Beerdigungen ?

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Krümel7
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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Krümel7 » 1. Februar 2009 11:34

Hej Tulipa,
da du nach den Zeiten in D gefragt hast, will ich dir antworten. Wir waren gerade vor einer Woche zur Beerdigung eines nahen Verwandten.
Also ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es in D, zumindest in Berlin, bei einer Feuerbestattung auch so ca. 3-4 Wochen dauert, bis die eigentliche Beisetzung erfolgt. Das ist hier ein völlig normaler Zeitraum. Im ländlichen Bereich kenne ich für Erdbestattungen auch kürzere Zeiträume, aber in der Stadt dauert es eben länger!
Grüße Krümel

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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Tulipa » 28. Februar 2009 21:12

Hallo,
für alle, die das Thema interessiert:

Wir waren nun also auf der Beerdigung unserer Nachbarin und obwohl schon so viele Wochen vergangen sind, war es eine Sarg-Erdbestattung. Nach dem Ort der Zwischenlagerung habe ich lieber nicht gefragt, in unserer idyllischen Dorfkirche sicher nicht.

Aber sonst kann ich ausnahmsweise nur Gutes berichten: schöner Gottesdienst und vor allem hatte die Familie das sorgfältig vorbereitet und war supernett zu uns. Wir wurden dann noch mit zum Mittagessen geladen, und obwohl die einzigen Nichtverwandten, gaben sich alle Mühe, uns zu bewirten und sich mit uns zu unterhalten.

Mehrere Angehörige hielten dann noch launige Rückblick-Reden und es wurde sogar noch ein über die Verstorbene selbstgedrehter Film gezeigt. Als wir dann (hoffentlich zum angemessenen Zeitpunkt) gehen wollten, sprangen sofort die Kinder als Gastgeber auf und verabschiedeten uns geschlossen mit "bra att ha såna grannar" = gut, dass wir solche Nachbarn haben.

Na, ich will euch nicht mit dem ausführlichen Bericht langweilen, aber das gab meiner oft einsamen Schwedenseele mal so richtig Auftrieb.

LG
Tulipa
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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Fanny » 28. Februar 2009 23:11

Unsere liebe Freundin ist am 21 April 2007 gestorben.
Am 11.Mai war die Trauerfeier.
Wir waren vom 17. Mai bis 08. Juni in Schweden und hatten gehofft an der Urnenbeisetzung teilnehmen zu können.
Weit gefehlt. Die fand erst im August statt.
Ich finde das schrecklich.
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)

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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Tulipa » 28. Februar 2009 23:18

Ja, liebe Fanny,
ich fínde das auch nach wie vor schrecklich.
Ich wollte nur schreiben, dass ich von der Feierlichkeit dann wirklich angenehm überrascht war.

LG
Tulipa
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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Tulipa » 4. März 2009 21:11

Irgendwie geht mir diese Familienfeier nicht aus dem Kopf, habe ich ja schon geschrieben, dass uns das so gut gefallen hat.

Besonders beeindruckt hat mich ein vom Sohn anlässlich des 80. Geburtstages durchgeführtes und gefilmtes Interview, das ja nun schon fast 10 Jahre zurücklag. Allerhand so Familieninternas, aber dann seine Frage:
Was denn ihr, nun rückblickend auf ihr Leben, am Wichtigsten sei ? Und sie überlegt ganz ernsthaft eine Weile und sagt dann "ja, det är väl att jag levde ett hederligt liv".

Ich habe "hederlig" extra noch mal nachgesehen: ehrlich, redlich, rechtschaffen, bieder, brav, reichlich, ansehnlich. Also: "... dass ich ein ehrliches und rechtschaffenes Leben geführt habe.

Und ich dachte, wenn ich mal 80 werde, möchte ich das auch sagen können. Oder was denkt ihr, was werdet ihr dann auf so eine Frage gern antworten ?

LG
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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Imrhien » 4. März 2009 21:26

Tulipa hat geschrieben:Und ich dachte, wenn ich mal 80 werde, möchte ich das auch sagen können. Oder was denkt ihr, was werdet ihr dann auf so eine Frage gern antworten ?


Ich möchte rückblickend nichts bereuen und das Leben genossen haben. Mit allem was dazu gehört. Ich möchte sagen können, dass ich es bei meinen Kindern richtig angestellt habe und dass sie eine glückliche Kindheit und einen guten Start hatten. Ich wünsche mir, dass nichts wichtiges ungesagt bleibt.

