Auswandern mal anders

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
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Kasriel

Auswandern mal anders

Beitragvon Kasriel » 30. November 2008 11:31

Hallo ihr.
Ich finde es schon sehr Intressant was so geschrieben wird.
Wenn ich in ein anderes Land ziehe, muss ich mich dort anpassen ob ich das will oder nicht. Ich muss meine überzogenen Deutschen Ansprüche ablegen. Wenig funktioniert hier in Schweden so wie bei uns im Heimatland. Ich wechsel eben nicht die Tapete Stadt mit der einen kleinen Ort mit See vor der Tür. Bürokratie ist nicht so Verbissen und genau wie in Deutschland und auf vieles muss man eben Warten. Und wer auf Handwerker angewisen ist, hat eh die A Karte. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man hier her ziehen will.
Ich leben in Schweden nicht in Deutschland. Es ist und bleibt natürlich ein leben mit Zwei
Herzen. Klar denk ich auch das mir das ein oder andere gerade fehlt und dann sag ichmir, ich gewinne dadurch Lebensqualität und Freiheit. Leben und Leben lassen ist hier die Devise, nicht so wie in Deutschland Regeln und Reglementieren. Freiheit bedeutet konsumieren.
Was mir persönlich ganz auf den Keks geht ist, die Großkotzigkeit gerade der Deutschen beim Hauskauf. Da wird mehr geboten als die Bude Wert ist, ich habs ja! Dann auch noch gesagt, kann ich die Bude gleich bezahlen. Ich habe sollches mehrmals selbst miterlebt.
Man lebt als Ausländer hier, also hat man sich hinten anzustellen!!!!
DAs andere ist, Auswanderung kann nicht mit dem Kopf passieren, die Idee muss vom Herzen getragen werden. Weg zu gehen aus dem Heimatland ist nämlich nicht so enfach. Ein Stück Seele bleibt nämlich dort. Wer aber klar von seiner Seele weiß ich will gehen, dem eröffnen sich die tore automatisch ohne das er groß dazu Beitragen muss. Gelungenen Auswandern hat nichts mit Planung oder Geld zu tun, sondern einzig und allein mit dem klaren offen sein für neues. Es mag sein das ich nicht gleich den Traumjob bekomme usw. Laufen lernen wir auch nicht an einem Tag. Eine Frage die man sich Stellen muss ist" Will ich wirklich mein soziales Netz, Reichtum an Waren, mein geregeltes leben mit der vermeindlichen Sicherheit der Bürokratie verlassen?? Will ich es eintauschen gegen Freiheit, geringeres Warenangebot, mehr fahrerei, und erheblich größere Selbsverantwortung in allen Bereichen. Da spielt es keine Rolle ob körperliches Weh, weh, oder ob der Wasserhahn tropft!

Auswandern gelingt egal ob als Singel oder mit Familie nur wenn die Seele ein Ja dazu gibt. Was Familien abgeht ist Komunikation die Grundlage für alles, wenn ein Paar nicht mit einander Reden kann, über das was sich in einem bewegt, wird Auswandern zur Zerreisprobe. Gefühle und Probleme müsse sofort ausgesprochen werden, sonst wächst der Berg der Emotionen.


Gelungenes Auswandern hat in ersterlinie nichts mit Geld oder Planung zu tun gewisse Infos sind gut und zuviel ist Schädlich! Grundlage ist einzig und allein die Bereitschaft sich zuverändern, aber in ein anderes Land ziehen und alles beim alten zu lassen geht eben nicht.

In Schweden werden Probleme erst gelöst wenn sie da sind, das ist manchmal gut und manchmal schlecht. Aber es ist eben so. Und wer hier Arbeit such muss eben hier am besten direkt in die Betriebe gehen und sich mit dem Chef zu unterhalten. Sonst bekommt er fast in alle fällen Absagen. Die wollen einen hier sehen.! Das gleiche gilt fürs Arbeitsamt.

Zum Abschluss. Wer weniger Konsum und Stress haben will und mehr wirkliche Lebensqualität für den Lohnt sich es seinen Mut zusammen zu nehmen und den großen Schritt zu tun.

ganz liebe Grüße von Kasriel

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Freddy » 30. November 2008 12:23

:danke:

100% unterschreib


:flagge: Freddy

nysn

Re: Auswandern mal anders

Beitragvon nysn » 30. November 2008 12:38

Leben und Leben lassen ist hier die Devise, nicht so wie in Deutschland Regeln und Reglementieren. Freiheit bedeutet konsumieren.
Was mir persönlich ganz auf den Keks geht ist, die Großkotzigkeit gerade der Deutschen beim Hauskauf. Da wird mehr geboten als die Bude Wert ist, ich habs ja! Dann auch noch gesagt, kann ich die Bude gleich bezahlen. Ich habe sollches mehrmals selbst miterlebt.
Man lebt als Ausländer hier, also hat man sich hinten anzustellen!!!!


