Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

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eiszeit
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Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon eiszeit » 9. Oktober 2008 19:18

Hallo liebe Schwedenfans,

eine sehr tiefgreifende Frage. Wenn man sich entscheidet in ein Land wie Schweden
auszureisen, dann hinterlässt man Freunde, Eltern + restliche Verwandte. Wie macht
ihr das mit euch aus ? Gerade die Eltern die irgendwann auch älter werden und durchaus
auf Hilfe angewiesen sind. Letzten Endes überlässt man die ja größtenteils sich selbst.
Schweden ist ja nicht wirklich weit weg aber wenn man ganz realistisch ist, dann ist man
de facto weg.

Vielen Dank für eure Ausführungen.


Grüße,

Eiszeit

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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon blueII » 9. Oktober 2008 19:41

Hallo Eiszeit,

Du sprichst - aus meiner Sicht - eine ganz düstere Seite der Auswanderung an.

Meine Eltern sind jetzt mitte 70zig, wir sind vor einem halben Jahr mit der einzigen Enkeltochter 4 Jahre ausgewandert.
Meine Eltern fiel das sehr sehr schwer, noch heute fallen solche Sätze wie Du ansprichst.."im Stich gelassen; hilflos, Alleine"
Auch für mich war dieser Schritt in dieser Hinsicht sehr schwer, aber wir mußten die Vernunft walten lassen. Wir sind nicht aus Jux umgezogen sondern wenn wir jetzt nicht diesen Schritt nach S gemacht hätten, wäre ich irgendwann im asiatischen Raum bestenfalls in Südeuropa aufgewacht. Sprich, irgendwann hätte uns der Arbeitgeber meines Mannes "getrennt" und so hatten wir wenigstens Mitspracherecht.

Es ist immer schwer seine Eltern zurückzulassen, aber ehrlich, haben sie uns nicht auch so erzogen, wie wir heute sind?
Aus uns das gemacht, sodaß wir überhaupt mit dem Gedanken spielen, so einen nicht unerheblichen Schritt zu machen?
Nach manchen traurigen Tagen sagt meine Mutter, dass sie sehr stolz auf uns ist aber auch auf sich und ihre Erziehung :wink: .

Das in ganz kurzer Form von der emtionalen Seite, die praktische Seite:
In diesen ersten 8 Monaten, waren meine Eltern jetzt schon 3x!! für mehrere Wochen in Schweden. Wir haben für ein komfortables Gästezimmer in unserem Hasu gesorgt und dank der z.ZT. günstigen Flugverbindungen war es bisher auch finanziell kein Problem.
Diese lange Zeiten des "Zusammenlebens" ist für uns alle neu - bsiher kam man auf einen Nachmittag vorbei oder max. 1 Nacht - ist eine zeitweise sehr anstrengende Erfahrung aber auch sehr schöne.
Und nach der langen Besuchzeit, freut sich jeder wieder für sich zu sein und hat Kraft getankt für die nächste Wartezeit.

Natürlich versuche ich meine Eltern so gut als möglich zu unterstützen. Rufe aus Schweden Handwerker oder Ämter an, falls nötig oder sende einen Freund vorbei wenn andere Unterstützung gefragt ist. So haben wir die Zeit bisher gut überstanden.
Für den worse case---ein oder beide Elterteile werden pflegebedürftig-- habe ich auch keinen Plan und muß schauen wie es zukünftig weitergeht, in der Hoffnung dass er niemals eintritt.

Kurz gesagt es ist fies, schrecklich und man fühlt sich echt mies, seinen Eltern gegenüber.
Aber mit klaren Augen betrachtet, hätte ich auch in D nicht viel mehr für sie tuen können. Zur tagtäglichen Pflege war die räumliche Distanz auch in D schon viel zu groß.Und sollte mal ein Elternteil zurückbleiben und den Wunsch hegen hierher zu kommen, sollte das kein Problem sein.

Liebe Grüße
Heike

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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon janaquinn » 10. Oktober 2008 06:08

Hej Eiszeit,
eine sehr interessante Frage, gerade was die Eltern betrifft.
Und wenn ich ehrlich bin, bei meinem Vater interessiert es mich herzlich wenig, habe den Kontakt abgebrochen und lebe sehr gut damit. Warum und Weshalb ich diesen Schritt gemacht habe, werde ich hier nicht erörtern....
Meine Mutter lebt seit 5 Jahren nicht mehr, aber ich hätte sie defintiv nach Schweden geholt, auch wenn das Zusammenleben mit ihr nicht einfach gewesen wäre. Natürlich immer vorausgesetzt, sie hätte es selber gewollt.
Meine Schwiegermutter wird im nächsten Jahr 70, sie ist allerdings sehr fit und ich mache mir bei ihr keine grosse Sorgen, allerdings gilt für auch für sie, wenn sie kommen will, dann ist sie willkommen.

