Auslandspraktikum - Lehramt

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Nairb
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Auslandspraktikum - Lehramt

Beitragvon Nairb » 7. Mai 2014 22:18

Hey liebe Schwedenfans :-)

ich studiere Lehramt an Grundschulen an der TU Dresden und befinde mich nun mittlerweile im 6. Semester. Nächstes Wintersemester werde ich mit all meinen Prüfungsleistungen fertig und da dachte ich mir, bevor ich mich in die Staatsexamenprüfungen stürze, absolviere ich noch ein freiwilliges Auslandspraktikum.

Wieso will ich das nun in Schweden machen?
Im Studium hört man sehr oft, wie toll das schwedische Bildungssystem ist und ganz davon abgesehen, interessiere ich mich sehr für Land und Leute in Schweden.

Deshalb meine Frage an euch, kennt sich jemand mit Praktikas in Bildungseinrichtungen in Schweden aus?
Ich würde am liebsten in einer Art "Grundschule" entweder in oder in der Nähe von Göteborg oder Stockholm arbeiten wollen. Vorschulen/ Kindergärten wären auch okay. Die Finanzierung des Praktikums würde ich denke hinbekommen, da es für so etwas ja das Erasmus Programm gibt.

Ich freue mich über hoffentlich viele hilfreiche Tipps und Ratschläge. Vielleicht kann ja auch der ein oder andere selber von seinen Erfahrungen bezüglich des Themas berichten?

Danke im voraus und liebe Grüße :-)

vibackup
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Re: Auslandspraktikum - Lehramt

Beitragvon vibackup » 8. Mai 2014 22:30

Nairb hat geschrieben:Hey liebe Schwedenfans :-)

ich studiere Lehramt an Grundschulen an der TU Dresden und befinde mich nun mittlerweile im 6. Semester...
Im Studium hört man sehr oft, wie toll das schwedische Bildungssystem ist

Wie bitte?
Jetzt muss ich aber mal ernsthaft fragen: hier in Schweden sieht man seit Jahren, dass dieses System nicht viel taugt, jetzt haben wir das zudem amtlich bestätigt bekommen, dreimal hintereinander mit immer dramatischeren Defiziten, und nicht einmal mehr die eingefleischtesten Schwedensozifachpampen versuchen das wegzudiskutieren (sondern man ist gerade dabei, zu diskutieren, wer die Schuld an der Misere hat :-( ), und in Dresden ist das immer noch nicht angekommen?
Das ist schon einigermaßen verblüffend, muss man sagen, und senkt meine bisher recht hohe Meinung von der TU ganz erheblich, zumindest was die Umweltorientierung in deinem Fachbereich betrifft.
Also Klartext: nein, das schwedische Ausbildungssystem ist nicht gut. Nein, nicht gut für die Psyche der Kinder, nein, nicht gut für den Lernerfolg, und nein, nicht gut für ihr Problemlösungsvermögen.
Konsequent genug wird es jetzt reformiert, und das im Wortsinn, nämlich zurückgeformt auf ein früheres, besseres System.
Wie weit man da geht, wird sich zeigen, aber etwas getan werden muss.
Meine Jüngster wird demnächst von der kommunalen Schule auf eine internationale Schule wechseln, und auch da wird man (wie bei meiner Tochter) entdecken, dass die kommunalen Schulen das Maß, das vom Schulgesetz vorgegeben ist, nicht halten, aber er ist schlau und wird den Sprung hinbekommen (genau wie meine Tochter).
Wenn du ein gutes System sehen willst, warte 5-10 Jahre, wenn die Reformen hier durchgeführt worden sind; aber vermutlich werden dann alle davon reden, wie schlecht die Schule hier ist... das zur Qualität der schwedischen Schule.
Wenn du dennoch ein Praktikum machen willst: ich habe keine Verbindungen zu Schulen in den beiden von dir genannten Großstädten, aber in beiden Städten gibt es die englische Schule und in Stockholm auch eine deutsche Schule.
Generell aber ist die Kommune für die Schule verantwortlich; am besten also wendest du dich an die entsprechende Kommune deiner Wahl und fragst da nach.
Das im Prinzip gleiche gilt für Vorschulen/Kindergärten. Es gibt Privatschulen, aber sie werden genauso finanziert wie die kommunalen.
Wir haben hier aber eine andere Einteilung als in Deutschland; hier geht die Grundschule in drei-Jahres-Schritten bis zur 9ten Klasse, eine vierjährige Grundschule wie in Deutschland gibt es hier nicht.
Viel Erfolg, und dass du dich für Schweden interessiert kann ich dir nicht verdenken.
Unser Schulsystem ist aber nichts, um es in den Weihnachtsbaum zu hängen.