Diese Aussage finde ich jetzt echt spannend - also Freiheit heißt Konsumieren!

Das kann ich noch nachvollziehen - das glauben viele Menschen - vor allem die, die wenig bis nichts haben.

Aber warum beklagst du dich über die Deutschen, die die Freiheit haben, für eine kleine Bude mehr zahlen zu können, als diese wert ist?

Davon dürften die Schweden doch nur profitieren - haben sie doch einen "Dummen" gefunden, an dem man sehr schnell reich und frei werden kann - um somit selbst eben sein höchstes Ziel im Leben erreichen zu können: KONSUM!

Wie stellt man sich denn in Schweden hinten an?

Bei meinen zurückliegenden Hauskauf-Versuchen in Schweden wurde ich eigentlich immer recht großzügig von Schweden überboten, denen die Bank anscheinend unendliche Ressourcen zur Verfügung gestellt hat - (lånelöfte).

S-nina :roll:

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon vinbär » 30. November 2008 14:30

Ich habe den subjektiven EIndruck, dass die Schweden sehr ausgeprägt dem Konsumzwang unterliegen. Beim Hauskauf habe ich eher S-Ninas Erfahrungen gemacht, diejenigen, die sich nicht ueber ihre Verhältnisse verschulden wollten und damit jedes budgivning "gegen" Schweden verloren, waren wir.
Ich finde nicht, dass ich mich als Ausländer hinten anstellen muss. Schliesslich sind wir doch alle gleich in Schweden, oder habe ich das falsch verstanden?

Kasriel

Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Kasriel » 30. November 2008 16:54

Dank an die die geantwortet haben.
Vinbär " Wir sind nicht alle Gleich, wir Deutschen sind Gäste in dem Land. Wir haben zb. auch kein Wahlrecht, es sei den wir nehmen die Staatsbürgerschaft an. Und das geht so glaub ich erst nach 10 jahren. Wir sind nicht so integriert wie die Schweden ist ja auch ihr Land. Deutsche lassen sich doch auch ungern die Butter vonm Brot nehmen von Ausländern.

Was Hauskauf angeht so mag es natürlich sein das Deutsche von Schweden überboten werden. Aber letztenendes bleibt es Schief weil der Kaufpreis dem Wert des Hauses nicht mehr wiederspiegelt.
Auserdem konnen die Schweden machen was sie wollen es ist ihr Land und wir sind Gäste!
DAs mit dem hinten Anstellen ist natürlich sinnbildlich gemeint, einfach zurückhaltender und achtsamer zu sein.

grüße Kasriel

nysn

Re: Auswandern mal anders

Beitragvon nysn » 30. November 2008 18:14

Wir sind nicht alle Gleich, wir Deutschen sind Gäste in dem Land. Wir haben zb. auch kein Wahlrecht, es sei den wir nehmen die Staatsbürgerschaft an. Und das geht so glaub ich erst nach 10 jahren. Wir sind nicht so integriert wie die Schweden ist ja auch ihr Land. Deutsche lassen sich doch auch ungern die Butter vonm Brot nehmen von Ausländern.
.... Auserdem konnen die Schweden machen was sie wollen es ist ihr Land und wir sind Gäste!


Die schwedische Staatsbürgerschaft bekommt man schon nach 5 Jahren, wenn man so will.

Teilweise kann ich dir zustimmen - z. B. das wir nicht alle Gleich sind.

Doch der Rest, das hört sich doch ein bisschen klischeeartig an, mit "wir sind hier nur Gast und die Schweden lassen sich nur ungern die Butter vom Brot nehmen."

Wer sagt denn, dass wir denen die Butter vom Brot nehmen? Es gibt durchaus eingewanderte Deutsche, die dazu beitragen, dass Schweden im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähig bleibt und Know-how ins Land fließt. Es gibt Leute, die sind echt eine Bereicherung für das Land - die werden sogar angeworben!

Deutsche Ärzte könnten z. B. auch im englischsprachigen Ausland leicht gut bezahlte Jobs bekommen - und hätten dazu noch den Vorteil, dass sich dies bei einer evtl. Rückkehr nach Deutschland karrierefördernd auswirkt. Dennoch gibt es gerade viele deutsche Ärzte hier in Schweden, die mit einer sehr guten, teueren Ausbildung dazu beitragen, dass das schwedische Gesundheitssystem nicht vollens zusammenbricht.

Dann gibt es noch genug Einwanderer aus nicht-europäischen Ländern, die über sehr viel Potenzial verfügen, das aber von den Schweden gar nicht genutzt wird, weil es hierzu eben immense Vorurteile gibt, z. B. kann unter Umständen schon ein für schwedische Ohren merkwürdig klingender Nachname dazu führen, dass man unfreiwillig zum Sozialhilfeempfänger degradiert wird (bei bestimmten Ausländergruppen teilweise bis in die 3. Generation).

