Auswandern? Aber die Gesundheit?

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

gisli
Stiller Beobachter
Beiträge: 2
Registriert: 20. Februar 2010 10:50
Schwedisch-Kenntnisse: gut

Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon gisli » 20. Februar 2010 11:58

Hallo alle zusammen,

ich bin neu hier und habe schon viel rumgestöbert in Euren Beiträgen, und doch sind bei mir noch einige Fragen offen. Ich werde dazu verschiedene "threads" beginnen und versuche mal, mich kurz zu fassen.

Also: Wir sind eine Familie aus Süddeutschland, die seit längerem nach Schweden auswandern will. Ich habe Skandinavistik studiert und arbeite momentan als Schwedisch-Dozentin, Sprache ist also kein Problem. Ich habe auch kein idealisiertes Bullerby-Bild von Schweden und kenne auch die Schattenseiten ganz gut.
Wir alle sehnen uns nach weniger Menschen pro m² und mehr Natur. Außerdem bin ich chronisch krank und mir geht es am Meer immer viel besser.
Wir (d.h. mein Mann, er ist der Hauptverdiener) sind schon seit längerem auf Jobsuche und nun bahnt sich etwas in Örnsköldsvik in Västernorrland an.

Und nun zu meinem zweiten Thema: der Gesundheit. Ich habe chronische Borreliose, und da ist es schon in D extrem schwierig, richtig behandelt zu werden. Man braucht nämlich jahrelang Antibiotika, und da muß man erst einmal einen Arzt finden, der einem genügend verschreibt. Wenn ich keine Antibiotika bekomme, dann geht es mir binnen kurzem so dreckig, daß mein Leben an einem seidenen Faden hängt. Das ist keine Übertreibung. ich will jetzt gar nicht über die Borreliose diskutieren, da kenne ich mich selbst genug aus.

Ich will nur wissen, wie meine Versorgung in S aussehen würde. Hier in D habe ich einen wundervollen Arzt, der mir extrem viel hilft. Und zwar bin ich alle zwei Wochen für jeweils mindestens eine halbe Stunde bei ihm, und wir besprechen die weitere Therapie. Dazu testet er mich kinesiologisch aus und kann so sehr gut feststellen, welches Medikament mir helfen wird. Und das verschreibt er mir dann. Auf diese Weise (das ist jetzt natürlich stark verkürzt) haben wir es geschafft, daß sich mein Zustand im Laufe der Jahre so gebessert hat, daß ich wieder arbeiten und mich um meine Kinder kümmern kann. Das ist durchaus auch in D nicht selbstverständlich. In meiner Selbsthilfegruppe gibt es sehr viele Schwerstkranke, die völlig verzweifeln und immer kränker werden, weil sie niemanden finden, der sich genügend auskennt und auch bereit ist, einen über Jahre therapeutisch zu begleiten. Auch in D verschreibt man aus Bequemlichkeit einfach nur Schmerzmittel oder Antidepressiva. Das nützt natürlich nicht viel. Gesünder wird man davon jedenfalls nicht.

Jetzt habe ich allerdings doch ein bißchen Schiß, nach Schweden auszuwandern, wenn ich so Eure Beiträge zum Thema Ärzte und Gesundheitssystem lese. Mein Mann kann inzwischen auch kinesiologisch testen, das hat ihm mein Arzt beigebracht. Wir könnten also rauskriegen, welches Medikament gerade angesagt wäre, aber ich bräuchte dann immer noch jemanden, der es mir verschreibt. Oder könnte das mein Arzt in D tun, und das Rezept gälte dann auch in S???

Und dann kommt natürlich noch dazu, daß jeder von uns natürlich noch Krankheiten entwickeln kann oder in Notfälle verwickelt wird, wo einem schnell geholfen werden muß. Kennt sich da zufällig jemand von Euch aus, wie das in Örnsköldsvik wäre? Mir scheint das teilweise recht unterschiedlich zu sein, je nach Wohnort. Ich bin es inzwischen aufgrund meiner Krankheit sehr gewohnt, mir selbst zu helfen, aber bei einem entzündeten Blinddarm beispielsweise kann ich gar nichts tun. Das brauche ich nur schnell einen Arzt.

Gibt es auch jemanden mit positiven Erfahrungen?

