Auswandern 2010

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janaquinn
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Re: Auswandern 2010

Beitragvon janaquinn » 13. Januar 2009 11:30

Hej Christine,
ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber was wisst ihr wirklich über Schweden? Seit ihr schonmal im Lande gewesen und habt euch mit der Mentalität der Menschen auseinandergesetzt?
Schweden kann durchaus sehr teuer sein, wenn man ein gering-bezahlten Job hat, noch dazu gibt es kaum Mietwohnungen und wenn doch, sind sie extrem teuer. Um ein Haus zu kaufen braucht man Eigenkapital damit man als Ausländer einen Kredit bekommt
Die besten Jobaussichten hat man sicherlich in und um Stockholm, allerdings ist diese Stadt teuer und der Mietmarkt noch schlimmer dran als im Rest des Landes. Um einen vernünftigen Job zu finden, sollte man mehr als nur ein paar Grundkenntnisse schwedisch haben, ansonsten kann es einem passieren, das man beim grossen goldenen "M" Pommes fritiert, damit man halbwegs überleben kann.

Dein Freund könnte Glück haben bei der Jobsuche, da Handwerker immer gesucht werden, aber bei dir, solange du nicht in eine Firma kommst in welcher Geschäftsprache Englisch ist, sehe ich, ohne Sprachkenntnisse, eher schwarz.

Bitte versteh mich nicht falsch, wir sind auch nach Schweden gegangen, ohne davor im Land gewesen zu sein, es ging gut, zum Glück, wir haben uns eine sehr gute Lebensqualität erarbeitet, aber ohne Tränen und Zweifel ging es bei uns auch nicht vonstatten.
Und genau aus diesem Grund rate ich euch dringend dazu, bereist das Land einige Male und entscheidet dann, ob ihr wirklich hier leben wollt. Und kommt nicht nur im Sommer, sondern vorallem im Winter, wenn es früh dunkel und spät hell wird, schaut euch die Lebensweise der Schweden an und schaut, ob es wirklich das ist, was ihr wollt.
Und bedenkt bitte, auch in Schweden herrscht eine Wirtschaftkrise, gerade entlässt die Telia, Schwedens grösster Komunikationsanbieter, 1200 Leute...eine Menge, wenn man bedenkt, dass Schweden gerade mal 9 Mill. Einwohner hat. Und so geht es praktisch seit letzten Jahr und ein Ende ist bis dato nicht anzusehen.
Wenn ihr sichere Jobs in Deutschland habt, dann bleibt solange da, bis die Wirtschaftkrise vorbei ist und gebt nicht voreilig alles einfach auf...für einen Traum, der vielleicht nicht realisierbar ist.
In dieser Zeit könnt ihr die Sprache lernen, in Schweden Urlaub machen und euch eine Gegend raussuchen, in der ihr euch wohlfühlen könnt.


LG JANA
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Aelve
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Re: Auswandern 2010

Beitragvon Aelve » 13. Januar 2009 11:40

Hallo Christine,

ich selber wohne noch in Deutschland, wir wollen erst im Rentenalter oft in Schweden sein. Lieben tun wir Schweden seit 1977, zunächst durch Urlaube, seit ca. 12 Jahren jedoch auch durch Besuche bei unseren Freunden, die in Schweden ein Haus besitzen und 2004 haben wir uns dann auch ein Ferienhaus in Schweden zugelegt, was wir aber auch vermieten, damit es nicht immer leer steht. Durch sehr großes Glück konnten wir uns Ende 2007 ein richtig schönes Haus in Schweden kaufen, welches wir dann in wenigen Jahren für längere Aufenthaltszeiten nutzen möchten.

