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Schweden
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Schweden und Norwegen - Fähre, Urlaub, Reisen & Meer

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 Betreff des Beitrags: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 13. April 2010 22:46 
Neuling
Neuling

Registriert: 13. April 2010 22:35
Beiträge: 5
Hallo

Ich weiß ihr bekommt hier zwar gewiss häufiger diese Fragen gestellt,
aber ich versuchs trotzdem mal.
Mein Name ist Laura, ich bin 23 Jahre alt und lebe zur Zeit mit meinem
Partner in Hamburg.
Ich habe vor einigen Jahren im Urlaub Schweden lieben gelernt,
daher sind wir schon seit geraumer Zeit am überlegen,
ob wir nicht nach Schweden auswandern sollten.
Ich habe eine Ausbildung in der Behindertenassistenz gemacht,
und bin dort auch seit einiger Zeit tätig.
Mein Partner ist 32 Jahre alt, Arzt und würde gerne in Schweden seinen
Facharzt zum Rechtsmediziner machen,
da in Schweden die Arbeit für Rechtsmedizinier anders,
bzw. für ihn interessanter geregelt ist als in Deutschland.

Das Auswandern kein Kinderspiel ist, das ist uns schon klar.
Ohne Sprachkentnisse und finanziellen Rücklagen würden wir den Schritt sowieso nicht machen.
Auch in Schweden wird es schwer sein Fuss zu fassen, egal ob beruflich oder privat.
Trotzdem träumen wir davon.

Ihr, die ja nun schon mehr Erfahrungen habt,
könnt mir vielleicht ein bisschen helfen.
Mich würde interessieren, ob es auf dem Arbeitsmarkt dort im Bereich Medizin
wirklich so schlecht ausschaut, wie man hier immer sagt.
Auch welche Voraussetzungen man erfüllen muss um nach Schweden einwandern zu dürfen.
Ebenso die Wohnungsfrage. Ich habe erfahren, dass in Schweden
Wohungen nur als Untervermietung angeboten werden,
und das man Häuser meist ersteigern muss.

Wie ihr seht hab ich nicht wirklich viel Ahnung davon.
Daher hoffe ich auf eure Hilfe.

Hierfür schon mal ganz lieben Dank.

Euch alles Liebe und Gute aus Hamburg

Narina


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 14. April 2010 08:39 
Schwedenfreund
Schwedenfreund
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Registriert: 15. März 2008 14:28
Beiträge: 312
Wohnort: Borås
Ich würde sagen: Später. :wink:

Eure beruflichen Voraussetzungen sind nicht schlecht. Fahrt öfter nach Schweden in Urlaub, arbeitet an Euren Sprachkenntnissen und schafft Euch eine Rücklage an.
Wir Du schon festgestellt hast kommt man schneller an ein eigenes Haus, als an eine Mietwohnung. Als EU-Bürger dürft ihr Euch frei in der EU aufhalten und müßt hier in Schweden nachweisen, dass ihr finanziell unabhängig seit.
Spätestens wenn Nachwuchs da ist solltet ihr euch über den Zeitpunkt des Umzuges in Klaren sein.

Viel Erfolg.

:smt006 Freddy


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 14. April 2010 08:46 
Schweden Guru
Schweden Guru
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Beiträge: 1380
Wohnort: Gällivare / Lappland
Erstmal habt ihr nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Wie es nun konkret mit Rechtsmedizinern aussieht, kann ich nicht beurteilen, aber prinzipiell gehören Ärzte zu den wenigen noch wirklich gesuchten Berufsgruppen in Schweden. Auch im Bereich Pflege/Behindertenassistenz gibt es sicher Chancen, wobei in beiden Berufen Sprachkenntnisse natürlich die absolute Voraussetzung sind. Als Arzt bekommt man vom Landsting aber auch schonmal einen Privatintensivkurs gesponsort.

Es ist natürlich nicht ungefährlich, sich im Urlaub in ein Land zu vergucken und dann sofort dorthin zu ziehen. Letztendlich dürfte es aber bei kaum jemandem viel anders gelaufen sein. Man sollte nur darauf gefasst sein, dass es eine Sache ist, in Schweden Urlaub zu machen und eine andere (ganz andere!), dort zu leben. Kommt man damit nicht klar - und es gibt vieles, was einem den letzten Nerv rauben kann - dann sollte man auch einfach bereit sein, den Schritt zurück zu gehen.

Wie eure beruflichen Chancen stehen, hängt stark von eurer Flexibilität ab. Wenn dein Partner statt als Rechtmediziner (und dann vermutlich in einer Grossstadt) auch als praktischer Arzt in einer vårdcentral in der Provinz arbeiten würde, könnte er sich vor Angeboten wahrscheinlich kaum retten. Vielleicht kann man die Rechtsmedizin auch einfach um ein paar Jahre verschieben.

Die Provinz hat auch so ihre Vorteile. Während die Wohnungssuche in Stockholm ein Glücksspiel ist und man sich für ein Haus lebenslang verschulden kann, bekommt man im "landsbygd" ziemlich günstige Häuschen. Und wie gesagt, Ärzte sind in der Provinz immer noch Mangelware.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 14. April 2010 10:37 
Alter Schwede
Alter Schwede
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Beiträge: 3154
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Hej,
fangt schon mal mit der Sprache an. Natürlich reicht das nicht aus um dann hier direkt in die Arbeit einzusteigen, nicht in diesen Bereichen. Aber man kann eine gute Basis schaffen und einem zukünftigen Arbeitgeber den guten Willen signalisieren.
Als Arzt sind die Chancen sehr gut. Ich kenne ein paar hier und die werden/wurden mit Kusshand genommen und bekommen teilweise sehr viel Unterstützung. Vermutlich wäre es sicherer sich tatsächlich, wie Skogstroll vorschlug sich breiter und flexibler umzuschauen. Manchmal wird diese Ausbildung zum Facharzt und alles was damit zusammen hängt, also auch Sprachkurse für Ausländer, vom Arbeitgeber bezahlt. Aber das hängt natürlich davon ab wie sehr man gebraucht wird. Hier wurden in der Pathologie viele Ausländer eingestellt, aus x verschiedenen Ländern. Allen wurden mehrere Kurse Schwedisch finanziert, plus diverse Kurse für die Arbeit. Aber das muss man natürlich vorher klären. Ansonsten kann man das auch von hier aus machen, wenn man schon als "normaler" Arzt arbeitet und Geld verdient. Ist man erst einmal angekommen, hat einige Jahre hier gearbeitet und kann die SPrache gut, bekommt man fast überall seinen Wunschjobb als Arzt. Zumindest zeigen das Erfahrungen von Freunden, die hier wegwollten und woanders in Schweden gesucht haben. Beide Ärzte mit speziellen Wünschen was Arbeitszeit und Platz anging. Wurde alles unkompliziert erfüllt, bei gutem Gehalt. Ärzte sind knapp. Man muss halt die SPrache schnell lernen.
Für Dich käme am Anfang, nach dem Sprachkurs mindestens eine Stelle als persönliche Assistentin in Frage. Nicht der spannendeste Jobb, vermutlich hängt das vom Einsatzort ab und man verdient nicht die Welt. Aber als Einstieg sicher besser als nichts. Und hier vor Ort kann man sich dann um Anerkennung und und und kümmern.

Häuser werden teils tatsächlich ersteigert. Wobei auch das nicht so tragisch ist, wenn man nicht von Anfang an das Richtige haben muss und noch mal umziehen kann. Dann ist man flexibler und kann in Ruhe von hier suchen. Eine Mietwohnung findet man schon immer wieder, ist aber eben nicht so leicht wie in Deutschland. In Städten werden sie auhc schnell sehr teuer. Da muss man eben Abstriche machen können oder extrem Glück haben.

Ich denke Ihr habt bessere Karten als viele andere. Lernt die Sprache und kontaktiert direkt Arbeitgeber. Mit einem guten Einkommen sicher, kann man das Unternehmen gut starten. Als Arzt verdient man auch nicht sooo schlecht hier, wenn auch deutlich weniger als in Deutschland. Dafür sind die Arbeitsbedingungen vermutlich entsprechend entspannter.

Viel Erfolg und Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 14. April 2010 21:32 
Teilnehmer
Teilnehmer

Registriert: 27. September 2009 17:52
Beiträge: 40
Wohnort: Berlin
Noch mehr Hamburger die auswandern wollen (same here) ...

Naja, wie die Voredner schon sagten, sollte man die Sprache beherrschen und ueberstuerzen kann man es nicht. Die Sprache richtig gut zu behersschen kann aber schon ein Weilchen dauern und das lernt man nicht in Deutschland.

Es gilt eig. nur die Grundregel: nichts ueberstürzen, langfristig planen, und am besten mal länger in Schweden verbringen.

Letzteres würde ich auch gerne machen, aber mein Job in Deutschland lässt das nicht zu :cry:


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 15. April 2010 11:20 
Schweden Guru
Schweden Guru

Registriert: 14. Oktober 2006 15:48
Beiträge: 1544
Wohnort: Orsa
Dein Freund ist approbierter Arzt, aber ohne Facharztanerkennung - das kann schwer werden, denn an den meisten Stellen hier werden Fachärzte benötigt. Bei ST-Bewerbungen (specialist-tjänstgöring) werden oft diejenigen bevorzugt, die ihre Assistenzzeit an der jeweiligen Klinik gemacht haben. Ich stimme Skogstroll zu: Wenn man bereit ist, erst einmal eine andere Fachrichtung zu wählen und in der "Provinz" zu arbeiten, ist oft eine bezahlte Sprachausbildung und natürlich Hilfe bei der Wohnungssuche drin. In den Ballungsgebieten dagegen ist das "Angebot" an jungen Ärzten, die sich für eine Facharztausbildung bewerben, erfahrungsgemäss sehr hoch.
Mein Vorschlag: Geht zu einer Informationveranstaltung und lasst Euch beraten oder, wenn Ihr Euch schon für eine Gegend entschieden habt - nehmt Kontakt mit der Personalabteilung eines dortigen Krankenhauses auf!
Viel Glück!
Jörg


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 20. April 2010 22:55 
Neuling
Neuling

Registriert: 13. April 2010 22:35
Beiträge: 5
Erst mal ganz ganz lieben Dank für eure ganzen Antworten.

