"Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

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"Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon amarok » 24. Juni 2008 19:11

Gerade habe ich die neue Ausgabe des "NORR" Magazin bekommen. Beim Durchblättern bin ich auf einen Artikel gestoßen, der etwas Diskussionsstoff liefern kann. Die Überschrift lautet "DIE UNSCHULD SCHWEDENS". Darin wird dargestellt wie Deutsche das Land Schweden sehen. Zunächst werden die Inga-Lindström-Filme angesprochen, die offensichtlich dort völlig unbekannt sind. Jedoch in zwei Kultursendungen Ausschnitte davon gezeigt wurden. Dazu werden dann zwei Fragen aufgeworfen, die sich Schweden stellen: "Wie ist es zu erklären, dass romantisch-idyllische Filme aus dem ländlichen Schweden in Deutschland ein Millionenpublikum erreichen?" und "Du lieber Gott, glauben die Deutschen wirklich, dass wir die ganze Zeit so nett und lieb miteinander umgehen?".
Die deutsche Schweden-Faszination wird als "Bullerbü-Syndrom" bezeichnet, nachdem dieser Begriff in einem Essay im Svenska Dagbladet genannt und im Februar zum "Neuen Wort des Monats" erklärt wurde.
Viele Deutsche verbinden Schweden mit den Geschichten von Astrid Lindgren und "Nicht wenige Deutsche stellen sich unter Schweden so eine Art Gross-Bullerbü hoch im Norden vor". Und die Ursache für dieses Bullerbü-Syndrom wird im Artikel auch genannt: "Das Bullerbü-Syndrom hat also, meint Franke (Anmerk.: Dr. Berthold Franke ist Leiter des Goethe-Instituts in Stockholm) mehr mit Deutschland als mit Schweden zu tun. Es ist die Sehnsucht nach einem anderen Deutschland , eine Empfindung, die sich bis in die Romantik zurückverfolgen lässt." Dr. Franke sagt "Tatsächlich entspricht Schweden in mancher Hinsicht dem deutschen Traumbild". Die schwedische Natur und Landschaft kommen diesem Traumbild sehr nahe ...
(Quelle: "NORR - Das Skandinavienmagazin", 3/2008. S. 20-24, Autor: Gabriel Arthur)
Den Ausführungen von B. Franke kann ich jedenfalls zustimmen.
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Hans

Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon Hans » 24. Juni 2008 19:45

Inga Lindströmfilm

Man wundert sich hiert was da fabriziert werden kann.
Das meiste hat Alpenklinik Touch und es ist kein Wunder dass das
nicht im hiesigen Fernsehen auftaucht.

Bullerby Syndrom haben wir Schweden auch.
Man träumt davon.
Aber man muss ja auch die Kinder zur Schule bekommen.
Und das Weiterstudieren.
Und alles andere.

Es fällt mir schwer zu glauben dass das sg Bullerbysyndrom dem Grossteil der
durchschnittlichen Deutschen als Ideal vorschwebt.
Zum Urlaub mag sein.

Man lebt ja auch gut in Hamburg oder Flensburg och Bayern oder sonst wo in Deutschland.
Und wenn man kulturell intressiert ist und in zb. Berlin wohnt, ja dann hat Schweden nicht so viel zu bieten.

Will man ein neues Leben anfangen ist Schweden schon gut.
Frankreich auch.
Oder Italien.

Beherrscht man die Sprache -ja dann gehts wohl sehr viel leichter.
Grüsst
H :smt006 ans

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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon amarok » 24. Juni 2008 19:57

Hej Hans,

in Vielem hast Du natürlich recht. Es ist eben der Blick durch die "rosarote Urlaubsbrille", aber im Urlaub muss das gestattet sein und wenn man Stress abbauen muss auch. Mit über 80 Millionen Menschen in Deutschland ist eben vieles anders als in Schweden. Das fängt schon morgens auf der Fahrt zur Arbeit an.
Die angesprochenen Filme :roll: sind finde ich auch Marke "Schmalztopf", aber ich gebe es zu, einen habe ich davon schon mal gesehen. Natürlich nur um mitreden zu können, versteht sich. :wink:
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon Fanny » 24. Juni 2008 20:03