Obwohl wir in D in Arbeit sind, auch ein Haus besitzen, viele Freunde in D haben - aber auch viel Arbeit, so dass unsere Freizeit sehr eingeschränkt ist, empfinden wir, also mein Mann und ich, die Lebensqualität in Schweden als bedeutend besser als in Deutschland.
Ich kann dafür meine Gründe aufzählen, die für mich Lebensqualität bedeuten:
Natur, Ruhe, Besinnlichkeit, bessere Luft, niedrige Bevölkerungsdichte. Dadurch bedingt niedrigere Grundstücks- und Hauspreise, größere Grundstücke in besseren Lagen als in D finanziell erreichbar. Die Schweden sind insgesamt meinem Naturell näher: freundlich, zurückhaltend, nicht so prahlerisch, sozial, hilfsbereit, weniger verbissen, nicht aufdringlich, weiterer wichtiger Punkt: kinderfreundlicher. Man muß nicht überall und für alles bezahlen wie z.B. an einen See gehen, ein Boot irgendwo hinlegen zu können, selbst angeln ist günstiger - obwohl nicht für mich zutreffend, da ich nicht angle.
Alleine der Autoverkehr ist bedeutend entspannter als in D. Mir gefallen die kleinen, netten Ortschaften oder Kleinstädte in Schweden sehr mit kleinen und feinen Geschäften. Qualitätswaren anstatt Massenwaren und das zum tragbaren Preis.
Ich finde selbst das Einkaufen kommt mir in Schweden günstiger vor als in Deutschland, das trifft aber nicht für alle Waren zu, vielleicht bin ich da etwas voreingenommen, da ich dann teure Dinge in Schweden einfach nicht kaufe. Fleisch schmeckt in Schweden besser als in D, nur die Grillwurst ist in S scheußlich.

Das sind erstmal spontan die Dinge, die für mich eine besser Lebensqualität kennzeichnen. Mir geht es in D tierisch auf den Keks, täglich überfüllte S und U-Bahnen. Die Leute laufen kreuz und quer, sie haben verbissene Gesichter (aus guten Gründen), sie sind in Hektik, nehmen wenig Rücksicht und es herrscht eine große Ellbogenmentalität, was natürlich durch die Bevölkerungsdichte und die Angst um den Arbeitsplatz ausgelöst wird und deshalb auch ganz normal ist.

Inzwischen hat Jana einen Beitrag verfaßt und ich muß ihr zustimmen, es ist eine andere Situation, wenn man in Schweden eine Arbeit finden muß, ein Wohnung suchen muß, täglich weite Anfahrtszeiten zur Arbeit in Kauf nehmen muß und die Sprache Schwedisch nicht richtig spricht. Wir haben uns ja in Deutschland eine Existenz aufbauen können, für uns bedeutet ein Schwedenaufenthalt dann Erholung und Ausspannen vom Alltag, auch wenn wir stets an unseren Ferienhäusern rumwerkeln, das ist für uns auch dann noch Entspannung und Freude, wenn man etwas schöner gestalten kann als es vorher war. Ein richtiges Leben in jungen Jahren kann anders aussehen als unser Leben, welches wir in Schweden für unseren Ruhestand planen.

Grüße Aelve :smt006
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
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Re: Auswandern 2010

Beitragvon SwedenSun » 13. Januar 2009 12:00

Hallo Jana,
das sind schon mal sehr nutzvolle Tipps und Ratschläge, die wir dankend annehmen. Wir waren selber noch nie in Schweden, wollen aber diesen Sommer eine Rundreise machen. Für meinen Freund kommt nur der Süden in Betracht, weil er meint, daß es da ne bessere Struktur für die Arbeit gibt. Wir beide können leider noch kein schwedisch sprechen, dafür aber englisch. Doch werden wir in der Volkshochschule einen Schwedisch-Kurs besuchen. Wir müssen halt mal echt dort Urlaub machen und sehen, wo es uns gefällt.

Liebe Grüße, Christine

hansbaer

Re: Auswandern 2010

Beitragvon hansbaer » 13. Januar 2009 12:45

SwedenSun hat geschrieben:Hallo Jana,
das sind schon mal sehr nutzvolle Tipps und Ratschläge, die wir dankend annehmen. Wir waren selber noch nie in Schweden, wollen aber diesen Sommer eine Rundreise machen. Für meinen Freund kommt nur der Süden in Betracht, weil er meint, daß es da ne bessere Struktur für die Arbeit gibt. Wir beide können leider noch kein schwedisch sprechen, dafür aber englisch. Doch werden wir in der Volkshochschule einen Schwedisch-Kurs besuchen. Wir müssen halt mal echt dort Urlaub machen und sehen, wo es uns gefällt.

