Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

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tilmann

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon tilmann » 24. April 2009 15:48

Hej!
Arne Dahl fand ich bisher langweilig. Falls Du nichts gegen Übersetzungen hast: Mein erstes Buch auf Schwedisch war Fladdermusmannen von Jo Nesbø (Norweger), meiner Meinung nach schreibt er besser als alle schwedischen KrimiautorInnen, auch besser als Stieg Larsson (der natürlich empfehlenswert ist).

Ich sollte wohl mal die Bücher von Helene Tursten anlesen. Im letzten Buchrea habe ich mich vielen Krimis eingedeckt, aber sie war nicht dabei. Dafür habe ich die ersten 30 Seiten von "Snabba Cash" (Jens Lappidius) gelesen und fand die ziemlich aufgesetzt.

"Solstorm" von Åsa Larsson war ganz nett oder "Saknad" von Karin Alvtegen.

Tilmann

Benno

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Benno » 24. April 2009 17:24

Stieg Larsson kenne ich auf deutsch und habe an jedem Buch zwei Tage gelesen. ich fand sie sehr spannend. Aber einfach zu lesen auf schwedisch? Kann ich mir schwer vorstellen.
Langsam kommen wir vom Thema ab. Es gibt ja hier schon eine interessanten und langen Beitrag über Bücher.
Los gings bei mir übrigens mit Sjöwall/wahlöö und ich dachte mir, in ein Land, was so düster ist und wo die Rentner Hundefutter essen, weil sie sich was anderes nicht leisten können, da mußt du unbedingt mal hin. Und jetzt, wo ich zum achten Mal hinfahre, kommts mir immer mehr so vor, als hätten die dort Sozialismus. Jedenfalls ein bißchen. Und das mit dem Hundefutter stimmt auch nicht. Vielleicht war es 65 tatsächlich so.
"Sonnensturm" fand ich noch düsterer als alle Beck-Filme. Gelesen habe ich es noch nicht. Basiert das auf realen Hintergründen mit der seltsamen Freikirche in Kiruna? Ich habe zwar viele Zeugen Jehovas in Schweden erlebt, die einem auch englischsprachige Wachtürme aufhalsen, aber ansonsten wird man als Tourist nicht von Sekten behelligt.

tilmann

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon tilmann » 24. April 2009 18:19

Benno hat geschrieben:Stieg Larsson kenne ich auf deutsch und habe an jedem Buch zwei Tage gelesen. ich fand sie sehr spannend. Aber einfach zu lesen auf schwedisch? Kann ich mir schwer vorstellen.


Nicht schwerer als ein Wallander wuerde ich sagen, vor allem, wenn man schon ein Buch aus der Serie gelesen hat.

Langsam kommen wir vom Thema ab. Es gibt ja hier schon eine interessanten und langen Beitrag über Bücher.


Ja. Mein Fehler. Sorry.

/Tilmann

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Sápmi
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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Sápmi » 25. April 2009 13:07

Benno hat geschrieben:"Sonnensturm" fand ich noch düsterer als alle Beck-Filme. Gelesen habe ich es noch nicht.


Ich hab das Buch gelesen und dann eine ganze Weile später den Film gesehen. Naja, nicht dass ich den Film schlecht fände, aber wenn man das Buch kennt, ist er eher enttäuschend, weil ein Haufen Sachen fehlen.

Benno hat geschrieben:Basiert das auf realen Hintergründen mit der seltsamen Freikirche in Kiruna?


Ich glaube nicht, bin mir aber auch nicht ganz sicher. Jedenfalls steht hinten im Buch, dass die Geschichte erfunden ist und dass es die Kristallkirche auch nicht gibt.

Von Åsa Larsson hab ich noch 2 weitere Bücher gelesen, die sind schon insgesamt ziemlich brutal. Wie die wohl dazu kommt, sich solche Geschichten einfallen zu lassen? Direkt "düster" finde ich dort die Atmosphäre eigentlich nicht unbedingt, sondern eher die Handlung ziemlich schockermäßig.
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

Benno

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Benno » 25. April 2009 17:01

Die Erfahrung, daß Filme enttäuschend sind, wenn man das Buch kennt, habe ich auch schon gemacht. Stig Larssons Trilogie wird mit Sicherheit auch so ein Fall. Wenn man schon die Besetzung der männlichen Hauptrolle betrachtet... Die weibliche scheint noch halbwegs ok, wenn man bedenkt, wie diese Computerexpertin im Buch beschrieben ist.
Ich fahre bald los Richtung Schweden und falle zuerst über den Buchladen her. Mal sehen, was es an Taschenbüchern so gibt.
Irgendeinen Bezug zur schwedischen Realität muß das schon geben, wenn es so viele schockermäßige Krimibücher gibt. Im Frühjahr merkt man davon nichts. Vor allem, wenn man gemütlich an einem einsamen See angelt.