Auch bei diesem Thema bin ich sehr gespannt auf Eure Antworten!
Liebe Grüße
Anita

Utusch
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 12. Februar 2010 19:06
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Utusch » 20. Februar 2010 16:45

Hej,
seit 5 Jahren leben wir in S und haben nur gute Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem
gemacht. Ich leide an chronischer Bronchitis ( habe ich hier bekommen ) und bin von
den Ärzten genauestens untersucht worden, mehrere Untersuchungen im Krankenhaus
und einige in der Vårdcentral.Habe mich sehr gut aufgehoben gefuehlt und die passenden
Medikamente bekommen. Mein Mann ist im letzten Jahr operiert worden und auch das war
voellig OK.Aber es scheint nicht ueberall gleich zu sein.Wir leben in Halland und arbeiten
in Skåne, in Skåne habe ich versucht einen Termin zu bekommen da ich an schmerzen in
den Beinen litt, 3 Monate Watezeit, dann war ich in Laholm und habe 10 Minuten warten muessen.Von meinen Arbeitskollegen habe ich erfahren das man es sehr schwer hat eine
gute Behandlung zu bekommen.

Liebe Gruesse aus Halland
Utusch

Pillengibtsimmer

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Pillengibtsimmer » 20. Februar 2010 19:01

Hallo,

nach meiner Erfahrung werden einem in Schweden Pillen jederzeit gern verschrieben, am liebsten ganz ohne Untersuchung. D.h. wenn man also endlich einen Termin beim Arzt hat, die Region Halland ist da übrigens ganz vorne! Wenn Du also schon jahrelang Antibiotika gegen Borreliose bekommst, könnte es genügen, das bei Arzt/Ärztin in der schwedischen vårdcentral zu sagen und schon hältst Du ein Rezept in der Hand. Viele schwedische Ärzte sind offenbar froh, wenn schon jemand anders vor ihnen die Diagnose gestellt hat, überprüfen diese gar nicht weiter und verschreiben munter das Gleiche drauf los, so ungefähr alles, was man haben will, oftmals gleich ein Jahresrezept und gerade bei chronischen Krankheiten.

Beim Thema Antibiotika könntest Du aber auf folgende Probleme stoßen: Häufige oder Langzeitanwendung von Antibiotika wird in Schweden oft prinzipiell abgelehnt (wegen Resistenzbildung).

Zum anderen wird Borreliose in Schweden keinesfalls über Jahre behandelt, höchstens über Monate. Standard ist 10-20 Tage lang Doxycillin oder auch Penicillin

Hier die Antibiotika-Empfehlung des schwedischen vårdguiden bei Borreliose
http://www.vardguiden.se/Sjukdomar-och- ... lakemedel/

Hier eine schwedische Info-Seite, die sich ausschließlich der Borreliose und der Behandlung in Schweden widmet:
http://www.borreliainformation.se/behandling.html

Diese Seite verweist auch auf:
http://www.ilads.org/

Alternative: Wenn dein deutscher Arzt so nett ist, schickt er Dir ja vielleicht die benötigte Medizin nach Schweden? Alternative 2: Soweit ich weiß, kann man deutsche Privatrezepte in schwedischen Apotheken einlösen, hab ich selbst (1) mal gemacht, ging problemlos. War allerdings auch ein Standardmedikament. Leider kann man die einzelnen Apotheken schon lange nicht mehr direkt anrufen, sonst könntest Du ja mal in Ö-vik nachfragen, ob das geht.

Was Akutfälle betrifft: Dieses Land ist groß, die Entfernungen weit. Es kann daher u.U. (zu) lange dauern, bis der Akutwagen eintrifft. Vielleicht daher besser mitten in der Stadt niederlassen? Dann ist nur noch zu hoffen, dass man im Notfall im Krankenhaus auch schnell drankommt und nicht, wie so oft, einen halben Tag warten muß.

Viel Glück!

Normalfall Diabetes

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Normalfall Diabetes » 20. Februar 2010 21:35

Hej,
du scheinst ein absoluter Routinefall zu sein. Da brauchts keine neue Diagnose und dann macht sich der schwedische Doktor natürlich nicht nochmals Extraarbeit.
Viele schwedische Ärzte sind offenbar froh, wenn schon jemand anders vor ihnen die Diagnose gestellt hat, überprüfen diese gar nicht weiter und verschreiben munter das Gleiche drauf los, so ungefähr alles, was man haben will, oftmals gleich ein Jahresrezept und gerade bei chronischen Krankheiten.

Sicher brauchst du auch gar nicht mehr extra zum Arzt zu gehen. Ein Anruf genügt, der Arzt stellt ein elektronisches Rezept aus und du holst dir deine Medikamente in der nächsten Apotheke.
Wenn es aber um Antibiotika geht, was hier in Schweden ja zurzeit überall und ständig diskutiert wird, sieht es möglicherweise anders aus. Da ist sicherlich schwedische Expertenmeinung vorrangig.