Ihr habt natürlich mit vielen Sachen total recht.
Nirgends ist es einfach, auch in Schweden nicht.
Urlaub und Leben sind schon arg unterschiedlich.
Trotzdem wollen wir es in den nächsten Jahren versuchen,
bzw. wenn es nach meinem Partner ginge
am liebsten in den nächsten Monaten.

Ein Sprachkurs vorher wäre natürlich Pflicht,
habe mir zwar schon ein "Heimkurs" gekauft,
aber das allein reicht natürlich nicht.

Finanziell sind wir sehr gut abgesichert,
d.h. wir haben Rücklagen die wir auch für
einen Hauskauf oder ähnliches anlegen können.

Beruflich gesehen wäre es erst mal unser Ziel,
meinen Partner mit Arbeit zu versorgen.
Er müsste sowieso zu erst seine
Assistenzarzt-zeit machen
und danach könnte er erst in den Bereich Rechtsmedizin gehen.
Mal so unter uns: ich wäre auch dafür das er eine andere
Fachrichtung wählt :D :D so ganz klasse find ich das ja nicht.
Aber es ist sein Ding, und großen Jungs soll man den Willen lassen.

Einer der Hauptgründe für uns nach Schweden zu gehen,
ist die Familienplanung.
Wir wollen unsern Kindern das Bestmöglichste bieten,
vor allem ihnen eine schöne Kindheit ermöglichen.
Dies ist meiner Meinung nach in Deutschland nicht
so möglich, wie wir uns das vorstellen.

naja..alles vielleicht ein bissle chaotisch.
Aber so sind wir :-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 06:39 
Schwedenfreund
Schwedenfreund

Registriert: 25. August 2009 07:42
Beiträge: 432
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Narina hat geschrieben:
Wir wollen unsern Kindern das Bestmöglichste bieten,
vor allem ihnen eine schöne Kindheit ermöglichen.
Dies ist meiner Meinung nach in Deutschland nicht
so möglich, wie wir uns das vorstellen.


wie stellt ihr euch das vor (kindergarten, schule, beruf, studium etc.).. vielleicht kann dann der eine oder andere dazu was beitragen, ob es so ist, wie ihr es euch vorstellt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 07:23 
Teilnehmer
Teilnehmer

Registriert: 10. März 2009 16:59
Beiträge: 48
Sumac hat geschrieben:
wie stellt ihr euch das vor (kindergarten, schule, beruf, studium etc.).. vielleicht kann dann der eine oder andere dazu was beitragen, ob es so ist, wie ihr es euch vorstellt.


Da kann ich nur zustimmen.....erkundet euch erstmal, ob es wirklich DIESE Form von Kindheit ist, die ihr Euren Kindern wünscht, wenn dass Eure Beweggünde sind....

:smt006


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 08:41 
Schweden Guru
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Narina hat geschrieben:
Einer der Hauptgründe für uns nach Schweden zu gehen,
ist die Familienplanung.
Wir wollen unsern Kindern das Bestmöglichste bieten,
vor allem ihnen eine schöne Kindheit ermöglichen.
Dies ist meiner Meinung nach in Deutschland nicht
so möglich, wie wir uns das vorstellen.

Gerade in diesem Punkt wäre ich ganz vorsichtig. Was soll denn so viel besser sein? Die Schule ist es jedenfalls nicht. Sicher kann man irgendwo auf dem Land oder mitten im Wald wohnen, aber wollen das die Kinder? Und ganz praktische Konsequenzen hat es auch, wenn man die lieben Kleinen zu jeder Freizeitaktivität kilometerweit mit dem Auto fahren muss.

Ich gebe zu, dass der Punkt naheliegend ist, wenn man vom gängigen Schwedenimage ausgeht. Ich habe mal genauso gedacht und muss heute sagen, dass ich mich gründlich geirrt habe. In der Schule herrscht Zickenkrieg, das Niveau ist unterirdisch, das Angebot der Kulturskola ist minimal, die Wartezeiten sind ewig und die Fahrstrecken nervig. Gerade unseres Kindes wegen erwägen wir heute den Umzug.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 09:00 
Schwedenfreund
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Wohnort: Borås
Man kann auch in Deutschland eine schöne Kindheit verbringen, allerdings nicht in einer (Gross-)stadt! :wink:

Es gibt genügend schöne Fleckchen in Deutschland in Schweden zieht es die meisten ja auch eher in ländliche Gebiete. Die Betreuung der Kleinkinder ist sicherlich besser als in Schweden, aber auch teurer. Zum schwedischen Schulsystem wurde ja hier schon genug geschrieben. Obwohl wir jetzt schon 1,5 Jahre in Schweden sind haben meine Kinder in Mathematik noch nichts neues gelernt. :shock:

Wenn ich die Wahl und das Geld gehabt hätte, wäre ich Richtung Bodensee gezogen. Ich wünsche Euch ein glücklichen Händchen bei der Wahl und viel Erfolg.

:smt006 Freddy


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 09:48 
Schwedenfreund
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wir sollten doch erstmal abwarten, was sich Narina vorstellt, bevor wieder alles zerpflückt wird... :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 10:41 
Schwedenfreund
Schwedenfreund

Registriert: 4. Mai 2008 22:43
Beiträge: 767
Wohnort: Insel Orust
Sumac hat geschrieben:
wir sollten doch erstmal abwarten, was sich Narina vorstellt, bevor wieder alles zerpflückt wird... :)



ich seh hier keinen Ansatz von Zerpflückung...die Einträge wenden sich dem Thema Kinder in Schweden zu, nach der Bemerkung von Narina...

und auch ich...mit Deiner Erlaubnis Sumac... gebe meinen Senf dazu

Wir sind des Jobs wegen nach S gekommen, mit meiner damals 4 jährigen Tochter. Es wäre mir vorher nicht in den Sinn gekommen auf welche "andersartigen" Situtionen in Bezug auf Kindern man hier stoßen wird...Schulsystem, Familienleben, Freizeit, Zukunft der Kinder

für mich war nicht alles aber vieles eine Überaschung...und keine gute.

LG
Heike

PS Sumac..Falls Du in Sorge bist, dass dieser Thread in eine der so oft geführten Diskussionen kippen könnte,
so kann man sich ja im stillen Einigen, dass die "subjektiven " Eindrücke der Einzelnen als solche bestehen bleiben und nicht diskutiert werden und Narina gerne Nachfragen kann, falls sie das eine oder andere näher interessiert.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 11:29 
Alter Schwede
Alter Schwede
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Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Je nach den eigenen Vorstellungen kann das natürlich wirklich die schönere Kindheit werden. Auch abhängig von den Vorbedingungen, die man in Deutschland hat. Aber das ist ja so theoretisch und so subjektiv. Schreib mal was Ihr Euch wünscht für Eure Kinder. Dann kann man sehen ob das realistisch ist. Vieles hier finde ich für meine Kinder wirklich toll und super aber manches eben nicht. Und von dem, was ich toll finde, weiss ich, dass es vieles auch in Deutschland gibt. Vielelicht nicht überall, aber doch oft genug. Und auch in Schweden sieht Kindheit nicht überall gleich aus. Norrland ist nicht Skåne.

Mich zum Beispiel erschreckt und stört, dass sie nun schon bei den 3jährigen im Kindergarten den COmputer stehen haben. Dazu muss ich sagen, dass wir selber eine sehr technisierte Familie sind. Wir sind Technikfans und unsere Kinder dürfen und sollen sehr wohl mit dem PC spielen. Aber im Kindergarten schon??? Ich möchte eigentlich gerne zeitlich begrenzen und vor allem kontrollieren und begleiten was sie da machen. Das ist für mich der wichtigste Punkt im Sinne einer sinnvollen und guten Medienerziehung. Und auch Kompetenzförderung. Im Kindergarten seh ich weniger die Begleitung als vielmehr den Spass mit den Kumpels. Das ist nicht schlecht, aber auf Dauer einseitig.

Bei meinem Grossen sehen sie in den Ferienwochen arg viele DVDs und spielen Consolenspiele. Auch im Kindergarten. Zum Glück sind es nur Ferienzeiten, aber da wird dann dafür in die vollen gelangt. Wäre nicht ein Tag im Monat sinnvoller? Oder was auch immer.
Jedenfalls finde ich, dass ein kritischer Umgang mit Medien eher weniger vorhanden ist. In Deutschland wohl auch bei vielen Familien aber da achten wenigstens Schule und Kindergarten noch darauf und da versauen die Eltern dei Kinder alleine. (Böse ausgedrückt).

Was ich toll finde (um nicht nur zu meckern): Meine Kinder gehen täglich raus. Auch wenns regnet und eklig ist. Das finde ich klasse. Sie spielen im Dreck und haben Natur um sich. In manchen Gruppen gibt es feste Waldtage, aber nicht in allen.
Die Vorschulprojekte bei meinem Sohn finde ich klasse. Die machen richtig schöne Sachen mit den Kindern und die sind so wissbegierig.
Von beidem weiss ich aber auch, dass es in Deutschland kindergärten gibt, die auch raus gehen und tolle Projekte machen. Also nicht unbedingt schwedenspezifisch.

Toll ist auch, dass man recht unkompliziert Plätze bekommt. Jedenfalls noch hier im län. Ich weiss, dass das nicht überall so ist.
Die Kinder sehen sich viel im Kindergarten und auch in der öppna förskola (art Krabbelgruppe).
Toll ist, dass die Eltern sich die Arbeit mehr teilen können, weil mehr Väter die Möglichkeit haben, ohne Ärger daheim zu bleiben und es auch gerne machen. Bei mir im Bekanntenkreis sind viel mehr Schweden die ein paar Monate oder gar länger daheim bleiben als in Deutschland. Auch, dass beide Eltern teilzeit machen können ist toll.