irni
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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon irni » 25. April 2009 18:10

Keine Angst, "Män som hatar kvinnor" steht dem Buch nicht viel nach. Ausnahmsweise ist die Verfilmung gelungen, zumindest finde ich das. Bei Nykvist hatte ich so meine Bedenken, aber die Besetzung war meines Erachtens besser als erwartet. Wenn ich auch finde, dass Nykvist für mich nie dieser Frauenjäger/Hübschling sein wird.
Warum die Schweden so viele Krimis schreiben? Vielleicht weil sie zu viele lange Winternächte haben :smt102

nysn

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon nysn » 25. April 2009 21:00

Ich fahre bald los Richtung Schweden und falle zuerst über den Buchladen her. Mal sehen, was es an Taschenbüchern so gibt.
Irgendeinen Bezug zur schwedischen Realität muß das schon geben, wenn es so viele schockermäßige Krimibücher gibt. Im Frühjahr merkt man davon nichts. Vor allem, wenn man gemütlich an einem einsamen See angelt.

... Mitten im Wald - einsam an einem See - würdest du vermutlich zu keiner Jahreszeit irgendwelche spannungsgeladenen Actions, wie in den schwedischen Krimis erleben können ...

Wenn dir so viel daran liegt, die etwas tristere, düstere und "kriminellere" Seite Schwedens kennen zu lernen, dann solltest du deine Reisen vielleicht eher in die problematischen Stadtteile der schwedischen Großstädte planen.

Hierzu zählen z. B. Rosengård in Malmö (dort kommt es wohl öfter mal zu Ausschreitungen der Polizei) oder in Göteborg die Stadtteile auf der Insel Hisingen: Hjällbo, Angered, Biskopsgården - dort kommt es nicht selten zu Bränden, Schießereien wegen Bandenkriegen usw.
siehe hier: http://www.sr.se/cgi-bin/isidorpub/Prin ... el=2306435
In Stockholm weiß ich nicht so genau - aber einige Stadtteile von Södertälje - entsprechen wohl auch dem Bild - grau, trist, hoher Ausländeranteil, Kleinkriminalität

erst kürzlich im Februar der Brand eines Supermarktes:

http://www.focus.de/politik/ausland/kri ... 75487.html

Laut einem Spiegelartikel:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0 ... 95,00.html

liegt Stockholm mit einer Kriminalitätsrate von 23 % auf dem gleichen Platz der kriminellsten Metropolen noch zwei Plätze vor Berlin.

Also es gibt sie schon auch die "andere Seite" Schwedens. Vielleicht musst du genauer hinschauen und eben gezielt die in den Medien ständig vorkommenden Stadtteile aufsuchen. Ob du dann aber genau die Spannung aus den Kriminalromanen wahrnehmen wirst, halte ich dennoch für unwahrscheinlich. Ich war selbst z. B. schon in Göteborg in Biskopsgården oder den weniger beliebten Vierteln (weil es dort z. B. einen Lidl gibt) und es ist mir nichts passiert. Klar, es sieht etwas trister aus - weil Hochhäuser im Plattenbaustil - aber so tagsüber fand ich das nicht irgendwie direkt gefährlich. Einfach nicht schön. An einem kalten, regnerischen Tag geht die vorwiegende Nuance der Umgebungsfarbe allerdings schon in Richtung betongrau.

S-nina

Benno

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon Benno » 26. April 2009 10:36

Hej Nina, ich habe das eigentlich positiv gemeint, daß man gar nichts davon merkt, wenn man so ein friedlicher Tourist ist wie ich. Schweden hat so viel Platz, schöne Natur und wenig Einwohner. Da kann man sich doch viel besser aus dem Weg gehen als bei uns. Deswegen fällt es mir etwas schwer mir die vielen Krimis zu erklären. Vielleicht schreiben sie die ja auch nur, weil die Deutschen sie so gern lesen. Meine ich mal in einem Interview von Arne Dahl gelesen zu haben.
Selbstversuche lasse ich lieber. Aber was Södertäjle angeht, da hast du recht, echt häßlich, wie Halle Neustadt. Da fahre ich freiwillig auch nicht hin. Auch Uddevalla fand ich sehr trostlos, vor allem, wenn man von Norden reinkommt. Es wundert mich nicht, daß die Schweden gerne ein Sommerhaus am See haben um dem Alltag in den Teils an Wohncontainer erinnernden Bauten zu entfliehen.

nysn

Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon nysn » 26. April 2009 11:42

Vielleicht schreiben sie die ja auch nur, weil die Deutschen sie so gern lesen. Meine ich mal in einem Interview von Arne Dahl gelesen zu haben.