Liebe Grüße, Christine


Das mit den Regionen würde ich nicht so sehen. Der "tiefe" Süden ist wirtschaftlich schon recht stark, aber die Struktur des Landes ist nicht so, wie du es erwartest. Da Schweden so dünn besiedelt ist, konzentriert sich alles auf mittelgroße und große Städte, wo dann auch die Jobs zu finden sind. Diese gibt es auch noch weit im Norden. Mit Umeå und Luleå gibt es bis knapp zum Polarkreis noch größere Städte. Die großen Ballungsräume sind freilich Stockholm und Göteborg, aber auch in der Region Linköping/Norrköping, die sich gerne als vierte Großstadtregion Schwedens bezeichnet, findet sich noch eine entsprechende Infrastruktur. Ich würde die Suche also keinesfalls auf den Süden beschränken. Die Region für sich genommen sagt gar nichts aus. Auch im vermeintlichen Moloch Stockholm gibt es Orte wie Hallstavik, von wo aus man mindestens 40 km zur nächsten größeren Stadt fährt.

Was die Lebenshaltungskosten von weiter oben angeht: das schwedische System basiert stark auf der vollen Berufstätigkeit von Mann und Frau. Man muss dem System hoch anrechnen, dass ein echter Niedriglohnsektor nicht existiert. Reich werden die wenigsten, aber es genügt, um über die Runden zu kommen.
Die täglichen Lebenshaltungskosten sind schon höher, was nicht zuletzt an einer erheblichen Steuerlast liegt. Man zahlt ab der ersten Krone rund ein Drittel Steuern, und außer Lebensmitteln und anderen besonderen Produkten wird alles mit 25% Mehrwertsteuer belegt. Aber auch Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind oft teurer, weil der schwedische Markt anders strukturiert ist als der deutsche.
Wenn ihr euch derzeit entschließt, nach Schweden zu fahren, werdet ihr fürs erste aber ziemlich günstig wegkommen. Die Schwäche der Krone hat sich noch nicht in der Inflation niedergeschlagen. Der Unterschied ist aber nicht so krass wie bei einer Reise nach Island :-)

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Re: Auswandern 2010

Beitragvon SwedenSun » 13. Januar 2009 13:45

Wo genau lebst du da? Und wieso bist du dorthin ausgewandert?

hansbaer

Re: Auswandern 2010

Beitragvon hansbaer » 13. Januar 2009 13:49

Bin ich gemeint?
Ich wohne in der Region Stockholm, seit kurzem in Gustavsberg, einem östlich gelegenen Vorort auf den Schären. Ich bin als Student hierher gekommen und dann geblieben, um meinen Master zu machen. Mittlerweile promoviere ich hier.

SwedenSun
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Re: Auswandern 2010

Beitragvon SwedenSun » 14. Januar 2009 11:56

Hallo hansbaer,
das ist doch sehr sehr schön auf den Schären zu leben. Das stell ich mir sehr schön vor.Wie alt bist du denn?
Mein Freund wird 40 und ich werde 31 und wollen ja gerne nach Schweden oder Dänemark auswandern und deswegen wollen wir uns informieren, da wir weder die Sprache sprechen noch in Schweden oder in Dänemark waren, mal wissen, wie das Leben überhaupt in diesen Ländern ist und ob die Lebensqualität sehr gut ist und wie die Sozialleistungen sind. Du hast studiert? Was denn?

Liebe Grüße, Christine

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Re: Auswandern 2010

Beitragvon Lucia007 » 14. Januar 2009 13:30

Hallo Christine,

ich möchte auch noch mal was zur "Krankenschwester-Ausbildung" sagen. Beantragen kannst Du die Legitimation schon von Deutschland aus, Du mußt nur alle Formulare zusammenhaben, den Antrag ausfüllen und dorthinschicken. Sinnvoller ist es, dort bei einem Schwedenbesuch persönlich vorbeizugehen.

