auswandern?!

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
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schwedenkeks

auswandern?!

Beitragvon schwedenkeks » 5. Dezember 2005 14:42

hello ihr lieben!

nachdem ich meinen letzten beitrag hier aus versehen gelöscht hab muss ich wieder ganz von vorne anfangen :)

ich spiele seit geraumer zeit, wochen, monaten mit dem gedanken nach schweden auszuwandern.

ich war noch nie in schweden leider, aber schon immer recht fasziniert von dem land.
im sommersemester diesen jahres begann ich ein skandinavistik studium, dass ich aber recht schnell wieder beendet hatte. neben skandinavistik musste ich noch 2 andere fächer wählen für die ich mich aber nicht begeistern konnte. ich werde ab januar in der örtlichen vhs wieder einen schwedisch-kurs belegen.
englisch beherrsche ich fleissend in wort und schrift.

ich bin 25, habe abitur und eine abgeschlossene ausbildung zur kauffrau für audiovisuelle medien, finde aber seit einem knappen jahr keinen job hier und bin es mittlerweile auch satt, dass überall nur noch praktikanten eingestellt werden.
deshalb möchte ich raus aus deutschland.

was die wahl des jobs in schweden angeht wäre ich erstmal wenig wählerisch.
in erster linie ginge es mir darum einen "fuss in die tür" zu kriegen und einen job zu finden, der die miete zahlt.

hat jemand von euch erfahrung mit dem thema?
ist von euch jemand ausgewandert und kann tipps geben und von seinen erfahrungen erzählen?
wie ist das leben in schweden?

ich würde mich freuen so viele tipps und meinungen wie möglich zu bekommen.

freue mich auf eure antworten.

viele grüße,
die keks:)

Bettina

Re: auswandern?!

Beitragvon Bettina » 6. Dezember 2005 13:32

Hi,

ich wohne seit Mai diesen Jahres in Schweden.
Ich bin 29 Jahre alt, habe in Belgien, Luxembourg, Deutschland, Frankrkeich und England gelebt und teilweise auch gearbeitet, spreche fliessend Deutsch, Französisch, Englisch, Luxembourgisch und habe gute Kenntnisse in Spanisch, Holländisch und Schwedisch.
Mein Verlobter ist Schwede.
Mit diesem Hintergrund, dachte ich, darf das Auswandern nicht schwerfallen.
Ich habe durch einen Zufall und viel Glück eine Stelle bei einer EU-Agency in Stockholm bekommen - beim Arbeitsamt konnte ich mich ohne "Personnnummer" nicht eintragen und auch ansonsten war das Bewerben nicht leicht. Teilweise wurde mir wortwörtlich gesagt "We only emply swedish staff".
Ich habe - da ich nur einen Zeitvertrag habe - immer noch keine Personnummer; konnte mich also noch nicht anmelden und laufe ständig gegen Wände. Die EU Agency für die ich arbeite, hat ihre Arbeit erst im Mai aufgenommen und alle, wirklich alle Mitarbeiter, die nicht aus Schweden stammen, haben mehr oder weniger grosse Schwierigkeiten.
Leider.
Ich mag Schweden - sonst wäre ich nicht hierhergezogen. Das Land ist wunderbar, ich habe viele nette Menschen kennengelernt, aber die Verwaltung und die Art und Weise wie man als "nicht-Schwede" oft behandelt wird, ist ermüdend und nervig.

Mittlerweile bin ich schwanger und es war wirklich schwer medizinische Unterstützung zu bekommen.
Mein Verlobter ist sehr entäuscht von seinem Land. Er hat selbst in Luxembourg, Deutschland, Holland und den USA gelebt, und nie die Probleme gehabt, die ich, und viele meiner Arbeitskollegen hier haben.

Ich bereue den Schritt nicht, aber es ist nicht einfach.
Ich bin EU-Beamtin und kenne daher die Rechte der EU-Bürger genau. Leider hält sich Schweden nicht an die Richtlinien. Von der Agency aus bereiten wir eine Beschwerdeschrift vor und hoffen, dass es in Zukunft wenigstens für EU-Mitbürger einfacher wird einzureisen.

Ich hoffe mein langer Text war einigermassen informativ und nicht zu demotivierend, aber dies sind meine Erfahrungen und ich kann ohne Probleme 20 Personen mit ähnlichen Erfahrungen finden.

Trotzdem sage ich: das Land ist toll und ich verstehe jeden den es hierhin zieht. Man muss halt nur Geduld mitbringen. So einfach wie in den anderen EU - Ländern ist es nicht!

Liebe Grüsse aus Stockholm
Bettina

schwedenkeks

Re: auswandern?!