Ich kenne keinen Inga-Lindström-Film, aber ich denke auch nicht, dass es das ist (also Schweden), was die Leute, die diese Filme sehen fasziniert. Das ist wohl austauschbar, das kann auch Irland oder die Karibik sein, hauptsache Schmalz.
Persönlich liebe ich es zu bestimmten Zeiten schwedische Filme zu sehen, auch Kinderfilme. Mein Favorit ist Lotta, die zieht mich aus der tiefsten Krise heraus. Das liegt aber mehr an Lotta und ihrem Charme.
Bestimmt gibt es Leute, die erstmals in den Urlaub nach Schweden fahren (vielleicht nach Vimmerby und Umgebung), weil sie nach Bullerby suchen, die werden es aber wahrscheinlich nicht finden.
Ich bin auf dem Land groß (eher nicht) geworden, lebe immer noch am Waldrand (Sackgasse), aber bin immer wieder der glücklichste Mensch der Welt, wenn wir in Schweden sind, ganz für uns allein. Aber das ist nicht Bullerby.
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon amarok » 24. Juni 2008 20:16

Ich würde das mit dem "Bullerbü" nicht so wörtlich nehmen. Die Kernaussage ist doch vielleicht so zusammen zu fassen: "Die Deutschen suchen in der schwedischen Natur und Landschaft Ruhe und Entspannung vom Stress im eigenen Land." Eben so, wie es in den Bullerbü-Geschichten z.T. auch erzählt wird.
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon Sápmi » 24. Juni 2008 20:22

Fanny hat geschrieben:Ich kenne keinen Inga-Lindström-Film, aber ich denke auch nicht, dass es das ist (also Schweden), was die Leute, die diese Filme sehen fasziniert. Das ist wohl austauschbar, das kann auch Irland oder die Karibik sein, hauptsache Schmalz.


Das glaube ich auch. Hab vor längerer Zeit einmal so'nen Rosamunde Pilcher-Film im TV gesehen und mittlerweile auch ein paar Inga Lindström-Filme (z. T. auch nicht ganz, weil's einfach zu schlimm war, selbst ohne Ton :wink: ). Das ist das selbe in grün. Aber haarscharf. Die Darsteller in den Lindström-Filmen kommen genauso stockdeutsch rüber wie die in den Pilcher-Filmen. Nur dass sie schwedische bzw. irische Namen haben. Und bei Lindström immer "hej" und "hej då" sagen. Inhaltlich ist das wirklich übelster Schmalz und hätte vielleicht meiner 2002 verstorbenen Oma gefallen können. Ich kann es manchmal echt kaum fassen, dass es heute noch Leute gibt, die auf sowas abfahren. Es geht sowieso immer um dasselbe. Es soll wohl so'ne Art heile Welt darstellen, aber nur für Leute, die damit finanziellen Reichtum, großes Getue, fein gebügelte Klamotten und spießig gekämmte Köpfe, frisch rasierte Männerfratzen, etc. verbinden. :P

Dass diese "Inga Lindström" (weiß ihren richtigen deutschen Namen grad nicht) nun Schweden als Kulisse für ihre Schnulzen und den dazugehörigen schwedischen "Künstler"-Namen gewählt hat, könnte daran liegen, dass die nordischen Länder in den letzten Jahren in D immer beliebter geworden sind.
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon Sápmi » 24. Juni 2008 20:31

amarok hat geschrieben:"Die Deutschen suchen in der schwedischen Natur und Landschaft Ruhe und Entspannung vom Stress im eigenen Land." Eben so, wie es in den Bullerbü-Geschichten z.T. auch erzählt wird.


Hm, kann schon sein.
Andererseits: Die einzige Gemeinsamkeit von Lindgren- und Lindström-Filmen besteht ja darin, dass beide auf schwedischem Boden spielen, der Rest ist krasser Gegensatz. :P
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon amarok » 24. Juni 2008 20:32

Die Inga-Lindström-Filme sollen regelmäßig 7 Millionen Zuschauer vor die Glotze locken. Das ist n'Menge. sagt aber auch einiges über die Gesellschaft aus. Für mich sind diese Filme so eine Art "Skandinavisches Dallas des Mittelstandes" (der Mittelstand in D. wird wohl ansonsten bald nur noch als Wort im Duden zu finden sein). Inga Lindström ist das Pseudonym von Christiane Sadlo. Und nun rate mal Sapmi, was der Lieblingsplatz von Frau Sadlo in Schweden ist?
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon Sápmi » 24. Juni 2008 20:36

amarok hat geschrieben: Und nun rate mal Sapmi, was der Lieblingsplatz von Frau Sadlo in Schweden ist?


Wieso ich? :P
Vermutlich Büllerbü? :roll:
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Re: "Bullerbü-Syndrom" der Deutschen

Beitragvon nobse » 24. Juni 2008 20:37

amarok hat geschrieben: Die Kernaussage ist doch vielleicht so zusammen zu fassen: "Die Deutschen suchen in der schwedischen Natur und Landschaft Ruhe und Entspannung vom Stress im eigenen Land." Eben so, wie es in den Bullerbü-Geschichten z.T. auch erzählt wird.


Da muss ich dir vollkommen Recht geben.


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