Baugenehmigung am Wasser problematisch

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Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon cardoso » 30. August 2011 20:24

Hallo liebe Schwedenfreunde,
ich bin nun schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einer kleinen Immobilie in Südschweden und unter anderem geht ein Gedanke dahin, eine Grundstück an einem See zu kaufen. Es soll nicht besonders groß sein, so ca. 1000qm² wo ich dann in den kommenden Jahren ein kleines Schwedenhäuschen bauen möchten.

Nun habe ich heute mit jemandem geschrieben der meinte, dass es sehr schwer ist eine Baugenehmigung für Häuser in direkter Wassernähe zu erhalten. Das habe ich ehrlich gesagt zum ersten Mal gehört und bin nun etwas verunsichert, denn es gibt ja unzählige Häuser die beispielsweise 50 Meter vom See entfernt gebaut wurden.

Kann mir dazu jemand etwas Sagen? Ist das Regionsabhängig?

LG Christian

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Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon kilopapa » 30. August 2011 21:25

Hej cardoso,

Das trifft zu. Aus dem Stand und der Erinnerung meine ich, daß es ein Naturschutzgesetz gibt, das die Bebauung von Ufergrundstücken stark einschränkt.

Ferner gibt es weiter ein Gesetz, daß Du der Öffentlickkeit den Uferzugang ermöglichen mußt.

Außerdem ist die Grundsteuer (kommunale Grundstücksabgabe) um ein vielfaches höher, als wenn das Grundstück z.B. 300m vom Ufer entfernt liegen würde.

Für genauere Informationen müßte ich erst suchen, ist mir für heute aber zu spät.
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Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon goteborgcity » 30. August 2011 21:57

Was Karsten sagt stimmt volkommen. Am See darf man nur mit Sondergenehmigung bauen und in der Regel müssen bis zu 100 Meter frei bleiben für jedermann. In Süd- und Mittelschweden gibt es nur sehr selten eine Ausnahmegenehmigung. Im Norden ist es etwas einfacher.

Die einzige Chance ist daher ein altes Haus am See zu kaufen, das gebaut wurde bevor diese Regeln galten. Aber selbst in diesem Fall muss man sich über die Rechte erkundigen, die nach dem Kauf auf dem Grundstück liegen.

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Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon stavre » 31. August 2011 09:19

noch eine anmerkung dazu

nur mit schwed. personennummer ist es erlaubt in seenähe zu bauen.

cardoso
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Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon cardoso » 31. August 2011 10:57

Hey,
danke euch für die bisherigen Antworten. Dann wäre es wohl nach meinem jetzigen Wissenstand einfacher, ein Grundstück inkl. Häuschen am Wasser zu kaufen, denn so "schnell" würde ich auch nicht an diese Nummer kommen. Hatte zwar eigentlich vor, alles Stück für Stück zu machen (Grundstück kaufen, Haus bauen & Einrichten etc.), aber dann muss man den Gedanken wohl eher etwas anders aufsetzen.

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Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon unbekannt » 31. August 2011 12:01

Hallo Naturfreunde,

von so einem Häuschen direkt am See träumen viele. Entsprechend hoch sind die Preise. Dafür bekommt man locker ein schönes Einfamlienhaus. Es gibt auch eine etwas günstigere Variante, wenn das Haus z.B. 200 m vom Ufer ist. Selbst wenn dir das Ufergelände nicht gehört, darfst du in der Regel dort baden oder dein Boot festmachen, wenn du dabei nicht andere Nachbarn in unmittelbarer Nähe störst. Aber dein Boot dort längere Zeit liegen zu lassen, wird schon eine Streitfrage. Du darfst auch streng genommen nicht mit dem Auto über fremdes Gelände fahren, um das Boot zum Ufer zu bringen. Mit dem Baden ist es dann auch so eine Sache, da meistens Schilf, Gestrüpp und Unterholz den Spaß verdirbt. Einfach so einen Steg fürs Boot oder zum Baden bauen, geht auch nicht auf fremden Gelände. Wurde schon in einem Rechtsstreit von 1946? geklärt.

