Auswandern ohne Schwedisch zu können?

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Yvi
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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Yvi » 8. Juli 2009 07:27

Na dann muß ich jetzt erst recht fleißig schwedisch lernen um über Fussball sprechen zu können.
Nein ich möchte ja auch über andere Dinge sprechen als nur über Fussball.
Naja in den Dörfern in D ist man auch ein Außenseiter wenn man nicht in der Feuerwehr, Schützenverein oder Sportverein ist. DAs nimmt sich nicht so viel wie in Schweden.
Aber mir ist auf gefallen das echt jedes noch so kleine Dorf in Schweden einen riesen Fußballplatz hat mit sämtlicher Ausrüstung und so weiter. Das gibt es in D nicht überall.
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Katrine

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Katrine » 8. Juli 2009 22:17

Kaka hat geschrieben:
Aber es ist einfacher wenn man die Sprache kann, ein halbes Jahr reicht um sich mer als nur Grundkenntnisse anzueignen.

raisalynn hat geschrieben:Das mag für entsprechend motivierte Menschen ganz sicher gelten. Aber wieviele Deutsche leben in Schweden - seit Jahren - und bekommen maximal small-talk hin? Und sprechen ja sowieso am liebsten deutsch?


Ich möchte mich hier mal zu Wort melden als eine derjenigen, die auch noch nach einem Jahr ueber die unterste Smalltalk-Ebene nicht hinaus sind. Es mag einige Leute geben, die binnen kuerzester Zeit perfekt Schwedisch sprechen. Die besitzen meiner Meinung nach entweder Sprachtalent, Zeit, einen Muttersprachler, der bereit ist mit ihnen von Anfang an Schwedisch zu sprechen oder eine Mischung aus allem zusätzlich zu der oben erwähnten Motivation.

Mit letzterer vor allem bin ich an die Sache herangegangen und stellte bald fest, dass das nicht wirklich reicht. Mein Umzug nach Schweden erfolgte auch eher holter-die-polter aufgrund eines neuen Jobs, sodass ich mich nicht wirklich vorher sprachlich darauf vorbereiten konnte. Neben einem Vollzeitjob, einer noch zuende zu schreibenden Doktorarbeit und einer sich sehr in die länge ziehenden Wohnungssuche blieb weder viel Zeit noch viel Energie und im Schwedischkurs zweimal in der Woche wurde alles mögliche gemacht ausser Schwedisch sprechen. Das erste halbe Jahr habe ich von den täglichen Fika-Gesprächen so gut wie gar nichts verstanden. Dazu liess ich mich anfangs zu schnell frustrieren, wenn die Antworten auf meine ersten Gehversuche sofort auf Englisch kamen. Mittlerweile habe ich mir dazu ein dickeres Fell zugelegt und spreche trotz der vielen Fehler drauflos. Sehr viel gebracht hat es mir, unseren Wohnungskauf inklusive Kreditaufnahme bei der Bank auf Schwedisch durchzuziehen, wenn auch recht holperich. Mit den Kollegen spreche ich mittlerweile nur noch Schwedisch und gleichzeitig hat mich das sehr viel einsamer gemacht, da es im Gegensatz zum Englischen vorher einfach noch nicht fuer eine fluessige Konversation mit Humor ausreicht und damit die soziale Komponente fehlt. Das ist jetzt die Durststrecke, durch die wohl jeder muss. Vielleicht wird es bei mir auch noch Jahre dauern, bis ich fluessig Schwedisch spreche, vielleicht wird es sich auch bei mir immer "rueckwärts" anhören. Trotzdem versuche ich so viel wie möglich zu lernen, zu lesen und zu sprechen.

Ich möchte nur dem sich hier aufdringenden Eindruck widersprechen, dass sich fuer einen Deutsch-Muttersprachler fluessiges Schwedisch quasi nebenbei in ein paar Wochen erlernen lässt, wenn man nur will. Das geht bestimmt, aber vielleicht nicht bei jedem und dann immer gleich fehlende Motivation zu unterstellen finde ich ein bisschen anmassend.

