Auswandern

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82katja

Re: Auswandern

Beitragvon 82katja » 4. September 2008 18:21

Hallo mein Name ist Katja. Ich habe schon seit längerem überlegt ob ich mit meinem Sohn (6 Jahre) :smt006 nach Schweden auswandern sollte. Vorallem weil mein Mann schon seit 3 Jahren dort arbeitet und mehr dort als bei uns lebt. Damit möchte ich Schluss machen,ich möchte auch nach Schweden auswandern, ich liebe das Land und die Kultur. Wer kann mir Tipps über die Schulbildung in Schweden geben??? :smt006

Hans

Re: Auswandern

Beitragvon Hans » 4. September 2008 18:42

Jantelagen hin und her

Jantelagen ist eine realität nicht nur in Schweden.

Ist aber kein Argument unbegründete " Wahrheiten " zu verbreiten.
Einwanderer sind herzlich willkommen.
Ob Jante oder nicht.

Sein Leben im neuen Lande kann man schon gut mit der rosa Brille anfangen.
Besser rosa als schwarz und Jante braucht man ja nicht ans Herz nehmen.

Grüsst
H :smt006 ans

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janaquinn
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Re: Auswandern

Beitragvon janaquinn » 4. September 2008 19:31

Hej Anja und Mario,

ihr seht, in unserem Forum herrschen die verschiedensten Meinungen, normal in einem Forum, aber alle sind sich doch irgenwo einig.
Kommt erstmal auf Urlaub her, schaut euch das Land und die Leute an, besucht die Gegend die euch als zukünftiger Wohnort reizen würde. Aber bedenkt, was im Urlaub klasse und wunderschön ist, kann im normalen Leben recht schwierig werden.
Lange Pendelwege in die Arbeit, die Lebensmittel aus der nächstgrösseren Stadt holen oder auch schlicht der Schulweg für die Kids...all das sind wichtige Dinge, die ihr beachten solltet.
Ich finde z.B. die Darlarna, speziell die Gegend um Orsa traumhaft schön, behalte sie mir aber lieber als Urlaubsort vor, weil ich "mein" Stockholm ebenso liebe und niemals missen möchte.

Eure Kämpfe mit Kranken-und Pflegekassen in D. kenne ich aus persönlicher Erfahrung mehr als genüge..habe 7 Jahre lang gekämpft und schliesslich resigniert. Ich habe für meinen Sohn ein besseres Land gefunden, in dem ich nicht mehr, um jede Kleinigkeit kämpfen muss.
Und trotzdem ist Schweden nicht besser oder schlechter als Deutschland. Jedesmal wenn ich in D. bin, werde ich gefragt, was ich in Schweden mache. Meine Standardantwort: Leben, lieben, Rechnungen zahlen.
Und so ist es auch, es wird sich nicht viel und trotzdem alles ändern. Neue Sprache, neue Mentalität und eine andere Kultur, die sich aber nicht augenscheinlich zeigt.
Man kann hier, wie in Deutschland, umringt von tausenden Menschen sein und sich trotzdem einsam fühlen. Einfach weil die sozialen Bindungen fehlen: Familie, Freunde oder weitläufige Bekannte. Manchmal ist es schwer seine besten Freunde 1000km entfernt zu haben oder die Omi nicht mehr um die Ecke lebt, zum Babysitten.
Es kann, am Anfang oder auch später, schwer sein in der neuen Sprache zu komunizieren, bestimmte Dinge so "rüberzubringen" wie man es meint, ohne das der Gegenüber einen falsch versteht. Es ist sind die kleinen Zwischentöne, die einem in der Muttersprache leicht fallen, in der neuen Sprache aber nicht so leicht.

Keiner sagt, wir wollen euch hier nicht haben. Und wenn jemand so was sagt, ist er in meinen Augen ein Id....,
einzig eine richtige Vorbereitung und vernüntige Vorstellungen ist, was wir euch vorschlagen.

Was Jantelagen betrifft:
Man kann/sollte es als Richtlinie nehmen, sich aber komplett dran halten zu können...das finde ich im heutigen Schweden utopisch. Denn auch hier regiert das Geld und wenn du keines hast, bist du auch schnell am Rande der Gesellschaft.
Schweden ist, anders als noch vor 100 Jahren, ein Einwandererland. Bedingt durch die boomente Wirtschaft, auch wenn wir eine Inflationskrise haben...so wie beinahe alle führenden Industrieländer der Welt, durch einschlägige Auswandererdokus, die ein Land vorspiegeln, was nicht existiert, und durch eine reibungslos funktioniernde Propagandamaschine, die von Schweden selber gesteuert wird.

