Auswandern

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floh
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Re: Auswandern

Beitragvon floh » 4. September 2008 20:17

Hallo Ihr zwei,

ich will Euch nicht unbedingt abraten, aber ich denke Ihr solltet das etwas vorausschauender planen.

Erst einmal zu den Kindern:
Der 14 und 16 jährige werden mit einem Haupt- bzw. Realschulabschluss hier ein riesengrosses Problem bekommen. In Schweden besuchen ca. 97% der Kinder (genaue Zahlen weiss ich nicht) das Gymnasium, d.h. machen Abitur.
Grund ist nicht, daß die Kinder in Schweden so viel schlauer sind, sondern, daß in Schweden die Gymnasien auch die Ausbildung machen (so mehr oder weniger). Ohne Abi ist man in Schweden ein ungelernter Arbeiter und kann dort eigentlich gar nichts machen. Fast alle Berufsbilder setzen hier daher das Gymnasium voraus. Auch gibt es eine Menge Berufe, die in Deutschland Ausbildungsberufe sind, für die man aber in Schweden studieren muss.

Daher auch der Tip meiner Vorredner: Wichtig ist, dass die Kinder hier das Abi machen können. Das können sie aber in Eurem Fall nicht, weil sie die Sprache nicht beherrschen. Die Schulpflicht endet mit 16 Jahren und ohne ausreichende Sprachkenntnisse werden sie hier am Gymnasium gar nicht erst angenommen. Sie können dann höchstens versuchen im Zuge von Erwachsenenbildung die Sprache zu erlernen in vielleicht einem Jahr. Für Gymnasium ist es dann zu spät.

Für die Großen ist dies also ein extrem ungünstiger Zeitpunkt nach Schweden zu gehen. Da wäre es schon ratsamer, wenn sie in Deutschland eine qualifizierte Ausbildung (Handwerkerberufe) machen würden und DANACH erst nach Schweden gehen würden - falls sie das denn dann überhaupt noch wollen.

Ansonsten muss ich meinen Vorrednern zustimmen:
Lernt erst einmal Land und Leute näher kennen. Jedes Land hat so seine Vor- und Nachteile. Viele Dinge sind in Schweden einfach nur anders gelöst als in Deutschland. Man kann nicht sagen, daß sie besser oder schlechter sind - häufig gleicht sich das auch aus.

viele Grüße
Floh

hansbaer

Re: Auswandern

Beitragvon hansbaer » 4. September 2008 20:43

@S-Nina: Dass die Frau Lindström nicht wirklich schwedisch ist, war mir bekannt. Dass sie dazu noch aus dem Schwäbischen kommt, erzeugt bei mir als Badner ein schelmisches Grinsen :-)

@katja: Du gehst mit deiner Zwischenfrage leider etwas unter. Vielleicht solltest Du dafür eine eigenes Thema eröffnen. Wo arbeitet Dein Mann denn?

@janaquinn: Das mit der stockholmszentrierten Politik ist so eine Sache. Stockholm ist im Verhältnis zum gesamten Land unheimlich groß - immerhin wohnt jeder fünfte Schwede im Großraum Stockholm. Insofern ist es kein Wunder, dass hier meistens die Musik spielt, aber auch verständlich, dass sich der Rest des Landes manchmal etwas zurückgesetzt fühlt. Ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht so recht, was ich von der jetzigen Regierung halten soll. Nach einigen Änderungen fürs eigene Klientel und die Verschärfungen der A-Kassa kommt da kaum noch etwas brauchbares. Dafür prahlen sie mit einer angeblichen Verbesserung von allem, insbesondere auch des Gesundheitssystem.
Ich habe kürzlich gehört, dass es in Stockholm in Sachen Gesundheit eigentlich schlimmer sei als im restlichen Land, weil man hier für jede Spezialbehandlung Ewigkeiten wartet. Ich habe selbst 4 Monate auf eine Operation warten müssen, die ich in Deutschland in einer Woche gehabt hätte.

