Ausländer in Schweden

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MichaelausEssen

Ausländer in Schweden

Beitragvon MichaelausEssen » 18. November 2009 21:23

Hallo Leute,

wer aus Schweden kann mir was zu dem Thema "Ausländer aus der EU" sagen, bzw. wie sie zur Zeit gesehen und empfangen werden ?

Gibt es zur Zeit rechte Parteien in Schweden in haben Sie einen starken Zulauf wie in Norwegen ?

grüße aus Essen

Michael

hansbaer

Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon hansbaer » 18. November 2009 21:37

MichaelausEssen hat geschrieben:wer aus Schweden kann mir was zu dem Thema "Ausländer aus der EU" sagen, bzw. wie sie zur Zeit gesehen und empfangen werden ?


Das zu beurteilen wäre sehr subjektiv und verallgemeinernd. Ich für meinen Teil habe nichts negatives zu berichten, aber in meinem Umfeld ist Internationalität praktisch Grundvoraussetzung.

Zuwanderung nimmt man in Schweden wohl am ehesten bei Nicht-EU-Bürgern wahr. Schweden nimmt relativ bereitwillig Flüchtlinge aus aller Welt auf. In manchen Ecken, z.B. in Södertälje, gibt es daher viele Einwohner, die ursprünglich z.B. aus dem Irak stammen.

Gibt es zur Zeit rechte Parteien in Schweden in haben Sie einen starken Zulauf wie in Norwegen ?


Es gibt durchaus ausländerfeindliche Strömungen. Die einzige bedeutende Partei sind die Schwedendemokraten, die von ihrem äußeren Anstrich den deutschen Republikanern ärgern - d.h. bürgerlich rechts mit ab und zu ein paar Ausfällen ins braune. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie nächstes Jahr den Einzug in den Reichstag schaffen.

nysn

Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon nysn » 19. November 2009 09:25

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie nächstes Jahr den Einzug in den Reichstag schaffen.

Laut derzeitigen Umfragen hätten sie bereits die Hürde von 4 % geschafft - die Partei der "etnischen Schweden" hätte derzeit wohl mehr Wähler als z. B. die Christdemokraten oder die Center-Partei ... laut neuestem SIFO-Barometer würden fast 6 % der schwedischen Wähler dieser Partei ihre Stimme geben.

Hier ein Auszug aus dem Parteiprogramm der "Sverigedemokraterna" (SD) (lt. Göteborgs Posten vom Sonntag 15.11.):

- Verschäfte Grenzkontrollen. Alle müssen ihre Identität beweisen.
- Kontrollen von Ausländern im Land sollen verschärft werden.
- Asylsuchende innerhalb der EU werden in "sichere Zonen" außerhalb verwiesen
- Ausländer sollen keine Möglichkeit mehr erhalten, gegen einen Ausweisungsbeschluss zu klagen.
- In Kommunen, wo der Ausländeranteil besonders hoch ist, sollen Ausnahmen gelten bezüglich sozialer Leistungen oder Unterstützungen (sprich Ausländer sollen keine Unterstützung mehr erhalten).
- Zuwanderung aus kulturell entfernten Ländern soll auf ein Minimum begrenzt werden.
- Arbeitskraftzuwanderung soll nicht mehr vorkommen. Ausnahme: Menschen mit spezieller Kompetenz können eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung erhalten.
- Die Vorschriften für den Nachzug von Angehörigen werden verschärft - nur noch Ehepartner dürfen nachkommen, wenn ein 10-Punkte-Anforderungsprogramm erfüllt wird.
- Zuwanderer müssen sich anpassen. Keine Unterstützung/Förderung mehr für Vereine von Zuwanderern oder für Muttersprachenunterricht.
- Keine religiösen Gebäude "mit einer von schwedischer Bautradition abweichenden "fremden Architektur"

... klingt doch irgendwie bekannt ... oder?

Übrigens:

In den Kommunalverwaltungen in Westschweden sind die Vertreter dieser Partei bereits in folgenden Kommunen vertreten:
Ale, Bollebygd, Borås, Falkenberg, Falköping, Färgelanda, Göteborg, Halmstad, Härryda, Kungälv, Lerum, Lilla Edet, Mellerud, Munkedal, Mölndal, Orust, Skara, Skövde, Tidaholm, Trollhättan, Töreboda, Uddevalla, Ulricehamn, Vara, Varberg, Vårgårda, Ödeshög.

