Auswandern mal anders

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nysn

Re: Auswandern mal anders

Beitragvon nysn » 1. Dezember 2008 10:29

Ich finde diesen Satz von Hans wichtig und richtig, den er in seinem letzten Gedicht veröffentlicht:

Und die scheinbare Abwesenheit von Demut ist merkbar



Dieser Satz von Hans zeigt sehr deutlich und anschaulich, die Einstellung, die doch viele Schweden gegenüber Ausländern haben - sie verlangen DEMUT.Ich wüsste nicht, warum ich irgendjemandem auf der Welt "Demut" erweisen sollte - hier die Defintion davon - lt. Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Demut
Der Ausdruck Demut kommt aus dem mittelhochdeutschen diomuoti („dienstwillig“, also eigentlich „Gesinnung eines Dienenden“)

Der Demütige erkennt und akzeptiert aus freien Stücken, dass es etwas für ihn Unerreichbares, Höheres gibt.

In Abhängigkeitssituationen kann Demut jedoch bis zur unfreien oder erzwungenen Selbstunterwerfung gehen.

Die Demut setzt wie die Unterwürfigkeit ein Herr-Knecht-Verhältnis voraus. Bei den Griechen und Römern war sie eine geringgeachtete Haltung.

In der christlichen Religion bedeutet Demut das Anerkennen der Allmacht Gottes. Demut beschreibt demnach die innere Einstellung eines Menschen zu Gott.


Ich halte es mit der Demut so, wie die Römer/Christen - ich bin definitiv keines Herren Knecht!!

Servus,
S-nina

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Aelve » 1. Dezember 2008 10:35

Liebe S-Nina,

ich sehe in Demut etwas anderes und zwar, dass man dankbar sein soll, über das was man kann und was man hat. Dass man damit nicht so prahlt und sich nicht über andere, die vielleicht aus bestimmten Gründen nicht das gleiche Wissen, die gleichen Güter, die gleichen Rechte haben, erheben will.

Ähnlich dieser Beschreibung sehe ich es:
http://www.aufrichtig.de/dankbarkeit.html

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon janaquinn » 1. Dezember 2008 10:41

Hej Aelve und Kasriel,

Frage: Warum soll ich als Einwanderin mit eingezogenen Kopf durch Schweden laufen, nur weil unsere Familie eingewandert ist??
Wir arbeiten, wir zahlen Steuern auf alles und geben das verdiente Geld hier in Schweden auch wieder aus.
Wir sind keine Asylanten, bekommen ausser dem Pflegegeld, worauf wir auch Steuern zahlen, keinerlei staatlichen Gelder.
Ich sehe mich also nicht als Gast sondern als gleichberechtigt neben den Schweden.
Ich kenne auch ganz ehrlich nicht einen einzigen deutschen Einwanderer, welcher übertrieben arrogant ist, Pessismismus verbreitet oder ähnliches.
Ich habe zwar noch nicht die schwedische Staatsbürgerschaft, aber ein Pass macht ein Zugehörigkeitsgefühl nicht wichtiger.
Wir sind bewusst nach Schweden gezogen, wir wussten einiges über die Probleme im Land, einige andere haben sich erst im Laufe der Zeit gezeigt, was normal ist, denn sowas zeigt sich erst im täglichen Leben.
Muss ich alles akzeptieren, weil ich eine Einwanderin bin?? Ich mache mich nicht kleiner als ich bin, dafür sehe ich auch keinen Grund.
Mein Mann war in D. ebenso Ausländer wie er es jetzt in Schweden ist, trotzdem hat er die Probleme im Land angesprochen, er hat dort ebenso Steuern gezahlt und war ein gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft. Ich hätte auch niemals akzeptiert, dass er seinen Mund hält, nur weil er einen amerikanischen Pass hat.


