Ich glaube nicht, dass Schweden sich durch die Wahlen grossartig verändern wird - jedenfalls nicht zum Negativen. Ich nehme an, dass du den in den Massenmedien hochgespielten Rechtsruck meinst?
Gleich vorab - das was ich jetzt schreibe ist meine eigene, persönliche Ansicht. Es ist gut möglich, dass andere es anders sehen und mich vielleicht sogar widerlegen (Bin jetzt schon auf eine Diskussion gespannt

). Aber nach 11 Jahren in Schweden habe ich folgenden Eindruck:
- Schweden ist auf einem "multikulturell - Hype". Multikulturell gut, alles andere schlecht. 4 legs good, two legs bad - määäh (George Orwell läßt grüßen). Wer nicht für eine multikulturelle Gesellschaft ist, ist gegen den Staat und wird mit der Nazi-Rassist-Keule ausgeschaltet. Während im restlichen Europa Probleme rund um die Einwanderung diskutiert werden, werden diese hier in Schweden mit einem Tabu belegt und totgeschwiegen. Wer Einwanderer (nicht Deutsche, sondern nur die aus den typischen Asylländern, uns deutschsprachige darf man nicht nur kritisieren, sondern tut es auch mit einer gewissen Vorliebe) kritisiert, bzw. Probleme wie z.B. importierte Kriminalität anspricht, ist fremdenfeindlich und ein Rassist (zum Teil benutzen sie sogar den Ausdruck Nazi dafür.
Schon die alleinige Frage "Wieviel Einwanderung verträgt eine Gesellschaft?" würde jemanden mit unmittelbarer Wirkung zum Rassisten stempeln.
Leider sind sich in dieser Frage alle klassischen Parteien rührend einig, so dass Andersdenkenden - und es scheint ja mittlerweile recht viele zu geben - als einzige Alternative nur die Schwedendemokraten bleiben. Ich denke, dass es viele Protestwähler gab, die ihrem Unmut auf diese Art und weise Luft machten. Und das obwohl alle Massenmedien und alle anderen Parteien wirklich alles, gar alles getan haben, um die Schwedendemokraten als ultrarechtsrextreme Satanisten darzustellen. Keine Ahnung, ob sie das sind. Im Parteiprogramm steht eigentlich nichts merkwürdiges, nur dass sie eben die Einwanderung begrenzen wollen. Und Rückwanderung mit Geldbeträgen schmackhaft machen möchten. Natürlich ist das klar rechts von der Mitte, aber verglichen mit anderen rechten Parteien in Europa doch immer noch recht harmlos.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein verkappten Rechter. Jedoch stört mich EXTREM, wie undemokratisch gewisse Dinge hier in Schweden gehandhabt werden. Es wird hier wirklich eine Hetzkampagne übelster Art betrieben, es gibt nur zwei Extreme und nichts dazwischen. Immerhin habe ich in der Zeitschrift "Dagens Samhälle" einen (1!) Artikel gelesen, in dem ein Moderater Politiker zugegeben hat, dass man das Thema Einwanderung vielleicht doch mehr mit der Bevölkerung hätte diskutieren sollen. Alle anderen Artikel in derselben Zeitschrift - wie auch in allen anderen Zeitungen - haben nur die Schwedendemokraten verteufelt ohne sich vielleicht einmal selbstkritisch zu überprüfen. Nur weil ein Land voller Mitläufer sagt, dass Kritik an Einwanderung gleichzusetzen ist mit Rassismus glaube ich das noch lange nicht. Vor über 70 Jahren sagten alle Mitläufer ja auch, dass Hitler ein Messias sei, und wir wissen mittlerweile wie falsch die Masse liegen kann

Also - keine Angst! Die Schweden sind nicht mehr rechtsextrem als Deutsche, sie haben nur nicht soviel Rückgrat unbequeme Themen zu diskutieren und für ihre Meinung geradezustehen. Ich würde denen mal von ganzen Herzen einen Franz-Josef Strauss oder einen Sarrazin im Parlament wünschen - am Besten beide zusammen! Ich glaube ich würde nur noch die Nachrichten anschauen und mich kaputtlachen

Nur nicht alles glauben, was in schwedischen Zeitungen steht, sondern lieber zwischen den Zeilen lesen!
Viele Grüße,
Paul
P.S: Was die unterschiedliche Mentalität anbelangt: Halte dich südlich des Dalälvens (Fluß der Schweden in Nord-Süd teilt). Ich befinde mich auf der nördlichen Seite ........