Schlecht ist, dass die Kindergärten gerade übel dem Rotstift ausgesetzt sind. Kommunen streichen Stellen, Gruppen werden grösser (genau so gross wie in Deutschland mancherorts) und vor allem werden Betreuungszeiten gekürzt und kontrolliert. Manche Kinder dürfen, weil ein Geschwisterkind gekommen ist nur noch 15 Stunden in den Kindergarten. Leider oft für 3 Stunden an 5 Tagen, statt anders. So haben alle Stress und die Kinder nichts mehr vom Alltag mit den Freunden. Das wird gemacht, damit die Kommune nicht das Essen zahlen muss. Selber zahlan darf man nicht, das entspricht nicht dem schwedischen Gleichheitsbild. Kinder haben also leider weniger Freunde, weil ein Geschwisterkind da ist. Alle Freunde sind womöglich gerade im Kindergarten und man selber sitzst daheim. Es bleibt nur die Krabbelgruppe, da sind oft Babys und das ist für die Grossen langweilig.
Schweden steuert in manchen Dingen gerade in Richtung Deutschland. Witzigerweise versucht Deutschland vieles so zu machen wie es in Schweden mal war. Verdrehte Welt.
Vielleicht gehen also bald die Schweden nach Deutschland weil da das Betreuungs- und Bildungssystem so vorbildlich und "alt"schwedisch ist.

Trotzdem muss ich sagen, dass wir nicht unglücklich sind und nicht alles schlecht finden. Wir sind glücklich und finden, dass es unseren Kindern gut geht. Aber eben auch nicht schlechter als es in Deutschland der Fall wäre. Für mich sind die Kinder nicht mehr der Grund auszuwandern, wenn man vom sprachlichen und kulturellen Zuwachs mal absieht.

Fazit für mich: Auswandern schadet Kindern nicht unbedingt, es muss aber auch nicht heissen, dass es ihnen dadurch besser geht.
Man sollte jeweils für die eigene Familie abwägen was wirklich die Gründe sind. Und: Rückwandern oder wieder umziehen ist nie eine Schande. Man ist um eine Erfahrung reicher und das zählt.

Wir wissen immer noch nicht wie lange wir bleiben. Ich weiss schon sicher, dass es nicht für immer ist und vermutlich noch in den nächsten 10 Jahren wieder zurück geht. Wenn die Kinder in der Schule sind und wir über deren Zukunft nachdenken müssen. Denn bisher gefällt mir was ich von schwedischen Schulen sehe nicht besonders.

Grüsse
WIbeke


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 11:46 
Schwedenfreund
Schwedenfreund

Registriert: 4. Mai 2008 22:43
Beiträge: 767
Wohnort: Insel Orust
:huepf: hej Wiebke...schön mal wieder von Dir zu lesen


und mal wieder alles was man so denkt in schöne Wiebke`sche Worte gefaßt..tusen tack :wink:


tut mir nur leid, dasss die Computer/TV Welle von der ich vor ca einem Jahr schon berichtet und gestöhnt habe, nun auch zu Euch geschwappt ist

LG zur anderen Seite Schwedens
von Heike...die sich nicht entscheiden kann zu putzen, weil es immer noch nicht klar ist, ob die Eltern morgen einfliegen können :(


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 15:31 
Neuling
Neuling

Registriert: 13. April 2010 22:35
Beiträge: 5
Hey


vielen Dank für eure Antworten.
Ich werd mal versuchen unsere Beweggründe aufzulisten.
Kann sein das vielleicht ein bisschen naive Bullerby-
Fantasie drin steckt. Ob und wie das wirklich ist,
das müsst ihr mir dann sagen.
Wir sind halt einfach zwei junge Menschen,
die ihre Träume leben wollen :-)
bzw. es versuchen :D :D


1. Laut Aussage ist es in Schweden einfacher, einen Kiga Platz
zu bekommen. Hier in Deutschland muss man teilweise schon vor
der Geburt sich um einen Platz kümmern,
und dann kann man sich nicht mal umbedingt den Kindergarten
aussuchen, bzw. muss den nehmen, der für das Einzugsgebiet
zuständig ist.

2. Schulbildung. In Deutschland geht es meiner Meinung
nach mit dem Schulsystem bergab. Zwar sollen jetzt
mehr Lehrer eingestellt werden,
trotzdem gibt es weiterhin viel zu viele Ausfallstunden,
wenig Angebote neben der Schule bzw. AG's.

3. Ausbildung/Studium. Immer weniger Firmen
bilden aus. Berufe die früher mit einem
Realschulabschluss erlernt werden konnten,
gehen heute nur noch mit Fachabi/ Fachhochschulreife.

4. Unsere Kinder sollen so Naturverbunden wie möglich
aufwachsen. Sie sollen sich draußen austoben können,
die Natur kennen lernen, Fähigkeiten und Fertigkeiten
entwickeln, Spaß daran haben in der Natur zu sein.
Schweden ist für mich ein "Naturland". Dort
gibt es für Kinder so vieles zu entdecken,
sie sind meiner Meinung nach freier dort,
als hier.

5. Unsere Kinder solle so lang wie möglich Kinder
sein. Sie sollen ihre Kindheit genießen können.
Ich habe die Hoffnung das dies in Schweden
möglich ist. Hier in Hamburg sehe ich immer
wieder Kinder im Alter von 8 oder 9 Jahren,
die immer mehr versuchen,
erwachsen zu sein. Sie rauchen,
haben teure Handys, haben oft schon Beziehungen.
Sowas ist für mich keine Kindheit.
Unsere Kinder sollen so lang wie möglich Kinder
sein können. Sie sollen die Möglichkeit bekommen,
sie wie Kinder zu benehmen, zu spielen,
sich zu erproben.

6. Unsere Kinder sollen viel von ihren Eltern haben.
Laut Info sind die Arbeitsbedingungen in Schweden
wesentlich besser als hier in Deutschland.
Ich arbeite zur Zeit 130 std. und diese auch
an 3 von 4 Wochenenden.
Mein Partner arbeitet genauso, teilweise noch mit
Rufbereitschaft, viele Wochenenddienste,
und eine Menge Überstunden.
So hätten unsere Kinder überhaupt nichts von uns.
Ich habe gehört das es in Schweden
bezüglich der Arbeitszeiten doch schon
extreme Unterschiede zu hier gibt.



Naja wie ihr seht ist bestimmt vieles von dem was wir
uns vorstellen sehr naiv.
Ich bin neugierig zu erfahren, was ihr darüber zu berichten habt.
Alles, was wir bisher über das Leben in Schweden wissen
stammt aus Erfahrungsberichten..ich bin neugierig
ob das alles wirklich so ist.

liebe grüße


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 16:51 
Schweden Guru
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Beiträge: 1380
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Ich versuche mal eine Antwort.

1. Definitiv ja. Auch das ist nicht mehr so, wie es mal war, aber im Normalfall bekommt man ohne erwähnenswerte Schwierigkeiten einen Platz.

2. Das mag stimmen, aber das gilt für das schwedische System in mindestens gleichem Masse. Insbesondere bei dem, was ich für den Kernauftrag der Schule halte -der Wissensvermittlung - liegt die schwedische Schule klar und ziemlich weit hinten. Soziale Werte stehen u.U. etwas höher im Kurs, es gibt weniger Konkurrenz und Wettbewerb unter den Schülern. Was aber nicht nur ein Vorteil sein muss.

3. Schwedische Firmen bilden praktisch gar nicht aus oder nur notgedrungen "on the job". Die Berufsausbildung macht hier das Gymnasium, weshalb fast alle Schüler das Gymnasium absolvieren (müssen). Deshalb ist ein schwedisches Gymnasium mit einem deutschen überhaupt nicht vergleichbar, z.B. sind nur bestimmte Programme überhaupt studienvorbereitend.

4. Die Möglichkeit gibt es, aber dazu müsst Ihr raus aufs Land, was sich ein bisschen mit der Rechtsmedizin beisst. Das grössere Problem ist, dass die Kinder ab einem bestimmten Alter nichts weniger wollen als idyllisches Landleben. Für die Eltern kann die Fahrerei aufreibend werden, jeder Besuch bei dem Freund/der Freundin kann locker 10 oder 20km bedeuten.

5. Da sehen ich kaum einen Unterschied zu Deutschland, vielleicht gar keinen. In Schweden kommt noch dazu, dass gerade auf dem Land Kinder in diesem Alter schon mit motorisierten Fahrzeugen die Strassen bevölkern. Und auch bei den Kleinen muss es am besten ein iPhone sein. Counterstrike erfreut sich bei den unter 10-jährigen grosser Beliebtheit. Bekommen haben sie es zu Weihnachten - von den Eltern.

6. Im Prinzip ja. Die Arbeitszeiten ufern zumindest nicht so aus wie in Deutschland. Speziell im "gehobenen" Bereich wird das aber auch mehr und mehr untergraben.

Tja, dann kan man nur viel Glück wünschen. Ich selbst habe meine Vorstellungen von Schweden weitgehend über den Haufen werfen müssen. Unterm Strich fühle ich mich schon noch wohler hier, aber ich habe auch keine ernsthaften Krankheiten. Und von schwedischen Handwerkern haben wir auch noch nicht geredet.
Der Gedanke an die Rückkehr nach Deutschland liegt nicht ganz nahe, ist aber auch nicht völlig undenkbar. Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, wo er sich wohler fühlt. Nur eins glaube ich garantieren zu können: Es wird anders, als Ihr Euch es vorstellt.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 18:08 
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Registriert: 15. Dezember 2009 11:30
Beiträge: 128
Wohnort: i Sverige
Skogstroll hat geschrieben:
Unterm Strich fühle ich mich schon noch wohler hier, aber ich habe auch keine ernsthaften Krankheiten. Und von schwedischen Handwerkern haben wir auch noch nicht geredet.
Der Gedanke an die Rückkehr nach Deutschland liegt nicht ganz nahe, ist aber auch nicht völlig undenkbar. Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, wo er sich wohler fühlt. Nur eins glaube ich garantieren zu können: Es wird anders, als Ihr Euch es vorstellt.

Skogstroll


Amen!

Bzw. dem kann ich nach nur 16 Monaten "im gelobten Land" voll und ganz zustimmen!!!