Katrine

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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Imrhien » 9. Juli 2009 08:56

Hej Katrine,
ich gebe Dir völlig recht. Als Deutscher hat man zwar Vorteile. das heisst aber nicht, dass man nach einem Jahr perfekt Schwedisch spricht. Ihc gehe sogar noch weiter, dass ich manchen, die nach einer relative kurzen Zeit behaupten, es fehlerfrei oder flüssig zu tun, abspreche, dass dies auch so ist. Ich kam mir nach meinem ersten Kurs so gross vor und dachte wow, ich kanns. Klar, im Vergleich zu vorher oder den Ausländern aus Hinterugadougu stimmt es ja auch. Aber wenn man ein wenig mehr will und genauer hinhört, merkt man schnell, dass man die Sprache gerade so angekratzt hat. Es reicht eben für Smalltalk, nicht mehr. Und das ist der Punkt ab dem es dann nur noch langsam und in kleinen Schritten geht. Man ist schnell gefrustet ob der eigenen Fehler und hört sie auch noch während man spricht selber. Leider kann man es nciht gut genug um sie zu vermeiden.
So ging und geht es mir. Nach fast 2 Jahren spreche ich ein solides Alltagsschwedisch. Von fehlerfreiem oder flüssigem Schwedisch bin ich weit entfernt. Ich lese Bücher, rede, schreibe Texte, auch auf der Arbeit gibt es nur schwedisch und das ist meist technisch und nicht gerade mein Standardvokabular. Ich habe mit schwedischen Schülern, die noch kein Deutsch konnten, schwedisch geredet und ihnen auf schwedisch den Akusativ im Deutschen erklärt. Es geht alles irgendwie. Trotzdem würde ich nie behaupten, dass ich super und perfekt Schwedisch kann. Manche halten das für eine Untertreibung und glauben da an eigentlich typisch britisches understatement. Ich sehe einfach die Mängel und weiss wie lange ich brauche, bis ich die ausgleichen kann. Für immer nämlich. Ich werde Schwedisch nie so sprechen wie ein Schwede.
Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer schneller ist, ist verda... begabt, hat besondere Umstände oder viel viel mehr Zeit als ich zum Lernen.
Dabei zähle ich mich selber schon zu den Begabteren im Bereich Sprache.
Ich kann also Deinen Missmut verstehen. Und die Tatsache, dass es nohc nicht zu mehr als Smalltalk reicht.
Mein Mann kommt zwar auch gut klar, macht aber deutlich mehr Fehler als ich. Er machte nach dem SFI nicht weiter. Keine Zeit und keine Energie, nach einem 8 Stunden Arbeitstag mit schwedischem Elektronik und INformatikgerede. Und dann darf man ja auch nicht vernachlässigen wie anstrengend so etwas ist, wenn man sich den ganzen Tag, wenn auch ohne grössere Probleme oder Unfälle, in einer eigentlich fremden Sprache unterhält. Man wird eindeutig schneller müde und urlaubsreif, das finde ich jedenfalls.

Grüsse
Wiebke

tilmann

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon tilmann » 10. Juli 2009 15:40

Hej!
Perfektes Schwedisch wird man wohl nur können, wenn man in Schweden aufgewachsen ist oder jedenfalls sehr früh Kontakt zu MuttersprachlerInnen hatte. Trotzdem glaube ich, dass man schon recht viel innerhalb eines Jahres lernen kann. Wenn man dann noch 'gezwungen' ist, viel Schwedisch zu sprechen, zum Beispiel weil man eine/n schwedische/n PartnerIn hat, geht es sicher nochmal besser.
Btw: Was ist der Unterschied zwischen flüssigem Schwedisch und solidem Alltagsschwedisch Wiebke?
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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Imrhien » 12. Juli 2009 18:01

Hej Tilmann,
vielleicht habe ich mich da faslch ausgedrückt. Es ist natürlich flüssig mein Schwedisch, oder klingt so. Für Leute, die kein Schwedisch können, klingt es allemal verda... flüssig :)
Aber ich mache eben noch viele Fehler, benutze Worte, die ein Schwede so nicht anwenden würde, auch wenn sie so im Wörterbuch stehen. Ich habe noch nicht die Auswahl an Vokabeln um mich auhc mal anders auszudrücken als immer auf die einfache Art. Natürlich verstehen sie mich und natürlich kann ich diskutieren. Aber ich bin sprachlich einfach eingeschränkt und das wird noch eine Weile so sein. Das meinte ich.

Grüße
Wiebke

tilmann

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon tilmann » 12. Juli 2009 19:39

Hej Wiebke!
Alles klar. Jetzt habe ich verstanden was Du meinst! Geht mir auch so ;-)
/Tilmann


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