Auswandern mit Hindernissen und Angst

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Feuerkatz
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Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Feuerkatz » 17. Juli 2019 08:51

Hallo,

ich bin ganz neu hier im Forum und beginne mich langsam in das Thema Leben in Schweden einzulesen.

Mein Mann ist begeisterter Schwedenfan, hat auch schon einige Zeit in Schweden verbracht. Wir sind aus Österreich, 31 und 29 Jahre alt, haben 2 Hunde und 1 Katze, sind ausgebildete Sanitäter, er ist zusätzlich noch Medizinproduktetechniker, ich bin Juristin für medizinische Belange (Patienten/Sanitäterschutz, Mediator) und Hundetrainerin (das aber nur zum Spaß).

Ich merke er ist sehr unglücklich in Österreich und sein Herz zieht ihn immer mehr Richtung Schweden. Ich selbst war noch nie dort, aber wenn er dorthin will, gehe ich mit ihm! Er lernt schon fleissig schwedisch, ich kann mich dazu noch nicht durchringen. Hauptsächlich liegt es daran, dass ich keine Zukunftsperspektive habe im Moment. Wir müssen ohnehin noch 5 Jahre in Österreich bleiben, weil ich vertraglich gebunden bin.

Wir haben kein Startkapital um Einzuwandern und ansparen wird auch nicht gehen, eben wegen meiner vertraglichen Bindung (vorherige Trennung und daher Restbetrag vom gemeinsamen Kredit von 27.000,- Euro sind noch ab zu bezahlen).

Er kann in Schweden als Techniker überall arbeiten, da die Technik ja überall gleich funktioniert. Ich dagegen werde wohl nirgends einen Job finden und das macht mir Angst. Ich weiß ja nicht einmal wie viel wir in Schweden verdienen müssen um einen gleichwertigen Lebensstandard zu haben wie jetzt. Wir haben zwar schwedische Bekannte, aber über Geld reden ist da ein absolutes No Go.

Wäre es möglich mir hier ein paar Tipps zu holen? Deutsch und Englisch sind gar kein Problem. Selbstverständlich werde ich auch Schwedisch lernen, aber dazu möchte ich eben vorher wissen ob ich überhaupt eine Chance habe in Schweden beruflich Fuß zu fassen.

Könnt ihr mir hier ein paar Tipps oder Connections nennen? Was müsste ich denn dort verdienen um ein Equivalent zu Öster. EUR. 1700,- netto zu haben?

Wir würden in die Gegend zwischen Falkenberg und Göteburg ziehen wollen. Könnt ihr mir ein wenig die Angst nehmen? In den nächsten 5 Jahren werden natürlich längere Aufenthalte in Schweden stattfinden damit auch ich ein wenig Fuß fassen und mich orientieren kann.

Oh ich möchte noch anmerken, dass ich meinen Job als Sanitäterin nicht mehr machen kann, weil ich leider gesundheitlich selbst eingeschränkt bin. Ich hatte Krebs und kann nun, so blöd es klingt, kein Kollagen mehr aufbauen. Das heißt meine Gelenke springen bei Belastung aus den Gelenkspfannen. Das Tragen von Patienten ist daher nicht mehr machbar. Aus diesem Grund bin ich auch ins Büro gewechselt wo ich gut und voll Einsatzfähig arbeiten kann. Ich kann nur einfach keine anderen Menschen mehr tragen/heben. Das heißt eine Umschulung zur diplomierten Fachkraft würde mich nicht weiter bringen.

Vielen lieben Dank

Petergillarsverige
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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Petergillarsverige » 17. Juli 2019 09:48

Das erste was ich dir jetzt empfehlem möchte ist. Macht Urlaub in Schweden. Es ist die beste Zeit.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

Conny1711
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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Conny1711 » 18. Juli 2019 09:03

Meistens Kamm man das Gehalt von Schweden zuverlässig googeln. Als Rettungsassistent findest du in Schweden keinen Job ohne den Krankenpfleger ebenfalls zu haben, da die Ambulanssjuksöterska eine Weiterbildung in Schweden von der allgemeinen Krankenpflege ist (nur so als Info)!
Wenn du weißt wie der Beruf von deinem Mann in SE heißt kann man das Durchschnittliche Gehalt pro Län ergoogeln.