_________________
God save the Ted's!
(Lou Cifer)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 19:06 
Alter Schwede
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Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Ja, auch ich möchte dem, nach fast 3 Jahren ganz und vollständig zustimmen. In einem Bereich würde ich es sogar krasser ausdrücken. Schwedische Kinder mögen sozialer in mancher Hinsicht sein aber in anderer sind sie es gar nicht. Alles, wirklich alles wird als tävling (Wettbewerb) gesehen und die Erzieherinnen haben es schwer iihnen das auszutreiben. Und da geht es auch vor allem darum wer das tollste Computerspiel hat, die neueste Konsole, das coolste Fahrrad, den größten Garten mit Pool und Trampolin... Mein Sohn ist schon ganz angesteckt vom Fieber und das nervt kolossal. Wir arbeiten wie gesagt auch viel mit PC und co aber wir möchten eben nicht, dass unser Sohn schon Star Wars, Spider Man und co als Film oder Spiel kennen muss. Dafür ist er unserer Meinung nach mit 5 noch zu jung. Aber ich vermute mal, dass es auch in Deutschland Klientel für sowas gibt. Ich kannte nur kaum welche, ausser von der Arbeit her...
Hier sind es die "normalen" Leute, die das machen.
Was das mit der natürlichen Kindheit und so angeht, die Kinder verbringen hier im Schnitt viiiiieeeel mehr Zeit im Kindergarten. Das heisst, das schwedische Modell sieht so aus, dass die Eltern ihre Kinder morgens um 8 (besser schon vorher, denn ab 8 gibts Frühstück) in den Kindergarten bringen und sie dann frühestens um 4 abholen. Ausnahmen gibts immer aber es ist auch keine Seltenheit, dass es so ist. Ach ja, viele (natürlich nicht alle, aber eben auch "normale" Leute) lassen ihre Kinder morgens schon vor dem Kindergarten fernsehn schauen, weil sie dann geschmeidiger sind. Anziehen beim Kinderfrühprogramm, damit man nicht schon morgens quengelige Kinder hat. Auchdas hat mich erstaunt wie viel das als ok und normal ansehen. Wie gesagt, es sind nicht alle.
Trotzdem: In Deutschland war das überall wo wir bisher lebten verpöhnt. Da war es die Ausnahme. Hier freue ich mich wenn ich welche treffe die es nicht so machen. Klingt nun vielleicht schlimmer als es ist. Ich kenne schon viele die es nicht so machen. Trotzdem war ich geschockt wie viele das machen und es ok finden.

Eure Arbeitszeiten werden allerdings vermutlich tatsächlich besser werden, vor allem als Arzt hat man, im Vergleich zu Deutschland Vorteile. Von daher könnt Ihr den Teil der Vorstellung tatsächlich umsetzen.

Letztlich würd ich fast sagen: Nehmt die Bullerbü-Brille runter, lernt die Sprache, sucht nen Job und fahrt los. Probiert selber aus ob unsere Erfahrunen zu Euren werden oder nicht. Sehr sehr viele lieben es hier und finden das alles gar nicht schlimm oder empfinden es auch als nicht so.
Fahrt nur nicht in dem Glauben, dass es so ist, wie man das Schwedenbild in Deutschland eben hat. Dann werdet IHr immer noch erstaunt sein wie viel anders ist, aber es könnte dann sein, dass Ihr nicht negativ überrascht seid und vielleihct passt es für Euch. Und wenn nicht, zurück geht wie gesagt fast immer. Schaden tuts selten, würd ich sagen.

Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 19:08 
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blueII hat geschrieben:
:huepf: hej Wiebke...schön mal wieder von Dir zu lesen


und mal wieder alles was man so denkt in schöne Wiebke`sche Worte gefaßt..tusen tack :wink:


Hej,
Danke. War aber auch mal wieder typisch lang... :)
Kann einfach nicht kurz schreiben. Mein Deutschlehrer hat sich auch ab und an beschwert :)

Das mit Deinen Eltern tut mir leid. Ich weiss auch immer noch nicht ob wir noch fliegen oder nicht. Will eigentlich schon nicht mehr. Das hin und her macht mich fertig. Will nur noch meine Ruhe haben und dass mein Mann endlich aus Deutschland zurück kommt. Doofer Vulkan.

Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. April 2010 20:51 
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Hej, danke. Aber jetzt bitte nicht in einen privaten Offtopic-thread abgleiten ;-)
Gruß,
Dietmar


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 06:29 
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Narina, ich habe keine Kinder, kann also aus persönlicher erfahrung nichts dazu sagen, alles was gesagt werden mußte, wurde auch schon gesagt.
mein tipp für euch...
gönnt euch mal ein jahr schweden mit allem drum und dran... danach könnt ihr entscheiden, ob es das ist, was ihr sucht.
ein haus zur miete zu finden sollte im ländlichen gebiet nicht schwer sein, da ihr ja die natur sucht.. um die großstädte rum, wäre es schon schwieriger.
bitte nicht böse sein, aber das ist wirklich bilderbuchdenken, was ihr da in eurem kopf habt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 10:12 
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Hi, nun auch mal wieder mein Senf zur Sache.

Irgendjemand hat geschrieben man duerfe hier nicht krank werden. Dem kann ich nur zustimmen.

Mein Mann ist krank und ich muss sagen das viel gelobte schwedische Gesundheitssystem ist auch nicht so goldig. Er hat neben Hormonen zur Behandlung des Krebses, Blutdrucksenkende Mittel verschrieben bekommen von einem Herzspezialisten. Die Medizin ist alle er geht also zur Apotheke. Dort bekommt er ein Blutdruckmedikament mit anderem namen aber angeblich mit gleicher Wirkung.Das andere sein nicht mehr im Sortiment sagt man ihm, es wäre zu teuer. Er beginnt die Medizin zu nehmen und bekommt rasende Kopfschmerzen die selbst mit Schmerztabletten nicht fortgehen. Nach zwei Tagen geht er wieder zur Apotheke und beschwert sich. Daraufhin wird der Pharmazeut geholt der sich den Beipackzettel durchliesst und im Computer nachschaut ob Krebsmedikamente und dieses Medikament ueberhaupt zu kombinieren sind. Danach wird noch ein Arzt hinzugezogen der sofort bestätigt das die Kombination nicht funktioniert. Daraufhin bekommt mein Mann das alte Medikament, eine Kopfschmerztablette aber keine Entschuldigung.

Es ging also nur darum Geld zu sparen. Das Medikament kostet 150 Kronen mehr. Da mein Mann eine sogenannte "Freikarte" hat ( bekommt man nachdem man eine gewisse Summe fuer Medizin ausgegeben hat) braucht er nicht mehr selbst bezahlen.

Neulich hat mich ein Schwede gefragt, was so schlimm an Deutschland sei, dass so viele Deutsche hierherkommen wollen. Ich musste erst einmal nachdenken bis ich antworten konnte. Mich stört an D die Hektik, das typisch deutsche Besserwissertum (ist in Schweden aber auch auf dem Vormarsch) und die Ruecksichtslosikeit. Ansonsten ist mir nicht so viel dazu eingefallen. Was mir aber immer wieder auffällt ist das man in Deutschland immer noch die "Bullerbuebrille" aufhat mit der man Schweden sieht. Mein Mann hat mal gesagt, Schweden ist der letzte sozialistische Staat in Europa. Das alles ist von aussen nicht zu erkennen man muss erst ein paar Jahre hier gelebt haben. Es gibt unendlich viele Beispiele. Vielleicht sollte man mal ein Buch darueber schreiben. Leider gehört das nicht zu meinen Talenten.

Ich hoffe ich habe mich einigermassen klar und verständlich ausgedrueckt.

Gruss Erika


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 10:47 
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Speedy hat geschrieben:
Mein Mann hat mal gesagt, Schweden ist der letzte sozialistische Staat in Europa.

Diesen Satz hört man oft, es ist erschreckend. Den Unterschied zwischen "sozial" und "sozialistisch" scheint kaum noch jemand zu kennen. Schweden ist nicht und war auch nie sozialistisch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 11:56 
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Hej,

den Unterschied kennt er wohl. Er meint wirklich sozialistisch im Sinne von totalitär, Ueberwachungsstaat etc.

Lebst Du in Schweden? Ist leider nicht zu erkennen..

Speedy


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 12:37 
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Nico hat geschrieben:
Diesen Satz hört man oft, es ist erschreckend. Den Unterschied zwischen "sozial" und "sozialistisch" scheint kaum noch jemand zu kennen. Schweden ist nicht und war auch nie sozialistisch.


Aber niemand meint bei diesem Satz "sozial", sonst würde ja die ganze Ironie des Satzes nicht mehr funktionieren!

Ich habe aber schon von mehreren Schweden folgende (auch "Ironisch" gemeinte) Aussage gehört:

"Norwegen ist abgesehen von Kuba das letzte kommunistische Land der Welt"

(Dies bezog sich dann auf Bürokratische Hürden/Vorschriften.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 13:09 
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Speedy hat geschrieben:
Hej,

den Unterschied kennt er wohl. Er meint wirklich sozialistisch im Sinne von totalitär, Ueberwachungsstaat etc.

Lebst Du in Schweden? Ist leider nicht zu erkennen..

Ja, ich lebe in Schweden und komme mir hier weniger überwacht vor als in Deutschland.

Und in welcher Hinsicht ist Schweden totalitär?


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 13:23 
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Nico hat geschrieben:
Ja, ich lebe in Schweden und komme mir hier weniger überwacht vor als in Deutschland.

Sicher? Dank des Personennummersystems weiss der Staat fast alles über Dich. Über mich natürlich auch. Ich fühle mich jedenfalls ziemlich gläsern.
Aber abgesehen davon: Sozialismus in Schweden oder nicht ist ein interessantes Thema, aber ein anderes. Ich bin selbst in einem Staat aufgewachsen, der sich sozialistisch nannte, und manches hier kommt mir schon bekant vor. Wir können das gerne diskutieren, aber bitte an einer anderen Stelle, d.h. in einem anderen Thread. Da fliegen bestimmt wieder die Fetzen, und damit ist Narina nicht geholfen.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 14:09 
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Hi Skogstroll,

ich hätte es nicht besser beschreiben können. Genau das meinte ich. Aber das Thema sollte wirklich unter einem neuen Thread diskutiert werden.

Gruss Speedy


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. April 2010 14:44 
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Skogstroll hat geschrieben:
Sozialismus in Schweden oder nicht ist ein interessantes Thema, aber ein anderes. Ich bin selbst in einem Staat aufgewachsen, der sich sozialistisch nannte, und manches hier kommt mir schon bekant vor.

