster schreiben... und ich vermute mal: Sie schreiben im Winter - und da IST es in Schweden vielerorts so. Im Sommer haben sie keine Zeit, da müssen sie raus und die Sonne und das Leben genießen, denn der Sommer ist kurz. Wer würde sich da hinsetzen und schreiben? Ich denke mal, die wenigsten. So erkläre ich mir das Düstere in vielen Schwedenkrimis.

Würde ich, als typischer Sommertourist ein Buch schreiben, das in Schweden spielt, wäre es hell und sonnig, selbst bei Regen! (Wobei ich auch mal im Januar dort war - und so ein bisschen nachvollziehen kann, woher das Düstere kommt.) Für MICH ist Schweden hell - dem kann selbst ein verregneter Sommer (und ich hatte da einige!!) nichts anhaben.
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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Imrhien » 23. April 2009 20:11

Das ist die Erklärung! Dass ich darauf nicht selber gekommen bin?
Klar, muss das so sein. Welcher Schwede der noch recht bei Verstand ist, und nicht mit Fussketten daran gebunden ist, würde im Sommer mehr als nötig arbeiten??? Also auch kein Autor. Die schreiben vermutlich wirklich im Winter. Da erklärt sich das von selbst, dass es so düster ist. Man hat ja selbst schon depressive Gedanken bei dem dunklen, grauen und schmutzigen Wetter hier. Obwohl es dieses Jahr ja sogar einen richtig schönen Winter gab.

Grüße
Wiebke

nysn

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon nysn » 23. April 2009 20:23

... Schweden ist genauso wie die Krimiautoren es beschreiben ... düster, grau, schwermütig ...
würde ich jetzt zwar "gerne" mal so "loslassen" ... :wink:

... IST es aber IN DER TAT UND IN WIRKLICHKEIT NICHT!!Jedenfalls kann ich mich auch nicht in den Beschreibungen von z. B. Mankell wiederfinden. Keine Ahnung, warum der Mann immer alles düster schreibt und sein Wallander irgendwie ständig deprimiert ist.

Schwedische Polizisten kenne ich persönlich jetzt nur aus dem Zusammenhang mit Geschwindigkeitskontrollen - oder einmal mussten wir eine Anzeige erstatten, weil unser Auto vandalisiert wurde, ein anderes Mal, weil uns funkelnagelneue Winterreifen aus der Garage entwendet wurden ... in allen Fällen waren sie immer sehr nett und freundlich.

Im Gegensatz zum Wallander, den ich mir mehr wie den Rolf Lassgård vorstelle, finde ich sogar, dass die meisten - jedenfalls die jüngeren - schwedischen Polizisten in Wirklichkeit oft extrem gut aussehen. Ich weiß nicht woran das liegt, evtl. auch mit an den Uniformen - oder die haben ein anderes Auswahlverfahren - männliche sowie weibliche Polizeibeamte/innen sehen in Schweden oft außergewöhnlich gut aus (fast schon modelmäßig) - irgendwie sexy, finde ich. Und diesen - für mich schönen - Menschen unterstelle ich jetzt nicht per se solche Eigenschaften wie brutal, ausländer-, frauen- und schwulenfeindlich, versoffen, dauernd fluchend usw.

Das dürfte wohl eine schwedische Übertreibung ins andere Extrem sein.

Der Herr Mankell wohnt übrigens, wenn er sich nicht gerade im Mosambique aufhält, in unserer Nachbarortschaft. In einem schönen Haus, hoch oben auf einem Berg mit einer phantastischen Aussicht über das Meer ... also von dieser Gegend kann er nicht inspiriert worden sein.
Denn dort ist es auch im Winter von den Häusern/der Umgebung her und auch landschaftlich oft sehr, sehr schön. Diese Aufnahmen entstanden dort z. B. am 31. Dezember 2005 (das fotografierte Haus ist aber nicht das von Mankell):
Dateianhänge
Traumhaus_Särö.JPG
Särö_Dez_2005.JPG

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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Imrhien » 23. April 2009 20:31

Ohh wie schön es da aussieht. Seufz. Schweden ist halt schon schön, gelle?

Aber liebe liebe S-Nina, hast Du da nicht ein wenig zuviel von Dir erzählt? Uniformen? Sexy Polizisten? :) :) :)

Wobei, ich glaube, Du könntest recht haben. Mir sind bisher auch nur überdurchschnittlich gutaussehende über den Weg gelaufen. Und wer weiss, vielleicht gibt es da wirklich so ein Auswahlverfahren? Polizisten müssen dem typischen Schwedenbild entsprechen, damit man schon von vorne herein ein positives Bild von der Pollizei hat. Hat ja, wie man bei Dir sieht, funktioniert :)

Ein anderer Gedanke wieso sie so sexy (Deine Worte) sind, könnte sein, dass die ziemlich viel Sport in ihrer Ausbildung machen müssen. Hab mich mal ne lange Zugfahrt über mit deutschen Polizeianwärtern unterhalten und die haben mir ihren Stundenplan gezeigt. Das war seeeehr sportlich und recht viel Allgemeinbildung.

