Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

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Bernhard0911
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Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon Bernhard0911 » 28. Februar 2016 13:47

Hallo,

ich Plane gerade meine Auswanderung. Dabei spielen wir mit dem Gedanken ein Haus zu Kaufen.
Es sollte sich dabei um ein Haus am See handeln.

Nun hab ich folgende Frage an die Experten hier im Forum.

Wenn ich ein Grundstück am See habe, wo eine Stuga mit ca. 50 - 60 m² Wohnfläche bereits steht, bekomm ich da eine Baugenehmigung, wenn ich das vorhandene Gebäude erweitern will ?
Ist so etwas machbar? Oder ist es wegen der nähe zum Wasser ein Problem eine Baugenehmigung zu bekommen?

Gruß Bernhard Opretzka

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon EuraGerhard » 28. Februar 2016 14:37

Hallo Bernhard,

das wird Dir nur die jeweilige Kommune beantworten können.

Normalerweise dürfen in der Uferschutzzone, also in einem 100 Meter breiten Streifen entlang der Wasserlinie, weder neue Gebäude errichtet noch der Verwendungszweck bestehender Gebäude geändert werden. Der Umbau einer Sommerstuga zu einem permanent bewohnten Haus wäre eine solche Veränderung.

Allerdings können die Kommunen unter bestimmten Voraussetzungen für kleinere, für den Naturschutz unbedeutende Gewässer den Uferschutz ganz aufheben. Sie können auch einem Grundbesitzer eine Ausnahmegenehmigung ("Dispens") erteilen.

Keinesfalls solltest Du Dich ausschließlich auf die Angaben in der Verkaufsanzeige verlassen, wenn es um ein Ufergrundstück geht. Die Tatsache, dass aufgrund des Uferschutzes irgendwelche Nutzungseinschränkungen bestehen, wird da gerne mal, sagen wir, wortreich verschwiegen.

Hinzu kommt, dass Du es in den meisten Fällen tolerieren musst, wenn andere Leute an "Deinem" Strand baden etc., auch wenn das Dein Grundstück ist. Das ist das Jedermannsrecht.

MfG
Gerhard

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon vibackup » 28. Februar 2016 18:39

Wie üblich hat Gerhardt eine fundierte und komplette Antwort gegeben.
Von meiner Seite daher nur eine Erweiterung: falls das Haus nicht am See stehen sollte, dann wäre das Verfahren recht unkompliziert:
http://www.boverket.se/sv/byggande/bygg ... n-bygglov/

//M

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon EuraGerhard » 29. Februar 2016 10:51

vibackup hat geschrieben:Von meiner Seite daher nur eine Erweiterung: falls das Haus nicht am See stehen sollte, dann wäre das Verfahren recht unkompliziert:
http://www.boverket.se/sv/byggande/bygg ... n-bygglov/

Nicht unbedingt. Zwar ist es grundsätzlich nicht verboten, eine Sommerstuga permanent zu bewohnen. Aber sobald dafür Umbauarbeiten nötig sind, wird die Zustimmung der Kommune bzw. eine Baugenehmigung benötigt.

Auch muss abgeklärt werden, welche Infrastruktur nötig bzw. vorhanden ist. Viele Sommerhäuser verfügen zum Beispiel nicht über eine wintertaugliche Wasserversorgung, und die Heizung ist, wenn überhaupt vorhanden, nur für kühle Frühjahrs- und Herbsttage ausgelegt, nicht aber für richtiges Winterwetter.

MfG
Gerhard

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon vibackup » 1. März 2016 17:27

Du hast recht, es war eine Sommarstuga, kein Haus für permanentboende.
:patsch: Das hatte ich vergessen.
Gerhardt hat recht!

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon Ekbygg » 19. März 2016 11:12

Hej Bernhard,

hier ein paar Infos zum Thema bygglov:

Bei der Prüfung der Baugenehmigung (bygglov) wird darauf geschaut ob der Neubau, Anbau oder die Veränderung ins Landschafts- und (oder) Stadtbild passt. Außerdem wird darauf geachtet, ob sich daraus möglicherweise Gefahren entwickeln oder Nachteile für die Nachbarn. Auch wird darauf geachtet, ob die Veränderung ästhetischen Ansprüchen in Form und Farbe standhält.

Egal ob Du eine neue Etage auf das Haus setzt, ein Haus neu baust oder einfach zur Seite anbaust, sei es auch nur eine überdachte Terrasse, Du brauchst, auch in Schweden, immer eine Baugenehmigung. Für kleine Nebengebäude, wie z.B. ein Spielhaus für Kinder (Lekhus) oder einen Gartenpavillon (Lusthus) gibt es eine vereinfachte Regelung, auf die ich später noch eingehen werde.

Bei dem Baugehmigungsverfahren achtet man in Schweden auch besonders auf kulturhistorische, bautechnische und Umwelt-relevante Aspekte.

Solltest Du einen Neubau planen, empfehle ich einen Architekten (arkitek). Auch bei Anbauten, bei denen die Statik des Hauses stark verändert wird, würde ich einen Architekten in Anspruch nehmen. Bei allen anderen Vorhaben ist der Prozess der Baugenehmigung eigentlich viel einfacher als in Deutschland.