Anerkannt wird die deutsche Ausbildung schon, das heißt, eine Legitimation wirst Du wohl bekommen. Allerdings stellen Dich auch damit nicht alle Krankenhäuser in Schweden ein. Wir haben und jetzt schon bei einigen persönlich beworben und entweder wir haben sofort eine Absage bekommen, weil eben die schwedischen Krankenschwestern anders ausgebildet sind, oder aber wir haben das Angebot bekommen, daß mein Mann als Hilfspfleger eingestellt wird. Das möchten wir dann aber auch nicht.

Die Einstellungsbedingungen sind sehr unterschiedlich von Region und Krankenhaus verschieden. Deshalb hilft nur hartnäckiges Suchen und Vorsprechen. Wir haben jetzt noch zwei Vorstellungsgespräche nächste Woche und werden nicht aufgeben.

Gruß

Lucia

hansbaer

Re: Auswandern 2010

Beitragvon hansbaer » 14. Januar 2009 13:43

Naja, allzu idyllisch sollte man es nicht sehen - ich wohne in einer der typischen Miljonprogrammet-Siedlungen. Es ist ein glücklicher Zufall, dass ich dort gelandet bin. Nachteil ist freilich, dass es nur Busse in die Stadt gibt, und die Haltestelle vorm Haus nur zu Pendlerzeiten angefahren wird.

Was die Lebensqualität angeht: die ist nicht messbar, und daher kann man das so einfach auch nicht sagen. Was interessiert euch denn genau?
Falls ihr es noch nicht gesehen hatte - mein Auswandererguide beantwortet vielleicht viele Fragen: http://delengkal.de/auswandererguide/

Ich bin allgemein der Ansicht, dass jemand, der eine Auswanderung nach Schweden ernsthaft in Betracht zieht, einmal ausgiebig durch das Land gereist sein sollte. Es ist nicht weit weg, und das Schwedenbild in Deutschland bedingt, dass die meisten Auswanderinteressierten vollkommen absurde Vorstellungen davon haben, wie sie in Schweden leben könnten.

Zum Thema Krankenschwester: heute morgen habe ich gesehen, dass auch das Karolinska mehrere hundert Mitarbeiter entlässt. Das ist nicht die einzige Meldung dieser Art in letzter Zeit. Auch da ist wohl der Personalmangel nicht mehr so massiv, und da haben es die schwedischen Fachleute leichter.

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Re: Auswandern 2010

Beitragvon janaquinn » 14. Januar 2009 14:09

Ich sehe es wie Fabian, was die Lebensqualität betrifft. Einfach, weil es jeder anders definiert und jeder seine Lebensqualität anders sieht. Für mich ist es wichtig, auch mal irgendwo ein Kaffee trinken gehen zu können, ohne dafür ewig zu fahren, auch brauche ich Stockholm und seinen Trubel einfach in der Nähe. Ich möchte ländlich, aber nicht zu ländlich leben, weil ich im letzten Jahr die Erfahrung gemacht habe, dass dies einfach nichts für mich ist.
Also ziehen wir jetzt nach Järna, eine kleine süsse Stadt, aber ich habe zumindest wieder ein bisschen mehr Leben um mich herum. Möchte ich die Einsamkeit, setze ich mich ins Auto, fahre 5-10 min. und bin mitten im Wald.

Auf einer Schäreninsel zu leben stelle ich mir auch romantisch vor....im Sommer, wenn ich weiss, ich bleibe 14 Tage und habe danach wieder vernünftige Anbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, ansonsten eher weniger.
Insofern kann man wirklich nur sagen, kommt ins Land, schaut euch die Regionen an, wo ihr euch vorstellen könnt zu leben und die auch sehr genau. Prüft vorallem, ob sie alltagstausglich sind oder doch eher für den Urlaub, aus eigner Erfahrung gesprochen: Es ist nicht witzig für einen fehlenden Liter Milch 14 Kilometer zufahren oder 30 km um ein Paket abzuholen, solche Sachen müssen einfach bedacht werden.

LG JANA
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