Auswandern

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Speedy
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Re: Auswandern

Beitragvon Speedy » 10. November 2011 19:43

Hi,

Haro wunderst Du Dich das die Firmeninhaber so etwas machen???

Die kleinen Firmen werden hier in Schweden geschröpft bis zum geht nicht mehr.

Sag bitte nicht das das nicht stimmt. Wir haben selbst eine kleine Firma und muessen jeden Tag, jede Woche und jeden Monat kämpfen um mindestens einen Angestellten zu haben. Ganz abgesehen davon, dass wir selbst uns kein Gehalt auszahlen können weil das Geld nicht reicht. Als Angestellter bekommt man das natuerlich nicht mit. Arbeitet man in einem staatlichen Betrieb sowieso nicht, das zahlt ja der Steuerzahler.

Als Arbeitgeber kann ich nur hoffen, dass sich die Gewerkschaften etwas mehr entkrampfen, damit ich die Möglichkeit habe mehr Arbeitsplätze zu schaffen ohne in die Illegalität abzudriften.

Gruss Speedy

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Haro
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Re: Auswandern

Beitragvon Haro » 10. November 2011 20:37

Speedy hat geschrieben:Haro wunderst Du Dich das die Firmeninhaber so etwas machen???

Die kleinen Firmen werden hier in Schweden geschröpft bis zum geht nicht mehr.

Als Arbeitgeber kann ich nur hoffen, dass sich die Gewerkschaften etwas mehr entkrampfen, damit ich die Möglichkeit habe mehr Arbeitsplätze zu schaffen ohne in die Illegalität abzudriften.

Gruss Speedy

Hej Speedy,

also wir haben in unserem Bekanntenkreis auch vier Bekannte die in verschiedenen Branchen selbstständig sind und denen geht es obwohl es auch nur Kleinbetriebe ohne oder mit max. einem Beschäftigten sind ganz gut. Die haben Arbeit bis zum abwinken und verdienen gutes Geld.
Gut wir kennen auch welche die sich hier selbstständig gemacht haben und es aus nachweislich selbst verschuldeten! Gründen es nicht geschafft haben.
Ich weiß ja nicht genau was Du für ein Gewerbe bereibst, war so weit ich weiß, glaube was mit Autos und wie die Konkurenz bei euch in der Gegend ist aber vielleicht hast Du einfach den falschen Standort das Du so kämpfen musst.

Wenn Du aber damit meinst das die Gewerkschaften sich entspannen sollen" damit die Arbeitgeber Mitarbeiter für 50 oder 60 kr/Std. beschäftigen können und demnächst hier Zustände herrschen wie in Deutschland, wo fast 70 % der Arbeitnehmer für unter 8 €/Std. arbeiten dann kann und muss ich Dir wiedersprechen.
Ich meine mich betrifft das im Prinzip nur durch meine Frau die hier arbeitet da ich Rentner bin aber Zustände wie in Deutschland möchte ich in Schweden nicht haben. :roll:
Auf der Firma, wo meine Frau arbeitet waren auch einige Osteuropäer für 50 kr/Std. beschäftigt bis ein paar Deutsche und Schwedische Mitarbeiter in die Gewerkschaft gegangen sind. Nun werden alle ordnungsgemäß bezahlt und der Firma geht es dadurch nicht schlechter und die macht auch nicht pleite. :wink:

Viele Grüße aus Småland :flagge:
Harald
Man muss dem Leben nur gelassen folgen und ihm ein Höchstmaß an Freude entnehmen.

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Pink_Panther_2

Re: Auswandern

Beitragvon Pink_Panther_2 » 11. November 2011 09:54

Hallo Haro,

wenn ich Deine Beiträge im Forum lese, kann ich sehen, dass du Schweden immer noch schön rosarot siehst :-)
Naja - wenigstens scheinst du ja zufrieden und gluecklich zu sein, und das ist ja an sich ein guter Zustand!
Die Kontakte, welche ich hatte, und auch meine gesammelte Erfahrung zeigt leider ein anderes Bild.