Grüße

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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon jörgT » 21. Juli 2019 12:33

Peters Vorschlag ist gut: Mach Urlaub in Schweden und sieh Dir an, wie das Leben hier funktioniert! Ich bin mir bewusst, dass zwischen Urlaub und Alltag noch ein riesiger Unterschie besteht, aber ein paar Anhaltspunkte bekommst Du schon.
In welche Richtung könnten Deine beruflichen Interessen noch gehen? Als "Ungelernte" musst Du Dich auf dem Arbeitsmarkt zwischen allen anderen Ungelernten behaupten - da brauchst Du die Sprache, um Fuss fassen zu können!
Du hast noch fünf lange Jahre und Du bist jung, also solltest Du gute Voraussetzungen haben ...
Jörg

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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Engelefeu » 21. Juli 2019 14:18

Hej Feuerkatze, was meine Vorschreiber empfohlen haben, nämlich erst einmal Urlaube in Schweden, besonders der Gegend, die man favorisiert, zu verbringen , ist wirklich sehr sinnvoll. Ein Urlaub reicht da sicher nicht. Selbst , wenn man 3 Monate irgendwo verbringt, kennt man ein Land und die Leute nicht.
Möglicherweise ist es sinnvoll auf Herz und Bauch zu hören, um sein Sehnsuchtsland zu finden.
Die Frage ist auch , wie sehr Du in Österreich beheimatet bist. Wenn frau tiefe Wurzeln hat, ist ein Versetzen immer schwierig. Es dem Partner zuliebe zu machen ohne eigenes begeistertes Ja mag zu Konflikten führen irgendwann.
Ich lebe jetzt zunehmend in Schweden und könnte es meinem Mann ( Oberbayer , geboren an der Österreichischen Grenze) nicht abverlangen mit zu kommen. Es wird nicht seine Verortung werden. Urlaub mag er dort, aber ein Leben in Schweden kann er sich nicht vorstellen.
Erst einmal alles kennen lernen, vielleicht auch die administrativen Strukturen und Bedingungen für einen Anfang dort.Einerseits ist vieles viel einfacher, zumindest , als in Deutschland, aber eben auch sehr anders.
Wenn man Arbeiten will ist die Sprache wichtig und Beziehungen zu Schweden, die einen ggf. weiter reichen können.
Vielleicht könnt Ihr Unterstützung durch Information durch Eure Bekannten bekommen?
Ein wenig Angst hilft aufmerksam zu bleiben für die möglichen Fallstricke.
Viel Freude bei den ersten Urlauben und viel Glück Gaby

bookwood81@web.de

Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon bookwood81@web.de » 21. Juli 2019 14:53

Hallo :D ! Wir sind letztes Jahr ausgewandert und ja: das ist ein großer Schritt! Man nimmt Abschied von dem Vertrauten, was einem Sicherheit gibt und stürzt sich in eine aufregende, spannende und etwas beängstigende Zukunft :D ! War eine unglaubliche Erfahrung und wir haben es bislang nicht bereut :lol: ! Ich schließe mich den Vorrednern an und empfehle ein paar Urlaube in Schweden - und sich selbst die Frage zu stellen, ob man es dort versuchen will. Dann solltest Du Dir überlegen, als was Du hier arbeiten willst und Dich über den Beruf erkundigen ( Anerkennung der deutschen Ausbildung, welche Sachen musst Du ggf zusätzlich vorweisen und brauchst du ggf einen Sprachnachweis für schwedisch). Je weiter Du im Süden bist, desto mehr Menschen leben da und grad die Küste ist außerordentlich beliebt - und teuer :? ! Also auch die Frage stellen: wo genau wollt ihr überhaupt hin! Und besteht dann da auch die Möglichkeit eine Arbeit zu kriegen ( z.B.als Surflehrer nach Bayern ist Unsinn :lol: ) . Bevor ihr also auswandert solltet ihr euch um einen Job bemüht und einen Arbeitsvertrag in der Tasche haben. Den braucht ihr, um eine schwedische Personnummer und ID kord zu bekommen und die braucht ihr für.......einfach alles ( Bankkonto, Mietvertrag, usw ) :lol: !! 5 Jahre sind eine gute Zeit zum Überlegen und potentielle Arbeitgeber in den Urlauben ausfindig zu machen - bei uns lagen zwischen Beginn der Planung und Umzug 2 Jahre; also alles entspannt bei euch :wink: ! Sobald ihr euch wirklich sicher seid, daß ihr das Abenteuer zumindest versuchen wollt empfehle ich eine Art Intiativbewerbung zu schreiben...und dann abwarten. Die Schweden brauchen da manchmal etwas Zeit und 3 Monate sind hier nix; also nicht nervös werden! Ach ja, wir zahlen im übrigen auch beide noch einen deutschen Kredit ab - und kommen trotzdem sehr gut aus mit unserem Geld! Ein Polster für die ersten 3 Monate müsst ihr euch trotzdem irgendwie zulegen. Wir haben 3/4 unserer Sachen ( und ich rede von der Hose über das Sofa zum Rasenmäher) aus unserem Haus verkauft, sind mit einem kleinen Anhänger in unser neues Leben gestartet und haben nochmal komplett bei Null angefangen - es geht :wink: ! Grüße aus Lappland von Steffi ( 38, Krankenschwester) :smt006

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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Dirk V. » 21. Juli 2019 18:52