Dass Beerdigungen so spät sind ist erstaunlich. Ich weiss grade nicht was ich davon halten soll. Einerseits finde ich das ziemlich schlecht da man so lange hingehalten wird mit seinem Abschied und der ist für viele sehr wichtig und vor allem für den Trauerprozeß wichtig. Andererseits ist es aber auch schwierig wenn man dafür zu wenig Zeit hatte und die Beerdigung zu schnell kam und man noch im Schock quasi ist. Dann ist auch nichts mit Verabschiedung. Vermutlich ist das also auch abhängig davon welcher Trauertyp man selber ist. Ich könnte es mir jedenfalls nicht vorstellen so lange zu warten und bin dankbar, dass ich es bisher auch nie musste...

Grüße
Wiebke

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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Tulipa » 5. März 2009 11:49

Imrhien hat geschrieben:
Ich möchte rückblickend nichts bereuen und das Leben genossen haben. Mit allem was dazu gehört. Ich möchte sagen können, dass ich es bei meinen Kindern richtig angestellt habe und dass sie eine glückliche Kindheit und einen guten Start hatten. Ich wünsche mir, dass nichts wichtiges ungesagt bleibt.


Danke, liebe Wiebke, für deine Antwort. Ja, das ist - ohne das irgendwie herabzuwürdigen - eine gute und übliche Sichtweise.

Mich hat aber gerade dieses "ehrenwert" so angesprochen.
Zum ersten Mal traf ich die nun ehemalige Nachbarin, als mein Mann gerade das Haus hier gekauft hatte und selbst noch woanders arbeitete. Ich war gerade mit dem Zug angekommen und mit dem versteckten Hausschlüssel hinein und sass abends auf dem Sofa und ruhte mich aus. Da bummerte sie mit ihren fast 80 Jahren und im Dunkeln ans Fenster und fragte mich aus, was ich denn hier zu suchen hätte, ob das alles seine Richtigkeit habe...
Später dann war mein Mann wieder mal einige Tage beruflich unterwegs und dafür mein Bruder zu Besuch hier. Da kam sie auch gleich angerannt, musterte ihn kritisch und fragte mich, ob denn mein Mann nicht da sei ?

überhaupt nicht typisch schwedisch, aber vielleicht hat es mir ja auch deswegen so gefallen ...

LG
Tulipa
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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon blueII » 5. März 2009 14:02

Nun ehrenwert kann ich im weitesten Sinne noch nachvollziehen aber das Wort "rechtschaffend", mmh
aus dem Bauchgefühl heraus empfinde ich es nicht undbedingt positv belegt.
Was ist denn eigentlich rechtschaffend?
Recht schaffen? Recht schaffen für Menschen denen Unrecht angetan wird? nach dem Recht leben??

Recht schaffen...geht ja heute nicht mehr legitim, außer man sitzt in der entsprechenden Behörde 8)
Recht schaffen für andere...im Sinne von in Schutz nehmen...nun wird jeder in kleinen oder großen Rahmen machen, aber ob es jetzt den jeweiligen Mitmenschen sodermaßen aufffällt, dass sie es als Rede hervorheben?? mmh ich weiß nicht
Nach dem recht gelebt.... :wink: nun da gehen wir mal von aus, wenn nicht bliebe es wohl auch unerwähnt :wink:

ich assoziere mit diesem Wort mehr...es allen recht gemacht zu haben....und das wäre eine Eigenschaft die ich für mich persönlich nicht gerne hören würde. :roll:
Das Wort rechtschaffend symbolisiert für mich Angepaßtheit.
Wenn ich auch nicht renitänt durch Leben gehen will, möchte ich unter anderem von mir Rückblickend sagen, mich nicht über allen Maßen verbogen zu haben, um es ALLEN recht gemacht zu haben, nicht aus der Rolle gefallen zu sein und ist somit für mich nicht erstrebenswert.

Ehrenwert ist auch so ein GROSSES Wort
Ich kannte einen Menschen der verstorben ist.
Er tat sich hervor durch seine Vielfätligkeit, Kreativität, Intellegenz und Wissen, soziale Kompetenz, Engagement im diversen Bereich.
Wenn ich über diesen Menschen spreche, rede ich von Achtung und Bewunderung, ehrenwert ist mir dabei nicht in den Sinn gekommen.
Also ehrenwert ist eine Beschreibung der Superlativen.

