Boom für Freischulen

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svenska-nyheter
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Boom für Freischulen

Beitragvon svenska-nyheter » 18. August 2008 08:41

Zum neuen Schuljahr wollen in Schweden insgesamt 85 so genannte Freischulen die Arbeit aufnehmen. Das berichtet die Tageszeitung Dagens Nyheter. Noch nie zuvor hätten so viele Freischulen, die mit kommunalen Mitteln betrieben, jedoch von privaten Trägern verwaltet werden, einen Antrag auf Genehmigung durch die Schulbehörde gestellt, sagte die für die Vergabe der Genehmigungen verantwortliche Birgitta Fredander. Die Zahl von Freischulen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Während es 1996 im ganzen Land an die 230 Freischulen gab, sind es mittlerweile mehr als 900. Als Grund für die Entwicklung gilt auch die wachsende Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulwesen.




(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

nysn

Re: Boom für Freischulen

Beitragvon nysn » 18. August 2008 09:46

Als Grund für die Entwicklung gilt auch die wachsende Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulwesen.


Wer hätte das gedacht ? :D

Schwedische Logik: Wenn etwas "öffentliches" nicht funktioniert, werden erst mal jede Menge "privater Akteure" zugelassen, mit kommunalen Mitteln finanziert und der Rest soll dann der "Markt" regeln.

Vergessen wird dann einfach, dass diese Privaten auch irgendwie "qualitätskontrolliert" werden sollten. Von den zig-Freischulen, die in den letzten 10 Jahren z. B. hier in Göteborg aufgetaucht sind, haben nämlich einige schon wieder ihre Tore schließen müssen, z. B. wegen mangelnden Schülerzahlen oder einfach, weil das Geld ausgegangen ist. Für manche Schüler war das dann echt ein Problem - mitten in der "Gymnasium"-Ausbildung macht die Schule dicht. Klasse!

S-nina

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frasimi74
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Re: Boom für Freischulen

Beitragvon frasimi74 » 18. August 2008 09:50

Hej S-Nina,

kannst du mir mal erklären, was "Freischulen" genau sind
und was sie von den "normalen" schwedischen Schulen unterscheidet?

LG Frank :smt006
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nysn

Re: Boom für Freischulen

Beitragvon nysn » 18. August 2008 15:03

Hallo Frank,
der Unterschied zwischen "Freischule" und "normaler Schule" ist der Schulträger: normale Schule = Staat (Kommune, Provinzialregierung usw.) und "Freischule" = privat, zu 85 % durch die Kommune finanziert.
Freischulen gibt es sowohl für Grundschulen als auch für Gymnasien. Sie können verschiedene Ausrichtungen haben, z. B. hier in Gbg ist die Internationale Schule eine sog. "friskola" oder die Montessori-Schulen, IT-Gymnasium usw.

Ganz genau kenne ich nun nicht die dafür Kriterien, ab wann/wie man eine Freischule eröffnen kann. Es gibt ganz verschiedene Freischulen, auch solche mit religiöser Ausrichtung usw.

Manche sind der Meinung, dass eine Freischule automatisch auch den besseren Unterricht usw. bietet. Das muss man m. E. aber auch von Fall zu Fall entscheiden - es gibt auch hier gute und weniger gute Schulen.

Ganz allgemein kann man in S sagen, in den Gebieten, wo die Einkommen/das Bildungsniveau der Eltern hoch sind, ist das Angebot an Freischulen höher und auch die Qualität der Schulen (auch der kommunalen) ist besser. Die Zeitung Expressen hatte letzte Woche mal wieder so eine Aufstellung, wo die besten Gymnasien in Schweden sind - dort war dieser Trend deutlich abzulesen.

Ich bin nur "als normale Mutter" am Schulsystem interessiert, habe also kein Insider-Wissen.

Möglicherweise meldet sich auch noch ein Forums-Mitglied, das zu diesem Thema besser Bescheid weiß.

Saluti nach "bona cella"
S-nina

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Re: Boom für Freischulen

Beitragvon Skogstroll » 18. August 2008 15:34

Ab September werde ich nebenbei an einem freien Gymnasium unterrichten, wenn auch nur eine Doppelstunde pro Woche. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten etwas mehr dazu beitragen.
Allerdings ist es hier nicht sehr schwer, das kommunale Gymnasium zu übertreffen, das letztes Jahr schwedenweit traurige Berühmtheit erlangt hat, als es im Oktober immer noch keinen Stundenplan gab. Dieses Problem hat man dieses Jahr gelöst, dafür kürzt man an allen Ecken, die Klassen werden grösser und es werden weniger Fremdsprachen angeboten. Ein freies Gymnasium kann fast nur besser sein.

Skogstroll

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Re: Boom für Freischulen

Beitragvon frasimi74 » 18. August 2008 18:54

Hej S-Nina och Skogstroll,

danke für die Infos.

D.h. also, dass ich frei entscheiden kann, ob ich meine
Kinder auf eine kommunale Schule oder eine Freischule schicke.

In den Gegenden, in denen Freischulen angeboten werden,
dürften es kommunale Schulen um einiges schwerer haben,
die Zahl der Schüler zu halten. Habe ich da recht?

