Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für immer

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Visbyritter
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Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für immer

Beitragvon Visbyritter » 30. Dezember 2012 11:15

Hallo und guten Morgen,

vieles habe ich hier im Board und allgemein im Internet schon zum Thema Auswandern nach Schweden gelesen.
Und dennoch bleiben unzählige Fragen für mich offen...!
Ich hoffe, im richtigen Board zu sein- gebt mir bitte Tipps, wenn ich hier falsch bin.

Ich bin Mitte dreißig, angestellter Facharzt für Chirurgie und Proktologie (unbefristet) in einem Krankenhaus in Deutschland, wir haben drei Kinder, Haus, Hund etc. und überlegen uns aus Gründen der Lebensqualität nach Schweden auszuwandern.

Mein Schwager lebt bereits seit etwa 15 Jahren mit seiner Familie auf einer schwedischen Insel, ist zufrieden und glücklich- mehrfach haben wir ihn in schweden bereits besucht- Land und Leute sind offen, tolerant, naturverbunden und freundlich- so sehr freundlicher und hilfsbereiter als in Deutschland, nicht so verbohrt und unter Druck im Alltag wie hier.

Schwedische Sprachkenntnisse haben wir noch keine, scheuen uns aber auch nicht vor einem Schwedischkurs, bzw. würden gerne noch eine Sprache erlernen.

Nun meine Sorgen und Fragen:
- Meine Kinder im Alter von knapp 10, 7 und 2 machen meine Hauptsorge aus- kann ich sie aus ihrem Freundeskreis rausreißen?
Sie sind im Ort, schule und Fußballverein hier "verwurzelt". Wie meistern sie die neue Sprache...?
- Wie sehen die Arbeitsbedingungen und "Karrierechancen" aber auch Verdienstmöglichkeiten als schwedischer Facharzt (s.o.) aus???
- Stellenangebote für chirurgische Fachärzte (aus Deutschland) habe ich im Internet nicht gefunden...

Könnt Ihr mir und uns helfen? Da meine Frau und ich keinen Schnellschuß wagen möchten, muss die Sache gutdurchdacht und planbar sein.
In erster Linie eine bessere Arbeitsstelle mit weniger Stress und Druck als im deutschen Gesundheits- oder Krankenhaussystem ist Voraussetzung, nach Schweden auszuwandern.

Ich bitte um Eure Erfahrungen, Tipps, Anlaufstellen- schlicht um Eure HILFE!

Danke und Grüße aus Süddeutschland

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Imrhien
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Re: Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für i

Beitragvon Imrhien » 3. Januar 2013 14:44

Hallo und Frohes Neues!

Wundere mich grade, dass noch niemand geantwortet hat... eigentlich kein so schweres Thema. Vielleicht liegt es einfach an den Feiertagen und der Urlaubszeit?

Ich fang einfach mal an und wer mag kann mich ja ergänzen und verbessern.

Meine Kinder im Alter von knapp 10, 7 und 2 machen meine Hauptsorge aus- kann ich sie aus ihrem Freundeskreis rausreißen?