Das kann schon sein - vor allem seit es sich (in Deutschland) rumgesprochen hat, dass schwedische Krimis so extrem spannend seien. Selbst mag ich sie eigentlich nicht - die meisten sind mir viel zu brutal und es fehlt mir auch irgendwie eine etwas tiefsinnigere "Pointe".

Meine Krimi-Favoriten sind eher die Amerikaner - z. B. Patricia Highsmiths Mr. Ripley finde ich sehr gut. Auch Donna Leon gelingt es - meiner Meinung nach - ohne viel Brutalität die Stimmung in Venedig einzufangen und trotzdem schreibt sie nicht ganz unkritisch.

Da sich in den letzen Jahren dank extrem gutem Marketing die Meinung verbreitet hat, dass die Skandinavier nun besonders gute Krimiautoren "wären" - scheint es auf dem schwedischen Büchermarkt fast ausnahmslos nur noch diese Art von Literatur zu geben (neben einer Schwemme von Koch-, Einrichtungs- und Gartenbüchern). Entweder sind sie superlangweilig - wie Camilla Läckberg, Marklund, Åke Edwardsson oder auch Mankell (zumindest nach dem 3. Wallander überspringt man gerne die Passagen - Essen - Opernmusik hören - Partnerschaftsprobleme) oder sie sind so EXTREM BRUTAL in einer so "unflätigen" Sprache, dass ich schon nach wenigen Seiten nicht mehr weiterlesen mag. Heute habe ich zufällig gesehen, dass sich der frühere schwedische Justizminister nun auch als Krimiautor versucht - schon mit 2. Buch - nach dem ersten mit dem Titel "Rymmaren". :roll:

Ich bin übrigens nicht immer der Meinung, dass Schweden überall nur wunderschön ist. Es gibt Fleckchen und Orte, die wirklich landschaftlich wunderschön sind - Stockholm ist z. B. eine Stadt, die extrem schöne Stellen aufzuweisen hat (aber auch extrem hässliche - wie Vällingby, Rinkeby usw.). In Göteborg, wo ich lebe. ist es ähnlich - extrem schöne Orte in Meeresnähe - der Schärengarten in Bohuslän ist im Sommer ein Traum oder auch der kleine Ort Särö, den ich schon erwähnt hatte - alles superschöne Stellen.

Aber es gibt auch das extreme Gegenteil - hässliche Einheitsbauten, trister, grauer Beton und viel Kriminalität. Auf diesen Umstand bin ich erst am Freitagabend wieder aufmerksam geworden. Mein Mann ist mit seinem Auto auf dem Heimweg wg. defekter Wasserpumpe liegen geblieben. Weil es schon so spät am Abend war, musste er sich einen Mietwagen an einer Tankstelle in einem eigentlich nicht so problematischen Viertel abholen.

Wir fuhren dann mit dem Bus dahin, mussten zweimal umsteigen - immer an irgendwelchen recht menschenleeren Stellen und mit viel Unterführungen. Die Tankstelle, wo der Wagen abzuholen war, lag in unmittelbarer Nähe zu einem Wohnviertel, das so trist war, dass ich dachte, ich befände mich in einer anderen Welt - es war dort nicht irgendwie gefährlich - aber so unheimlich trübseelig, grau.

Nun denkt man sich, das müsste doch eher die Ausnahme sein - ist es aber nicht! In Göteborg und Umgebung gibt es leider sehr viel mehr socher Stellen, die nur deshalb nicht besonders auffallen (weil man/frau wenn man dort nicht wohnt, einfach auch nicht dorthin fährt) - es sind aber Wohnviertel, wo sehr viele Schweden wohnen und auch leben müssen. Man denkt einfach nur nicht daran.

S-nina

sommarida
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Re: Darstellung Schwedens in Büchern und Filmen

Beitragvon sommarida » 27. April 2009 09:06

Hej!

Um nochmal auf den Ausgang zurückzukommen.
Hat jemand Måns Kallentoft gelesen? Beide Bücher, die ich las, spielen auch in jeweils einem Extrem. "Midvinterblod" in einem eiskalten Wintermiljö und "Sommardöden" in der Gluthitze eines Sommers, beide in und um Linköping. Etwas verwirrend fand ich anfangs, dass auch die Gedankengänge eines Toten niedergeschrieben sind.
Ich fand weder den einen noch den anderen Krimi von ihm richtig spannend.

Jo Nesbö hingegen finde ich auch gut zu lesen, obwohl ich da empfehlen möchte, die Reihenfolge der Bücher einzuhalten.

hälsningar
Ida
Det ä int så lätt å förklara för nån som int begrip... - Ingemar Stenmark


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