Susan
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Re: Auswandern

Beitragvon Susan » 4. September 2008 21:13

Hallo!
Wir leben nun auch schon 4 Monate in Südschweden. Unsere 3 großen Kinder 15,15,14 gehen nun seit 3 Wochen in Schule. Die Zwillinge haben jetzt noch 1 Jahr um die Sprache so richtig zu lernen und nebenbei ja auch noch normalen Unterricht. Das wird schon ganz hart. Aber uns war klar entweder noch dieses Jahr oder erst wenn die Großen mit der Schule fertig sind. Das Problem wäre dann nur das dann die Kleine(8) soweit wäre wie jetzt die Großen. Also sind wir mit einem Jahr vorbereitung (was im Nachhinein echt knapp ist), ausgewandert.
Die größte Belastung ist aber für uns, dass mein Mann durch seine Firma noch so oft nach Deutschland muß. Nicht nur weil dies eine zusätzliche finanzielle Belastung ist, sondern weil "Er" sich da so hin und her gerissen fühlt. Wir sind wegen den Kinder einfach früher umgesiedelt.
Aber ich bin auch der Meinung, dass Unzufriedenheit nicht allein der Grund sein darf, Auszuwandern. Weil die Unzufriedenheit meistens mitgeht, getarnt im Umzugslaster. Und wenn man hier in Schweden lebt und nicht alles so toll ist wie man glaubte, kommt die Unzufriedenheit doppelt und dreifach zurück.
:smt006 Grüße Susan

Hans

Re: Auswandern

Beitragvon Hans » 4. September 2008 23:33

Das Schwedendorf

Nina schrieb
Schweden ist im Grunde genommen ein Dorf - jeder kann in Null-komma-Nix ALLES über JEDEN erfahren - Dank Ratsit - Taxeringskalender - Eniro - Internet - Facebook - kein Problem.


Es kommt auch darauf an wie neugierig man ist.
Ob man alles wissen will was zu wissen ist.
Wozu-weshalb?

Strengt an sich so an, dann muss man sich nach dem Sinn der Sache fragen.

Aber im Dorf gibts auch Menschen die nicht so neugierig sind.

Wie es auf schwedisch heisst:

Vad är problemet?
Nyfiken i en strut?
Titt ut titt ut.

Grüsst
H :smt006 ans

nysn

Re: Auswandern

Beitragvon nysn » 5. September 2008 07:36

Es kommt auch darauf an wie neugierig man ist.
Ob man alles wissen will was zu wissen ist.
Wozu-weshalb?

Strengt an sich so an, dann muss man sich nach dem Sinn der Sache fragen.


Anscheinend ist man in Schweden extrem neugierig - sonst würde es diese Informationsquellen doch gar nicht geben. Rastsit könnte doch keinen Tag überleben, wenn bei denen keiner nachfragen würde.
Es muss doch ziemlich viele geben, die sich den Taxeringskalender kaufen, wegen 1 oder 2 Exemplaren kann ich mir nicht denken, dass die den Aufwand jedes Jahr betreiben könnten.

Sobald alle Steuererklärungen bei Skatteverket eingegangen sind, erscheinen auf Expressen/Aftonbladet/GT usw. RIESENGROSSE Schlagzeilen, mit Name, Adresse und exakten Angaben darüber, wer, was, wie viel verdient. Die Meistverdiendenden werden im wahrsten Sinne "herausgehängt".

Ja, da frage ich mich eigentlich schon auch WOZU?

Und wenn ich jetzt auch noch glauben soll, dass es Herr/Fru Svensson im Grunde genommen gar nicht interessiert, dann wundert es mich doch ungemein, warum dann so viel Geld dafür verschwendet wird. Das könnte man doch sicher besser einsetzen?


S-nina :?

hansbaer

Re: Auswandern

Beitragvon hansbaer » 5. September 2008 07:38

Das hat mit Neugier weniger zu tun.

Das Öffentlichkeitsprinzip ist seit über 200 Jahren fest in die Gesetze dieses Landes geschrieben. Es ist einfach eine Selbstverständlichkeit, dass alles offen liegt. Ratsit hat dem nur eine neue Dimension gegeben, aber das Grundprinzip der Öffentlichkeit aller amtlichen Dokumente gilt.

nysn

Re: Auswandern

Beitragvon nysn » 5. September 2008 07:51

Gegen das Grundprinzip der Öffentlichkeit hätte ich ja noch gar nichts, wenn es so funktionieren würde, dass jeder, der neugierig ist, beim Finanzamt/bei der entsprechenden Behörde anrufen kann und dann von dort informiert wird.
Was mir aber absolut nicht gefällt, ist dieses reiserische Reklamieren von persönlichen Daten - in allen Medien.

Ich fühle mich einfach nicht wohl dabei, wenn z. B. von der Titelseite der Expressen im Sommer in großen Lettern angekündigt wird:

EXPRESSEN gibt dir die Liste der reichsten Personen in deiner Kommune
Was hat dein Nachbar für sein Grundstück/Haus bezahlt? - GT/Expressen/Aftonbladet hat die komplette Liste

usw.

Es wird auch kommerziell ausgenutzt, d. h. Versicherungsfirmen/Fondberater oder alle anderen, die dir etwas verkaufen möchten, sortieren die Leute z. B. nach Taxeringskalender und rufen/schreiben die dann an. Wenn man seine Werbung z. B. nicht abbestellt hat, kann man sehr schön sehen, an wen die Daten denn dieses Mal gegangen sind.