Der Rest der Verwandtschaft hat Familie und plant immer wieder einen Besuch bei uns, bis jetzt ist aber keiner bei uns "aufgeschlagen".

Es kommt wahrscheinlich immer auf den Einzelnen und sein Verhältniss zu den Eltern bzw. Schwiegereltern an, wenn es um eine solche Entscheidung ging.
Meine Schwiegermutter hat uns damals in der Entscheidung bekräftigt, hatte dann kurz vor der Abreise einen schweren "Durchhänger" wegen der beiden Enkelchen, aber mittlerweile ist sie sehr stolz auf uns und das Erreichte. Zur Zeit freut sie sich auf meinen geplanten Besuch in München mit meiner Tochter, die sie seit 2 Jahren nicht gesehen hat.

Aber wie Heike schon geschrieben hat, selbst in Deutschland wäre die räumliche Trennung sehr gross gewesen, Schwiegermutter lebt in München und wir lebten damals in W´tal....also auch nicht gerade um die Ecke, Besuche waren auch nicht immer und sofort möglich gewesen.
Von Stockholm aus ist es nun sogar einfacher, weil täglich mehrere Direktflüge nach München gehen, so das man recht schnell reagieren könnte.

LG JANA
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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon Skogstroll » 10. Oktober 2008 09:41

Das ist tatsächlich ein ganz schweres Thema, das jeder eigentlich nur mit sich selbst ausmachen kann. Auch wenn man mit Kindern auswandert, kann für die die dauerhafte Trennung von den Grosseltern (plus ggf. sonstiger Verwandtschaft) eine Belastung werden. Dazu kommen evtl. ganz praktische Probleme, weil plötzlich keine Oma mehr da ist, bei der man die Kinder mal lassen könnte oder die den Goldfisch/Hamster/Kater/Hund mal im Urlaub pflegt. Abgebochene Kontakte zu den Eltern rechne ich mal nicht mit, das ist sicher nicht der Normalfall.

Ich kenne nur einen Fall, in dem jemand seine Eltern nachgeholt hat - mit mässigem Erfolg. Die alten Herrschaften sitzen nun fast frei von Sprachkenntnissen (das ist im fortgeschrittenen Alter nicht mehr so einfach) und somit fast ohne Kontakte in einer Mietwohnung. Ob das nun die Lösung ist?

Skogstroll

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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon knäul » 10. Oktober 2008 10:26

Ein sehr interresantes Thema, bin vor 5 jahren ausgereist und habe meine Eltern meine Kinder und Freunde
zurückgelassen.Ein nicht so leichter Schritt.Denke besonders für meine Kinder, obwohl erwachsen wars am Anfang
schwer.Muss aber sagen das durch die Besuche bei uns der Konntakt viel intensiver geworden ist als er teilweise in Deutschland war.Man freut sich aufeinander und plant Zeit ein, in Deutschland war es nicht ganz so mal zu Geburtstagen und kurz am Wochenende wenn es ging.
Mein Vater ist im kürzlich und überraschend mit 74 Jahren verstorben, war sehr schwer für mich ,muss nun aus der Ferne sehen ob meine Mutter nun nach über 50 Jahren Ehe allein zurechtkommt.Wenn sie mal ein Pflegefall
sein sollte weiss ich auch noch nicht was wird, aber meine Eltern haben unsere Entscheidung akzeptiert und ich bin im froh das ich diese zeit hier mit meinem Vater hatte.

mfg Klaus

hansbaer

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon hansbaer » 10. Oktober 2008 11:56

Um mal einen Schwenk Richtung Freunde zu machen, damit es nicht nur um die Pflege der Eltern geht.

Meine Erfahrung ist, dass sich in solchen Situationen zeigt, welche Freunde wirklich wichtig sind. Manche lassen nie von sich hören und reden bestenfalls mal beiläufig davon, einen zu besuchen zu wollen. Andere schauen hingegen öfters vorbei - wobei man das nicht zu festen Kriterien machen sollte, denn viele können einfach nicht, freuen sich aber, wenn man sich mal im Heimaturlaub trifft.
Natürlich ist immer die Frage, welche Art der Freundschaft man zuvor pflegte. Wenn man sich vorher mindestens wöchentlich sah und um die Häuser zog, ist das natürlich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Es ist also selten so wie vorher, aber diese Dinge ändern sich im Leben ohnehin, und wenn die Chemie wirklich stimmt, dann wird die Freundschaft auch dann bestehen bleiben, wenn Alltag und Wohnort weit entfernt von dem entsprechenden Freund sind.

tilmann

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon tilmann » 10. Oktober 2008 12:44

Hej hansbaer!

So erlebe ich das auch.

Tilmann

eiszeit
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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon eiszeit » 10. Oktober 2008 13:43

Hi,

vielen Dank für eure Einschätzungen. In dem Zusammenhang wäre
es vielleicht noch interessant zu wissen, welche Beweggründe ihr hattet
nach Schweden zu ziehen bzw. welche Motivation besteht bei den noch nicht
Zugezogenen.