Das musst Du Dir leider selbst beantworten. Ob Ihr das könnt, das wisst nur Ihr. Viele haben es getan, manche mit Erfolg, andere mit weniger Erfolg. Meine Einschätzung, von Weitem, ohne Euch zu kennen, nur vom Alter her:
Es ist machbar und kann gut klappen. Das älteste Kind hat es am Schwierigsten, beim Kleinsten wird es ohne Probleme ganz schnell gehen, vor allem, wenn ihr direkt einen Kindergartenplatz sucht, damit die Sprache schnell erlernt wird.
10 Jahre ist halt schon ein Happen aber eigentlich noch sehr gut machbar. Mein Tipp: Wenn überhaupt, dann jetzt bald. Je weiter die Schule ist, desto schwieriger wird es, wegen der Sprache. Mit 10 ist man in der 5.? Ich würde da in Schweden ein Jahr zurück gehen. Das ist nicht so merkwürdig. Zumal man hier eh ein Jahr hinterher ist, da die Kinder mit 6 in die Vorschulklasse gehen und erst mit 7 in die Klasse 1. Also wenn es in Deutschland in die 5 geht, dann wäre hier die 4 richtig, da alle anderen Kinder da im gleichen Alter sind.
Ausserdem ist das Jahr gut um sich die Sprache anzueignen.
Weiterführende Schulen sind noch lange kein Thema, die fangen nach der 9. erst an. Also noch genug Zeit um bis dahin im Schwedischen fitt zu werden. Erst mal die Grundschule machen. Die meisten Schulen sind recht bereitwillig wenn es darum geht, dass man Hilfe und Extraförderung braucht.
Mein Tipp hierzu:
Sucht Euch eine Gegend mit ein paar Ausländern, damit die nicht total neu auf sowas eingestellt sind. Aber sucht auch eine Gegend/Schule, wo es nicht zu viele Ausländer und vor allem Asylanten gibt. Nicht, dass ich was gegen diese Menschen habe. Es ist nur rein praktisch für Euch in Eurer Situation so, dass eine Schule, die nicht schon alle finanziellen Ressourcen für andere Kinder ausgegeben hat, die es noch nötiger haben als Eure, eher bereit ist, Euch zu helfen.
Als Deutsche habt Ihr den Vorteil, dass Ihr schneller lernt, als Kinder aus anderen Ländern und Ihr als Eltern könnt besser helfen. Daraus erwirkt sich der Nachteil, dass die Schule das weiss und im Notfall eher andere Kinder stützt, die es daheim nicht so gut bekommen. Daher mein Tipp.

Sie sind im Ort, schule und Fußballverein hier "verwurzelt". Wie meistern sie die neue Sprache...?


Also Vereine und vor allem Sport gibt es hier auch. Das kann man so schnell wie möglich angehen, und das hilft bei der Integration und dem Erlernen der Sprache. Ich würde warten bis die Basis vorhanden ist und dann hingehen und schauen wie es gefällt. Meist sind die Leute recht hilfsbereit, vor allem da es sich um Kinder handelt.

Sprache wird schnell gehen. Zumindest so die Basis erlernen die Kinder in wenigen Monaten. Du wirst nach 3 Monaten glauben sie können es fliessend. Natürlich ist dem noch nicht so aber sie können sich verständigen. Die Kleinsten haben den Vorteil, dass man bei Ihnen kaum noch einen Akzent hören wird. Das Grosse könnte länger brauchen. Das ist Typabhängig und auch von der Begabung. Meine haben es unterschiedlich gelernt. Der Grosse war 3 und kann es sehr gut, aber nicht ohne Akzent. Die Mittlere war 1,5 und spricht es fehlerfrei, wie gleichaltrige. Kein Schwede hört, dass sie Deutsche ist. Der Kleine wurde hier geboren und ist nun 2. Er spricht gerade fast nur deutsch, was aber daran liegt, dass wir gerade lange dort waren. Vermutlich stellt er sich bald wieder um im Kindergarten und dann wird das wie bei der Mittleren sein.

- Wie sehen die Arbeitsbedingungen und "Karrierechancen" aber auch Verdienstmöglichkeiten als schwedischer Facharzt (s.o.) aus???
- Stellenangebote für chirurgische Fachärzte (aus Deutschland) habe ich im Internet nicht gefunden...


Für Stellenangebote kann ich nur platsbanken nennen. Aber ob da was für Mediziner dabei ist, keine Ahnung.
Generell würde ich ja sagen: Macht Urlaub bei der Familie und geht zu den Krankenhäusern direkt hin und fragt nach.
Oder macht vorher mit so vielen krankenhäusern wie möglich in der Wunschgegend einen Besuchstermin aus und geht dann im Urlaub hin.
So nach dem Motto: Ich möchte Auswandern, wir machen bald bei Euch Urlaub zum SOndieren, können wir uns mal vorstellen?
Such mal im Internet, es gibt irgendwo eine Seite von Ärzten, die ins Ausland, nach Schweden gehen... da sind glaube ich viele Tipps.

Karriere: Nein. Du wirst, zumindest was ich gehört habe, erst mal nicht direkt durchstarten. Verdienst könnte auch deutlich geringer sein. Aber Du liegst mit dem Gehalt gut, so dass Du als Arzt hier gut leben kannst. Und der Ausgleich an Familienleben ist meiner Meinung nach alle mal wert was Du weniger in der Tasche hast. Zumal Ihr nicht arm sein werdet, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen hier.