Gewerkschaften:
Viele Unternehmer sehen diese als Sand im Getriebe (ok - welcher Unternehmer, gleich wo, tut das nicht?).
Der Grund ist allerdings nicht - wie man meinen könnte - die leidigen Lohnforderungen, sondern viel mehr, dass
die Gewerkschaften in Schweden ihre schuetzende Hand ueber "faule Eier" halten. Aus eigener Erfahrung ist es hier nahezu unmöglich, Mitarbeiter zur Räson zu bringen, welche nichts können und vor allem nichts wollen. Da wird dann eher der Bock zum Gärtner gemacht. Versuche, Druck auszuueben,werden als Mobbing interpretiert. Hat man erst einmal einen solchen Parasiten im Betrieb, wird es schwer, ihn wieder loszuwerden. Weiterhin erschweren Gewerkschaften oft durch ihre sture Haltung notwendige innerbetriebliche Reformen. Ich kenne zumindest 2 Beispiele, wo die Gewerkschaft nicht unerheblich mit Schuld hatte, dass das Unternehmen den Bach hinunterging.
Natuerlich sind Gewerkschaften wichtig - meiner Meinung nach sind sie aber hier in Schweden etwas zu mächtig.

Ausbeutung:
Oh, das gibt es hier in Schweden zu Genuege!! Ganz skrupellose sogar! Hast du denn die Skandale um die Beerpfuecker in Jämtland nicht verfolgt? Schamlos, gemein, skrupellos! Jugendliche werden in Schweden besonders gerne ueber den Tisch gezogen. Mindestlohn? Fehlanzeige in Schweden! Jedenfalls gesetzlich gibt es hier keinen. Das bedeutet, dass alle Polen, Thailänder usw, die natuerlich nicht in einer Gewerkschaft sind (und deshalb die ideale Arbeitskraft in Schweden darstellen) fuer einen Apfel und ein Ei in Schweden arbeiten!

Arbeitsbedingungen

35 oder 37 - Stunden Woche? :-)
Wir arbeiten hier in Schweden 40 Stunden die Woche.
Urlaub? 25 Arbeitstage wuerde ich sagen ist Durchschnitt.
Weihnachtsgeld? Du bekommst ein Handtuch als "Julklapp"
Urlaubsgeld? Ein paar lächerliche Prozent.

Deutschland ist nicht sooooo schlecht :-)

Sei mir nicht böse, Haro, ich meine es wirklich nicht schlecht :-)
Ich kann Menschen, denen es in Schweden so gut gefällt, nur beglueckwuenschen. Allerdings sehe ich oft, dass es sich dabei um Menschen handelt, welche eher "in ihrer eigenen" Welt in Schweden leben. Sprich: Eigenes Haus in einer Idylle, guter Job oder Rentner, oftmals auch sprachlich etwas von den Feinheiten der schwedischen Sticheleien isoliert.

Fuer mich, welcher eher unter den "Svenssons" lebt, in einer Mietwohnung, mit den Vorurteilen der Arbeiterklasse konfrontiert wird und mit der alltäglichen Unfähigkeit (hier in Nordschweden), offenbart sich leider ein anderes Bild.
Ich denke dennoch, dass jeder fuer sich weiterhin in diesem Forum das Bild von "seinem Schweden" postet soll, so dass alle Leser sich ein differenziertes Bild machen können!

In diesem Sinne,

Paul

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Re: Auswandern

Beitragvon Haro » 23. November 2011 21:19

Hallo Paul,

ich kann eigentlich nicht sagen das ich Schweden so rosarot sehe wie Du meinst, ich sehe aber auch nicht alles so rabenschwarz wie Du und einige andere in diesem und anderen Foren.
Sicher gibt es die von Dir angesprochenen Probleme wie Ausbeutung Lohndumping usw. auch in Schweden, das hat auch keiner abgestritten. Schwarze Schafe und Gangster gibt es leider überall auf der Welt. :(

Die Gewerkschaften sind den Arbeitgebern ja immer und überall ein Dorn im Auge darüber brauchen wir ja nicht lange zu diskutieren. Das die Gewerkschaften die Möglichkeit haben wie von Dir geschildert ihre Hand über "faule Eier" zu halten mag ich bezweifeln, auch in Schweden hat jeder Arbeitgeber das Recht ganz normal nach den gesetzlichen Kündigungsfristen zu kündigen und das tun Sie auch, schon selbst im Bekanntenkreis erlebt.
Es ist aber besser die Gewerkschaften sind wie in Schweden so das die Arbeitgeber Respekt vor Ihnen haben wie in Deutschland, wo Sie mit Lustreisen, Spenden und anderen Zugeständnissen gekauft werden.