In welchen Alter hab ihr euch dazu entschieden. Und in diesem Zusammenhang
vielleicht noch Punkt -> Herrscht in Schweden eigentlich eine Altersdikriminierung
wie in Deutschland ?

Im Übrigen um auf das Thema "Eltern" zurückzukommen, ich kann da nur zustimmen.
Es kommt schon sehr auf die zwischenmenschliche Beziehung an. Wenn man allerdings
ein sehr enges Verhältnis zu seinen Eltern und immer für einen da waren, dann
fällt das verda... schwer. Ich glaube die jetzigen Generationen sind auch die ersten,
die sich wirklich dieser Fragestellung unterziehen müssen. Die Notwendigkeit (oder auch
Möglichkeit) auszuwandern bzw. dem Job hinterzuziehen ist ja eher ein sehr junges Phänomen.

Noch eine andere Frage:

Was glaubt ihr in Schweden zu bekommen, was es in Deutschland nicht gibt ?

Schweden ist ja sicherlich sozialer, und als jemand der noch partiell sozialistisch
aufgewachsen ist, scheint man durchaus eine gewiße Wärme und Zwischenmenschlichkeit zu spüren.

Die Frage ist, drügt diese Bild ? Und zweitens wird Schweden sich im Zuge der Globalisierung nicht
genauso am Sozialabbau beteiligen müssen ?


Viele Grüße,

Eiszeit

hansbaer

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon hansbaer » 10. Oktober 2008 13:56

Zur Altersdiskriminierung: nach unten ganz sicher nicht, weil man auf Kinderfreundlichkeit bedacht ist und das soziale System auch darauf entsprechend ausgerichtet ist, d.h. es gibt an jeder Ecke einen Kindergarten.

Nach oben hin: beruflich weniger, weil man hier bei der Einstellung weniger aufs Alter schaut, wie mir scheint. Wenn es aber um Altersheime usw. geht, bin ich mir nicht so sicher, ob Schweden da deutlich besser ist. Da es zur schwedischen Mentalität gehört, dass die sozialen Risiken immer der Staat trägt, landen die Alten genauso am Ende in Heimen. Ob diese generell besser sind als in Deutschland, kann ich nicht beurteilen.

Was die "Wärme" und "Zwischenmenschlichkeit" angeht: 18 Jahre später sieht alles schöner aus.
Schweden hat zwar wohl sozialistische Anleihen im System, aber die "Wärme" halte ich weniger für eine Eigenschaft dieses Systems an sich. Ich frage mich, was für Dich denn diese Wärme und Zwischenmenschlichkeit ausmacht. Das sind alles höchst diffuse Begriffe.

Ich sage jedenfalls: jeder ist im Endeffekt sich selbst der nächste, und das ist in Schweden nicht anders.

nysn

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon nysn » 10. Oktober 2008 14:32

Was glaubt ihr in Schweden zu bekommen, was es in Deutschland nicht gibt ?

Schweden ist ja sicherlich sozialer, und als jemand der noch partiell sozialistisch
aufgewachsen ist, scheint man durchaus eine gewiße Wärme und Zwischenmenschlichkeit zu spüren.

Die Frage ist, drügt diese Bild ? Und zweitens wird Schweden sich im Zuge der Globalisierung nicht
genauso am Sozialabbau beteiligen müssen ?


1. Vielleicht mehr Ruhe und Langsamkeit, wenn man dies nun schätzt. Auf dem schwedischen Land kann man günstige Häuser kaufen - große Grundstücke und in manchen Teilen des Landes hat man seinen Nachbarn auf Kilometerabstand. Einem Leben als "Selbstversorger" steht eigentlich nichts im Wege.

2. Schweden ist nicht sozialer - das ist nur "REKLAME" - irgendwie hat es Schweden mal geschafft, sich als "Wohlfahrtsstaat" zu etablieren, was aber nicht bedeutet, dass es Wohlstand für alle gibt. Es geht allen einigermaßen gut - jeder zahlt hohe Steuern und die Leute beklagen sich im allgemeinen nicht so sehr wie in Deutschland, auch wenn sie weitaus weniger "Service" von Vater/Mutter Staat erhalten. Würde man einen Vergleich in allen Punkten des Sozialsystems machen - so würde ich mal tippen, dass Deutschland in dieser Hinsicht "sozialer" ist.
Ich empfinde z. B. Bayern oder Baden-Württemberg viel sozialer als Schweden.

3. Der Sozialabbau hat in Schweden schon viel früher eingesetzt als in D - und ist schon viel viel weiter vorangeschritten - die Einschnitte, die in D zurzeit noch diskutiert werden, sind hier schon Realität.

Was Hansbaer sagt stimmt zu 100 %: Jeder ist sich selbst am nächsten auch in Schweden!

Alles andere wäre ein Trugschluss oder Inga Lindström ...

S-nina


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