Hej Melange,
erstmal herzlich willkommen hier im Forum. Eine Auswanderung mit einem besonderen Kind muss sehr gut geplant und durchdacht sein, man kann sicherlich vieles vorher bereits recherchieren, aber die eigentliche Laufarbeit fängt erst im Land und erst nach Erhalt der Personnummer an.
Die Personnummer ist das wichtigste überhaupt in diesem Land, bevor du die nicht in den Händen hälst, wirst du eigentlich fast nur vor verschlossenen Türen stehen.
Vorallem bei der F-Kassan, die machen garnichts ohne diese Nummer.
1. Schritt also Skatteverket, damit ihr die Personnummer habt. Vorraussetzung ist natürlich, dass ihr eine feste Wohnanschrift in Schweden habt und entweder ein Job oder aber ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, damit ihr euch unterhalten könnt. Dies ist vorallem wichtig für Migrationsverket, wo ihr euer Aufenthaltsrecht beantragen müsst, innerhalb von 3 Monaten nach Einreise.
Den Sprachkurs bekommst du auch erst, wenn du die Personnummer hast, zumindest die kostenfreien Kurse.
Die Persönliche Assistens ist leider nicht so einfach zu bekommen. Deine Tochter muss mind. 20h/Woche Hilfe im alltäglichen Leben benötigen (Körperpflege, Kochen, Unterstützung bzw. Begleitung unterwegs ect) um die Persönliche Assistens bewilligt zu bekommen, ansonsten wird die F-Kassan komplett ablehnen. Du solltest also, wenn möglich, eine Pflegetagebuch führen, wo genau aufgeführt ist, worin und wie lange du deine Tochter unterstützen musst (Morgen-und Abendtoilette, Essen kochen und eventuell füttern und pürieren). Mein Sohn hat aktuell 3 Persönliche Assistenten, welche den Tag von 6.00-1.00 Uhr morgens abdecken, nicht berechnet werden die 6h Schulzeit, weil er dann nicht in unserer Obhut ist. Von 1.00-6.00 obliegt alles der Elternverantwortlichkeit, kann also nicht berechnet werden, obwohl gerade die Nächte wirklich hart sind.
Ob du, wenn die Assistens wirklich bewilligt wird, einen deutschen Assisenten bekommt ist nur dann gesichert, wenn die Kommune, wo ihr lebt, bzw. der private Anbieter, die jede Menge auf dem Markt vorhanden sind, auch einen solchen an der Hand hat. Persönliche Assistens ist nicht der beliebteste Job in Schweden, da meist sehr schlecht bezahlt. Auch sollte man wirklich genau hinschauen, sowohl bei den Kommunen als auch bei den privaten Firmen, wie das Auftreten ist, wie die Unterstützung ist und sich darüber im klaren sein, dass sich auf diesem Gebiet auch viele Schwarze Schafe tummeln. Zumal man auch bedingungsloses Vertrauen in diese Leute braucht, da sie oft Kinder bzw. Erwachsene Menschen betreuen, die keinerlei Sprache oder andere Kommunikationsmöglichkeiten haben.
Auch leben die meisten Menschen früher oder später entweder in einem betreuten Wohnen oder mit ihren persönlichen Assistenten in eigenen Wohnungen, je nachdem wie schwer die Behinderung ist.
Normalerweise greift in Schweden ein Rädchen ins nächste, wenn es erstmal am laufen ist, aber vieles muss man sich selbst erarbeiten, immer wieder telefonieren oder nachfragen. Ein Tolk steht dir bei den Terminen zu, allerdings gibt es da einige Dolmetscher, die sehr schlecht sind. Ich bin froh keinen mehr zu benötigen und die Termine allein wahrnehmen zu können, weil ich zu 95 % alles verstehe.
Wir sind mit unserem Sohn im Karolinska Huddinge in der Barnneurologi und sehr glücklich mit unserer Ärztin, es hat sich ein beinahe freundschaftliches Verhältnis gebildet, was sehr gut ist, denn wir müssen noch einige Jahre zusammenarbeiten. Generell sind wir mit der Betreuung im Karolinska Huddinge sehr zufrieden, Termine sind meist zeitnah zu bekommen oder werden in regelmässigen Abständen zugeschickt.
Ich kann vieles in deinen Ausführungen verstehen, auch den Wunsch für das Kind ein besseres Leben in Schweden zu haben, aber es ist nicht einfach, ganz und garnicht einfach. Auch in Schweden hat man so einige Stolperfallen, die grösste und heftigste ist einfach die Sprache, die sollte man nicht unterschätzen. So habe ich es in 4 Jahren nicht geschafft einen richtigen kompletten Sprachkurs zu durchlaufen, sondern habe, dank Sprachbegabung, mir die Sprache zu 90% selber beigebracht..einfach durch zuhören und nachquatschen. Leider habe ich grosse Wissenslücken, was die Grammatik bzw. das generelle Schreiben betrifft. Ich kann schwedisch sprechen, ohne Probleme, aber ich kann keine längeren Briefe ect. schreiben, meist reicht es für SMS oder Mail...wobei ich mir da nie sicher bin, ob sie auch verstanden werden
Uns hat der Schritt nach Schweden sehr viel gebracht, aber es hat uns auch viel Kraft, Schweiss und Tränen gekostet. Sicherlich würde ich den Schritt, mit dem heutigen Wissen, nochmals gehen, aber vieles besser planen und organisieren. Es gab Zeiten, da war ich sehr oft davor alles hinzuschmeissen und nur meine Kinder haben mir die Kraft gegeben durchzuhalten und es gab Zeiten, da habe ich alle schwedischen Behörden verfl...., vorallem die F-Kassan, die uns das Leben oft schwerer als nötig gemacht haben.
Ich will dich nicht vom Schritt nach Schweden abhalten, aber du solltest wirklich alles genau durchplanen und bloss keinen Schnellschuss machen, sonst wird es hier in Schweden vielleicht schlimmer als in Deutschland.
Wir können uns gerne im September oder Oktober, wenn du in Stockholm bist mal treffen und kennenlernen, dann kann ich dir direkt Tips geben, eventuell zu Behörden begleiten, wenn ich die Zeit dazu finde.
Grüsse JANA