Und Fakt ist auch, dass in Stockholm das erste private Kinderkrankenhaus aufmacht, damit betuchte Eltern ihre Kinder nicht mehr ins Vårdcentral bringen müssen, andere Kinder, die es genauso nötig hätten, aber ausgeschlossen werden...nicht das gewünschte Klientel, das eine durch die Regierung Rheinfeldt (sorry Nina) eine reine Stockholm-gefällige Polititk betrieben wird und das das Gesundheitssystem, vorallem ab oberhalb von Dalarna, beinahe vor dem grossen Knall steht, weil nicht genügend Ärzte da sind.

Ihr seht, Schweden hat genauso Probleme, Sorgen und Tücken...es ist wie Deutschland und trotzdem komplett anders.

Tut euch daher selber den Gefallen, vertraut nicht den bunten Werbeprospekten, die glückliche blonde Menschen in schönen Trachten zeigen, sondern schaut euch das Land direkt an, versucht es mit den Augen eines hierlebenden zu sehen, auch wenn es schwer ist. Und wenn ihr dann noch immer hier leben wollt, dann kommt. Ansonsten behaltet es euch als Urlaubsland vor...denn dann ist es wirklich einzigartig schön.
(was es sonst natürlich auch ist)

LG JANA :smt006
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

nysn

Re: Auswandern

Beitragvon nysn » 4. September 2008 19:46

Ist aber kein Argument unbegründete " Wahrheiten " zu verbreiten.
Einwanderer sind herzlich willkommen.


Nun Hans,
ich denke nicht, dass ich hier irgendwelche "Unwahrheiten" verbreite - genauso wenig, wie ich Anspruch darauf erhebe, dass es sich um absolute Wahrheiten handelt. Meine Erfahrungen und meine Sicht der Dinge beruhen auf dem, was ich selbst in meiner schwedischen Umgebung erfahren habe, dem, was ich täglich in den Medien lese, und den Schlussfolgerungen, die ich daraus ziehe.

Wenn z. B. die schwedische Bank "Swedbank" in ihrem "Boindex" das zigste Mal veröffentlicht, dass sich "die Schweden" in der Relation zu ihren Einkommen ein Eigenheim (typvilla = 2 Mio. SEK) eigentlich nicht leisten können - und dies in Dagens Industri, GP, DN und im Fernsehen lang und breit diskutiert wird, dann komme ich doch zu dem Schluss, dass dies dann so auf die meisten Leute auch zutrifft.

Wenn wie hier in Göteborg einer der größten Arbeitgeber Volvo heißt und dieser 1.200 Leute entlässt, dann denke ich, dass dies für manche Leute wohl ein Problem darstellen könnte, vor allem, weil ja von Volvo auch eine ganze Reihe anderer Firmen abhängig sind und bei den Zulieferern damit gerechnet wird, ungefähr nochmals die gleiche Anzahl zu entlassen. Gleiches Trollhättan - Saab.

Weiter berichten Firmen wie NCC und Peab, dass geplante Bauprojekte eingestellt werden, weil die Unternehmen nicht mehr damit rechnen, die geplanten Wohnungen/Häuser am Markt absetzen zu können. Eine logische Schlussfolgerung ist, dass bei diesen Firmen in naher Zukunft weitere Arbeitsplätze verschwinden werden und die Nachfrage nach deutschen oder polnischen Handwerkern wohl dann auch rückläufig sein wird.

Eine Inflationsrate von 4,4 Prozent in Schweden (in der Eurozone 3,8 %) zeigt an, dass es in Schweden eine Teuerung gibt, die sogar höher ist, als in den Euro-Ländern - für mich bedeutet dies in der Praxis - gestiegene Stromkosten und ein voller Tank Benzin nicht unter 900 SEK! Eine Besonderheit in Schweden - die meisten Häuser werden mit Strom beheizt - also dürfte dieser Punkt für viele Menschen hier wesentlich sein.

Natürlich kann man sich aufs Land zurückziehen und alles durch die rosa Brille sehen - doch es kommt auf die jeweiligen Voraussetzungen an - z. B. ob man es sich leisten kann oder nicht. Ein wesentlicher Faktor ist auch, ob man über genügend Kapital (in Form von Geld oder Humankapital = Ausbildung) verfügt, um auch eine mögliche Durststrecke überstehen zu können oder wenn es einem aus rein persönlichen Gründen nicht gefällt, dass man sich dann noch eine Rückkehrmöglichkeit offen lässt.

Das finde ich ist nur FAIR - diese Dinge anzusprechen - oder?

Berichte doch auch mal ausführlicher.

