Auswandern

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EuraGerhard
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Re: Auswandern

Beitragvon EuraGerhard » 16. März 2015 22:47

@ Peter:

Natürlich gibt es eine Grundsteuer, was denkst Du denn? :wink: Und überdies sind bewohnte Neubauten (befristet) von der Steuer befreit, während sie für unbebaute Grundstücke bezahlt werden muss. Ein unbebautes Grundstück in Schweden zu besitzen kostet Geld.

Ansonsten: In den allermeisten Kommunen kann man heutzutage ohne Baugenehmigung bestenfalls noch eine Hundehütte bauen, wenn überhaupt. Und wenn das Haus zu Wohnzwecken genutzt werden soll, dann muss es bestimmten Kriterien bzgl. Energieverbrauch, Lüftung, behindertengerechtem Badezimmer etc. genügen. Bei Ferienhäusern sind diese Ansprüche zwar deutlich geringer, aber immer noch vorhanden.

Beim Wasser und vor allem beim Abwasser kann die Kommune, wie schon gesagt, einen Anschlusszwang einführen. Und selbst dort wo keine kommunale Kanalisation vorhanden ist, werden die an die Abwasserbehandlung gestellten Ansprüche immer strenger. Eine Dreikammer-Absetzgrube wird heutzutage eigentlich als Mindeststandard bei Neubauten erwartet, und Besitzer solcher Anlagen werden mit ständig steigenden Abgaben auch dazu "motiviert", sich an die Kanalisation anschließen zu lassen.

MfG
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Re: Auswandern

Beitragvon Petergillarsverige » 16. März 2015 23:12

In der Tat, diese Grundsteuern sind nicht von Pappe, aber auch kein Grund um gleich Konkurs zu gehen.
Nun, bauen ohne Baugenehmigung. Bei mir ging es. Eine Bauanzeige für 100 DM und das war es. Es hat sich niemals jemand mit offizieller Visage bei mir blicken lassen. Keine Bauabnahme - nix.
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Re: Auswandern

Beitragvon EuraGerhard » 17. März 2015 09:00

Petergillarsverige hat geschrieben:Nun, bauen ohne Baugenehmigung. Bei mir ging es. Eine Bauanzeige für 100 DM und das war es.

Es kann in Schweden sicherlich von Kommune zu Kommune anders sein. Aber hier in Uppsala war es äußerst streng: Ohne Genehmigung hätten wir hier keinen Spatenstich machen dürfen. Während der Arbeiten kam regelmäßig jemand vorbei und prüfte, ob wir auch ja genau dem eingereichten Plan folgten. Und bei der offiziellen Abnahmebesichtigung kam das Bauamt drei Mann hoch und kontrollierte wirklich jedes kleinste Detail, bis hin zur Kindersicherung am Backofen. (Und genau die hat unser "Kontrollansvarig", der von uns bezahlte, verlängerte Arm des Bauamts während der Arbeiten, dann während der Inspektion kaputtgekriegt ...)

Und was die Grundsteuer betrifft: Klar, bankrott geht man davon nicht. Aber wozu dem Staat völlig überflüssigerweise Geld in den Rachen schmeißen?

MfG
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Re: Auswandern

Beitragvon Petergillarsverige » 17. März 2015 16:47

Lieber dem Staat Steuern zahlen, als ein Fass ohne Boden stopfen. :D
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Re: Auswandern

Beitragvon EuraGerhard » 18. März 2015 08:46

Petergillarsverige hat geschrieben:Lieber dem Staat Steuern zahlen, als ein Fass ohne Boden stopfen. :D

Wo ist da der Unterschied? :wink:

MfG
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Re: Auswandern

Beitragvon Knaeckerad » 16. April 2015 11:57

[
Petergillarsverige hat geschrieben:Lieber dem Staat Steuern zahlen, als ein Fass ohne Boden stopfen. :D


Der Staat ist ein Fass, welches nicht gestopft werden kann.