Z. B. wundert es mich hier immer wieder, dass große schwedische Unternehmen in Nahost Geschäfte machen oder machen wollen und immer noch der Meinung sind, die Schweden könnten das auch ohne Unterstützung von Leuten, die evtl. aus dieser Kultur stammen. Die Schweden hätten das absolut beste Verständnis für die fremde Kultur - einfach nur deshalb, weil sie eben so phantastische Englischkentnisse haben. :roll:

Ich bin der Meinung, dass Integration nicht bedeutet, man solle sich irgendwie "dankbar" oder "demütig" (ödmjuk) oder sonst wie verhalten.

Eine gelungene Integration ist, wenn wirklich alle Parteien gleichberechtigt behandelt werden - Schweden ist ja schließlich auch Mitglied der EU mit allen Rechten und Pflichten, die das mit sich bringt (eben auch Freizügigkeit am Arbeitsmarkt).

S-nina

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon janaquinn » 30. November 2008 18:18

Hej Nina,
wunderbar geschrieben und daher meine volle Zustimmung!!!

LG JANA
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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Gottfried » 1. Dezember 2008 08:05

Hej Kasriel!

Gut, das Du mir endlich das Leben erklärt hast. :danke: Aber:
Kasriel hat geschrieben:Auserdem konnen die Schweden machen was sie wollen es ist ihr Land und wir sind Gäste! l


Als mündiger Bürger, der in ein Land auswandert, bin ich nicht NUR Gast! Gäste sind Touristen!
In diesem Sinne....


:smt006

Gottfried

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Aelve » 1. Dezember 2008 09:52

Hallo Kasriel,

einige Punkte, die Du angesprochen hast, sehe ich genauso wie Du.
Ich denke, dass einige Schweden schon leicht sauer reagieren, wenn ihnen Leute aus anderen Nationen, die Häuser vor der Nase wegschnappen. Mir ist es selbst auch schon zu Ohren gekommen, dass einige Schweden sagten, wir könnten es uns nicht erlauben, ein Haus zu dem Preis zu kaufen, den Deutsche, Holländer oder auch Norgweger bereit sind, dafür aufzubringen. Der Schwede, der sein Haus natürlich zu einem hohen Preis verkauft bekommt, wird nicht über den hohen Preis ärgerlich sein, sondern froh, dass es Ausländer gibt, die bereit sind, den Preis zu zahlen.
Außerdem bin ich auch der Meinung, dass ich als Auswanderer nicht mein bisheriges Leben mitnehmen kann und Schweden umkrempeln kann. Wenn ich auswandere muß ich mich vorher erkundigen, ob mir das System des ausgesuchten Landes gefällt, falls es mir ganz gegen den Strich geht, würde ich mir ein anderes Land suchen, wo meine Vorstellungen eher getroffen werden.
Ich finde, dass es nicht schlecht ist, gute Sachen einbringen zu wollen in seinem neuen Heimatland, aber das geht nur sachte und mit viel Einfühlungsvermögen.
Denn nicht alles, was neu ist und was jemanden als das Nonplusultra erscheint, ist wirklich später für ein Land zum Vorteil. Vielleicht wollen die Schweden wirklich etwas ruhiger leben und nicht auch noch die deutsche Hektik, den deutschen Pessimusmus und die deutsche Überheblichkeit importiert bekommen. Verbesserungen ja zum Wohl der Schweden, wenn sie diese auch möchten.

Ich finde diesen Satz von Hans wichtig und richtig, den er in seinem letzten Gedicht veröffentlicht:

Und die scheinbare Abwesenheit von Demut ist merkbar

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon vinbär » 1. Dezember 2008 10:25

Als ich schrieb, alle seien doch gleich, war das ironisch zu verstehen. Ist es doch eine schwedische Tugend, sich, zumindestens auf den ersten Blick, nicht hervorzuheben. Gast ist man, in meinen Augen, wenn man z.B. eingeladen ist, und auch wieder nach Hause geht. Oder als Tourist. Nicht, wenn man aus eigenen Stuecken im Ausland lebt, arbeitet, Steuern zahlt, hier sein Zuhause hat....und eventuell sein Leben hier verbringt, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Sonst wären alle ausländischen Mitmenschen in z.B. der Berliner U-Bahn auch Gäste, Kasriel?
In einigen Branchen ist Schweden sehr auf gut ausgebildete Ausländer angewiesen, teilweise setzt man sogar gezielt darauf diese Spezialisten aus dem Ausland zu rekrutieren, weil es billiger ist, als die eigenen Landsleute dazu auszubilden, bzw. die Möglichkeiten hierzu gar nicht erst vorhanden sind.

mvh
vinbär


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