Benutzeravatar
Hanjo
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 525
Registriert: 13. August 2005 09:17
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Hanjo » 20. Februar 2010 21:49

Normalfall Diabetes hat geschrieben:Hej,
du scheinst ein absoluter Routinefall zu sein. Da brauchts keine neue Diagnose und dann macht sich der schwedische Doktor natürlich nicht nochmals Extraarbeit. Sicher brauchst du auch gar nicht mehr extra zum Arzt zu gehen. Ein Anruf genügt, der Arzt stellt ein elektronisches Rezept aus und du holst dir deine Medikamente in der nächsten Apotheke.
Also das stimmt so ganz sicher nicht - jeder Diabetiker soll - und so wird es auch hier gehandhabt - halbjährlich auf seinen Zuckerspiegel und die dazugehörige Medikamentierung überprüft werden sowie alle fünf Jahre auf den Augenhintergrund.
Normalfall Diabetes hat geschrieben:Wenn es aber um Antibiotika geht, was hier in Schweden ja zurzeit überall und ständig diskutiert wird, sieht es möglicherweise anders aus. Da ist sicherlich schwedische Expertenmeinung vorrangig.
In jedem Fall - und diese wird ergänzt durch Erfahrungen anderer auch ausländischer Ärzte, auch die schwedischen Ärzte lesen die Fachzeitschriften.
Hejdå
Hanjo
Wer seine Träume erfüllen will, muss erst einmal aufwachen

Svenska experter

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Svenska experter » 20. Februar 2010 22:00

Hej,
hier die schwedische Expertenmeinung zum Thema des Threads, nämlich Borrelia:
http://www.internetmedicin.se/dyn_main.asp?page=107
Zitat aus der Seite:
Många veckors/månaders behandling som praktiseras i en del länder, t ex Tyskland, mot s k kronisk borrelios har ingen vetenskaplig dokumenterad effekt. I de flesta fall är diagnosen fel eller också orsakas symptomen av kvarstående neurologiska skador utan aktiv infektion.

Der schwedische Doc scheints also besser zu wissen. Eller hur?

Oder wie war das - dümmer und alberner gehts bald nicht mehr. :wink:

Fjosok

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Fjosok » 21. Februar 2010 10:01

...der Unterschied zwischen deutschen und schwedischen Ärzten ist, dass die schwedischen an die Vorgaben des Socialstyrelsen oder des Landstings gebunden sind. Und wenn die beschliessen, dass auf Grund wissenschaftlicher Faktenlage diese oder jene Behandlung sinnlos ist, werden sie das entsprechende Mittel eben auch nicht mehr verschreiben lassen. Ein deutscher Arzt kann zumindest bei seinen Privatpatienten Forschungsergebnisse auch ignorieren...

Wie auch immer, eine notwendige Behandlung bekommt man in S ebenso wie in D - gewisse nicht akute Behandlungen haben allerdings unmögliche Wartezeiten, was das negatve Aushängeschild verursacht.

Es gibt aber sowohl privat praktizierende Ärzte und andere Heiler als auch private Krankenversicherungen. Wer also absolut meint, dass ihm das schwedische System nicht passt kann sich gegen bares was besseres (?) sichern. Kinesiologie bietet garantiert keine Hälsocentral an (es geht schliesslich um den wissenschaftlich bewiesenen Effekt).

@gisli: Wenn Du Dir solche Sorgen machst, dann ruf in einer Hälsocentral in Ö-vik an oder - noch besser - bei der Sjukvårdsrådgivningen, aus dem Ausland + 46 771 11 77 00, und diskutier das mit denen. Da bekommst Du die offiziellen Antworten direkt und vielleicht hilft Dir das mehr weiter.

Viel Glück
Fjosok

EBMsCHWEDEN

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon EBMsCHWEDEN » 21. Februar 2010 15:41

Hallo,
in Schweden wird nun mal evidence bases medicine betrieben. Was Alternatives muss man schon sehr sehr sehr sehr lange suchen, und wird es bei weitem nicht in dem Umfang finden wie in D. Das gweöhnliche Gesundheitssystem deckt diesen Bereich nämlich nicht ab. Diabetes, Hypertonie,Astma, Gluten-und andere Intoleranzen, alles kein Problem.

Tommy3

Re: Auswandern? Aber die Gesundheit?

Beitragvon Tommy3 » 21. Februar 2010 20:29

Hej,
in der letzten Nummer der schwedischen Wochenzeitschrift Fokus war ein langer Artikel über schwedische Alternativmedizin.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste