Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

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bjoerkebo

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon bjoerkebo » 10. Oktober 2008 17:22

Ich habe beobachtet,das hier viele"alte" Schweden so lange es geht zu Hause gepflegt werden.
Wir haben z.B. eine ätere Dame zur Nachbarin,die wirklich krank ist und auf Hilfe angewiesen.
Es kommt 24 Std.rund ein Flegedienst,der alles macht und sie versorgt.
Und auch unsere anderen Nachbarn sind alle über 70 und wohnen in einer Wohnung.

Was meine Eltern angeht,muss ich sagen fiel mir die Auswanderung auch nicht leicht.Zwar sind meine Eltern noch nicht soo alt,aber da ich Einzelkind bin mache ich mir so meine Gedanken zum Thema.
Wir haben viel mit ihnen darüber gesprochen und sie haben selbst auch vorgesorgt,wenn sie mal nicht mehr können.Aber was genau wird,wenn sie mal nicht mehr können haben wir nicht geplant,will ich auch noch nicht.
"Det ordnar sig"wie die Schweden so sagen.

Da ich eine enge Bindung zu meinen Eltern habe,bekamen meine Eltern einen Pc und wir haben ein Jahr lang mit ihnen geübt zu skypen,was die Entfernung nicht so weit erscheinen läßt.Und das klappt prima.

eiszeit
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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon eiszeit » 10. Oktober 2008 18:59

Hi,

@hansbaer:

Ich glaube den Begriff soziale Wärme ist sehr schwer zu definieren.
Für mich stellt sich z.B. die Frage: Welche Rolle spielt Geld. Wie sieht es mit der Gier danach aus.
Ich bin überzeugt davon das das nicht in alle Gesellschaften gleich ausgeprägt ist und das liegt
unter anderem an Politik, Wirtschaft, Gesetzgebung und vor allem Erziehung. Das ist sicherlich ein sehr
weites Feld, was wahrscheinlich auch jeder unterschiedlich beantwortet und bewertet, weil er
unterschiedliche Erfahrung gemacht hat. Die Finanzkrise zeigt ja deutlich, dass hier etwas im Argen liegt
vor allem im menschlich, moralischen Bereich.

Zum Thema "jeder ist sich selbst der nächste". Ich weiss was du meinst ohne Frage ! Im Alltag ist das sicherlich
so. Aber trotzdem möchte ich erwähnen, dass es Momente gibt, wo Leute zusammenstehen. Sei es
die Flutkatastrophe, sei es der Tsunami, etc. aus welchen Gründen auch immer

@Schwedenfreund

Ruhe und Langsamkeit ist ja im Prinzip ein sozialer Aspekt, wenn man es aufs berufliche
bezieht. Ist denn die Arbeitskultur (im Allgemeinen) anders in Schweden ?

@bjoerkebo

Also Fazit. Man tut es oder man tut es nicht. Ich würde sagen die Einschätzung, dass selbst wenn
man in Deutschland bliebe, man sehr weit weg leben kann, ist durchaus ein Argument. Wenn ich
in Hamburg lebe und in München meine Eltern, dann existiert das Problem in equivalenter Form.
Und Schweden ist eigentlich nur ein bis zwei Flugstunden entfernt.


Allgemein:

Was mir ganz stark auffiel. Eine Menge an jungen Leute in Stockholm. Kinder wo man hinschaute.
Wenn ich das mit meiner Gegend vergleiche, ist das ein Kulturschock. Erging euch das auch so ?
Und das kann ja nur ein Pro für das Land sein. Wo viel Jugend ist, da kann man auch ein Sozialstaat erhalten. In Deutschland scheint das nicht zu gelingen.


Grüße euch,

Eiszeit

nysn

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon nysn » 10. Oktober 2008 19:42

Ich habe beobachtet,das hier viele"alte" Schweden so lange es geht zu Hause gepflegt werden. Wir haben z.B. eine ätere Dame zur Nachbarin,die wirklich krank ist und auf Hilfe angewiesen.
Es kommt 24 Std.rund ein Flegedienst,der alles macht und sie versorgt.


