Auswandern ohne Schwedisch zu können?

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nysn

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon nysn » 3. Juli 2009 18:06

Klar ist es einfacher, wenn man die Sprache schon kann, bevor man ins Land kommt. Aber es ist nicht unbedingt für jeden pauschal erforderlich.

Es kommt eben auf die Umstände an: ich konnte auch kein Wort Schwedisch als ich hier ankam - und hatte auch nicht vor, es unbedingt perfekt zu lernen. Mein Aufenthalt war für ein Jahr geplant und danach sollten wir wieder zurückziehen. Damals war ich Anfang 30 und die meisten Schweden in ungefähr meinem Alter,
die ich zuvor in München getroffen hatte, konnten ganz gut Englisch und wollten auch unbedingt immer damit angeben, wie tüchtig sie doch gerade in Englisch sind (nach einer Weile gingen mir die doofen Witze über das angeblich schlechte Englisch der Deutschen auch auf die Nerven - habe ich mittlerweile ziemlich viele gehört, die einen ordentlichen schwedischen Akzent in ihrer übertriebenen amerikanischen Aussprache haben).

Nach drei Monaten konnte ich ohne viel dazu zu tun so ziemlich alles verstehen - einfach so durch Zuhören und Zeitung/Bücher lesen. Danach habe ich auch angefangen, einfach auf Schwedisch zu reden - und jeder hat auch verstanden, was ich sagen wollte. Nach 1 1/2 Jahren als ich dann merkte, dass meine Zeit in Schweden doch etwas länger werden würde, bin ich zur Komvux gegangen und habe SAS A und B in einem halben Jahr ohne Anstrengung gemacht.

Schwedisch ist für Leute mit Deutsch als Muttersprache - was das Verständnis anbelangt - wirklich keine komplizierte Sprache. Schwedisch zu reden - vor allem die akzentfreie Aussprache - auf die in Schweden unter dem "gemeinen Volk" viel Wert gelegt wird (man höre nur mal auf den Volksmund, wenn es um den Akzent der Königin geht: die spricht nach 30 Jahren immer noch "rückwärts" ...) ist dagegen schwieriger. Je nachdem, auf welche Kategorie Schweden man trifft, ist das nicht immer einfach (die mit höherer Ausbildung und evtl. auch Auslandserfahrung sind in der Regel toleranter).

Will man ohne Sprachkenntnisse auswandern, dann geht das auch. Man muss eben erst mal einen finanziellen Puffer mitbringen, der es einem erlaubt, sich nur dem Sprachenlernen und sonstiger Landeskunde zu widmen.

Wenn man natürlich in seinem Heimatland sämtliche Brücken abreißt und nur auf ein neues Leben in Schweden setzt - ohne große Rücklagen - steigt das Risiko entsprechend. Doch das muss ja schließlich auch jeder selbst entscheiden, wie risikofreudig/abenteuerlustig man ist.

unbekannt

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon unbekannt » 3. Juli 2009 18:07

Ich meinte mit "Recht" nicht das Recht im Sinne der Meinungsfreiheit, sondern das Recht im philosophischen Sinne, wobei ich hier nicht moralisieren möchte. Natürlich kann auch der Ausländer politischen Einfluss nehmen. Wer EU-Bürger ist, darf an Kommunalwahlen teilnehmen. Warum soll ich mich aber mit einem Stückchen Kuchen begnügen, wenn ich den ganzen Kuchen bekommen kann?

Abgesehen davon kann man sich mit Leserbriefen u.s.w. die Finger wund schreiben, um zur Mäßigung aufzurufen. Wenn dann am Ende nur die Extremisten zur Wahl gehen, hat die ganze Schreiberei und der politische Einsatz keinen Sinn gemacht. Was am Ende zählt, sind die abgegebenen Stimmen, und zwar jede einzelne. Dass Splitterparteien die Überhand bekommen, war ja die Befürchtung bei der von Wahlmüdigkeit geprägten EU-Wahl.