Wegen der Ausbeutung, ich habe das mit den Beerenpflücken in Nordschweden auch mitbekommen und finde es auch nicht gut, das sind aber Fälle die es überall auf der Welt gibt. Erinnere dich mal an die Erntehelfer aus Polen die früher und teilweise heute noch zu unmenschlichen Bedingungen in Deutschland gehaust haben und ausgebeutet worden sind, das ist im Endeffekt nichts anderes.

Ich bin zwar als Rentner selbst nicht mehr aktiv im Berufsleben bin deswegen aber nicht blind und taub und Zeitung lesen kann ich auch. :wink: Dafür sind aber meine Frau, viele Bekannte und Freunde hier im Berufsleben aktiv.
Ein kleines Beispiel zur Ausbeutung: Meine Frau ist gelernte Bürokauffrau und uns war von Anfang an klar war das Sie wegen der Sprache anfangs nicht im Büro würde arbeiten können, daraufhin hat Sie einen Job in einer Molkerei angenommen. Diese hatte erst ein halbes Jahr vorher eröffnet, war also noch im Aufbau. Dort haben auch andere Mitarbeiter aus Rumänien, Bosnien usw. wie sich hinterher rausstellte für ca. 50 kr/Std. gearbeitet. Meine Frau hat dort für ca. 90 kr/Std. Anfangslohn angefangen. Kurze Zeit später fing dort auch ein neuer Vorgesetzter an der meinte erst mal fast alle Mitarbeiter schikanieren zu müssen. Darauf hin sind drei Deutsche Mitarbeiterrinnen und ein paar andere in die Gewerkschaft gegangen und der neue Vorgesetzte wurde erst mal belehrt das es so nicht ginge. Darauf hin wurden auch von der Gewerkschaft die Löhne, Zuschläge usw. überprüft und auf den Tariflohn der einiges! über 50 und 90 kr/Std. lag angehoben. Im weitern Verlauf gab es noch ein paar kleinere Streitigkeiten die aber schnell aus dem Weg geräumt wurden. Mittlerweile herrscht Frieden in der Firma und meine Frau kommt mit dem neuen Vorgesetzten gut aus und verdient dort einschließlich Zuschlägen mit ca. 120 kr/Std. Netto, verglichen mit Deutschland gutes Geld. So einfach lässt sich Ausbeutung bekämpfen. Wir haben also auch schon unsere Erfahrungen gemacht. :wink:

Was Urlaubs- und Weihnachtsgeld usw. anbelangt bekommt meine Frau z.b. bei jedem Urlaubstag einen Zuschlag auf jede Stunde, wenn man den zusammenrechnet kommt man ungefähr auf einen Monatslohn als Urlaubsgeld.
Gut, Weihnachtsgeld direkt gibt es dort auch nicht, bestenfalls das von Dir genannte Handtuch oder eine Jacke mit Firmenaufschrift. :wink: Dafür hat aber dort jeder Arbeitnehmer ein Arbeitszeitkonto was einmal im Jahr ausbezahlt wird und ungefähr einem halben Monatslohn entspricht. Das wären also in der Summe 1,5 Monatslöhne als Sonderzahlungen. Außerdem achtet der Betrieb auch peinlich genau darauf das die Pausen und Arbeitsschutzbestimmungen usw. eingehalten werden. So viel zu den Arbeisbedinungen und Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Wollen wir aber doch mal Ehrlich sein, eine 37 Stunden- Woche, mehr wie 25 Tage Urlaub, Weihnachts- und Urlaubsgeld ist auch in Deutschland außer vielleicht bei größeren Firmen und Großkonzernen wie VW, BMW, Audi, Mercedes etc. nicht mehr üblich. Die meisten Mittelständigen Unternehmer bezahlen auch in Deutschland kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld mehr da es in Deutschland in kaum einem Tarifvertrag festgeschrieben ist und eine kann- Leistung ist.

Wir werden so oft über unsere Homepage angeschrieben und bekommen dadurch sehr viel mit wie es in Deutschland zu geht. Wo z.b. studierte Leute mit sehr guten Fachausbildungen für 7 €/Std. Brutto!! oder als 1 € Jobber irgendwo arbeiten müssen weil sonst die Leistungen von der Arge gestrichen werden. Eine Friseuse z.b. die bei einem Vollzeit- Job mit knapp 800 € Netto über die Runden kommen muss oder eine Krankenschwester die im Dreischichtbetrieb mit 1.300 € Netto nach Hause geht. Außerdem gibt es Politmagazine wie Panorama, Frontal21, oder Report Mainz etc. die regelmäßig über solche Misstände in Deutschland berichten.