Das stimmt, hier in Schweden werden die Leute so lange es geht über den "hemtjänst" - häuslichen Pflegedienst versorgt. Das heißt aber nicht, mehr "Wärme oder Nähe" - sondern das ist knallharte Betriebswirtschaft. Die Pfleger haben nicht unbegrenzt Zeit und erledigen bei weitem nicht alles, was sich die älteren Leute wünschen oder sogar brauchen - da wird gefeilscht und gehandelt, um jede halbe Stunde. Da ist ganz genau festgelegt, was für den Einzelnen getan wird und das ist auch sehr kommunenabhängig - also reiche Kommune = mehr Service, weniger reiche Kommune = weniger Service!
Dieses Thema ist übrigens auch ein Dauerbrenner in den lokalen Zeitungen - wird zurzeit leider wegen der Finanzkrise in den Hintergrund gestellt - taucht aber sicher auch bald wieder auf, zumal auch zu erwarten ist, dass die Kommunen in absehbarer Zeit gerade dafür wieder weniger Geld zur Verfügung haben werden.

Also auch hier in Schweden gilt: wer sich auf den kommunalen Dienst verlässt, bekommt eben auch nur kommunale Leistungen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sorgt privat vor. Es werden hier z. B. Wohnungen für Leute 55+ angeboten, wo dann später bei Bedarf auch Servicedienstleistungen gekauft werden können. Wie gesagt, das ist aber PRIVAT und nicht besonders billig!

Welche Rolle spielt Geld. Wie sieht es mit der Gier danach aus.

Geld spielt auch in Schweden eine große Rolle - jeder will es haben - alle haben "anscheinend" nicht genug, deshalb wird wild ausgeliehen - Kreditkarten-, SMS- und Bankkredite. Die private Verschuldung ist in Schweden hoch.

Aber trotzdem möchte ich erwähnen, dass es Momente gibt, wo Leute zusammenstehen.

Das habe ich in Schweden nicht gemerkt, dass die Leute hier nach der Tsunami-Katastrophe näher als anderswo zusammengestanden wären - die Schweden wurden ja nicht mal von ihrem Land abgeholt - es gab dann auch gleich eine Krise in der damaligen Regierung, die ich nicht so sehr mitverfolgt habe - aber anscheindend war der zuständige Minister gerade in Weihnachtsferien und der Herr Persson wollte auch nicht gestört werden. Danach wurde dann ein Schuldiger gesucht und wenn ich mich nicht irre, hat der "Arme" dann nach Jahren ohne Job in diesem Jahr wieder einen Diplomaten-Posten in irgendeinem Land bekommen, wo er weitab vom Tagesgeschehen ist und mehr oder weniger uninteressant.

Ruhe und Langsamkeit ist ja im Prinzip ein sozialer Aspekt, wenn man es aufs berufliche
bezieht. Ist denn die Arbeitskultur (im Allgemeinen) anders in Schweden ?


Ruhe und Langsamkeit herrscht in der Regel dort, wo es auch NIX zu tun gibt - also mehr oder weniger auf dem Land. In den Städten ist es genauso wie in Deutschland - möglicherweise macht man hier mehr Kaffeepausen und man hält die Arbeitszeiten besser ein. Aber will man Karriere machen, dann hat man hier genauso wie in D das gleiche Hick-Hack und Gerangel am Arbeitsplatz. Z. B. werden die Jobs knapp, kommt der dran, der die besten Beziehungen hat - Migranten ganz zum Schluss, wenn überhaupt. Die Art und Weise, wie man sich am Arbeitsplatz auskonkurriert, unterscheidet sich auch - die ist hier subtiler - sprich: man merkt es erst dann, wenn es zu spät ist.

In der Regel sind auch beide Elternteile berufstätig - d. h. die Kinder befinden sich die meiste Zeit über im Kindergarten/Hort/Schule und die wenige Zeit am Wo-Ende dann mit den Eltern. Aber heutzutage gibt es ja Fernsehen, Computer und Fußballvereine - wo man die Kids dann auch am Wo-Ende ruhig stellen kann.