Beitragvon schwedenkeks » 6. Dezember 2005 13:46

hey bettina!

vielen lieben dank für deine einschätzung.
ich weiss momentan noch nicht wie ich´s anstellen soll, aber mein entschluss steht eigentlich shcon fest.

gegen bürokratie muss man denk ich mal überall ankämpfen.

die sache will genau geplant werden.
aber am liebsten würde ich jetzt schon meine koffer packen.
mich hält hier momentan wirklich überhuapt nichts.

ich habe morgen einen termin mit dem arbeitsamt und werde mich da über die möglichkeiten mal schlau machen. ich hoffe die können mir erste fragen kompetent beantworten. aber ich befürchte ja nicht...

besökare

Re: auswandern?!

Beitragvon besökare » 22. April 2006 20:13

Hallo Ihr da draußen,

wir sind eine junge Familie mit einem Kind im alter von 3,5 Jahren und wollen in ca. 2,5 - 3 Jahren nach Schweden auswandern.
Könnt Ihr uns Tip`s geben über den Ablauf der Vorbereitungen bis hin zum Umzug (bevorzugt Süd- und Mittelschweden). Auch wie es mit Mietwohnungen oder Miethäusern aus sieht in Schweden wenn es geht auch mit ungefären Mietpreisen.

Wir danken Euch für Eure Antworten :wink:

glada

Re: auswandern?!

Beitragvon glada » 22. April 2006 21:44

Miet- und Kaufpreise sind recht unterschiedlich. Mieten in Städten wie Göteborg sind mittlerweile unerschwinglich. Auf dem Land ist es recht billig, die Preise steigen aber zur Zeit und Prognosen besagen, daß das so bleiben wird.
Versucht auf jeden Fall, im Vorweg eure Berufsausbildungen anerkennen zu lassen. Wir haben damit schlechte Erfahrungen gemacht. Sinnvoll ist es, eure Zeugnisse auch schon vorher übersetzen zu lassen.
Lernt auf jeden Fall die Sprache, so gut es nur geht und rechnet damit, daß die Arbeitssuche sich sehr schwierig gestalten wird (was schließlich auch finanzielle Konsequenzen hat - wo wir gerade beim Thema sind: Die Löhne sind teilweise deutlich niedriger als in D).
Wenn du konkretere Fragen stellst, kann ich dir konkretere Antworten geben.

Viel Erfolg auf jeden Fall!

Mrs.Half-Swedish

Re: auswandern?!

Beitragvon Mrs.Half-Swedish » 24. April 2006 19:26

Bettina hat geschrieben: Von der Agency aus bereiten wir eine Beschwerdeschrift vor und hoffen, dass es in Zukunft wenigstens für EU-Mitbürger einfacher wird einzureisen.


ich denke ihr solltet das auch ins netz stellen, da würden sicher noch mehr unterschreiben :wink:

Anonymous

Re: auswandern?!

Beitragvon Anonymous » 28. Mai 2006 08:44

auweia, als ich das hier gelesen habe, wurde mir doch schon anders. ich selbst wollte schon vor jahren auswandern, aber mich hat immer was zurück gehalten.
2004 war ich eine woche dort, nur um mich mit arbeitsamt und eures-beratern mal live rumzuschlagen, da ich das gefühl hatte hier in D immer nur wischi-waschi antworten zu bekommen.
leider war eine woche viel zu wenig. und ich wollte auch mit dem E 303 rüber, das wäre aber zu wenig geld gewesen, wäre niemals über die runden gekommen.
jedenfalls war bei mir die antwort, ich müsste perfekt schwedisch sprechen, das ist bei mir leider nicht der fall.
jedenfalls war ich da schon etwas entmutigt.
jetzt hole ich hier mein abi nach, lerne nebenbei weiter schwedisch (schreiben fällt mir nicht leicht, obwohl ich in rechtschreibung sehr gut bin, solange es deutsch, englisch oder spanisch ist). und möchte danach auf jeden fall rüber. sonst vergehen wieder viele, viele jahre.
doch als ich dieses hier las, hab ich jetzt doch ein bißchen mehr angst als vorher.
denn ich gehe ganz alleine rüber. kein freund, keine freunde etc.
ist das dann überhaupt möglich klar zu kommen?
ich weiß, ist ne komische frage, aber wie gesagt, hab keinen hinter mir.

glada

Re: auswandern?!