Wieso sollte ich Dir böse sein, das ist doch ein Forum, wo jeder seine Meinung sagen kann. Jeder macht halt so seine Erfahrungen und die sind scheinbar wie überall auf der Welt sehr unterschiedlich.
Beispiele für unterschiedliche Erfahrungen: Mein Arzt in der Vårdcentrale hat jetzt bei einem Routine EKG festgestellt das bei mir irgendwas nicht ganz in Ordnung ist, da war wohl eine kleine Spitze in der Linie zu viel. Noch nicht mal ganz eine Woche später hatte ich einen Termin im Krankenhaus Oskarshamn zum Belastungs- EKG. Weil dort auch nichts genaues festgestellt werden konnte hatte ich eine Woche später einen Termin im Krankenhaus Kalmar zur einer speziellen Herzuntersuchung. (Scintigraphy) So viel zu den langen Wartezeiten auf Facharzttermine schwedischen Gesundheitssystem die hier im Forum immer beklagt werden. Wie gesagt nur ein Beispiel! was nicht heißen soll das es an anderer Stelle in Schweden nicht anders ist.
Genau das gleiche ist das sich viele in den Foren beschweren das in Stockholm, Göteborg, Malmö usw alles so teuer ist. Bei uns hier auf dem Land kostet eine 50 m² Wohnung ca. 2.000 kr Miete, in Stockholm z.b. wenn man Glück hat bekommt man die für 8.000 kr. Wenn ich in Deutschland nach München, Frankfurt oder Berlin ziehe weiß ich auch das ich für eine 50 m² Wohnung mit fast 1.000 € Miete rechnen muss und alles viel teurer ist wie in der Kleinstadt, also brauche ich mich nicht zu beschweren.

Das waren jetzt ein paar Beispiele dafür wie unterschiedlich die Erfahrungen sind und so sind sie mit Sicherheit auch in Beziehung Arbeitsleben und deshalb könnten wir bestimmt stundenlang darüber schreiben.

Wir, viele Bekannte und Freunde leben auch hier, haben mit Schweden zu tun und wir leben auch unter ihnen und nicht isoliert. Gut, wir haben auch hier Deutsche die sich nicht integrieren, die Sprache nicht lernen und meinen Sie kommen damit weiter, wer's mag allein zu leben oder nur unter Deutschen, ok das muss jeder selber wissen.

Wir sind z.b mit anderen Deutschen bei uns im Ort zu Gemeindeversammlungen eingeladen worden, gehen da auch regelmäßig hin und bekommen so einen Einblick wie viele Sachen in Schweden hinter den Kulissen so laufen, die Gemeindearbeit aussieht und bekommen so Sachen mit die andere Leute nicht mitbekommen, übrigens sehr interessant!!!

Sicher, und ich denke da sind wir uns alle einig ist in Schweden auch nicht alles Gold was glänzt und es gibt auch hier Probleme, Ausbeutung, Mobbing, Gewalt usw. und sicher ist die Lage in den Ballungszentren Stockholm, Malmö, Göteborg und anderen großen Städten nicht so wie bei uns auf dem Land. Wollen wir doch mal ganz ehrlich sein, wenn man in Deutschland und Schweden mal genau hinschaut sieht man das solche Sachen in Schweden doch nicht in dem Maße vorkommen wie in Deutschland und hier doch vieles besser ist wie in Deutschland und es sich hier allein schon wegen der ruhigen, gelassenen Mentalität der Schweden die meine Frau (typisch Deutsch :wink: ) auf der Arbeit oft aufregt viel besser leben lässt wie in Deutschland.

Ich denke und die Erfahrung haben wir und viele andere auch gemacht das es sehr darauf ankommt wie man den Schweden begegnet, auf sie zugeht und man sich integriert, also vieles an einem selbst liegt.

Viele Grüße aus Småland :flagge:
Harald
Man muss dem Leben nur gelassen folgen und ihm ein Höchstmaß an Freude entnehmen.

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