Welcome to Sweden!

hansbaer

Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon hansbaer » 19. November 2009 10:07

Uups - sehe gerade: ärgern = ähneln :-)

In Skåne sind die Schwedendemokraten anscheinend besonders stark - mir ist nicht ganz klar, wieso ausgerechnet dort.

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Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon Freddy » 19. November 2009 11:52

hansbaer hat geschrieben:Uups - sehe gerade: ärgern = ähneln :-)

In Skåne sind die Schwedendemokraten anscheinend besonders stark - mir ist nicht ganz klar, wieso ausgerechnet dort.


Jetzt hast Du aber den :pfeif: -Smilie vergessen. Malmö liegt zufälligerweise in Skåne :wink:

Zu Borås kann ich sagen, dass von den 73 Kommunfullmäktigen in Borås nur einer von den Sverigedemokraterna ist. In Facebook gibt es auch eine Bewegung Sverigedemokraterna i riksdagen - Nej tack. mit immerhin schon über 260.000 Anhängern

Die Partei selber hat dort nur knapp 4.800 Anhänger.

Aber es war doch schon immer so, mit steigender Arbeitslosigkeit haben solche Gruppierungen enormen Zulauf.

:smt006 Freddy

hansbaer

Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon hansbaer » 19. November 2009 12:01

Freddy99 hat geschrieben:Jetzt hast Du aber den :pfeif: -Smilie vergessen. Malmö liegt zufälligerweise in Skåne :wink:


Klar, aber es gibt ja auch andere dicht besiedelte Teile von Schweden, die einen ähnlich hohen Ausländeranteil haben, aber einen weit geringere Unterstützung für die Schwedendemokraten.

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Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon highdelbeere » 19. November 2009 12:40

Hallo ihr!

Also die erwähnten Punkte kommen einem schon sehr bekannt vor, wobei der eine, dass Ausländer nicht mehr gegen den Ausweisungsbescheid klagen dürfen aus rechtsstaatlicher Sicht fraglich ist. Wenn die jetzt noch verlangen würden, dass es eine spezielle Krankenversicherung für Ausländer geben soll, dann würden sie mit der FPÖ schon fast gleich ziehen.

Solche Parteien haben im übrigen wie man in ganz Europa sehen kann ein Potential von 30 % der Wählerstimmen, wobei da viele Protestwähler dabei sind. Bei uns ist es zumindest so, dass die Parteine FPÖ und BZÖ sehr oft von jungen Leuten unter 30, von der Landbevölkerung von von der Arbeiterschicht, die bekanntlich von der Globalisierung wenig profitiert hat, gewählt werden.

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Re: Ausländer in Schweden

Beitragvon värmlänning » 10. Dezember 2009 18:22

Also ich habe schon öfter hören müssen, das Deutsche, Holländer, Dänen und Norweger "uns" (den Schweden) die ganzen Freizeithäuser wegkaufen, für den Preisanstieg am Immobilienmarkt verantwortlich sind, viele Schweden es sich nicht leisten können ein Ferienhaus zu kaufen, weil die finanzstarken Ausländer hier alles aufkaufen. Die Deutschen (j...la tyskarna) die in ihren Häusern am See sitzen und "Privat!" Schilder aufstellen trotz Allemansrätt. Natürlich ist das eher die Ausnahme, aber vor zehn Jahren habe ich das nie gehört doch tendeziell höre ich es öfter. (meine persönliche subjektive Auffassung)
Auf dem Bau wo ich arbeite gibt es auch oft Gesprächsstoff über die Verhältnisse in Rosengaard und jede schwedische Großstadt hat sein Problemviertel wo die kulturelle Bereicherung plötzlich anfängt Steine auf Polizisten zu werfen. Ohne solche Vorkommnisse würden Parteien wie die Sverigedemokraterna sicher eine eher untergeordnete Rolle spielen. Sollte sie nächstes Jahr in den Riksdag kommen, ist das nur die Reaktion der Gesellschaft auf die gegenwärtige Politik und demokratisch durchaus legitim.


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