Als Arzt wird manches anders sein als in Deutschland. Auch in der Schule. Vieles kommt einem nicht richtig vor. Zu langsam und hinterher. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat und das auch kann, dann lebt es sich sehr viel entspannter hier. Die Kinder werden die Schule mehr mögen, auch wenn Ihr eltern Euch fragt ob sie überhaupt was lernen :) Ich habe mich da am Anfang sehr gestresst. Jetzt seh ich es prakmatisch. Wenn meine Kinder gerne in die Schule gehen, dann lernen sie gern. Und die Schweden schaffe es ja auch irgendwie in der Welt :) Also, warum soll das für meine Kinder schlechter sein? Ich steuer daheim noch ein wenig mit, damit es auch wirklich passt... nur mal so vorsichtshalber... :)

Könnt Ihr mir und uns helfen? Da meine Frau und ich keinen Schnellschuß wagen möchten, muss die Sache gutdurchdacht und planbar sein.

Daher mein Tipp, plant einen urlaub bei dem Ihr konkret Vorstellungsgespräche habt. Oft dauert sowas sehr lange in Schweden. Ich hab es schon anders erlebt, dass es Knall auf Fall ging. Aber wie gesagt, oft dauert es ein Jahr.


Soooo, das war jetzt lang. Aber ich hoffe es hilft ein wenig. Wenn auch wenig praktisch, dann doch hoffentlich motivierend.
Ach ja, wir brauchen hier gute Ärzte... egal welche Fachrichtung.
Wenn ein Krankenhaus Dich will, dann bezahlen die auch einen Sprachkurs für DIch. Du kannst sogar schon bezahlt werden, mit etwas weniger Gahlt, während Du noch den Kurs machst. Muss man wohl aushandeln, hängt vom Län ab und vom Krankenhaus und davon wie dringend die jemanden wie Dich brauchen... Habs aber schon erlebt, dass welche Gehalt bekamen und nur stundenweise hospitiert haben, bis sie die Sprache besser konnten. Danach wurde das Gehalt erhöht und sie wurden normal eingeteilt.

So, dann mal viel Erfolg
Imrhien

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Re: Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für i

Beitragvon stavre » 3. Januar 2013 14:52


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Re: Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für i

Beitragvon Klarälvangler » 3. Januar 2013 15:06

Ich weiß das das Krankenhaus in Orsa in der Nähe von Mora sogar extra jemanden Angestellt hat oder hatte ( meine Info ist 2 Jahre alt ) , der in Deutschland, Östereich und der Schweiz unterwegs war um med. Personal und Ärzte für eine Arbeit in ihrem Krankenhaus zu gewinnen. Vielleicht ist es ein gangbarer Weg, sich einmal mit diesem Krankenhaus in Verbindung zu setzen.
Gruß Andreas

Speedy
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Re: Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für i

Beitragvon Speedy » 3. Januar 2013 15:22

Hej, gibt es nicht in Deutschen Ärztezeitungen Anzeigen aus Schweden. Sonst mal mit Eures sprechen. Gute Ärzte werden hier eigentlich immer gesucht.

Gruss Speedy

Pink_Panther
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Re: Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für i

Beitragvon Pink_Panther » 3. Januar 2013 18:59

Das Östersunder Krankenhaus hat oft Probleme Fachärzte zu bekommen. Der Grund dafür ist dass es nicht jedermanns Sache ist, in Jämtland/Östersund zu wohnen. Landschaftlich schön, aber letztendlich doch nur eine kleine Oase in der Wildnis.
Falls du noch nicht abgeschreckt bist, könntest du ja versuchen mit denen in Verbindung zu treten und fragen, ob deine Fachrichtung für sie interessant ist.

/Paul

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Re: Auswandern nach Schweden, kein Experiment, sondern für i

Beitragvon irni » 3. Januar 2013 20:12

Mir kommt da spontan so eine Frage, was macht denn deine Frau beruflich? Habe ich da was überlesen? Man spricht hier viel von Ärztemangel, aber das bezieht sich oft auf Allgemeinmediziner. Verschiedene "landsting" (Verwaltungsgebiete) haben die letzten Jahre Projekte für die Rekrutierung von Ärzten gestartet.
Darüber müsste das Arbeitsamt Bescheid wissen. Meines Wissens har Värmland ein solches Projekt, das allerdings 2013 ausläuft.


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