Und wie Nina es schon sagte, meist überbieten nicht die Deutschen die Schweden beim Hauskauf, sondern anders rum, weil man als Einwanderer nämlich garnicht die Kredithöhe bekommt, um das Haus seiner Träume zu kaufen. Bei den schwedischen Banken ist man nämlich, auch als EU-Bürger, ein Mensch 2.Klasse, solange man nicht eine gewisse Summe auf dem Konto hat


Zu den "zuvielen" Info´s bzw. preussischer Vorbereitung:
Wir haben geplant, wir haben einen riesigen Input an Info´s bekommen, für uns war es wichtig und wir waren froh drüber, denn wir haben 2 Kinder und dementsprechend eine Verantwortung ihnen gegenüber.
Wer ohne jede Info oder einen Plan auswandert, aber Kinder hat, handelt in meinen Augen grob fahrlässig und trägt seinen "Traum" auf dem Rücken seiner Kinder aus.
Die interessiert es nämlich nicht, warum kein Geld oder keine Wohnung vorhanden sind, nur weil die Eltern überstürzt und ohne jede Art von Sicherheit ausgewandert sind, sie wollen ein warmes Bett, Klamotten und Essen haben.
Wer so auswandert und dann zurückkehrt nach Deutschland, der kann mit Fug und Recht behaupten, dass er gescheitert ist....aber dann ist meist das Land und die bösen Einwohner schuld und niemals man selber.

Nix für ungut
JANA
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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon nysn » 1. Dezember 2008 10:46

Schön für dich Aelve, dass du es anders siehst.

Ich sehe das genauso, wie es da steht - Demut gegenüber Gott (wenn man so will - kommt darauf an, ob und welcher Religion man sich verbunden fühlt - sollte aber für jeden Privatsache sein).

Demut gegenüber Menschen - das ist Unterwürfigkeit.

nochmals Zitat aus Wikipedia - Quelle wie oben:

"Für Nietzsche gehört Demut zu den gefährlichen, verleumderischen Idealen, hinter denen sich Feigheit und Schwäche, daher auch Ergebung in Gott verstecken."


S-nina

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Gottfried » 1. Dezember 2008 10:48

Lien Nina :danke:

Das Wort "Demut" in diesem Zusammenhang halte ich auch für höchst daneben! Wir leben im aufgeklärtem Europa des Jahres 2008 und nicht im Mittelalter als Lehensnehmer!
Und ihr Demütigen: ihr könnt euch noch so verbiegen, ihr werdet keine Schweden und bleibt doch nur die "Deutschen"!

:smt006

Gottfried

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon nysn » 1. Dezember 2008 10:50

Muss ich alles akzeptieren, weil ich eine Einwanderin bin?? Ich mache mich nicht kleiner als ich bin, dafür sehe ich auch keinen Grund.


Genau Jana! :danke:

Es gibt auch gar keinen Grund!!

S-nina

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon janaquinn » 1. Dezember 2008 10:53

Hej Aleve,
ja, ich bin Schweden in vieler Hinsicht dankbar, vorallem was die Situation für meinen Sohn betrifft. Dafür bin ich wahrlich dankbar...aber demütig?? WARUM sollte ich demütig sein? Mein Sohn hat die Sachen bekommen, die er benötigt und wofür seine Eltern und seine Tante monatlich Steuern zahlen, wofür wöchentlich zwischen 46 und 60 Stunden arbeiten.
Ich war in Deutschland nicht demütig, für die Sachen, welche ich für Yannic bekommen hat, weil ich da ebenso Steuern gezahlt habe.

All das, was wir in den letzten 20 Monaten erreicht haben, all das haben wir uns selber erarbeitet, mit täglicher harter Arbeit.

Nein, ich bzw. wir brauchen wahrlich nicht demütig sein, auch nicht weil ich Deutsche bin. Ich kann nichts dafür, dass ich ausgerechnet einen deutschen Pass habe und einige Landsmänner sich im Ausland aufführen wie die "Herrenmenschen"... Ich bin ICH und stolz drauf.

LG JANA
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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Imrhien » 1. Dezember 2008 11:00

Das folgende beinhaltet die Wahrheit und ist doch ein klein wenig mit augenzwinkern zu lesen...

Demütig bin ich vor Gott. Alles andere ist für mich Häresie.
Im christlichen Glauben verankert sind für mich die christlichen Werte, zu denen es für mich jedenfalls auch gehört, dass ich nicht denke etwas besseres zu sein als mein Nachbar. Welche Nationalität er hat, ich habe, oder wo wir leben, spielt für mich da keine Rolle. Darüber habe ich noch nichts im Christentum gelernt, dass es wichtig ist in welchem Land ich mich aufhalte. Vielleicht sollte ich die Bibel noch einmal darauf prüfen oder mit meinem Pfarrer reden.