S-nina

hansbaer

Re: Auswandern

Beitragvon hansbaer » 5. September 2008 07:56

Vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, dass Schweden beim Datenschutzein Vorreiter gewesen sei. Mir ist schleierhaft, auf welcher Basis eine solche Aussage getroffen wurde. Für mein Empfinden gibt es keinen Datenschutz.

Diese absolute Demokratisierung der Daten hat irgendwo auch seinen Charme, aber wurde eben nicht für das 21. Jahrhundert konzipiert. Ratsit wurde letzten Endes ja auch nur durch eine Finte kastriert: das Skatteverket sagte, es werde künftig nicht mehr mit Anbietern zusammenarbeiten, die eine Abfrage dem Abgefragten nicht mitteile. Das ist aber auch nur Kosmetik. Wer fleißig Daten sammelt, kann sich auch so ein Bild von einer Person machen, ohne dass diese etwas davon mitbekommt.

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Re: Auswandern

Beitragvon janaquinn » 5. September 2008 07:58

Ich denke über das Öffentlichkeitsprinzip ebenso wie über Jantelage. Entweder man nutzt es oder man lässt es einfach sein. Eniro nutzte ich eigentlich nur, um eine mir unbekannte Telefonnummer zu ordnen zu können oder eine genaue Anschrift rauszufinden. Ratsit?? Brauche ich nicht und mich interessiert auch nicht wirklich, ob der Nachbar gegenüber sein Auto bar gezahlt hat oder dafür einen Kredit aufgenommen hat.

Jeder Schweden- Einwanderer sollte sich nur drüber im Klaren sein, dass der "Gläserne Mensch" hier wirklich vorhanden ist. Ähnliches gilt aber auch für Deutschland. Auch in Deutschland besteht der Datenschutz nur auf dem Papier, die Wirklichkeit sieht anders aus, auch wenn es die Deutschen, zumindest einige, nicht wahrhaben wollen. All die tollen Bonuskarten (Payback, Webmiles ect....) sind nur dafür da, um das Kaufverhalten und Lebensumstände des Inhabers zu erfahren. Es wird nur besser versteckt als in Schweden. Schon allein, wenn du "nur" eine Lebensversicherung aufnimmst oder bei irgendeinem Versandhaus bestellst, steht im Kleingedruckten dass alles gespeichert wird. Getarnt als "Newsletter", damit du speziell auf dich zugeschnittene Angebote bekommst.
Adressen werden verkauft oder was glaubt ihr, woher die Call-Center die Telefonnummern haben und die in Deutschland unter Strafe stehende Kaltakquiese machen.
Nachdem ich lange genug selber in einem, seriösen, Call-Center gearbeitet habe, kenne ich mich mit sowas recht gut aus.
"Gib mir deine Kundennummer und ich sag dir, wann du das letzte Mal auf der Toilette warst!"

Komme ich im Internet ausverstehen auf die Seite vom CIA oder FBI, kann ja mal passieren, wird mein Computer genauso durchleuchtet, wie wenn ich nur auf die Seite der Amerikanischen Botschaft in Stockholm gehe, weil ich Info´s zum Pass meiner Kinder suche.
Also entweder ich gehe nie wieder ins Internet, weil ich vollkommen paranoid werde bzw. schon bin, oder akzeptiere einfach die bestehenden Tatsachen.
Und so ist es auch in Schweden. Entweder ich akzeptiere mich als "Gläsener Mensch", kann damit leben oder aber ich akzeptiere es nicht, dagegen machen kann ich nur zwei Dinge: Entweder ich lebe als Eremit irgendwo in den Weiten Norrlands und versorge mich komplett selber, damit ich keinerlei Geld brauche, was eigentlich utopisch ist, oder aber ich verlasse die Skandinavischen Länder und im speziellen Schweden.

LG JANA
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

nysn

Re: Auswandern

Beitragvon nysn » 5. September 2008 08:04

Vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, dass Schweden beim Datenschutzein Vorreiter gewesen sei.


Ich kann mich noch erinnern, als Schweden gerade der EU beigetreten war - da gab es dann genau solche Aussagen von Politikern, die diese Vorbildlichkeit in höchsten Tönen angepriesen haben und sich sogar dafür einsetzten, diese vollkommene Transparenz möglichst in der ganzen EU duchzusetzen.

Komischerweise haben sie sich hier aber aufgeregt, dass Deutschland die Liechtenstein-Daten gekauft hatte.
Man hat sich dann erst Mal "davon distanziert" und fand das wieder mal "politisch nicht korrekt"?!


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