Du meinst den, der sich auch demokratisch nannte? ;-) Kenn ich gut.

Habe ein neues Thema eröffnet, lasst uns damit dorthin umziehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 09:00 
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Vielleicht noch ein Tipp an alle Auswanderungswilligen:

Lest Lokalzeitungen! Die meisten haben eine mehr oder weniger eingedampfte Internetausgabe. Man lernt dabei prima Schwedisch und bekommt gleichzeitig einen Einblick in den schwedischen Alltag.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 09:22 
Schwedenfreund
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:smt023 Gute Idee!


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 11:10 
Schwedenfreund
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Wohnort: früher Schweden, jetzt Mittelfranken
:danke: Find ich auch! Wir können ja mal ein paar sammeln:
Also ich lese jeden Tag meine "Heimatzeitung :oops: " :
Nerikes Allahanda http://na.se/ Region Örebrolän
:smt006

_________________
Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 11:29 
Schweden Guru
Schweden Guru
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Beiträge: 1380
Wohnort: Gällivare / Lappland
Und schon wieder eine gute Idee! Wenn das so weitergeht...
Für Norrbotten:

http://www.nsd.se/
http://www.kuriren.nu/


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 12:25 
Schweden Guru
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Beiträge: 1544
Wohnort: Orsa
Für Dalarna ist das: www.dt.se oder auch www.tidningarsverige.com, da findet Ihr alle Regionen!
Jörg :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 21:30 
Neuling
Neuling

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Beiträge: 5
Hej,

ich mal wieder :D
habe vor ein paar Tagen angefangen ein bissle Schwedisch zu lernen.
Finde die Sprache echt interessant, gewisse Dinge verstehe ich auch schon,
nur die Aussprache find ich etwas schwer, da ja gewisse
Buchstaben/ Buchstabenkombination doch ganz anders ausgesprochen werden,
als man eigentlich denkt.
Naja....immer schön lernen.

Bezüglich unserer Auswanderungspläne sind nun natürlich noch
zig Fragen aufgekommen, die wir erst mal klären müssen,
bevor wir überhaupt weiter darüber nach denken.
Gerade in Bezug auf die Arbeit meines Partners gibt es vieles,
bei dem wir uns noch sehr unsicher sind.
Er möchte/muss noch seinen Facharzt machen,
da ist z.b. unklar, ob er das erst noch hier macht,
oder in Schweden, bzw. wie die Anerkennungen in den
einzelnen Länder sind, bzw. ob man überhaupt
als Assistenzarzt Stellen in Schweden bekommt.
Ebenso stellt sich natürlich auch die Frage,
ob und wo er in Schweden überhaupt seinen
Facharzt für Rechtsmedizin machen kann.

.....je genauer wir darüber nachdenken, umso mehr verzwickte Fragen
tauchen auf.
Evtl. werden wir auch einfach erst mal ein paar Wochen nach
Schweden kommen, um uns genauer um zu schauen.
Habe auch gelese das es manchmal Veranstaltungen
vom Arbeitsamt bzw. von der Ärztekammer gibt,
wo es um das Arbeiten als Arzt in Schweden geht.

Werden uns mal weiter umhören.

Wünsche euch allen ein schönes Wochenende :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 22:35 
Narina hat geschrieben:
Ebenso stellt sich natürlich auch die Frage,
ob und wo er in Schweden überhaupt seinen
Facharzt für Rechtsmedizin machen kann. ...

Hier gibt es Infos zum Thema Rechtsmedizin in Schweden. Sieht so aus, als wäre das alles in grossen Städten in Schweden.
Man kann dort seine Facharztausbildung machen (ST-läkare), vorausgesetzt werden da "mycket god förmåga att kommunicera muntligt och skriftligt på svenska och engelska", d.h. sehr gute müntliche und schriftliche Schwedisch- und Englischkenntnisse - klick hier (nach unten scrollen: "ST-läkare"). Wie gross die Chancen sind, als Ausländer dort eine Stelle zu bekommen, weiss ich nicht. Das hängt wohl auch davon ab, ob es genügend "einheimische" Bewerber auf die wenigen Stellen gibt.

Grüsse
Schneeule


Zuletzt geändert von Dietmar am 23. April 2010 22:42, insgesamt 1-mal geändert.
Langes Zitat gekürzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 23. April 2010 22:55 
Neuling
Neuling

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Vielen Dank Schneeeule :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 5. Mai 2010 18:08 
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...nein.....


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 5. Mai 2010 20:34 
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...ja.....

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 5. Mai 2010 21:48 
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Beiträge: 154
Wohnort: Wohn-Haft D
Speedy hat geschrieben:
...nein.....

:smt102

Robur hat geschrieben:
...ja.....

Tolle Beiträge. Und vor allem so informativ!!!!!! :(
Muss man das jetzt verstehen? :rolleyes:

Max :smt006

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Gut leben statt viel haben! (Felix Ekardt)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 5. Mai 2010 21:58 
Ich musste auch erst ein bisschen überlegen, aber wenn man sich den Titel des Threads ansieht, versteht man etwas mehr...
Tilmann


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 5. Mai 2010 22:10 
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Registriert: 15. November 2008 12:19
Beiträge: 154
Wohnort: Wohn-Haft D
tilmann hat geschrieben:
Ich musste auch erst ein bisschen überlegen, aber wenn man sich den Titel des Threads ansieht, versteht man etwas mehr...
Tilmann


Ging mir ähnlich. Manchmal braucht es halt, bis der Groschen fällt.
Allerdings hat Narina ja ein für sie nicht so ganz einfaches Problem zu lösen und wollte sich hier irgendwie Anregungen und Hilfe holen. Inwieweit ihr der Informationsgehalt der beiden Beiträge dabei wohl helfen werden...

Hej då!

Max :smt006

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Gut leben statt viel haben! (Felix Ekardt)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 5. Mai 2010 22:58 
Ich fnde, Imrhien hat vieles recht gut auf den Punkt gebracht. Ich denke, wegen der Kinder nach Schweden auszuwandern, ist keine gute Idee. Es stimmt, die Kindergarten-Betreuung ist allgemein bestimmt besser als in D. Aber sobald die Schule anfängt, wirds problematisch. Man kann den Kindern hier in S keine gute Ausbildung sichern, und mich stört auch die schon sehr früh einsetzende Gleichschaltung und außerdem obwohl das ja viellecht ein bisschen absurd klingt: Im Gleichstellungs-Paradies S empfinde ich die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen als viel größer. Das liegt vielleicht daran, dass es in den Schulen noch mehr drunter und drüber geht und die Jungs als die "Starken" noch mehr das Sagen haben. Auch das Mobbing scheint mir ausgeprägter, wahrscheinlich als Folge von erstens eben Gleichmacherei und zweitens dem für S so typischen Hinterm-Rücken-Lästern. Mehrere meiner Bekannten haben Schweden gerade wegen der Chancen für ihre Kinder wieder verlassen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 6. Mai 2010 00:53 
Wenn ich diese postings hier so lese - und Eure Meinung über die Schuldbildung aufgreife, muss es Auswanderungswilligen ja so erscheinen, als wenn diese miserabel wäre und Schweden sei auf dem schulischen Stand eines Entwicklungslandes. Ja, leben wir denn hier im Land der schulischgebildet Minderbemittelten? Ein Land ohne Intellektuelle? Also, bitte! Ich lebe seit einigen Jahren hier und erlaube mir auch meine Meniung zu diesem Thema, nachdem 3 meiner Kinder in D die Schule besucht haben (2 x Abi, 1 x Mittlere Reife) und ich auch hier einen, wenn auch geringen, Einblick in die Schule habe. In D ging es seit Jahren bergab, selbst auf dem Gymnasium. Schwächere Schüler blieben auf der Strecke, stärkere wurden auch nicht extra gefördert (ich spreche hier nicht von hochintelligenten Kindern, die vielleicht eine besondere Förderung erhalten können), pädagogische Versuche gab es unzählige, unmotivierte Lehrer ebenfalls, unfähige leider auch hier und da. Ohne Nachhilfe kommt ein großer Teil der Schüler einfach nicht mehr aus. Ist diese Lösung besser, als eine vielleicht etwas konformere Ausbildung in S? Stärkt es nicht auch das Selbstwertgefühl unserer Kinder, wenn man nicht als Schulversager gilt (ja, ich weiß, auch hier gibt es viele Abbrecher, aber das meist aus anderen Gründen als reinen leistungsdefizitären. Gibt es in D nicht Hauptschulschüler (und teilweise nicht nur die), denen eigentlich jede tiefergehende Schuldbildung fehlt? Warum können so viele Azubi-Stellen nicht ausgefüllt werden - lt. Auskunft der Ausbildungsbetriebe an mangelnden Fähigkeiten der Bewerber! Mobbing an deutschen Schulen ist weitaus größer, der Umgang miteinander viel härter und unsozialer.

M. E. nach haben die meisten Schweden eine sehr gute Allgemeinbildung, wenn auch vielleicht die Anforderungen im schulischen Bereich nicht so hoch angesiedelt sind wie in D. Viele bilden sich weiter, auch noch in etwas gesetzterem Alter, auch Quereinsteiger haben eine Chance in vielen Bereichen. Und auch dies alles führt zur lebenslangen Bildung.

Und zum medizinischen Bereich: Wir haben hier ganz andere Erfahrungen gemacht. Mein Mann braucht ständige Medikamente, um nach Infarkt mit einer KHK zu leben. Wichtige gerinnungshemmende Medikamente wurden vom Hausarzt in D einfach nicht verordnet, da er "sonst die Praxis schließen könne" (O-Zitat) durch die Budgetierung. In S kein Problem, gehört zur weltweiten Standardmedikation und wird ohne Wenn und Aber verordnet. Natürlich gibt es auch hier preiswertere Medikamente bspw. bei Beta-Blockern ... same procedure in D ... und wurde auch explizit über die "Ersatz-Medikamente" aufgeklärt. Er fühlt sich sehr gut betreut hier.

Und ja, hier sind wir alle gläsern. Viel mehr als in D. Und es nervt, wenn man noch nicht einmal einen Katalog ohne Personennummer bestellen kann. Doch stört mich diese Gläsernheit? Nein, nicht wirklich - denn es hat eigentlich keine negativen Auswirkungen im Alltag, im Gegenteil es bringt oft Vereinfachung in vielen Dingen mit sich.