Undemütige Grüsse
Wiebke

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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Aelve » 1. Dezember 2008 11:02

Liebe Jana,

so wie Du es schreibst, ist es doch in Ordnung. Man muß nicht mit eingezogenem Kopf oder unterwürfig durch Schweden laufen, weil man eingewandert ist. Das sehe ich genauso wie Du.
Ich meine etwas anderes damit und zwar, dass man bei Änderungen, die man gerne umsetzten möchte oder bei Dingen, die einem in Schweden nicht so gefallen etwas sachte und vorsichtig sein muß. Alles hat seinen Hintergrund, seine Tradition und seine Vergangenheit. Ich vergleiche es gerne mal mit einem Posten in einer Firma. Auch in D gibt es Leute, die in eine Firma kommen und sofort alles umkrempeln wollen, weil sie meinen, dann läuft es optimaler. Sie kennen aber die Struktur der Firma nicht so genau und warum einige Dinge dort so und so laufen. Wie oft hat man schon gehört, dass nach einer großen Umkrempelung der Firma dann gar nichts mehr lief.
So ähnlich meine ich es, wenn ich im Ausland etwas ändern will, nur weil ich glaube, dass ich es besser weiß als der im Land geborene. Es gehört sehr viel Wissen um die Dinge, um die Struktur und um die Entstehung von Gesetzen, von Traditionen dazu, bevor eine (nur weil ich meine, dass es besser sei) Änderung herbei geführt werden kann, die sich letztendlich evtl. später als negativ entpuppt.
Vielleicht wollen die Schweden nicht, dass sie ihre Mentalität aufgeben müssen oder ihre Zurückhaltung und ihre Zufriedenheit auf Kosten von Verbesserungen, die in der Tat für Unfrieden sorgen.

Und ich habe nicht gesagt, dass Demut nicht gegenüber Gott angesagt ist, sondern gegenüber dem Land, in welches man einwandert. Nein, ich meine damit, Demut, dass Gott mir die Gabe gegeben hat, wenn ich etwas besonders gut kann. Und ich denke auch, dass Hans diese Demut gemeint hat.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 1. Dezember 2008 11:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Auswandern mal anders

Beitragvon Imrhien » 1. Dezember 2008 11:06

Vielleicht sollte ich noch einmal für mich darauf hinweisen:
Ich bin zwar nicht demütig und habe auch nicht das Gefühl, dass ich mich besonders verhalten muss. Ich denke aber schon, dass ich mich bemühen muss mich hier in die Gesellschaft zu integrieren. Sonst würde ich besser in Lappland in einem Haus im Wald wohnen, wo der Nachbar eine Stunde minimum entfernt lebt.
Das gleiche gilt aber doch für alle Länder. Ich muss den Schweden oder dem Land auch nicht übermässig dankbar sein. Natürlich ist manches toll hier, aber im Zuge von Europa, das hier ja so gerne angesprochen wird, sind die Schweden darauf angewiesen, dass Einwanderer kommen. So wie wir in Deutschland auch mal auf Türken und Italiener und Inder und und und angewiesen waren und sind. Genaugenommen könnte man da auch sagen, dass man als Land, dem Einwanderer dankbar sein müsste. Ich halte generell nicht so viel davon, auf beiden Seiten, sich auf die Dankbarkeit anderer zu verlassen. Jeder soll sich nach Kräften bemühen seinen Teil zum Gelingen der Gesellschaftsform in der man lebt, beizutragen. Jeder tut nach eigenem Vermögen.
wenn überhaupt, bin ich einzelnen Schweden dankbar, doch das bin ich.
Sie haben uns die Integration in den Ort erleichtert. In Deutschland bin ich aber anderen Menschen auch dankbar. Für mich hat das nichts mit "Entwicklungshilfe" einem Einwanderer zu tun, sondern das ist Nachbarschaftshilfe, oder man könnte auch sagen Nächstenliebe. Die wiederrum erfordert meiner Meinung nach keine Demut oder Dankbarkeit in erhöhtem Masse.

Grüsse
Wiebke


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