Ich denke gerade nach, wieviele Menschen praktisch alles für eine schwedische Staastbürgerschaft geben würden. Jemand, der davon bedroht ist, aus Schweden abgeschoben zu werden, wird über diese Diskussion wohl nur den Kopf schütteln.

Dass man in Schweden so leicht die Staatsbürgerschaft bekommt, ist Ausdruck der Integrationspolitik. Vereinfacht gesagt soll so die Identifikation mit Schweden leichter gemacht werden. Wie gesagt ist Schweden wie ein Dorf, das von seinen Einwohnern erwartet beim Vereinsleben an einem Strang zu ziehen.

Ich habe mich mal mit einer Französin unterhalten, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben wollte. Sie ist in Deutschland zur Schule gegangen, hat dort ihren Beruf erlernt und übt ihn aus. Natürlich spricht sie fließend Deutsch mit original badischen Einschlag, nachdem sie fast ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht hat. Trotzdem muss sie diesen Einbürgerungstest absolvieren, der noch ein paar 100 Euro kostet. Das war ihr dann zu blöd.

Kaka
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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Kaka » 3. Juli 2009 18:09

Vielleicht ist es einfach nur mein Anspruch, ich fand es in Deutschland einfach anstrengend Patienten zu betreuen, 30 Jahre in Deutschland und kein Wort Deutsch. Man soll soweit die Sprache können, dass man im täglichen Leben zu recht kommt, mit Behörden, Kaufverträge, Telefon bestellen u.sw. hier wird es einem einfach gemacht du bekommst einen Dolmetscher.
Da ich mich in Deutschland ueber die Situation aufgregt habe 30 Jahre in einem LAnd und nicht die Sprache zu können muss ich ja so handeln. Ich kann von andern nicht verlangen was ich selber nicht kann.
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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Kaka » 3. Juli 2009 18:15

Ja, ich kann sagen ich spreche sehr gut schwedich, aber man hört das ich keine Schwedin bin. ich bin mit 41 Jahren hierher gekommen ohne ein Wort, die Betonung der Sprache werde ich nie lernen und es spiet eigenlich keine Rolle, man versteht mich ohne Probleme.
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nysn

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon nysn » 3. Juli 2009 18:29

Warum soll ich mich aber mit einem Stückchen Kuchen begnügen, wenn ich den ganzen Kuchen bekommen kann?

Sicher kommt es darauf an, welch hohe Ziele man verfolgt. Gehöre eher zu der "bescheideneren" Sorte und habe nicht vor, schwedische Politikerin zu werden ...

In einigen Jahren wird für mich persönlich das Kapitel Schweden sowieso abgeschlossen sein (hoffentlich - und wenn ich Glück habe, sogar schon früher) und dann ist es sogar möglicherweise ein ganz ganz großer Vorteil, die schwedische Staatsangehörigkeit nicht zu besitzen/bzw. nie besessen zu haben. Schließlich will man/frau ja nicht bis ans Lebensende vom schwedischen Skatteverket oder Försäkringskassa "durchleuchtet" werden :wink:

Außerdem denke ich, dass wenn ich nicht mehr hier in Schweden leben muss, ich mich ja auch nicht mehr über die hießigen Zustände "beschweren" werde - aus der Ferne kann ich das dann wohl ganz gelassen - so richtig schwedisch cool - sehen. Was mich nicht berührt, kümmert mich nicht - ganz einfach!

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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon McGarry14101976 » 3. Juli 2009 18:37

Das mag für entsprechend motivierte Menschen ganz sicher gelten. Aber wieviele Deutsche leben in Schweden - seit Jahren - und bekommen maximal small-talk hin? Und sprechen ja sowieso am liebsten deutsch?


