Auswandern mit Familie

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Imrhien
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Re: Auswandern mit Familie

Beitragvon Imrhien » 11. März 2010 09:28

Hallo,
Ehrenamt zählt nicht. Nur Arbeit und Studium. Hier in der Kommune haben sie das nun neu und streng umgesetzt. Es sind 15 Stunden per Woche, das Essen soll dabei möglichst gespart werden. Das heisst, dass die Kinder, die vielleicht ein Geschwisterkind haben, nur noch von 9-12 in den Kindergarten dürfen. Essen soll dann möglichst danach sein, damit die Kinder schon abgeholt sind. 3 Stunden am Tag. Eine Bekannte hat eine vier jährige Tochter, einen Sohn mit eineinhalb und bekommt in den nächsten Wochen ein Baby. Mehr Zeit bekommt ihre Tochter im Kindergarten trotzdem nicht. Sie muss also jeden morgen in den Kindergarten fahren, mit den beiden anderen sobald das Baby da ist, und nach drei Stunden muss sie schon wieder da sein. Fahrzeit hin und rück etwa 30 minuten. Da ist das Kind noch nicht an und ausgezogen und die Kleinen auch nicht. Ach ja, sie muss ja noch kochen in der Zeit. Der Mann ist leider oft dienstlich unterwegs und kann die Fahrten nicht geregelt übernehmen. Der Kindergarten war nicht in der Lage auf die individuelle Situation einzugehen. Das nenne ich doch mal familienfreundlich!
Andere Kindergärten machen es tatsächlich so, dass sie die Kinder auch für 3 Tage zu je 5 Stunden nehmen. Das ist der Kommune nicht recht, da diese Kinder dann ja auch essen müssen. Manche Kindergärten machen es trotzdem, vermutlich rechnen sie das Essen irgendwie anders ein. Die Angebote der Eltern das Essen selber zu zahlen, wurden abgelehnt, auch in dem unflexiblen Kindergarten. Es ginge ja darum, dass alle die gleichen Rechte haben. Dass sie aber dadurch eine unfairere Belastung hat, als eine Familie mit einem Kind, ist nicht relevant.
Irgendwie ist Schweden da auf dem falschen Weg. In Deutschland erhöhen sie gerade die Betreuungszeiten und Flexibilität, mit dem Blick auf das vorbildliche Schweden. Und genau da, reduzieren sie und erschweren es den Menschen. Mal abgesehen davon, dass man einem kleinen Kind erklären muss, dass es, weil ein Geschwisterkind gekommen ist, jetzt auf einmal nicht mehr im Kindergarten essen darf und nur noch ein paar Stunden bleiben darf. Bei Kindern, die es da lieben und die in der Nachbarschaft wenig Kinder haben, ist das echt schlimm. Da freut es sich dann auch wirklich auf das Geschwisterchen. Schliesslich ist das ja dran schuld. Aus Sicht einer dreijährigen durchaus ein Problem. Daran denkt aber niemand, es geht ja nur ums Sparen.
Ach ja, hab ich schon gesagt, dass in meiner Bekanntschaft manche Schwedin wegen dieser neuen Regelung ernsthaft überlegt ob sie noch ein Kind will??? Und das in Schweden, das immer als Vorbild gilt. Sorry, das ist so Antischweden-negativ. Schimpft schon mal los. Aber Realität ist es für die Familien hier deshalb nicht weniger.


Grüße
Wiebke, die davon echt gefrustet ist

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Re: Auswandern mit Familie

Beitragvon Tulipa » 11. März 2010 10:30

Kann ich alles so bestätigen, liebe Imrhien.

Wir haben wohl rein zufällig das Glück, dass die Fröken vor Ort flexibel sind. Oder, mein Verdacht, die 15-Stunden-Kinder so kommen lassen, wie es in ihre eigenen Arbeitszeiten am Besten passt: freitags gar nicht und die anderen 4 oder 3 Tage erst ab 9 oder 9.30 Uhr.