Wir hatten das alles in Gedanken vor einiger Zeit durchgemacht, weil wir uns ein so ein Haus 200 m von einem See kaufen wollten. Es lag wunderschön mitten im Wald. An der Bruchbude war aber so viel zu machen, dass es sich wahrscheinlich zum blanken Horror enwickelt hätte. Man sollte sich auch Gedanken machen, wer im Winter die Straße räumt und was das kostet. Oft sind das mehrere 100 m und so 30 bis 40 cm Schnee. Mit der Schaufel geht das nicht. Mir reichen schon meine 20 m. Viele dieser Häuser haben kein zulässiges Abwassersystem. Theoretisch dürfte man dann das WC nicht benutzen. Da gibt es jede Menge zu beachten.

Der absolute Hammer bei diesem Objekt war ja noch, dass es ringsherum von Privatwald umgeben war, was normalerweis kein Problem ist. Ein Zufahrt war amtlich auf der Karte aus dem 40er Jahren eingetragen, als das Grunststück vermessen wurde. Dort wo die Straße sein sollte, stehen aber 30m hohe Bäume. Die jetzige Zufahrt ist ebenfalls auf dem Privatwald. Für die Nutzung dieser Straße gabs aber kein Nutzungsrecht (Servitut). Das Servitut wollten wir uns vom Waldbesitzer geben lassen, der das verweigerte. Recht hätten wir irgendwann bekommen. Wir sind aber keine Streithammel, denen Nachbarschaftsstreitereien Spaß machen. Zudem war der nächste Nachbar 300 m weiter wegen eines anderen Rechtstreits bis in die höchste Instanz verwickelt.

Das sieht ja alles so schön aus mitten im Wald und in Seenähe und die absolute Ruhe. Aber eines Tages kann dir der Waldbesitzer den ganzen Wald abholzen. Wir wussten auch wirklich nicht wie die Waldbesitzer ticken. Das kann Jahrzente gut gehen oder auch nicht. Wir hatten dann keine Lust gehabt, zumal sich das Vermieten auch nicht gelohnt hätte. Jetzt fahren wir halt mit dem Auto nach wie vor die 5 km zum nächsten Badesee.

Ich habe aus Zeitgründen alles mal nicht so genau ausformuliert. Ich erwähne das aus Selbstschutz wegen so machner Haarspalterei. Irgendwann ist das halt nicht mehr so amüsant zu lesen. Falls etwas unklar ist, bitte Rückfragen stellen.

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Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon goteborgcity » 31. August 2011 12:33

Bei Wald und grösseren Grundstücken sollte man sich auch einige Gedanken über das Jagdrecht machen, denn viel Grund zu besitzen kann sehr grosse Probleme mit der Jagdgesellschaft nach sich führen. Auch Die Fischereirechte eines Sees sollte man sich vorher vor Augen führen, denn "einfach mal so machen" geht in Schweden nicht.

unbekannt

Re: Baugenehmigung am Wasser problematisch

Beitragvon unbekannt » 31. August 2011 13:46

ja, und hier noch ein Beispiel, was das Häuschen am See kosten kann, was ich eben auf die Schnelle gefunden habe:

http://www.hemnet.se/bostad/fritidshus- ... -3-2029617

1 Zimmer, 15 qm Wohnfläche, 1325 qm Grundstücksgröße, Plumpsklo (Trockenklo) inklusive, kein Wasser, kein Abwasser. Preis: 650 000 Kronen. Für dasselbe Geld gibt es auf dem Land auch ein ordentliches Einfamilienhaus mit 100 qm Wohnfläche in einer Siedlung.

Eine Geldanlage ist so ein Häuschen am See übrigens jedenfalls in meiner Gegend auch nicht, weil die Schmerzgrenze schon erreicht ist. Die derzeitige Preissteigerung liegt bei etwa 2%, was durch die Inflation wieder vernichtet wird. Dann kommen noch Unterhalt, jährliche Abgaben und Reparaturen hinzu.

Meine Meinung für meine Lebensverhältnisse: Ein Haus am See mieten ist zwar pro Woche sehr teuer, ich glaube über 1000 Euro, aber immer noch billiger als ein eigenes zu haben, wenn man es nur ein paar Wochen im Jahr nutzt. Ein eigenes Freizeithaus dieser Preisklasse lohnt sich vielleicht, wenn es sich Brüder, Tanten, Onkel, Neffen, Enkel u.s.w. teilen und ausgiebig übers Jahr nutzen. So ist das oft bei schwedischen Familien der Fall.

Ich muss meinen Traum vom "Häuschen am See" auch irgendwie verdauen. Ich glaube, ich kaufe mir lieber ein Kanu. Das ist billiger. Ein Zelt habe ich schon :) .


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