Das Formular für die Genehmigung (ansökan om bygglov) erhältst Du bei Deiner Kommune. Dort trägst Du ein was Du bauen oder verändern willst. Dann benötigst Du noch einen Grundstücksauszug. Davon machst Du eine Kopie und zeichnest den Anbau ein (Grundriss).

Außerdem benötigst Du eine einfache Zeichnung vom Haus aus allen Perspektiven. Für Häuser, die in Gewässernähe stehen, gibt es noch ein weiteres Formular (ansökan om strandskyddsdispens) welches eingereicht werden muss, ist aber nicht weiter kompliziert. Es geht auch dabei nur um den Abstand zum Gewässer. Wenn Du alles zusammen getragen hast gehst Du damit zur Bauabteilung Deiner Kommune und besprichst alles mit den sehr hilfsbereiten Mitarbeitern der Kommune. Nach höchstens zwei Wochen erhältst du die Genehmigung in den meisten Fällen mit einer Rechnung um die 3.500,- Kronen.

Für kleinere Bauten auf Deinem Grundstück benötigst Du keine Baugenehmigung. Diese Gebäude müssen frei stehen, mit einem Abstand von mindestens vier Metern zum Haus oder zum jeweiligen Nachbarn. Das Gebäude darf nicht höher sein als 3,2 Meter und nicht größer als 15 Quadratmeter.

Es darf nicht isoliert sein und keine elektrischen Installationen enthalten. Das ist die Definition der 15 qm-Regel. ABER!!! Es gibt so viele unterschiedliche Regelungen von Kommune zu Kommune, so dass ich Dir auch hier empfehle Dich bei Deiner Kommune vorher zu erkundigen, besonders was den Abstand des Gebäudes zu den Grundstückgrenzen betrifft.

Die Baugehmigung wird für fünf Jahre erteilt und muss in den ersten zwei Jahren begonnen werden. Sind die Bauarbeiten abgeschlossen, muss das Bauamt benachrichtigt werden und es erfolgt normalerweise eine Abnahme.

Beispiele für genehmigungspflichtige Bauten:

-Neubau
-Anbau Badezimmer oder anderer Räume
-Dachgauben
-Altan (Holzterasse)
-Überdachung eines Altans
-Anbau eines Carports
-Anbau einer Garage
-Anbau eines Vordachs über dem Eingang
-Änderung der Fassade (von Putz zu Holz, neuer Farbton!)

Beispiele für 15 qm-Regel, bedingt genehmigungspflichtig:

-freistehender Carport oder Garage
-Lusthus
-Lekstuga
-Stuga
-Vedbud (Holzlager)

Wenn du emhr Fragen hast kannst du mir gerne schreiben unter http://ekbygg.jimdo.com/kontakt/

Hälsningar
Ekbygg

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon vibackup » 19. März 2016 11:56

Ekbygg hat geschrieben:Egal ob Du eine neue Etage auf das Haus setzt, ein Haus neu baust oder einfach zur Seite anbaust, sei es auch nur eine überdachte Terrasse, Du brauchst, auch in Schweden, immer eine Baugenehmigung.


Hej Ekbygg!

Du bist nicht ganz up to date, ich gebe dir mal ein paar Links ua vom Boverket:

http://www.boverket.se/sv/PBL-kunskapsb ... fallshus/#
https://sv.wikipedia.org/wiki/Attefallshus
http://www.boverket.se/sv/byggande/bygg ... efallshus/

Im Kurzen:
  • Die 15 m2 beziehen sich auf das alte friggebod, inzwischen gibt es eine neuere Regelung mit dem sog. Attefallshus (siehe Links) bis zu 25m2. Hier sind auch Regeln zum Anbau liberaler geworden.
  • Du musst unterscheiden, ob du innerhalb oder außerhalb des Detailplanes baust, da gelten unterschiedliche Regeln
  • Ein Attefallshus darf mit allem ausgerüstet werden, was ein normales Haus hat, und darf auch als Permanentbostad dienen
  • Unter gewissen Umständen ist nicht nur keine Baugenehmigung erforderlich (das gilt generell für Friggebod und Attefallshus), sondern nicht einmal eine Bauanmeldung
  • Die überdachte Terasse ist in der Regel frei baubar: http://www.boverket.se/sv/byggande/bygg ... n-bygglov/ (unter skärmtak)

Lies dir die Links mal durch, da hat sich einiges geändert in den letzten Jahren.
Es macht aber immer Sinn
  1. zu wissen, ob man innerhalb oder außerhalb des Detailplans baut
  2. mit der Kommune zu reden bevor man ein Bauvorhaben beginnt, um evtl. spezielle Regeln für bestimmte Gebiete, Typen von Bauvorhaben etc. zu erfahren.
Mvh

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Re: Baugenehmigung für Erweiterungsbau (Anbau) einer vorhandene Stuga auf Seegrundstück

Beitragvon Ekbygg » 19. März 2016 14:31

Hej Vibakup,

danke für den Hinweis! Muss ich mich rein lesen :-)
Mvh
Ekbygg


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