Mittagessen bekamen wir immer. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die wegen den doch sehr wenigen 15-Stunden-Kindern wirklich mehr oder weniger kochen würden, hier bleibt eh immer Essen über.
Die Kommune schickt jedes Jahr einen Brief, dass von Juni bis August die Zeiten 5 Tage jeweils 8.30-11.30 Uhr gelten, also ohne Essen. In unserem Kiga hält sich da einfach niemand daran, aber das ist wohl die Ausnahme.

LG
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Re: Auswandern mit Familie

Beitragvon Tulipa » 11. März 2010 10:58

ach ja, es gibt eine Ausnahme für die Betreuungszeiten:
"barnets eget behov" = die Bedürfnisse des Kindes.

Dafür muss man einen extra begründeten Antrag stellen. Als Einwanderer kann man ja immer Sprache und Integration anführen.

Über diese Regelung bekamen wir im ersten Schuljahr problemlos einen Fritidsplatz, so dass unsere Tochter mittags noch eine Zeit lang mit den anderen spielen konnte.

Übrigens ist hier für 4- und 5-jährige der 15-Stunden-Platz kostenfrei. Für längere Zeiten und für kleinere Kinder muss man bezahlen. Ich meine, 3% des HH-Bruttoeinkommens für einen vollen Platz des ersten Kindes, für Geschwister weniger.

LG
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Re: Auswandern mit Familie

Beitragvon exföräldrarledig » 11. März 2010 11:08

Hej,
Unsere Kinder durften nach der Geburt ihres Geschwisterchens nicht mehr in die Fritids und nur die 3 h täglich in den Kindergarten. Rein fahrtechnisch, war das fuer uns nicht tragbar (Schulbeginn 8.00, Kindergarten 9.00-12.00,Schulschluss 11.30 und 13 Uhr....Folge war, dass während diesen Jahres keine Freunde mehr zu Hause hatten und sich zudem sprachlich sich verschlechterten...
Eine Uebereinkunft, dass sie alle bis 13.00 bleiben duerften, also 1 h länger, und gemeinsam abgeholt hätten werden können, war nicht möglich. Fuer unsere Kinder war das keine schöne Zeit, rein sozial waren sie von ihren vorigen Schul-und Kindergartenfreunden ueber ein Jahr lang isoliert.
Bei wechselnder Schichttätigkeit verlangt unsere Kommune die genaue Aufstellung der Schichtdienste. Familienfreundlich ist das nicht.

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Re: Auswandern mit Familie

Beitragvon Tulipa » 11. März 2010 11:30

Mir ist gerade eingefallen, wie der Fall mit der Schichtarbeiterin war, den ich weiter oben erwähnte:
Bevor diese nachmittags zu ihrer Spätschicht musste, wollte sie sich gern noch mal aufs Ohr legen und ihr Kind daher etwa 2 Stunden früher ins Dagis bringen. Dies wurde jedoch nicht genehmigt, selbst eine Bestätigung des Arbeitgebers, dass sie beim Bedienen von Maschinen voll konzentriert sein müsse, half nicht. Sie muss also ihr Kind nachmittags auf einem Weg wegbringen und morgens selbst betreuen, da nur echte Nachtarbeiter tagsüber ohne Kinder schlafen dürfen.

LG
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Re: Auswandern mit Familie

Beitragvon sverige_aelg » 11. März 2010 20:59

Wenn ich mal dazu senfen darf:

Sind nun in der Kommune Österåker und auch mit dem 1. Kind in der Kita und dem 2. (Baby) zu Hause. Da bekommen wir eigentlich auch nur 15 Stunden. Aber wir haben auch einen Antrag auf Integration gestellt und können daher die Große Vollzeit in der Kita lassen. Der Antrag muss aber nach 6 Monaten neu gestellt werden. In der Kommune vorher (Lidingö) war das deutlich luxuriöser. Da hat das Geschwisterkind Anspruch auf 30 Stunden. Das ist aber, glaube ich. landesweit die einzige Kommune, die sich das noch leistet. Also, wenn Ihr nach Stockholm zieht, versucht doch, eine Unterkunft auf Lidingö zu bekommen (viel Glück, nicht einfach!). Katzensprung bis zur Hamngatan und zum Kungsträdgården in STHLM. Und wunderschöne Natur direkt an der Großtadt!
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