Was mir ganz stark auffiel. Eine Menge an jungen Leute in Stockholm. Kinder wo man hinschaute.


Na ja, das ist wirklich subjektiv - also es gibt hier in Schweden auch nur 1,xx Kinder - vielleicht ein 0,25-Kind mehr als in Deutschland. Die normale schwedische Familie besteht anfangs aus: Mutter/Vater, 2 Kindern, 1-2 Volvo und Hund - später kommen dann noch etliche "Plastik"-Verwandte - d. h. Halbgeschwister und Patchwork-Elternteile hinzu.

Also auch ähnlich wie in Deutschland.

Was mich interessieren würde, woher stammt dieses Bild von dem so "vorbildlichen Sozialstaat" Schweden?

S-nina

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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon Anni und Tobi » 11. Oktober 2008 11:20

Also unterm Strich laube ich schon, dass Schweden ein wenig sozialer ist als Deutschland. Aber es ist in der Tat die Frage, was man betrachtet und erwartet.
Ich hab schon den Eindruck, dass Altersdiskriminierung in Schweden existent ist, vielleicht aber weniger als in D. Da gibt es Beispiele wie das zentral hergestellte und dann gelieferte, in der Mikrowelle aufgewärmte Fertigessen in kommunalen Altenwohnheimen oder Geschichten über 70-jährige, die keine "Tankkarte" mehr bekommen weil sie zu alt dafür sind. Wie's in D ist weiss ich nicht.
Stockholm ist in der Tat jung, aber liegt auch daran, dass man als Jungschwede früher oder später in Stockholm wohnt, studiert oder arbeitet, Kinder bekommt und nur ein Teil davon kehrt aufs Land zurück.
Ich glaube, dass das soziale Image Schwedens eine Gefühlsfrage ist. Es fühlt sich sozialer an und ich habe schon den Eindruck, dass Dinge wie Neid, Gier und die ausgeprägte Jammermenthalität der Deutschen in Schweden deutlich weniger vorhanden sind. In sofern steht man schon zusammen (heisst ja nicht, dass man "Händchenhalten" muss :wink: ). Es gibt das Prinzip: Alleine ist man stark! Aber das schliesst eine soziale Gesellschaft nicht aus.
Ruhe und Gelassenheit empfinde ich schon als Qualität der Schweden, die ich auch nicht mehr missen möchte. Es ist eine Frage der persönlichen Gewohnheiten, Erwartungen und Ansprüche. Insofern empfinde ich persönlich Schweden als sozialer als Deutschland.

Ein weiterer Beweggrund die Weite des Landes bzw. eine ausgelockerte Bebauung, wenn man so will. Ich habe Deutschland als relativ "eng" empfunden - geografisch und menthal. Das ist in Schweden deutlich besser, finde ich!

Aber Vor- und Nachteile gibt es hüben und drüben, wäre ja langweilig.

bjoerkebo

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon bjoerkebo » 11. Oktober 2008 14:18

Ich glaube das es immer mehr darauf hinausläuft das die Familien wieder mehr in die Bütt müssen und es wieder zu Mehrgenerations Familien geht,weil sich die Dienste kaum noch einer leisten kann.
Es gibt doch jetzt schon genug "Alte" die über 65 hinaus arbeiten müssen,damit sie über die Runden kommen.
Will gar nicht dran denken wie es mal bei uns oder unsern Kindern wird :evil:

Was ich persönlich toll finde sind "Alters WG´s.Man kann sich gegenseitig helfen und die sozialen Kontakte reißen nicht ab.Ist nat. auch eine Frage der Gesundheit.....