//M

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Re: Auslandspraktikum - Lehramt

Beitragvon knut245 » 9. Mai 2014 08:23

Nairb hat geschrieben:Deshalb meine Frage an euch, kennt sich jemand mit Praktikas


Also bitte, es muss "Praktikümmer" heißen! Aber OK, Grundschüler werden ja keine Praktikumme ableisten.

:wink:

Aber nachdem Praktikum ja lateinischen Ursprungs ist, heißt die Mehrzahl von Praktika natürlich Praktikae. :lol:
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Auslandspraktikum - Lehramt

Beitragvon BlekingeNina » 9. Mai 2014 12:31

Hej!
Ein richtiges Praktikum (genannt "praktik") muss nach allem was mir gesagt wurde hier vom Arbeitgeber bezahlt werden, damit will man die Ausbeutung von Praktikanten vermeiden. Ein Nebeneffekt davon ist dann allerdings, dass es schwieriger sein kann, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Einfacher ist das, wenn man das ganze "studiebesök" nennt, also nicht soviel selbst mitarbeiten, mehr zuschauen. Die Grenzen sind jedoch wahrscheinlich fliessend, ein mehrwöchiger studiebesök wirkt etwas merkwürdig.

Ansonsten kann ich vibackup in weiten Teilen beipflichten. Habe selbst nun zwei Jahre hier unterrichtet, habe sogar eine unbefristete Stelle, kann mir aber kaum vorstellen, das auf Dauer zu machen. Die Rahmenbedingungen erlauben kaum die Durchführung eines Unterrichts, der meinen Ansprüchen genügt. Kurz zusammengefasst: Sehr positiv: Weniger Druck als in D, Schüler werden eher akzeptiert wie sie sind, ein schlechter Schüler nicht als schlechter Mensch betrachtet. Die Schüler haben ein anderes Verhältnis zu den Lehrern, diese fühlen sich mehr als in D für die gesamtmenschliche Entwicklung des Schülers verantwortlich, sind oft fast eine Art "Ersatzeltern". (Meiner Erfahrung nach leben viele schw. Kinder noch mehr in einer eigenen Welt als in D., in vielen Häusern gibt es z.B. eine Art Extrawohnzimmer für die Kinder und deren Freunde) Negativ: viel zu wenig Anleitung, viel zu wenig Struktur, den Schülern wird sehr vieles selbst überlassen (das nennt sich dann ihnen Verantwortung zu geben, gibt man ihnen mehr Verantwortung als sie tragen können, dann ist das aber eher ein im Stich lassen), dauernd die Möglichkeit einer zweiten Chance (mit dem Effekt, dass viele Schüler chronisch alles aufschieben), die Schule selbst und die Eltern nehmen die Schule nicht richtig ernst ("Sie möchten zwei Wochen nach Thailand fliegen, mitten unterm Schuljahr? Kein Problem, Ihr Sohn kann den Stoff ja dann selbständig nachholen"), wie sollen das dann die Schüler tun... dauernd Extra-Veranstaltungen für die der Unterricht ausfällt, dadurch sehr wenig Kontinuität...

Ein Praktikum ist sicher als erste Erfahrung spannend, dabei entdeckt man aber wohl eher organisatorische Unterschiede. Richtig spannend wird es, wenn man die Sprache kann und länger hier arbeitet bzw. Kinder hat, die hier zur Schule gehen.

Liebe Gruesse und viel Erfolg!


Christina

www.dialogsprakservice.se

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Re: Auslandspraktikum - Lehramt

Beitragvon jörgT » 13. Mai 2014 07:19

Über die (wenigen) Vor- und (vielen) Nachteile des schwedischen Systems haben meine Forenkollegen ja bereits ausführlich berichtet, aber für mich liegt darin nicht Dein grösstes Problem. Beherrscht Du die schwedische Sprache? Du willst mit Kindern arbeiten - wie willst Du sie verstehen oder mit ihnen umgehen? Oder willst Du nur stumm daneben stehen - das kann nicht der Sinn eines Praktikums sein!
Dein Interesse an Schweden in allen Ehren - lerne das Land als Tourist kennen, da reicht Englisch aus, aber für ein Praktikum in einem so speziellen Bereich ist die Sprache ein Muss!
Jörg


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