Wir haben in den drei Jahren noch keine einzige schlechte Erfahrung hier machen müssen, weder mit den Schweden, noch mit Behörden oder Handwerkern, noch Ärzten oder wem auch immer. Unangehmere Zeitgenossen waren leider ab und zu einmal ausgewanderte Landsleute.

Alles in allem kann ich nur sagen, ich lebe gerne hier, liebe "meinen" Teil Schwedens und die Schweden aus meiner Umbegung sind mir sehr ans Herz gewachsen.
Zudem sind meine Erfahrung nicht die Euren und Eure nicht meine und nicht die, die vielleicht die Thread-Beginnerin machen wird. Warum also alles so verallgemeinern? Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen machen und sich nicht von subjektiven Eindrücken anderer (einschließlich meiner) beeinflussen lassen.

In diesem Sinne ...

Nur Mut!


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 6. Mai 2010 08:57 
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Wohnort: Gällivare / Lappland
jämtlänning hat geschrieben:
Unangehmere Zeitgenossen waren leider ab und zu einmal ausgewanderte Landsleute.

Das ist eine Erfahrung, die ich teile.

Aber nochmal zur Schule. Ich habe mich mit dem Thema ziemlich intensiv auseinandergesetzt (bzw. auseinandersetzen müssen), ich war im Schulrat und ich habe auch selbst unterrichtet. Wir haben sogar unsere Tochter zeitweise auf eine deutsche Schule geschickt.
Das Fazit: Wir können gar nicht zurück nach Deutschland, weil unser Kind - hier Klassenbeste - in Deutschland keinen Stich mehr sehen würde, einfach weil ihre deutschen Altersgenossen viel, viel weiter sind.
Die schwedische Schule basiert auf als Gleichheit missverstandener Gleichmacherei. Als Folge fokussiert sie sich unheimlich auf die sogenannten "Schulversager", die gar keine sein müssten, wenn ihnen die Schule nicht so pfeifegal wäre. In der Klasse gibt es eine (tonangebende) Gruppe, die prinzipiell nie Hausaufgaben macht und sich nicht im mindesten darum kümmert, was der Lehrer da vorne veranstaltet. Diese Gruppe bekommt alle nur denkbare Aufmerksamkeit - auch finanziell. Das Schlimmste dabei: Die Eltern stehen oft genug hinter dieser Haltung und sehen das als Problem der Schule, das die Schule lösen muss.

Das Ergebnis ist nicht überraschend. ich habe wie gesagt selbst unterrichtet, am Gymnasium, einem technischen Spezialgymnasium sogar. Das Niveau dort war erschütternd, nahezu keiner der Schüler (Gymnasiasten!) war in der Lage, eine ganz simple Gleichung umzuformen. Die Reaktion der Schüler: "Jag fattar ingenting", gefolgt von der Erwartungshaltung "Nun bildet mich mal aus". Sie haben nie gelernt, selbst zu lernen oder sich in irgendeiner Weise zu organisieren. Ein Bleistift und eine lose Blättersammlung sind das äusserste der Gefühle. Ach ja, und der Laptop natürlich.

Das Ergebnis zeigt sich so langsam im Berufsleben, und das wird noch viel schlimmer.

Es ist nicht unmöglich, in Schweden zu einer ordentlichen Ausbildung zu kommen, aber es erfordert viel Arbeit, Selbstdisziplin und Durchsetzungsvermögen.

Nein, Schweden ist wirklich ein schönes Land, aber das Schulsystem hat man völlig zu Grunde gerichtet. Die Schule - so wenig perfekt sie auch sein mag - ist ein Grund, in Deutschland zu bleiben. Es geht nämlich noch viel schlechter. Nicht umsonst hat selbst die S-Chefin Mona Sahlin die britischen Wähler vor dem schwedischen System gewarnt.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 11. Mai 2010 11:01 
Alter Schwede
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Hej,
was ich aus schwedischen Schulen so erlebe, und ich gehe jede Woche in die Klassen und arbeite da, ist nicht gerade aufbauend. Es macht mir Sorgen da ich weiss, dass meine kinder hier auch irgendwann mal in die Schule gehen. Natürlich gibt es gute Lehrer, gute Schulen und so weiter. Aber mein Gefühl ist, dass sich das in den letzten 10-20 Jahren (nach Angaben von Schweden und eingewanderten) ganz schön verschlechtert hat. Die Erwachsenen die ich kenne, haben ein gutes Bildungssystem erlebt. Oder sagen wir, sie können viel, sind gut ausgbildet und so. In den Schulen sehe ich oft nur Chaos. Bleistsift mitbringen und nicht rumrennen und schreien wird mit einem "duktig" belohnt. Duktig ist wer nichts macht aber nicht stört. Klasse Leistung. Alle Themen im Bereich Erdkunde werden nur durch Texte (2 Seiten pro Thema) und Kreuzworträtsel gelernt. Da kann mir niemand sagen, dass die Schüler sich das länger merken als bis zum Ende des Kreuzworträtsels. Ich weiss auch nicht mehr alles aus meiner Schulzeit, das will ich gar nicht behaupten. Aber einen (einfachen) Text lesen, ein Kreuzworträtsel ausfüllen und dann ist gut? Das erscheint mir etwas wenig. Zumal Schüler schlau und faul sind.Das heisst, viele lesen den Text nicht mal mehr. Da alle Texte und Kreuzworträtsel vom gleichen Verlag sind, sind sie alle im glecihen Muster gebaut. Einfach gestrickt. Nahc dem 2. hast Du verstanden wie es geht und suchst im Text nur noch die Schlagwörter. Lesen oder gar verstehen ist nicht mehr nötig.
Es gibt Dinge die hier toll sind. Ohne Frage. Dass die Kinder gerne in die Schule gehen, weil es weniger Druck gibt. Dass sie mehr von der Natur erleben und solche Dinge lernen. Das finde ich wichtig und toll. Aber leider verdient man damit später kein Geld. Alle können keine Aussteiger werden und als Selbstversorger im Wald leben. Ich möchte also einen guen Mittelweg. Schöne Kindheit mit viel Natur und Spiel aber auch eine gute Schulbildung, die auf die Realität vorbereitet und Chancen im Berufsleben bietet. Vielleicht will ich zuviel?
Deutschland ist nicht perfekt. Schweden aber auch nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 18. Juni 2010 10:56 
Schwedenfreund
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Registriert: 27. Februar 2007 20:43
Beiträge: 413
Wohnort: Östergötland
Hallo zusammen,

dann will ich auch mal nach vier Jahren Schweden meinen Senf dazugeben. Als Urlauber sieht man erst einmal die schöne Fassade, welche man als Deutscher oft fehlinterpretiert. Das klare, schlichte Design ohne Protz und Kitsch, die großen Grundstücke, der meist freundliche Gesichtsausdruck, die ausgeglichen wirkende und zurückhaltende Art lässt in deutschen Augen Wohlstand, gute Bildung und Erziehung vermuten. Spätens dann, wenn der gepflegt erscheinende Schwede mit der schicken Brille und dem kurzen Haarschnitt während eines Gesprächs seinen Rotz einfach mal so auf den Boden spuckt, kommt dieses Bild ins Wanken. Andererseits gibt sich dieser Mensch die größte Mühe mit (aus deutscher Sicht) umgedrehter Gabel Erbsen zu essen.

Die schwedische Mentalität ist in vieler Hinsicht einfach ungebreiflich und schwankt zwischen überwältigender Hilfbereitschaft bis zum bewussten Wegschauen. Man könnte ein ganzes Buch darüber schreiben, dass dann spannend zu lesen ist, aber persönlich doch nicht viel bringt, denn jeder muss seine eigene kleine Welt in Schweden finden, sei es als Urlauber und Einwanderer. Und das braucht Zeit. Wer sich hier wohfühlen will, sollte sich 4 bis 6 Jahre Zeit lassen, um ein Netzwerk aus privaten und beruflichen Kontakten aufzubauen. Schade, wenn jemand nach zwei oder drei Jahren das Handtuch wirft oder in einer deutschen Besserwisser-Klicke mit ihren Halbwahrheiten und Vorurteilen abrutscht.

Nach einigen Jahren verändert sich einiges. Am Anfang finden die Leute und das was du machst "spännande" (etabliertes Modewort für interessant), wenn du mit gebrochenen Schwedisch deine Geschichte erzählst oder sie halten dich für einen Touristen, meinen es gut und fangen zu deiner Enttäuschung an Englisch zu reden. Wenn du dann später fließend Schwedisch sprichst, aber wie bei den allermeisten deinen deutschen Akzent nicht loswerden kannst, werden die Leute schon etwas misstrauischer, denn "der" kennt sich ja schon ganz gut aus, gehört aber nicht so richtig zu den Schweden. Um so wichtiger ist die Sache mit den Netzwerken. Ist man erst einmal bekannt, wird man weiterempfohlen und können dich die Leute einschätzen - ja dann ist deine Welt und damit dein Schweden in Ordnung. In Schweden lässt es sich sehr gut leben, selbst wenn das Geld etwas knapp ist.

Ein paar konkrete Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung will ich dennoch loswerden. Vorsicht vor all zu kontakfreudigen Leuten. Die sind am Anfang vielleicht ganz nett. Oft haben sie aber eine Macke weg oder wollen einen nur ausnutzen. Bei zurückhaltenden Menschen braucht man einen langen Atem, aber die Beziehungen sind dann um so stabiler und die Balance zwischen Distanz und Nähe ist ausgeglichener. Die besondere Vorsicht bei Landsleuten kann ich nur teilen, was nicht nur für das Land Schweden gilt. Die Gründe ins Ausland zu gehen, sind extrem unterschiedlich und die gemeinsame Muttersprache ist keine gemeinsame Basis (Wenn das so wäre, hätte man ja kaum einen Grund auszuwandern).