Was mich jedoch verwundert ist, dass der Staat / Kommune
auch diese Schulen mit 85% mitfinanziert. Da schaffen sie sich
doch die Konkurrenz im eigenen Haus, oder nicht?

Vermutlich sind die Schulkosten auf den Freischulen dann
auch um einiges höher.

@Skogstroll
Mich würde interessieren, was du unterrichtest.

LG Frank
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Re: Boom für Freischulen

Beitragvon blueII » 18. August 2008 20:06

frasimi74 hat geschrieben:In den Gegenden, in denen Freischulen angeboten werden,
dürften es kommunale Schulen um einiges schwerer haben,
die Zahl der Schüler zu halten. Habe ich da recht?


Jein...der Schwede muß nun mit seinem strengen Tagespensum auskommen und hat nicht immer Zeit eventuell einen Umweg in Kauf zu nehmen, um aus ideologischen oder anderen Überzeugungsgründen eine freie Schule anzusteuern.

frasimi74 hat geschrieben:Was mich jedoch verwundert ist, dass der Staat / Kommune
auch diese Schulen mit 85% mitfinanziert. Da schaffen sie sich
doch die Konkurrenz im eigenen Haus, oder nicht?


das gilt aber noch nicht lange. Berichtigt mich falls ich irre, aber ich glaube das gilt erst seit 2001 oder so...so krankt manche freie Einrichtung, ob Kiga oder Schule, noch an ihren finanzschwachen Vergangenheit.

frasimi74 hat geschrieben:Vermutlich sind die Schulkosten auf den Freischulen dann
auch um einiges höher.


da kann ich nur vom Kiga sprechen...diese Kosten sind identisch

LG
Heike

nysn

Re: Boom für Freischulen

Beitragvon nysn » 18. August 2008 21:53

In den Gegenden, in denen Freischulen angeboten werden,
dürften es kommunale Schulen um einiges schwerer haben,
die Zahl der Schüler zu halten. Habe ich da recht?


Ja und Nein - nicht immer sind die kommunalen Schulen "schlechter". Bei uns am Ort ist z. B. die kommunale Schule sogar besser oder zumindest gleich gut wie die vorhandenen Freischulen. Die Freischulen unterscheiden sich eher in der Unterrichtsform, z. B. Montessori, Waldorf. Internationale Schule Unterricht auf Englisch, Katholische Schule usw.

Für uns war z. B. auch der Schulweg ausschlaggebend und dann hatte die Montessori-Schule Warteschlangen von bis zu 2 Jahren.

Bei kommunalen Schulen mit eher mäßigem Ruf ist der Hintergedanke, dass die bei steigendem "Wettbewerb" vielleicht "besser" werden könnten.

Vermutlich sind die Schulkosten auf den Freischulen dann
auch um einiges höher.


Man zahlt in Schweden für eine Freischule auch kein Schulgeld - die sind wie die kommunalen Schulen gratis. Nur bei den sog. "Privatschulen", das sind z. B. die Internate Lundsberg, Sigtuna und Gränna, zahlt man Schulgeld.

Auch muss man in Schweden - vor allem wenn es sich um das sog. "Gymnasium" handelt, sich sehr genau anschauen, was das für ein Typ ist - unabhängig, ob frei oder kommunal. Es gibt hier mittlerweile sehr "abenteuerlich" ausgerichtete Gymnasien - z. B. Pferdepflege, Fußball, Tanz und dergleichen. Nach Abschluss eines schwedischen Gymnasiums hat man nicht immer auch "Hochschulreife/Abitur" und kann nicht unbedingt auf einer europäischen Hochschule/Uni studieren.

Hoffentlich meldet sich Skogstroll nochmals - er kann das viel besser erklären - vor allem auch mit weniger Worten, präziser und verständlicher. :D

Gruß
S-nina

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Re: Boom für Freischulen

Beitragvon Skogstroll » 19. August 2008 12:07

frasimi74 hat geschrieben:@Skogstroll
Mich würde interessieren, was du unterrichtest.
LG Frank


Photovoltaik. Es ist ein Spezialgymnasium für Energieerzeugung und -anwendung.

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Re: Boom für Freischulen

Beitragvon frasimi74 » 19. August 2008 16:03

Hej Heike och S-Nina,

vielen Dank für eure Antworten.
Ist für mich sehr interessant, welch regionale Unterschiede
es doch gibt. Und auch die Unterscheidung zwischen
Freischule und kommunaler Schule war mir so nicht bekannt.
Werde mal versuchen im weitere Informtionen zu bekommen.
Wenn ich was finde, werde ich es auf jeden Fall posten.

@ Skogstroll
Ist ja sehr interessant. Ich arbeite bei einem großen
Hersteller von Öl- und Gasbrenner, Heiz- und Solarsystemen
sowie Wärmepumpen in Deutschland.

Wie ist es denn mit der Nutzung von Photovoltaik-Anlagen
in Lappland. Reicht die Zeit mit Tageslicht aus, um einen
hohen Nutzungsgrad zu erzielen?

LG Frank
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