Auswandern mit Kindern?

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glada

Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon glada » 20. Dezember 2006 10:05

Hallo Wiebke,
ich habe jetzt nicht genau verstanden; hast du deine Bitte an mich gerichtet oder an "dat Sancho"?
Oliver

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Imrhien
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Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Imrhien » 20. Dezember 2006 10:12

An Dich, Sancho und alle die von Ihren Erfahrungen beim Auswandern mit Kindern berichten möchten :)

Lieber Oliver, Danke auch, dass Du immer so schnell und toll antwortest! Echt Klasse.
Das gilt aber auch für andere hier, bin froh, dass ich Euch "getroffen" habe. Das verkürzt mir die Wartezeit auf den nächsten Urlaub und den langersehnten Umzug.

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Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Skogstroll » 20. Dezember 2006 10:45

Hej,

zum Thema Kinder gibt es kaum eine allgemeine Antwort, zu unterschiedlich sind die Individuen. Generell haben es ältere Kinder meist schwerer, weil sie die neue Sprache nicht in gleicher Weise annehmen wie jüngere. Unsere Tochter war beim Umzug fünf. Nach zwei Monaten in der Vorschule (statt dagis hat sie zwei Jahre förskola absolviert) hat sie angefangen, schwedisch zu sprechen. Heute ist Schwedisch ihre Primärsprache. Damit ergibt sich aber auch das Risiko des Verlustes der Muttersprache. Besonders kleine Kinder können die Sprache komplett wechseln. Und dann sollen sie ja nicht nur weiter deutsch sprechen können, sondern auch schreiben, und das ist eine ganz andere Geschichte!
Auch wenn meine Tochter ausgesprochen gern in Schweden ist und sich auch in ihrer idyllischen Dorfschule wohl fühlt, so vermisst sie doch sehr den Rest ihrer Familie, und das kann zu heftigen Heimwehattacken führen.
Überhaupt vermisse ich diesen Aspekt in der gesamten Auswanderungsdiskussion: Den Verlust des gesamten sozialen Netzwerks! Manche Sachen bemerkt man gar nicht und vermisst sie erst, wenn sie plötzlich nicht mehr da sind. Sicher kann allzu grosse Nähe zur Familie auch Stress bedeuten, aber das Kind eben mal bei der Oma abgeben oder vom Opa aus dem Kindergarten abholen lassen, das geht nicht mehr. Und nicht zuletzt lieben die meisten Kinder ihre Grosseltern (+Tanten, Onkel...) über alles (und umgekehrt), es will wohl überlegt sein, ihnen das zu entziehen.
Mit diesem Aspekt unseres Umzuges fühle ich mich bis heute nicht wirklich wohl.

Hälsningar,
Skogstroll

Sancho

Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Sancho » 20. Dezember 2006 10:54

Mit den sozialen Kontakten wird sich bei uns nichts ändern, da ich meine Kinder noch nie zu Verwandten abgeschoben hab. Das würde mir auch noch fehlen, meine vier Kinder bei den versoffenen Großeltern.

Andere Verwandte haben wir zum Glück nicht.

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Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Imrhien » 20. Dezember 2006 11:02

Skogstroll hat geschrieben:Hej,
zum Thema Kinder gibt es kaum eine allgemeine Antwort


Ja, das verstehe ich. Deshalb wollte ich ja gerade "nur" die persönlichen Erfahrungsberichte. Dann kann ich mir zumindest mal eine Vorstellung davon machen was auf uns zukommen kann. Klar, die Erfahrung machen müssen wir selbst und unsere Kinder auch.

Und dann sollen sie ja nicht nur weiter deutsch sprechen können, sondern auch schreiben, und das ist eine ganz andere Geschichte!


Auch darüber mache ich mir Gedanken. Sprechen wird wohl nicht das Problem werden. Bis wir so gut schwedisch können, dass wir daheim nur noch schwedisch sprechen (und ich weiss nicht mal ob ich das will), dauert es wohl eine Weile. Schreiben wird da wohl eher das Problem. Da stellt sich die Frage ob es sinnvoll ist eine Schule zu suchen die auch Deutsch als Fach anbietet. Ich denke schon, aber das hängt ja auch vom Wohnort ab. Und daher ist dieses Thema eigentlich für uns verfrüht.


Überhaupt vermisse ich diesen Aspekt in der gesamten Auswanderungsdiskussion: Den Verlust des gesamten sozialen Netzwerks!

Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass dies eher vernachlässigt wird. Woran das liegt kann ich nicht sagen.
WIr machen uns auf alle Fälle schon mal Gedanken. Wir wohnen aber sowieso nicht in der Nähe der Verwandten (für shwedische Verhältnisse vielleicht schon, 2-4 Stunden) und so macht das für uns keinen zu großen Unterschied. Kinder mal schnell abgeben wenns brennt ist jetzt schon nicht. Unser alter Freundeskreis lebt verstreut in ganz Deutschland und der Schweiz, auch da macht das kaum einen Unterschied. Der neue Freundeskreis hier, das ist ne andere Sache, da wird sich zeigen wer weiterhin Freund bleibt und wer Bekannter wird...
Wir lernen recht schnell Leute kennen, sind allgemein recht umgänglich. Also hoffen wir natürlich, dass wir auch in Schweden schnell Leute kennen lernen, über Kindergarten oder so. Das hängt aber auch von den Schweden ab und nicht nur von uns. Da bin ich gespannt darauf wie lange das dauern wird.

Und nicht zuletzt lieben die meisten Kinder ihre Grosseltern (+Tanten, Onkel...) über alles (und umgekehrt), es will wohl überlegt sein, ihnen das zu entziehen.
Mit diesem Aspekt unseres Umzuges fühle ich mich bis heute nicht wirklich wohl.


Das ist das Einzige wovor ich wirklich mehr als nur ein wenig Angst habe. Noch sind alle in der Familie halbwegs überzeugt aber noch steht der Umzug nicht wirklich an. Jetzt wo wir im Januar ein Gespräch haben wird die Angst bei der Familie größer. Sie würden sich für uns freuen, aber sie haben schreckliche Angst die Kinder nicht mehr so oft zu sehen. Das müssen wir wirklich gut überlegen wie wir das für alle Beteiligten so angenehm und gut wie möglich machen können. Ohne Tränen wird es sicherlich nicht gehen... Zum Glück ist unsere Familie recht fitt im Umgang mit Internet. Schon jetzt lesen sie immer unser Blog und dann wird es wohl ne Webcam für die Oma geben... ein schwacher Ersatz aber immerhin...

glada

Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon glada » 20. Dezember 2006 11:32

@skogstroll
Ich habe doch, ähnlich wie du, beschrieben, dass unsere Tochter entwurzelt wurde durch unseren Umzug. Es ist natürlich unmöglich zu vergleichen, wie sie sich entwickelt hätte, wenn wir in Deutschland geblieben wären. Vielleicht entwächst durch den Wechsel ja irgendwann auch eine Stärke bei ihr. Wer weiß...

Was mir ein wenig zu schaffen macht, ist der Umstand, dass sich viele Freunde so schleichend verabschieden. Ich versuche oft, den Kontakt zu halten, aber die Resonanz ist bei einigen eher dürftig. Sicherlich haben einige Freundschaften gehalten, aber ich frage mich schon manchmal, wie es wohl in einigen Jahren aussehen wird.
@dat Sancho
Mich würde interessieren, mit welchen Hoffnungen und Erwartungen du in Schweden hast, mal abgesehen von günstigeren Häusern und einer sicherlich größeren Kinderfreundlichkeit (die in vielen Lebenslagen jedoch nur sehr theoretisch ist, wenn man nämlich aufgrund des sehr viel niedrigeren Lohnniveaus auf 2, manchmal sogar auf drei Gehälter angewiesen ist, so ist es nicht unbedingt Familienfreundlich...)

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Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Skogstroll » 20. Dezember 2006 12:24

Imrhien hat geschrieben:Bis wir so gut schwedisch können, dass wir daheim nur noch schwedisch sprechen (und ich weiss nicht mal ob ich das will), dauert es wohl eine Weile. Schreiben wird da wohl eher das Problem. Da stellt sich die Frage ob es sinnvoll ist eine Schule zu suchen die auch Deutsch als Fach anbietet.


Zu Hause solltet Ihr unbedingt weiter deutsch sprechen! Ich hatte in der Firma vor einiger Zeit einen Praktikanten aus Deutschland. Er hat völlig normal deutsch (mit reginal bedingten Besonderheiten) gesprochen. Irgendwann hat er erzählt, dass er in Polen geboren ist und dort bis zum vierten Lebensjahr gewohnt hat. Dann ist die Familie nach Deutschland gegangen und hat auch zu Hause deutsch gesprochen. Er hat die Muttersprache komplett gewechselt und kann heute kein Wort polnisch.
Deutschunterricht ist keine Alternative. Den gibt es zwar an den meisten Schulen, aber wie soll ein Schwede (meistens ist es einer) einem deutschen Kind seine Muttersprache beibringen?
Wir haben das Glück, dass meine Frau Deutschlehrerin ist. Einmal pro Woche setzt sie sich mit unserer Tochter in das Klassenzimmer (zu Hause wird das nix!) und macht Deutsch mit ihr.