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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon MyHämmer » 11. Oktober 2008 15:08

Ich habe in Deutschland in einem Seniorenheim gearbeitet und bin dabei dies auch in Schweden zu tun und ich habe beobachtet das es hier in Schweden in eine etwas andere Richtung geht. Es ist schon mehr auf die persönlichen Bedürfnisse der Menschen ausgelegt. Natürlich spielt auch hier das Geld eine große Rolle aber ich finde es wird schon eine Menge mehr getan.
Wenn man auch den Hemtjänst sich ansieht, müssen wir ehrlich sein, welcher Heimpflegedienst in Deutschland hat Zeit sich um die persönlichen und menschlichen Bedürfnisse zu kümmern, dass habe ich beobachtet und ist in Schweden ebenfalls etwas anders angelegt, hier bleiben die Leute wirklich so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung und das ist schon mal was. Aber ich denke das es grade auch in Schweden viele ältere Leute gibt die sich ähnlich wie in Deutschland auch nicht trauen sich an die Kommune zu wenden und um Hilfe zu bitten, was in vielen Fällen mit Sicherheit angebracht wäre.
Jedes Land hat so sein eigenes System, ich will nicht sagen das es hier in Schweden unbedingt viel besser ist, aber es sind einige Gesichtspunkte die ich einfach menschlicher finde.

Aber wie gesagt alles eine Sache des Blickwinkels!

LG
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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon Faxälva » 11. Oktober 2008 15:51

Ich habe in Deutschland 10 Jahre in der Altenpflege gearbeitet, stationär wie ambulant.. und nun auch 8 Jahre in Schweden... gemessen an Deutschland kann ich nur sagen, ich arbeite 1000 mal lieber hier.... hier muss ich als Nachtdienst nicht ab 4Uhr die Dementen aus dem Schlaf reissen und waschen, anziehen und wieder aufs gemachte Bett legen.... es ist leichter, angepasste Hilfsmittel zu bekommen... Inkontinenzeinlagen werden recht grosszuegig verteilt .. und die Alten selber bestimmen viel mehr, welche Hilfe sie haben wollen.... ich kann nicht sagen, ob es stimmt, dass die reicheren Kommunen eine bessere Hilfe anbieten können, ich wohne in einer mehr armen Kommune und die Schreckensmeldungen ueber vanvård kommen eher aus den reicheren Landesteilen... gewiss, ist auch hier nicht alles Gold,was glänzt, aber die Pflege kommt mir humaner vor als wie ich sie in Deutschland erlebt habe, aber das ist natuerlich ein recht subjektives Empfinden...
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Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon Nanna » 22. Oktober 2008 18:06

Faxälva hat geschrieben:Ich habe in Deutschland 10 Jahre in der Altenpflege gearbeitet, stationär wie ambulant.. und nun auch 8 Jahre in Schweden... gemessen an Deutschland kann ich nur sagen, ich arbeite 1000 mal lieber hier.... hier muss ich als Nachtdienst nicht ab 4Uhr die Dementen aus dem Schlaf reissen und waschen, anziehen und wieder aufs gemachte Bett legen.... es ist leichter, angepasste Hilfsmittel zu bekommen... Inkontinenzeinlagen werden recht grosszuegig verteilt .. und die Alten selber bestimmen viel mehr, welche Hilfe sie haben wollen.... ich kann nicht sagen, ob es stimmt, dass die reicheren Kommunen eine bessere Hilfe anbieten können, ich wohne in einer mehr armen Kommune und die Schreckensmeldungen ueber vanvård kommen eher aus den reicheren Landesteilen... gewiss, ist auch hier nicht alles Gold,was glänzt, aber die Pflege kommt mir humaner vor als wie ich sie in Deutschland erlebt habe, aber das ist natuerlich ein recht subjektives Empfinden...