Gruß
S-nina

Anjaundmario
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Re: Auswandern

Beitragvon Anjaundmario » 4. September 2008 19:49

Hej , ich wollte heute Abend ja eigentlich nicht mehr ins Forum. Wenn man die letzten Eintragungen sieht ist das doch wieder aufbauend. Besonders Jana , danke an dich. Wir haben uns bis jetzt weder mit Hochglanzprospekten noch mit Heimatfilmen über Schweden beschäftigt. Es ist für uns eine Sache die wir meinen das Sie aus dem Herzen kommt und wenn wir schon gegen den alltäglichen Wahnsinn der auf der ganzen Welt herrscht kämpfen müssen, dann in einem Land was uns gefällt und wo wir meinen das wir dort glücklich werden.

:danke: Anja und Mario

nysn

Re: Auswandern

Beitragvon nysn » 4. September 2008 19:53

das eine durch die Regierung Rheinfeldt (sorry Nina)


@Jana - nein, kein SORRY - passt schon!

Ich stimme deinem Bericht zu 100 % zu - du hast es doch wunderbar auf den Punkt gebracht!

S-nina

Hans

Re: Auswandern

Beitragvon Hans » 4. September 2008 20:01

Wahrheit hin -Wahrheit her

Nun, dann kommt mal nach Schweden ....
hier interessieren sich ALLE für das, was der andere hat und gönnen tut man seinem Nachbarn nun wirklich nicht viel mehr, als was man selber hat .


Tja, wenn diese Zeilen liest kann man ja glauben dass "Alle"
so auftreten wie S-Nina es beschreibt.
So ist es ja natürlich nicht.

Fair muss fair sein.

Alle über einen Kamm scheren ist unfair und mag mehr über den Scherer
sagen wie den Rest der Gesellschaft.

Man muss sich ja anstrengen um diese Ansichten zu verbreiten.

Und der Nutz der Sache- was mag das sein.

Fragt sich und grüsst
H :smt006 ans

Hans

Re: Auswandern

Beitragvon Hans » 4. September 2008 20:08

Willkommen in Schweden

Es ist für uns eine Sache die wir meinen das Sie aus dem Herzen kommt und wenn wir schon gegen den alltäglichen Wahnsinn der auf der ganzen Welt herrscht kämpfen müssen, dann in einem Land was uns gefällt und wo wir meinen das wir dort glücklich werden.


Mehr solche positiven Leute werden gebraucht.

Grüsst
H :smt006

nysn

Re: Auswandern

Beitragvon nysn » 4. September 2008 20:12

Man muss sich ja anstrengen um diese Ansichten zu verbreiten.


Schweden ist im Grunde genommen ein Dorf - jeder kann in Null-komma-Nix ALLES über JEDEN erfahren - Dank
Ratsit - Taxeringskalender - Eniro - Internet - Facebook - kein Problem.

Stimmts oder habe ich Recht?

S-nina

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Re: Auswandern

Beitragvon janaquinn » 4. September 2008 20:16

Ich finde das von Nina angesprochene "Sicherheitsnetz" sehr gut. Wir hatten eines, haben es bis heute und trotzdem hoffen wir natürlich es nicht nutzen zu müssen.
Als wir anfingen zu planen und auch als wir bereits in Schweden waren, sagten wir uns beinahe täglich, die ersten 3 Jahre werden hart und es wird gute wie auch schlechte Zeiten geben. Wir hätten jederzeit wieder zurück nach Deutschland, München, gehen können. Hätten sofort 2 Jobs gehabt, nur die Wohnungssuche wäre problematisch geworden. Aber wer den Stockholmer Mietmarkt überlebt, der überlebt beinahe alles.
Und wie wir es vorrausgesehen hatten, kam es auch. Wir hatten zu Beginn eine sehr sehr harte Zeit, kamen dann in eine extrem gute Phase, alles klappte und fiunktionierte, und jetzt augenblicklich ist es mittelprächtig mit der Tendenz zum Guten.
Daher kann man eigentlich wirklich nur jedem Auswanderer raten...lasst euch ein Hintertürchen offen, baut euch in Deutschland Sicherheiten in Form von Geld oder einem engen und funktionierenden Freundes-und Familienkreis auf, nur für den Fall der Fälle. Und sollte es wirklich hier in Schweden oder wo auch immer nicht klappen, seht es um Gotteswillen nicht als "scheitern" an. Nur wer wagt, der gewinnt.
Früher war Auswandern ein Risiko ohne Fallnetz...heute ist es zwar noch immer ein Risiko, aber ein kalkulierbares und eines mit Fallnetz....wenn man es vernünftig angeht.


Und ganz im Ernst: Sollten eure Jungs, Anja und Mario, die Möglichkeit haben, in Deutschland eine Lehrstelle zu bekommen, dann sollen sie sie annehmen. Denn wenn auch vieles in Deutschland im argen liegt, die Berufsausbildung ist es etwas was einem niemand nehmen kann und die sehr sehr gut ist.

LG JANA
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