Inspektör

Re: Auswandern

Beitragvon Inspektör » 19. April 2015 23:01

Hej,

eine Drei-Kammer-Absetzgrube (Abscheider) allein erfüllt nicht die schwedischen Mindestanforderungen an eine Abwasseranlage. Es ist zusätzlich mindestens eine nachgeordnete Reinigungsstufe notwendig, welche meist in Form einer "infiltration" oder eines "markbädd" realisiert wird. In dieser Reinigungsstufe wird durch Bakterien der im Abwasser vorhandene Anteil an Phosphor und Stickstoff gesenkt. Ob eine infiltration reicht oder ein etwas aufwendigeres markbädd notwendig wird hängt von mehreren Umständen ab, z.b. den örtlichen Gegebenheiten, Boden- und Grundwasserverhältnissen sowie eventuell in der Umgebung vorhandenen Gewässern und Trinkwasserbrunnen.
Mitunter lässt sich eine Abwasseranlage, die aus Abscheider und nachgeordneter Reinigungsstufe besteht, z.B. auf Grund der Bodenverhältnisse (Felsen) nicht realisieren. Es gibt inzwischen eine Reihe alternativer Möglichkeiten, z.B. Mini-Reinigungswerke, Verbrennungstoiletten, "Frosttoiletten", Urin/Kot-separierende Toiletten und Komposttoiletten.
Daneben gibt es noch slutna tankar/geschlossene Tanks. Diese Behälter, meist aus Kunststoff, seltener aus Beton oder Metall, haben nur einen Zulauf, jedoch keinen Ablauf. Das gesamte Abwasser wird also im Behälter angesammelt und muss durch das kommunal beauftragte "Abwasserunternehmen" abgepumt und abgeholt werden. Für Ferienhäuser mag so ein geschlossener Tank noch eine Lösung sein, da meistens eine "Leerung" des Behälters pro Jahr ausreicht, sofern nur das Toiletten-Abwasser in den Tank geleitet wird (und Abwasser aus Küche, Dusche/Badewanne und von der Waschmaschine in eine separate Abwasseranlage mit normalerweise infiltration oder markbädd).
Eine Abwasseranlage in Form eines sluten tank als Lösung für einen Dauerwohnsitz wird jedoch kaum eine kommunale Miljöförvaltning akzeptieren.
Grundsätzlich ist der fastighetsägare für die ordnungsgemässe Funktionsweise seiner Abwasseranlage verantwortlich. (Rechtliche Grundlage: Miljöbalken.)
Der Betrieb einer Abwasseranlage stellt eine "miljöfarliga verksamhet" dar. Von der jeweiligen kommunalen Miljöförvaltning ist ein "Tillstånd" erforderlich, übrigens auch für alternative Lösungen/geschlossene Tanks.
Das Betreiben einer Abwasseranlage ohne "Tillstånd" bzw. einer Abwasseranlage, die nicht die aktuellen Anforderungen an die Reinigung des Abwassers erfüllt, kann zum Verbot führen, die Abwasseranlage zu nutzen ("utsläppsförbud", was praktisch bedeutet, dass man die Toilette nicht nutzen darf) sowie zu miljösanktionsavgift (also einer Strafzahlung).
Abwasseranlagen werden heutzutage meist für die Dauernutzung durch einen 4-Personen-Haushalt konzipiert (eine grössere Personenanzahl wird natürlich berücksichtigt, wenn schon in der Planungsphase absehbar), selbst wenn es sich um ein nur zeitweise genutztes Ferienhaus oder weniger als 4 Personen im Haushalt handelt. Grund dafür ist, dass eine zu gering dimensionierte Abwasseranlage sofort überlastet wäre, wenn ein Ferienhaus plötzlich - z.B. nach Eigentümerwechsel - permanent bewohnt wird, oder sich die Familienverhältnisse dahingehend ändern, dass auf einmal mehr Personen im Haushalt leben.
Für die Neuinstallation oder Reparatur/Sanierung/Ergänzung einer Abwasseranlage ist es oft nötig, die vor Ort anstehenden Boden- und Grundwasserverhältnisse bereits in der Planungsphase mittels einer Probegrabung zu untersuchen.

Zum Thema Baugenehmigung (bygglov). Nicht für alle Baumassnahmen ist ein bygglov erforderlich, mitunter reicht ein bygganmälan. Das hängt von der Art der geplanten Baumassnahme ab.
Nach aktueller Gesetzeslage durch das Plan- och bygglag (PBL) ist für alle Baumassnahmen, für die ein bygglov oder ein bygganmälan notwendig ist, ein Startbescheid (startbesked), mindestens ein Besuch (arbetsplatsbesök) vor Ort während der Baumassnahme durch Vertreter der kommunalen Bauverwaltung bzw. des Bauausschusses (i.d.R. als "byggnadsnämnd" bezeichnet), eine Abnahme (slutsamråd) und ein Schlussbescheid (slutbesked) notwendig. Vor 20 Jahren mag das anders gewesen sein. In den letzten Jahren hat der Gesetzgeber die Zügel jedoch ein wenig angezogen.
Die Höhe der Gebühren, die die Kommunen für ein bygglov erheben, unterscheiden sich sehr stark von Kommune zu Kommune. Für das bygglov eines Neubaus eines normalen Einfamilienhauses können 15.000 Kr fällig werden, aber auch 100.000 Kr oder noch mehr.

Ich habe mehrere Jahre als inspektör in der Bau- und Umweltverwaltung einer schwedischen Kommune gearbeitet und hoffe, ein klein wenig zur Aufklärung beitragen zu können.

Schöne Grüsse aus Schweden.


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