Ungefähr so ist auch unsere Erfahrung, von der anderen Seite betrachtet. Eine Oma in Deutschland im Pflegeheim, das multum kostete, steril wie ein Krankenhaus war und total ohne jegliche Wärme und Nähe.
Hier mussten wir leider auch die Bekanntschaft mit Altersheimen machen, sind aber sehr positiv überrascht, wieviel für sehr wenig Eigenleistung gemacht wird. Nähe und Wärme, Rücksichtnahme auf die jeweiligen Bedürfnisse, Suchen nach Lösungen, die individuell passen etc. Nein, es gibt uns doch das Gefühl, das wir es damit gut getroffen haben. Solche Sachen wie z.B. Spaziergänge, Einkaufen mit Gesellschaft, wurde in die Auflistung der Dinge aufgeführt, die bewilligt wurden, damit das Personal weiss, was es wie oft tun darf. Natürlich auch bürokratisch, aber trotzdem hat es bis jetzt gut funktioniert und entlastet uns durch das gut-aufgehoben-wissen ungemein. Denn so leicht ist die Entscheidung für ein Pflegeheim ja nicht unbedingt :)

Und das mit dem zurück-lassen in D, das ist ein zweischneidiges Schwert :(. Mir kamen die Kilometer noch nie so lang vor wie in der Nacht, in der mein Vater mir mitteilte, dass meine Mutter gestorben war :( :( . Geplant war, dass die beiden ein paar Jahre nach uns hierhochziehen wollten, in unsere Nähe, wo sie ein Haus hatten. Aber das Leben läuft nicht immer wie geplant ab. Auch die Zeit danach war schwer, einfach durch die Entfernung, ich wäre gerne öfter bei meinem Vater gewesen, aber es ging einfach nicht. Und wie es werden soll an dem Tag, an dem die Schwiegereltern zum Pflegefall werden, weiss ich noch nicht. Da wohnt die Schwägerin in der Nähe, aber sie steht dann ja recht alleine damit da und das ist auch kein tolles Gefühl.

Nach 13 Jahren hier oben haben wir jedenfalls festgestellt, wer wirklich mit uns befreundet ist und wer nicht, denn etliche Freundschaften sind mittlerweile sehr lockere Bekanntschaften. Dafür haben wir ja hier neue Freundschaften geschlossen und so gleicht es sich ja wieder aus. :)

Nanna

AltinSchweden

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon AltinSchweden » 22. Oktober 2008 21:43

Alle Alten, die ich in Schweden so kenne, vegetieren mehr oder minder in ihren Wohnungen einsam vor sich hin. Entweder haben sie keine Kinder oder diese kommen nicht oder nur sehr selten. Der einzige Kontakt zur Aussenwelt ist der Hemtjänst, wenn sie denn einen haben (und sich leisten können). In's Alterheim dürfen sie nicht, denn das ist nur für extreme, nahezu todgeweihte Pflegefälle bestimmt - und in's Seniorenheim können sie nicht, denn da hätten sie sich schon, laut Dagens Nyheter, mit 25 Jahren in die Schlange stellen müssen und bräuchten ausserdem einen Haufen Geld dafür.

Die Alten in Schweden werden zum grössten Teil wie verrottendes Gemüse behandelt. Sie halten halt in ihrer Wohnung aus, bis sie endlich superkrank genug (99 Jahre und blind reicht nicht!) für's Altersheim sind, oder sie sterben. Einsam.

In diesem Zusammenhang sei auf die Untersuchung Eurobarometern 2007 von Sveriges Kommuner och Landsting hingewiesen, aus der hervorgeht, das sich von allen EU-Ländern die Menschen in Schweden am wenigsten vorstellen könne, für die eigenen Eltern in deren Alter da zu sein bzw. irgendwie aufzukommen.

lilly

Re: Auswandern und Verwandtschaft, Freunde

Beitragvon lilly » 23. Oktober 2008 08:18

Hallo!

ich bin neu hier, habe auch einige Erfahrung mit Schweden/Deutschland und bin jetzt nach ein paar Jahren Deutschland wieder zurückgekehrt nach Schweden allerdings wohl mit gemischten Gefühlen. In Deutschland merkt man dass man auch nicht mehr ohne Schweden leben will. Das was Schweden ausmacht: Ruhe - weniger Stress. Man hat Zeit seine nächsten Handlungen zu überdenken - nicht wie in Deutschland einfach schnell, schnell zu reagieren. Andererseits hat das "im Ausland leben auch dunkle Seiten". Die Kontakte in Schweden sind vielleicht nicht so intensiv - also schwieriges Thema - :D


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