Wenn die in Schweden wohnen sollen sie bitte gefälligst auch gut schwedisch können, bei so etwas könnte ich hüpfen. Ihc finde es äusserst unfair egal welchem Land gegenüber, wenn man sich nicht bemüht die dortige Sprache zu lernen.

tilmann

Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon tilmann » 3. Juli 2009 19:31

Ich würde sagen, dass es viel schwieriger ist, Schwedisch in einem anderen Land als in Schweden zu lernen. Ausserdem bin ich ja bekennender Fan von komvux/ SAS. Allerdings muss man erstmal die Möglichkeit haben, nach Schweden zu kommen.
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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Yvi » 5. Juli 2009 16:54

Ich finde es auch wichtig das man schwedisch kann wenn man da leben und arbeiten möchte. wir haben auch vor nach Schweden zu gehen und sind jetzt schon fleißig am schwedisch lernen. Z.Zt haben wir Pause bei unserem Kurs aber wir machen fleißig zu Hause weiter.
Es gibt aber bestimmt viele Menschen die ohne irgendwelche Sprachkenntnisse in ein anderes Land gehen und hoffen das sie sich evtl. in ihrer eigenen Landessprache verständlich machen können.

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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon irni » 5. Juli 2009 20:42

Ich kann mir nicht vorstellen wie man ohne die Landessprache durchkommen soll, falls man nicht einen sehr attraktiven Beruf hat. Als Arbeitsgeber würde ich auch eher jemanden anstellen mit dem ich einfach kommunizieren kann, falls ich eine Wahl habe will sagen.
Übergiebt man seine Muttersprache ganz und hat nur Kontakte in schwedischer Sprache, da reichen sechs Monate um sich ganz gut durchzubringen. Aber da darf man nicht faul sein, das heisst schwedisch 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und auch sprechen, was vielleicht nicht ganz leicht ist, wenn man keine Arbeit hat. Selbst habe ich nach einem Monat in Schweden im Kindergarten zu arbeiten begonnen und musste feststellen, dass Kinder die besten Sprachlehrer sind.

Das mit der Staatsbürgerschaft ist auch so eine Sache. Ich will meine alte behalten, waschechter Schwede werde ich ja ohnehin nie, auch nicht mit einem schwedischen Pass. Die schwedische Staatsbürgerschaft gibt mir, was ich so sehen kann, nur einen einzigen Vorteil und das ist das Wahlrecht zum Reichstag. Wichtig ja, aber nicht so wichtig, dass ich meine alte, angeborene Staatsbürgerschaft ablege. Eigentlich sollte man ja volles Wahlrecht haben in dem Land in dem man seinen Lebensmittelpunkt hat, ganz abgesehen davon welchen Pass man hat. In meiner alten Heimat weiss ich ja nicht mal wer kanditiert, das weiss ich aber sehr wohl hier in meiner neuen Heimat.
Inzwischen kann man ja als Deutscher doppelte Staatsbürgerschaft haben, es gibt also eigentlich keinen Grund nicht um die schwedische SB anzusuchen, wenn man ohnehin vorhat hier zu bleiben, man kann ja den deutschen Pass behalten.

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Re: Auswandern ohne Schwedisch zu können?

Beitragvon Peter_GBG » 8. Juli 2009 07:19

Schweden sind Vereinsmenschen. So eine ungezwungene Art habe ich in Deutschland jedenfalls oft vermisst.
Das stimmt auch - in Schweden - besonders auf dem Land - ist es schon fast Pflicht, in einem Fußballverein oder sonstigem zu sein. Schließlich soll ja keiner irgendwie von der Norm abweichen: Will man sich hier erfolgreich integrieren, muss man sich anpassen - so sein, wie alle anderen. Individualität ist nicht sonderlich gern gesehen.


Wollte mich hier kurz mal einklinken:
Das mit der Norm kann ich meiner Erfahrung nach nur bestätigen. Viele hier haben sehr gleiche Interessen
und es ist schon recht schwer Gesprächsthemen ohne den üblichen Inhalt Fußball, Alkohol oder Haus/Garten zu finden.
Natürlich hat man dieses Problem in D auch, aber evtl. liegt es einfach daran, daß die größere Bevölkerung auch mehr unterschiedliche Interessen / Meinungen mit sich bringt.


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