Hej från svenska,

ich kann nur empfehlen sich Schweden erstmal anzusehen. Auch Schweden hat sich verändert und in den letzten Jahren immer schneller. Ich Reise seit über 30 Jahren zwischen Deutschland und Schweden hin und her. Probleme die es früher in Schweden selten gab sind inzwischen alltag. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen es gleicht sich an, leider.
Wichtig ist auch die Frage wo in Schweden ihr euch niederlassen wollt - es ist ein sehr großes Land. Und die Unterschiede in den Region schon recht groß. Man könnte sagen von Einsiedler im Wald bis Moderner Stadtmensch ist alle möglich. Diese Freiheit hat man nicht überall. Wir haben über 2 Jahre gebraucht erst einen passenden Ort und dann ein passendes Haus zu finden. Da spielen viel Faktoren ein Rolle und noch mehr wenn man in Schweden sein Geld verdinen will.
Evtl. konnte ich euch etwas helfen. Ich wünsche Euch viel Erfolg.
Med vänlig hälsning - Dirk

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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Feuerkatz » 22. Juli 2019 10:45

Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten.

Zu euren Fragen/Vorschlägen:

Urlaub: ist auf jedenfall angedacht. Ab nächstem Jahr fahren wir zu unterschiedlichen Jahreszeiten nach Schweden.

Verwurzelung meinerseits: ich bin in Österreich nicht wirklich verwurzelt. Ich wollte immer auswandern, immer weg von hier. Ich kann mit der Österreichischen/Deutschenmantalität einfach nicht. Eben auch gerade was Arbeit und Leben betrifft. Das Einzige das mich hier hält sind meine Großeltern die nun 85 sind. Wir bleiben also so lange wie diese noch am Leben sind (das soll jetzt nicht grausam klingen!).
Natürlich war mein Wunsch immer ein Paramedic in Australien zu werden. Irgendwo in der Nähe von Sydney aber am Land und dennoch in der Nähe des Meeres zu wohnen. An dem Wohnorttraum hat sich nichts geändert, jedoch komplett am Klimawunsch XD wir haben hier mit Falkenberg in Schweden den idealen Ort für uns (zumindest in der Theorie, Praxis wird noch getestet) gefunden. Meer gleich in der Nähe, es wird nicht all zu kalt im Winter und im Sommer nicht zu heiß. Es gibt viel Natur und Wald und eine größere Stadt mit guter medizinischer Versorgung ist nur 1 Autofahrstunde weg. Also rein Geographisch gesehen erfüllt Schweden hier meine Wünsche an einen Lebensort genauso wie Australien ^^

Job: ich möchte zu 100% im Gesundheitswesen bleiben. Das Einzig noch vorstellbare wäre mein Hobby zum Beruf zu machen und eine Hundeschule zu eröffnen und Ernährungsberatung für Hund und Katz zusätzlich zu machen. Allerdings habe ich keine Ahnung wie das in Schweden so abläuft da es für mich nie etwas war das ich beruflich hier in Österreich in Betracht gezogen hätte.

Wisst ihr was für eine Ausbildung mir zu Gute kommen würde wenn ich in Schweden weiterhin in einem Spital oder bei einer Rettung in der Verwaltung arbeiten möchte? Das wäre schon ein guter Anhaltspunkt um mich jetzt schon um die Fortbildungen zu bemühen.

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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Conny1711 » 22. Juli 2019 11:00

Hallo zurück,

Ich habe damals vor der gleichen Fahr gestanden als damalige Rettungsassistentin. Ich habe dann die normale Krankenpflege hinterher gemacht. Dann eine Bewerbung über das BTC geschrieben und darüber eine Stelle bekommen.

So kann man's machen

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Re: Auswandern mit Hindernissen und Angst

Beitragvon Feuerkatz » 22. Juli 2019 13:56

Hallo Conny,

an das habe ich auch gedacht, aber hast du dich dann "nur" zur Pflege ausbilden lassen oder bist du weiter bis zum Sanitäter gegangen? Wie ist die Arbeit als Sanitäter in Schweden?

Mein Problem ist, dass ich körperlich leider so abgenutzt bin (hui das klingt wohl etwas falsch XD), dass ich einfach keine Patienten mehr 4 oder 5 Stockwerke rauf und runterschleppen kann. Deswegen würde ich gerne weiter in der Verwaltung eines Spitals oder einer Rettungsorganisation sitzen. Wenn man in Schweden allerdings nicht wie in Österreich tägl 12-16 Patienten mit über 100kg tragen muss und die Schichtstunden eingehalten werden (hier in Österreich hat man zw 8 und 12 Stundenschicht, man macht aber bei 8 Stundenschicht eigentlich 12 Stunden und bei 12 Stundenl eigentlich so zw 15 und 18 Stunden) wäre der aktive Dienst auch wieder eine Option für mich :-) fehlen tut mir der Patientenkontakt ja eigentlich schon


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