Beitragvon glada » 28. Mai 2006 19:12

Die Frage, ob du in Schweden klar kommst oder nicht, kann dir sicherlich keiner in diesem Forum beantworten. Die Erfahrungen, die ich in den letzten 12 Monaten in Schweden gemacht habe, sind so unterschiedlich - teilsweise gar widersprüchlich -, daß ich bis heute nicht sagen kann, wo ich mich wohler fühle.
Freunde sind ein ganz wichtiges Thema. Du wirst selbst die Erfahrung gemacht haben, wie lange es dauert, Freundschaften aufzubauen. Freunde und Familie vermisse ich am meisten in Schweden.

Was ich sagen kann ist, daß es eine wichtige Erfahrung für mich ist, hier in Schweden zu leben und ich denke heute anders, als ich es noch vor einem Jahr getan habe. Dinge, die mir wichtig erschienen, haben eine untergeordnete Relevanz, andere sind mir sehr viel wichtiger geworden.

Wenn ich nach D fahre, erkenn ich selbst die Unterschiede zu früher - sehr spannend!

Also, faß' dir Mut und laß' dich nicht beirren!

Oliver

Skogstroll

Re: auswandern?!

Beitragvon Skogstroll » 11. Juli 2006 15:27

Also, ganz ehrlich gesagt bin ich immer etwas skeptisch, wenn jemand "auf jeden Fall rüber" will, ohne sich über die Konsequenzen so richtig im Klaren zu sein. Ich sehe immer wieder eine erstaunliche Naivität bei Einwanderern, die sich bitter über die Bürokratie in Schweden beklagen, die aber einfach nur grundlegende Fehler gemacht haben.
Ich selbst habe vor reichlich zwei Jahren den Schritt getan und bereue es nicht, aber noch viel weniger bereue ich, die Sache etwas behutsamer angegangen zu sein.
Es ist selbst bei guter Qualifikation sehr schwer, in den schwedischen Arbeitsmarkt zu kommen. Sehr viel läuft hier immer noch über gute Bekannte und persönliches Beziehungen. Das muss man akzeptieren. Als Nichtschwede hat man also erstmal ein Problem. Ausnahme: Ärzte und Zahnärzte, die sind insbesondere in den etwas abgelegenen Gegenden sehr gesucht und werden in Deutschland direkt abgeworben.
Voraussetzung Nummer 1 ist unbedingt die Sprache. Mit einem Kurs an der deutschen VHS dürfte es kaum getan sein. Ohne solide Sprachkenntnisse ist an einen Job nicht zu denken, an soziale Kontakte zu den Nachbarn übrigens genauso wenig. Eine Aufenthaltserlaubnis ist für EU-Bürger nicht mehr erforderlich, trotzdem hat nur der ein faktisches Bleiberecht, der sich selbst versorgen kann. Nur dann und bei festem Wohnsitz in Schweden wird nämlich eine Personennummer vergeben, ohne die in Schweden wirklich nichts geht. So einfach herziehen und dann mal sehen (wie in gewissen "Reportagen" suggeriert) geht mit hoher Wahrscheinlichkeit schief.
Ich selbst hatte das Glück, einen Job bei einer deutschen Firma zu finden. Dann bin ich zunächst allein nach Schweden gegangen, habe mich um ein Haus gekümmert und dann die Familie nachgeholt. Da meine Frau einer der eher gesuchten Berufsgruppen angehört, konnte sie schon nach einem Jahr stundenweise arbeiten und hat nun, nach fast zwei Jahren, auch eine feste Anstellung.
Hat man Kinder, sollten sie möglichst noch klein sein. Meine Tochter (beim Herzug 5 Jahre) kommt prima mit der Zweisprachigkeit klar, aber der Anfang war nicht leicht. Schulkinder können viel grössere Probleme haben, und niemandem ist geholfen, wenn die Kinder nur zurück wollen, weil sie in der Schule kein Wort mehr verstehen.
Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass man in Schweden in den allermeisten Fällen deutlich weniger Geld verdienen wird als in Deutschland. Häuser sind z.T. recht billig, wenn man in eher ländliche Gegenden zieht. Dort sind natürlich die Jobs knapp, deshalb sind die Immobilien auch so günstig. Will man in Stockholm oder Göteborg wohnen, sollte man finanziell schon gut gepolstert sein. Und wer schon mal versucht hat, in Schweden einen Handwerker zu bekommen, der weiss, dass zwei linke Hände hier tödlich sind.
Fazit: Schweden ist ein schönes Land und es ist durchaus nicht unmöglich, dorthin auszuwandern, aber bitte immer den ersten Schritt vor dem zweiten tun! Dann ist die Bürokratie auch kein Problem.

glada

Re: auswandern?!

Beitragvon glada » 11. Juli 2006 21:38

Das, was skogstrollen berichten, enspricht weitestgehend meinen Erfahrungen nach nun 13 Monaten in Schweden.


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