@glada:
Der Effekt mit den Freunden ist mir auch schon aufgefallen. Die Lebensumstände sind einfach anders geworden, die Schwerpunkte haben sich verschoben, man hat andere Probleme, kurz: Die bisherige gemeinsame Basis bröckelt. Einen ähnlichen Effekt haben wir aber auch beobachtet, als wir unser Kind bekamen. Die kinderlosen Freunde hatten plötzlich andere Probleme, und mal ehrlich: Wer mag sich schon stundenlange hitzige Diskussionen um die optimale Windel- und Wickeltechnik anhören? Dafür rückte man näher mit anderen Eltern zusammen.
Jetzt gibt es ein paar Freunde, zu denen der Kontakt weiter besteht, dann gibt es solche, zu denen er so langsam einschläft und solche, zu denen wir ihn einschlafen lassen, weil sie in erster Linie eine kostenlose Übernachtung bei ihrem Schwedenurlaub suchen.
Man muss es akzeptieren: Ein Unternehmen wie ein Umzug in ein anderes Land geht nicht ohne Konsequenzen in allen Bereichen des Privatlebens ab.

Hälsningar,
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Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Krümel7 » 20. Dezember 2006 18:59

Hej,
zum Thema : zu Hause nur noch schwedisch sprechen mal meine Erfahrung:
Ich bin als Deutsche in einem anderen Land von Geburt an zweisprachig aufgewachsen. Das über 8 Jahre hinweg. Ich habe sogar noch 1 1/4 Schuljahre dort absolviert. Dann sind meine Eltern nach Deutschland zu Ihrer Familie gezogen und haben uns Kindern untersagt, die andere Sprache zu sprechen. Sie wollten mit dem Land völlig abschließen.
Das hatte zur Folge, dass ich bereits nach 2 Jahren fast alles vergessen hatte. Die Aussprache ist zwar recht gut (vorlesen), aber ich kann mich nicht mehr in der Sprache verständigen. Es ist alles weg :!:.
Freunde von mir haben bis vor kurzem mit ihren 3 Kindern für 2 Jahre in den USA gelebt. Die Kinder sprechen jetzt beide Sprachen und haben damit keine Probleme. Sie hatten jedoch Probleme mit der Trennung von Ihrer Familie.
Ich kann Euch also nur dringend raten, die Muttersprache weiterhin zu pflegen.
Krümel

glada

Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon glada » 20. Dezember 2006 19:16

Eine unserer Überlegungen, warum wir nach Schweden auswandern wollten, war, dass unsere Kinder zweisprachig aufwachsen sollen. Dadurch werden sie es später sehr viel einfacher haben, eine weitere Sprache zu erlernen.

Außerdem: Wie sollen sie sich mit ihren Freunden und Verwandten in Deutschland unterhalten können, wenn sie ihre Muttersprache nicht mehr beherrschen...?

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Re: Auswandern mit Kindern?

Beitragvon Imrhien » 20. Dezember 2006 20:02

Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, wir wollen gar nicht, dass unsere Kinder Deutsch verlernen. Im Gegenteil. Sie sollen zweisprachig aufwachsen und am Besten beide Sprachen gleich gut sprechen. Der Gedanke war nur, dass vielleicht manche versuchen die Landessprache zu sprechen damit sie es schneller lernen. Ich sagte ja schon, dass ich nicht weiss ob ich das will. Eher nicht. Und ich gehe eh davon aus, dass meine Kinder Schwedisch schneller sprechen können als ich. Zumindest werden sie weniger mit Akzent sprechen. Von Bekannten die Kinder haben nach ein paar Jahren, auch in der Schule akzentfreies Englisch gesprochen. Die Lehrerin meinte, dass sie keinen Unterschied erkennen kann. So was wünsche ich meinen Kindern. Da man in Schweden auch noch früh englisch lernt, wachsen sie quasi dreisprachig auf.
Ich meinte ja auch, dass wir überlegen ob sie Deutschunterricht an der Schule erhalten sollen (in 5 Jahren) damit sie schreiben lernen. Aber wenn das meist Schweden sind... Mal sehen wenn es soweit ist.
Ich kenne eine Familie da ist der Mann aus einem arabischsrechenden Land. Die Frau kommt aus einem spanischsprechenden Land und sie haben sich in Deutschland kennen gelernt und Kinder bekommen. Die sprechen jetzt alle drei Sprachen gut und lernen in der Schule noch Französisch und Englisch. Die kann man nur beneiden. Bei ihnen hat es jedenfalls geklappt. Ich denke das hängt aber auch von den jeweiligen Kindern und/oder der entsprechenden Förderung ab.


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