Und nun kommt mein ganz besonderer Tipp, über den sich einige wundern werden: Lest nicht zu viel schwedische Zeitung und hört Euch nicht zu viele schwedische Nachrichten und Enthüllungsreportagen an. Zum Schluss glaubt Ihr, Ihr würdet in einem schrecklichen Land mit totaler Schieflage leben und werdet depressiv. Hört Euch lieber ab und zu den "Quatsch" im SR-Radio-Programm an. Da sprechen die Leute ihren undeutlichen Dialekt und ihren Slang. Aus diesem Strom inhaltlsosen Gequassels lässt sich viel besser das ungeschminkte Schweden herausfiltern. Ihr werdet erleben, dass für viele Schweden das größte Problem in ihrem Leben der Ameisenbefall in ihrem Vorgarten ist.

Man sollte auch wissen, dass sich die meisten Schweden nicht für Deutschland interessieren. Die meisten Schweden wolllen hören, dass man sich in Schweden wohlfühlt und Schweden das beste Land der Welt ist. Wenn man die schwedische Staatsbürgerschaft nicht annehmen will, hat man schon verloren. So ein Geschenk auszuschlagen, ist für viele Schweden nicht verständlich.

Aber nun ein sehr ersnsthaftes Problem: Wenn man wieder zurück in die alte Heimat will, kann es sehr problematisch für die Kinder sein. Dabei ist der Wechsel in ein anderes Schulsystem eigentlich nicht das Hauptproblem. Wenn das Kind mit deutschen Eltern in Schweden lebt, kann es seine Sonderstellung als Ausländer ganz gut verstehen und lebt sich erstaunlich schnell ein, zumal die Schweden mit einer Ausländerintegration besser umgehen können und die Angst vor Schulnoten und Sitzenbleiben nicht existiert. Es gibt zwar Hänseleien, Ausgrenzungen und Klickenbildung wie an jeder Schule, aber das ist in den Griff zu bekommen, denn das Kind versteht recht schnell, das manche Kinder Vorurteile gegen Deutsche haben und das man damit leben kann.

Wenn aber das deutsche Kind mit schwedischen Erfahrungen wieder nach Deutschland kommt, ist die Situation oft unmöglich zu verstehen, besonders für das Kind. Denn einerseits hat es ganz normal deutsche Eltern und spricht akzentfrei Deutsch, aber es hat paradoxerweise besonders große Integrationsprobleme, denn selbst für Eltern und Lehrer ist es sehr schwer zu verstehen, dass das Kind aus einem anderen Kulturkreis kommt. Das Kind versteht seine Situation erst recht nicht, dass die Andersartigkeit der Lehrer und Schulkamaraden normaler deutscher Alltag ist. Dann ist das Kind vielleicht von Schweden einen großen Garten und ein großes Haus gewohnt. Wenn es dann zurück in eine Etagenwohnung oder eine Reihenhaussiedlung kommt, wird dies vom Kind ab einem bestimmten Alter als sozialer Abstieg verstanden. Es ist auch nicht die zurechtweisende und kinderfeindliche Art der Nachbarn gewöhnt. Wenn man dann noch dem Kind erklärt, dass man dies alles doch nur für sein Wohl getahn hätte, können schwere Schuldgefühle und Versagensängste auftreten. Der Druck kommt dann von allen Seiten: Nachbarn, Schulkamaraden, Lehrern und dann noch von den Eltern, die nur das Beste für ihr Kind wollen. Wäre es ein typisches Ausländerkind, könnte es wenigsten einen - wenn auch zweifelhaften Halt - in einer Ausländerklicke finden. Es hat aber niemanden, denn das Kind ist weit und breit alleine mit seiner Schwedenerfahrung, die es auf Grund der fehlenden Reife nicht reflektieren kann. Übrigens hat das Kind auch einen für seine Altersgruppe eingeschränkten Wortschatz. Vor allen Dingen hat es Schwierigkeiten die Jugendsprache richtig zu interpretieren. Da es aber ohne Akzent und Grammatikfehler Deutsch spricht, wird es dann als doof, altklug und von manchen Fachleuten als verhaltensgestört abgestempelt. Die beste Lösung für das Kind wäre dann wieder zurück nach Hause nach Schweden.

Nun zu dem deutschen Schulsystem, das nach den Pisa-Studien nicht viel besser oder schlechter wie das schwedische dasteht. Auffallend in Deutschland ist aber der große Unterschied zwischen den Schulleistungen, die davon abhängt, aus welcher sozialen Schicht die Eltern stammen und ob die Eltern einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Die Ursachen sind in dem dreigliedrigen Schulsystem zu suchen und in der halbherzigen Ausländerintegration. Ein begabtes Kind wird da schnell auf die Hauptschule abgeschoben oder es droht die Sonderschule, womit der zukünftige Lebensweg "versaut" ist. Der dritte Bildungsweg ist hart und nicht so recht gewollt. Das deutsche System ist ein Relikt der Drei-Klassen-Gesellschaft. In Schweden werden die Defizite und die Disziplinlosigkeit im Schulsystem wenigstens öffentlich und in den Medien diskutiert und das Thema kann zuweilen wahlentscheidend sein. In Deutschland ist Schule aber ein Nebenschauplatz. Das einzige Argument, das man ab und zu hört, ist, man sollte mehr Geld für das Bildungswesen ausgeben. Das ist aber nur Geschwätz von Interessengruppen, denn wie das Geld im Bildungsystem sinnvoll angelegt werden soll, wird so gut wie nicht diskutiert, denn in Deutschland sind Reformen nur dann erwünscht, wenn alles so bleibt, wie es ist.

Mobbing wird an schwedischen Schulen thematisiert und deshalb erscheint das Problem in deutschen Augen größer als es tatsächlich ist. Und das ist kein Fehler, denn Mobbing ist schlimm. Unter Mobbing versteht man in Schweden hauptsächlich das Ausgrenzen, wenn Schulkamaraden wie Luft behandelt werden, was ja schon schrecklich ist, vor allen Dingen, weil es nicht so offensichtlich ist. Aber an deutschen Schulen ist man von solchen Gedanken weit entfernt und man hat mit anderen Problemen zu kämpfen: Brutale Schulhofschlägereien, Überfälle und Erpressung auf dem Schulweg im Stil einer Bandenkriminalität, ausgeübt von 12-jährigen Bengels. Gute Wohngegenden sind davon nicht verschont. Es ist kein Fehler, seinen Kindern eine Kampfsportart erlernen zu lassen und wie man mit diesen Fähigkeiten Konflikte schon im Vorfeld vermeiden kann.

Es gibt eben keine heile Welt, weder in Schweden noch in Deutschland oder sonst wo. Aber in Schweden gibt es viele nette Leute, angenehme Nachbarn, eine funktionierende Infrastruktur, wenig Korruption und ein demokratisches System, das in meinem Augen auch funktioniert und reformwillig ist. Das Leben in Schweden ist selbstverständlich nicht immer ein Zuckerschlecken. Aber im Gegensatz zu Deutschland hat der Mensch eher die Möglichkeit seine Nische zu finden, in der er sich wohlfühlt. Das Land ist groß und bietet viel Platz. Und Schweden ist nicht gleich Schweden. Es ist ein Riesenunterschied, ob ich in Sveg oder Halmstad wohne.

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Volker

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 18. Juni 2010 21:56 
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Einiges kann ich da direkt unterschreiben Volker!


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 20. Juni 2010 17:36 
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Ja, aber bitte nicht meine zahlreichen Rechtschreibe- und Grammatikfehler unterschreiben, die ich jetzt beim Überfliegen meines Textes entdeckt habe und nicht mehr korrigieren kann. Das Deutsch wird mit den Jahren immer schlechter und die Ausdrucksweise zuweilen sehr merkwürdig für deutsche Ohren. Wenn jemand auf Deutsch solche Sätze loslässt wie "Was sagst du?", "Wofür anwendest du das?" oder "Du brauchst nicht Zeit buchen." denken ja viele auch, der oder die tickt nicht ganz richtig. Richtig spannend wird es, wenn einem in Deutchland ein freundliches "Hej" als Anrede rausrutscht." Noch doller wird es, wenn man in beruflichen E-Mails statt "Hallo Herr Müller" ein "Hallo Müller" schreibt, weil man diese Anreden mit "Herr" und Frau" nicht mehr gewohnt ist.

Um beim Thema zu bleiben, möchte ich damit ausdrücken, dass eine eventuelle Rückwanderung nach Deutschland nicht einfach ist. Das sollten Auswanderungswillige auch bedenken. Wenn ich nach Deutschland komme ist das wie, wenn ich einen schicken Anzug anhabe, der einfach viel zu eng ist und an allen Stellen zwickt und drückt. Der Druck der hohen Bevölkerungsdichte Deutschlands, welcher alle Aspekte des Lebens berührt, macht vieles eben kompliziert, wollte ich damit umschreiben. Daran muss man sich erst wieder gewöhnen.

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Volker

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 20. Juni 2010 18:14 
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@Volker

Sehr interessanter und informativer Beitrag.
:danke:

Hälsningar

Max :smt006

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 20. Juni 2010 19:02 
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Toll auf den Punkt gebracht, Volker - incl. Rechtschreibproblemen! Bei mir sind es jetzt 7 Jahre und ich entdecke immer wieder, dass mir Schweden viel "näher" ist als Deutschland ...
Jörg :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. Juni 2010 10:54 
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Hallo Volker,

in Deiner Beschreibung kann ich das "Schweden", wie wir es kennen gelernt haben, wiedererkennen. Du beschreibst die Situation von Auswanderern sehr gekonnt und die Probleme, die man vorfinden kann genauso gut wie die Situation bei einer Rückwanderung. Ich stimme mit Dir in den meisten Punkten überein, besonders was das Schulsystem in Deutschland angeht, welches mir in der jetzigen Form so gar nicht behagt.

Man kann in Deinem posting auch so gut erkennen, dass es eben in keinem Land nur Vorteile gibt, sondern jede Organisation bringt auch für den einen oder anderen einen Nachteil. Man sollte als Auswanderer auf keinen Fall glauben, dass man in einem anderen Land völlig problemlos leben könnte, da sind Deine Aussagen sehr gut nachvollziehbar und realistisch.

Du sprichst mir wie schon so oft aus der Seele.