Damit will ich natürlich in keinster Weise, das Gedenken an diese alte Damen oder die gewählten Worte herabwürdigen, aber es ist mit diesen doch mittlerweile sehr ungebräuchlichen Worte, eine ziemlich persönlcihe Auslegungssache, wie man diese Worte versteht. :wink:

Lg
Heike

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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon janaquinn » 5. März 2009 14:26

Was will ich mit 80 Jahren über mein Leben sagen können?? Vielleicht sowas wie:
Ich bin keinem nötigen Streit aus dem Weg gegangen, habe mein Leben so gelebt, wie ich es wollte und es mir vorbestimmt war. Ich habe geliebt und wurde geliebt, auch wenn es nie einfach war.
Ich möchte sagen können, dass ich mich niemals verloren habe, dass ich immer dafür eingestanden und eingetreten bin, was mir wichtig ist und richtig erschien. Ich habe gehasst und wurde gehasst, aber es machte mir nicht viel aus, denn ich stand über solchen Dingen.
Ich möchte sagen können, dass mein Leben zwar nicht immer einfach und leicht war, ich es aber leicht und einfach genommen habe, ich meine Träume gelebt und nicht mein Leben geträumt habe.
Ich möchte sagen können, dass ich meine Kinder zu starken Menschen und grossen Zicken erzogen habe, die sich alles zutrauen und vor nichts zurückschrecken, was das Leben ihnen auferlegt hat, und das ich bis zum Schluss mit meiner grossen Liebe verheiratet war....auch wenn unsere Ehe manchmal ein Chaos war.

Ich möchte sagen können, dass ich gelebt habe...auch wenn ich in der Geschichte der Welt keine Spuren hinterlassen habe, aber dafür in der Geschichte meiner Familie (Kindheit) immer das schwarze Schaf war und es genossen habe.

Ich möchte sagen können, dass ich bis zum Schluss die Zicke war, die ich immer gewesen bin...auch wenn es vielleicht, in den Augen anderer, kein Kompliment ist, aber dann weiss ich, dass ich für mich und meine Familie immer versucht habe, dass beste aus dem Leben zu machen.

LG JANA
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Re: Beerdigungen ?

Beitragvon Tulipa » 5. März 2009 23:37

blueII hat geschrieben:
Was ist denn eigentlich rechtschaffend?

Das Wort rechtschaffend symbolisiert für mich Angepaßtheit.

aber es ist mit diesen doch mittlerweile sehr ungebräuchlichen Worte, eine ziemlich persönlcihe Auslegungssache, wie man diese Worte versteht. :wink:


Danke, liebe Heike für deine Antwort. Und schön, dass du es anders siehst als ich, u.a. deswegen habe ich das ja hier hineingestellt :)

Habe eben unten auch noch dein Kompliment an mich entdeckt, danke auch hierfür. Und es steht ja nun jedem frei, im Forum ein Thema ganz nach seinem/ihrem Geschmack anzuregen. Zumal durch anschauliche überschriften es die ja wegsortieren können, die es nicht interessiert.

Durch deine Rückmeldung zu "rechtschaffend" hatte ich jedenfalls mal wieder so ein aha-Erlebnis, wie unterschiedlich etwas ausgelegt werden kann. Deine Deutungen finde ich auch allesamt daneben (oder besser die Bedeutungen der Deutungen). Zu bieten hätte ich noch hessisch-bayerisch "recht schaffend" = tüchtig arbeitend, aber ist auch nix.

Langsam weiss ich selbst nicht, was ich ursprünglich meinte, vielleicht "anständig" ? Oder "verantwortungsvoll" ?

Vielleicht helfen meine o.a. Beispiele. Dass eine alte Dame allein im Dunkeln nicht zögert, einen vermeintlichen Einbrecher zu stellen. Dass sie eben nicht wegschaut und tut, als ginge sie alles nichts an, sondern sich wenn sie es für nötig hält, einmischt. Auch in die Moral anderer Leute (zugegebenermassen nicht mehr zeitgemäss), aber mindestens so energisch wäre sie auch bei z.B. Sauf- und Prügel- und sonstigen Gelagen eingeschritten.

Ich weiss wirklich dieses schwedische nachbarschaftliche In-Ruhe-Lassen zu schätzen und geniesse es täglich. Aber wenn dann jemand nicht immer nur wegsieht, finde ich das eben auch gut.

Und wie übersetzt man nun das altmodische Wort "hederlig" am besten ? Wohl das nächste Thema für "på svenska".
Bis dahin ist es jedenfalls eines meiner neuen Lieblingswörter :)

LG
Tulipa
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