Grüße
Wiebke

nysn

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon nysn » 23. April 2009 20:47

Aber liebe liebe S-Nina, hast Du da nicht ein wenig zuviel von Dir erzählt? Uniformen? Sexy Polizisten?

... Ups, wirklich?
Vor meiner Schweden-Zeit fand ich eigentlich immer, dass sich die schönsten Männer der Welt wohl bei der Schweizer Garde im Vatikan aufhalten müssen ... oder auch bei der italienischen Polizei (deren Uniformen waren in den 80ern mal Armani-Design) - das ist aber schon lange her ... inzwischen finde ich tatsächlich die schwedischen Polizisten attraktiv ... ein bisschen lustig - oder es ist auch nur Zufall: meist tauchen die ja zu zweit auf - dann ist oft ein langer und ein kleinerer dabei - ein bisschen wie Astrid Lindgrens Kling und Klang ... - aber diese Beobachtung meinerseits ist nun wirklich ganz ganz subjektiv ... :D

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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Drottning » 23. April 2009 20:49

S-nina hat geschrieben: Keine Ahnung, warum der Mann immer alles düster schreibt und sein Wallander irgendwie ständig deprimiert ist.

Das habe ich versucht anzudeuten, indem ich auf die Biografie verwies. Mankell ist - wie Wallander - depressiv. In seinen Augen ist Schweden die meiste Zeit düster und verregnet und ziemlich neblig. Er nimmt das so wahr - auch wenn es so nicht ist.

Ich nehme als Gegenbeispiel Astrid Lindgren. Auch wenn sie vielleicht als Kinderbuchautorin nicht direkt zum Vergleich geeignet ist. Aber da kommt mir ganz viel gesammelte Lebensfreude, Sommer, bewahrte Kindheit etc. entgegen. Sie hat im Sommer "Farben für den Winter" gesammelt, wie es einmal ein Liedermacher ausdrückte. Diese Gabe ist nicht jedem gegeben.

Ich kann Mankells Sichtweise ganz gut nachvollziehen. Wenn wir hier nur einen Tag Novemberwetter haben - was durchaus auch im April vorkommen kann! -, fällt es mir schwer, die Erinnerung an den Sommer wachzuhalten. Am leichtesten gelingt mir das interessanterweise, wenn ich an den schwedischen Sommer denke, der, wie gesagt, auch verregnet sein kann. Trotzdem ist er - für mich! - hell und freundlich. Ich sehe dies aber als Außenstehende. Ich habe insgesamt mehr Sommer als der "gemeine Schwede". Schweden ist da das I-Tüpfelchen eines doch relativ langen Sommers.

Ich bewundere Leute wie Astrid Lindgren, die es sich bewahren können, dass es die schönen Zeiten gibt. Die sie so intensiv erleben können, dass ihnen der November "nichts anhaben" kann. Das ist ein bisschen "Übungssache", aber zu einem Großteil auch Veranlagung.

Deshalb nehme ich H. Mankell das düstre Schweden (seine Sicht!) genauso ab, wie A. Lindgren den "ewigen Sommer", in dem nur gespielt und gefeiert wird. Die Wahrheit liegt dazwischen.

Sollte ich jemals einen Roman über meinen Wohnort schreiben, wäre der mit Sicherheit grau. Grau wie die Häuser hier, grau, wie das Wetter, das wir gar nicht immer haben. Aber es ist mein Empfinden. Sollte ich einen Roman über Schweden schreiben, wäre der bunt und hell und leicht. Weil auch dies mein Empfinden ist. Ganz subjektiv. Kein Autor wird jemals ein neutrales, allgemein gültiges Bild malen!
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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon tilmann » 23. April 2009 20:55

Ich glaube, Ihr müsst mal im Herbst/Winter nach Stockholm kommen :-)
Ich wollte auch nach Astrid Lindgren fragen und generell nach KinderbuchautorInnen.
Außerdem gibt es nicht nur Mankell als Krimiautor in Schweden.
Und: Welche deutschen Bücher oder Filme geben eigentlich die deutsche Realität wieder?
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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Drottning » 23. April 2009 20:59

Natürlich gibt es nicht nur Mankell, trotzdem ist das Phänomen, wenn auch nicht so extrem wie bei Mankell, doch bei vielen schwedischen Krimiautoren zu sehen. Ich habe bewusst zwei Extreme gewählt. Mankell ist durch seine Depressivität so extrem, aber trist ist es auch bei Åke Edwardsson, um mal ein anderes Beispiel zu wählen.

Die Realität ist IMMER subjektiv - in Schweden genauso wie in Deutschland oder sonstwo.
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