Liebe Grüße Aelve :danke:

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( Goethe)
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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 21. Juni 2010 11:19 
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Volker hat geschrieben:
Es gibt eben keine heile Welt, weder in Schweden noch in Deutschland oder sonst wo. Aber in Schweden gibt es viele nette Leute, angenehme Nachbarn, eine funktionierende Infrastruktur, wenig Korruption und ein demokratisches System, das in meinem Augen auch funktioniert und reformwillig ist. Das Leben in Schweden ist selbstverständlich nicht immer ein Zuckerschlecken. Aber im Gegensatz zu Deutschland hat der Mensch eher die Möglichkeit seine Nische zu finden, in der er sich wohlfühlt. Das Land ist groß und bietet viel Platz. Und Schweden ist nicht gleich Schweden. Es ist ein Riesenunterschied, ob ich in Sveg oder Halmstad wohne.


Danke Volker für Deinen Beitrag, der doch so schön einige "Mißverständnisse" gerade rückt. Nur eins möchte ich der Vollständigkeit benennen und Deinen Text noch einmal aufgreifen:
Es gibt wirklich keine heile Welt, weder in Schweden noch in Deutschland oder sonst wo und ich glaube, das ist auch gut so. Heile Welten sind kein Erfolgsprinzip und nur mit Demut kann man sein Leben lebenswert erleben. Aber auch in Deutschland gibt es viele nette Leute, angenehme Nachbarn, eine funktionierende Infrastruktur, wenig Korruption und ein demokratisches System, das in meinem Augen auch funktioniert und reformwillig ist. Das Leben in Deutschland ist selbstverständlich nicht immer ein Zuckerschlecken. Aber wie in Schweden hat der Mensch die Möglichkeit seine Nische zu finden, in der er sich wohlfühlt. Das Land ist groß und bietet viel Platz. Und Deutschland ist nicht gleich Deutschland. Es ist ein Riesenunterschied, ob ich in Berlin oder Düsseldorf (übrigens tolle Städte) oder Rotenburg ob der Tauber, Lindau am Bodensee oder in Berchtesgaden wohne. :D :wink:

In diesem Sinne

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Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)


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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. Juni 2010 10:34 
Schwedenfreund
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Hallo Gottfried, Hallo zusammen,

das sind buchstäblich meine Worte und das ist eben der Punkt, warum die Entscheidung nicht leicht fällt von Deutschland nach Schweden auszuwandern. Beide Länder sind aus einer neutralen Perspektive betrachtet in vielen Punkten ähnlich, und in beiden Ländern lässt es sich verallgemeinert betrachtet sehr gut leben. Sie bieten im Vergleich mit dem übrigen Europa und erst recht mit dem Rest der Welt einen sehr guten Lebensstandard, soziale Sicherheit und eine gute Infrastruktur. Es gibt zwar statistische Untersuchungen, nachdem die Schweden etwas glücklicher als die Deutschen sein sollen, was ich aus meiner persönlichen Erfahrung mit den Schweden bestätigen kann, aber für eine individuelle Entscheidungsgrundlage haben solche Statistiken überhaupt keinen Nutzen.

Da muss ein jeder sich schon genau informieren, ob eine Auswanderung für ihn persönlich Vorteile bringt. Es kommt einfach auf die persönlichen Neigungen und Lebensumstände an, ob Schweden die richtige Entscheidung ist. Die Gründe können teils ganz elementare Dinge wie Geld, Arbeit und Familienplanung sein oder auch Bewegründe philosophischer Natur, womit ich Folgendes meine. Wer zum Beispiel im Ausland eine andere Kultur verstehen will, sieht seine alte Heimat mit der Zeit aus einer ganz anderen Perspektive mit zum Teil erstaunlichen Einsichten. Zum Schluss sieht man seine eigene Persönlichkeit vielleicht auch in einem anderen Licht. Aber der "Luxus" oder "Zusatznutzen" solcher Überlegungen macht nur jenen Freude, welche sich in Schweden wohlfühlen und wenn die existenziellen Rahmenbedingungen (Geld, Arbeit, Familie, Wohnung/Haus, Freizeit, Freundeskreis) wenigstens einigermaßen stimmen.

Für mich persönlich sind die Rückzugsmöglichkeiten in die Stille der schwedischen Natur, die quasi vor der Haustür liegt, einfach wichtig. Alleine schon das Wissen, dass ich in Schweden meine ruhigen Ecken finden kann, ist für mich entspannend. In Deutschland sind wir immer gerne im nahegelegenen Schwarzwald wandern gegangen, bis dieser an den Wochenenden von einem ständigen Lärm der Motorradfahrer durchdrungen wurde. Wir sind dann in die französischen Vogesen auf der anderen Seite des Rheins ausgewichen, bis auch diese von den deutschen Motorradfahrern entdeckt wurden. Natürlich gibt es in Schweden auch Motorradfahrer, aber bei der geringen Bevölkerungsdichte Schwedens ist ein Motorrad ein so seltenenes Ereignis, dass ich mancher Harley Davidson gerne hinterherschaue. Sicher gibt es in Deutschland auch sehr ruhige Ecken, die ich aber nicht gefunden habe und wenn, dann hätte ich sie nicht verraten. Ich mag die Stille der Natur, andere bekommen nach drei Stunden im einsamen Wald Panikzustände. Die Weite Schwedens ist eben nichts für jeden.

Bei aller Vernunft sollte die Entscheidung für Schweden trotzdem aus dem Bauch herauskommen. Wer sich vorher auf verschiedenen Wegen und Urlaubsreisen über Schweden ausgiebig informiert hat, kann sich dann sehr gut auf sein Gefühl verlassen. So ist das eben oft bei komplexen Entscheidungen, die erst langsam reifen müssen. Bei mir hat es etwa zwei Jahrzente gedauert. Im nachhinein wünschte ich mir, ich wäre etwas entscheidungsfreudiger gewesen.

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viele Grüße
Volker

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. Juni 2010 14:46 
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Hej Volker!
Du hast ja vollkommen recht, ich habe ja ( für schwedische Verhältnisse) ganz in der Nähe zu Deinem Wohnort gelebt.
Jeder der die Möglichkeit hat zu vernünftigen Bedingungen auszuwandern, sollte dies unbedingt tun.
Die neuen Erfahrungen sind auf anderem Wege nicht zu bekommen.......... und man zehrt davon ein Leben lang.
Ich habe mich entschlossen nach Deutschland zurückzugehen, nicht weil ich mich in Schweden nicht wohlgefühlt hätte. Wir haben es mehr wie gut getroffen und trotzdem war ich nicht daheim.
Dazu kommen berufliche Perspektiven in der Selbständigkeit ( das kennst du ja auch), die in Schweden nur schwer zu händeln waren ( Telekommunikation, fremdes Steuersystem, Behördenquatsch usw...) . Und wenn es Stress gab, ist man halt doch nur der blöde Deutsche.
Nun geht es hier in Nordbayern auch nicht gerade schlecht zu :wink: und ich genieße die Vorzüge der Heimat mit den Vorzügen die Du so schön beschreibst. Halt dann nur im Urlaub.
LG

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 22. Juni 2010 17:13 
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@ Volker

Habe selten so einen tollen Bericht gelesen und stimme Dir 100 % zu.

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 Betreff des Beitrags: Re: Auswandern, ja oder nein.
BeitragVerfasst: 24. Juni 2010 22:06 
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Beiträge: 94
Wohnort: Norr om stan
Hallo Volker,

auch von meiner Seite Danke für die informativen und ausgeglichenen Beiträge, denen ich nahezu mit 100% zustimmen kann. Ja mit dem Deutsch wird es im Laufe der Zeit schon etwas schwierig. Erschreckend, wie schnell sich die schwedischen Begriffe und Grammatik in den alltäglichen Sprachgebrauch einschleichen, obwohl wir daheim nur Deutsch reden (der Kinder wegen, damit diese wenigstens die Chance haben, beide Sprachen als Muttersprache zu erlernen).
Meine Vorstellungen von Schweden haben sich teilweise erfüllt (besonders das Familienleben wird hier mehr berücksichtigt als in D. und schon allein das ist die Strapazen der Auswanderung wert), teilweise ist aber auch genau das Gegenteil eingetreten (sollte mal ein schöner Hof auf dem Lande zum Schnäppchenpreis werden...Aber arbeite mal in Stockholm und suche dir dann ein günstiges Gehöft im Umkreis von 100 km... :smt010 ). Na ja und in Norrland oder Dalarna ist es mit der Arbeit doch sehr schwierig. Das sollte man eben auch bei seinen Gedanken berücksichtigen.
Beim Thema Schulsystem bin ich hin und her gerissen. Einerseits ermöglichte mir meine solide Schulbildung samt einer guten Facharbeiterausbildung doch einen guten Start ins Leben (das war ja nun in dem anderen deutschen Staat), andererseits ist diese (bundes)deutsche Schulpolitik eine Katastrophe. Jeder Staat macht seinen eigenen Mist und bloß nicht gucken, was beim Nachbarn schon probiert wurde, und womöglich erfolgreich war. Da ist ein Umzug von Brandenburg nach Niedersachsen schwieriger zu bewerkstelligen als eine innereuropäische Auswanderung. Der Begriff Kultusministerkonferenz verursacht immer noch regelmäßig Brechreiz. Und wenn ich mir die Ergebnisse der Schulreformen der letzten 20 Jahre ansehe, war letztenendes das alleinige Ziel, die Anzahl der Lehrer zu minimieren und die Kosten runter zu schrauben. Da bin ich mir dann nicht mehr so sicher, ob das schwedische Schulsystem wirklich schlechter ist...
Schlußendlich würde ich sagen, Geld verdienen kann man in D. eindeutig besser, wenn auch zu harten Konditionen. Aber legt man Wert auf eine gute Balance zwischen Arbeit und Familie, so ist für mich Schweden immer noch um Klassen besser, als D.
Wie alle anderen es bereits sagten, eine Gewichtung der einzelnen Punkte muss jeder selber vornehmen und diese ist auch für jeden anders. Und nicht zuletzt muss man unbedingt berücksichtigen, wo man in Schweden landet. Stockholmslän ist da sicher anders als Dalarna, Skåne oder Norrland. das gilt für das Gesundheits-, Schul- und Kindergartensystem ebenso wie für die Kosten einer Unterkunft oder den Weg zur Arbeit.

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Ein Optimist ist in der Regel ein Zeitgenosse der ungenügend informiert ist. (John B. Priestley)


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