Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

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värmlänning
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Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon värmlänning » 23. Januar 2010 18:47

War jetzt seit mehreren Jahren Abstinenz mal wieder in „Good old Germany“ und bereits in Puttgården im Edeka Geschäft stand ich Minuten vor den Regalen und war von der Vielfalt
des Angebotes überrascht.
Das Tempo und die Fahrweise auf der Autobahn sowie die Verkehrsdichte waren für mich auch sehr ungewohnt. Scheinbar verdrängt man so etwas leicht.
Auch der Gang durch den Baumarkt in Hamburg wollte mir schier die Spreche verschlagen, mal Personal was mich wirklich beraten konnte. Ich bekam auf Anhieb alles was ich wollte, wohingegen in Karlstad in Fachgeschäften man die Auskunft bekommt „Beställningsvara“ oder „det har vi inte“.
Nach Hamsterkäufen von so profanen Dingen wie Maggi und Honigwein den man selbst im wirklich gut sortierten Systembolaget weder kaufen noch bestellen kann, frage ich mich so langsam ob man als Deutscher abstumpft, wenn man längere Zeit hier lebt.
Wie empfindet ihr das, ich meine die, die schon länger in Schweden leben? Kommt irgendwann der Tag, wo man nichts aus der Heimat vermißt? Wie erlebt ihr Urlaube in Deutschland?

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Faxälva » 23. Januar 2010 19:55

... nun ja, ich wohne jetzt 8 Jahre hier und war vor 2 Jahren das erste Mal wieder in Deutschland...jepp, das Angebot war umwerfend... ich bin wie ein kleines Kind mit grossen Augen durch den grossen Supermarkt gegangen und.......... hab nix gekauft... weil, ganz einfach, das was ich in Schweden kaufe, vertrage ich auch .... in Hamburg frueher, im grossen Walmart stand ich und konnte doch nur Waren kaufen, die man an beiden Händen abzählen konnte... keine Ahnung, was es war, aber ich bekam ständig Durchfall... kein Problem länger damit in Schweden, also ich vermisse kaum etwas richtig............

...uebrigens, gibt man bei der e-bestellung von systembolaget mjöd ein, bekommt man 20 Sorten aufgelistet ... gekauft hab i ch allerdings noch keinen Met...
:smt006
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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon hottehue » 23. Januar 2010 21:14

Hallo!
Also ich find es auch immer wieder schön, wenn ich aus dem Deutschlandurlaub heimkommen, in manchen Läden hast Du ja die Lebensmittel kaum aufs Band gelegt schon werden sie wieder in den Wagen geschleudert "stress"
Oder die vielen Autos auf den Strassen.
Im Supermarkt erschlägt das Angebot einen, wir standen echt 15 min. vor dem Joghurtregal und wussten nicht wirklich was wir nehmen sollen. Schon lecker alles, aber soviel wieviel ich kaufen wollte könnte ich in der einen Woche Urlaub nicht essen.
Da freut man sich nach dem Urlaub wieder nach Hause zu fahren, klar mit einigen deutschen Leckerbissen
Gruss Gitte

nysn

Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon nysn » 23. Januar 2010 22:43

Nach Hamsterkäufen von so profanen Dingen wie Maggi und Honigwein den man selbst im wirklich gut sortierten Systembolaget weder kaufen noch bestellen kann, frage ich mich so langsam ob man als Deutscher abstumpft, wenn man längere Zeit hier lebt.
Wie empfindet ihr das, ich meine die, die schon länger in Schweden leben? Kommt irgendwann der Tag, wo man nichts aus der Heimat vermißt? Wie erlebt ihr Urlaube in Deutschland?

... komme aus Süddeutschland, genauer gesagt aus dem Oberschwäbischen ... und mache eigentlich regelmäßig im Abstand von max. 5 Monaten Urlaub in Deutschland ... doch jedes Mal das Gleiche: Schon bei der Ankunft in München am Flughafen fühle ich mich als käme ich aus dem hintersten Wald (in meinem Fall seit 15 Jahren Göteborg) - große Augen, Staunen über das Angebot - die vielen gut gekleideten Menschen (also so richtig gut gekleidet - nicht diesen schwedischen Street- und HM-Billig-Einheits-Look).

Dann überall ein riesiges Angebot an frischen Broten, Semmeln, Brezeln, Kuchen usw. - habe in Schweden noch nie so ein reichhaltiges Sortiment gesehen - nicht mal in der super hochgelobten Östermalms Saluhallen in Stockholm! Was man dort als Delikatessen angeboten bekommt, findet man in München in den diversen Geschäften an den U-Bahnhöfen.

Selbst in den kleinen Provinzstädtchen im tiefsten Schwabenland hält ein so banaler Markt wie Kaufland ein Angebot bereit, von dem man in Schweden nur träumen kann - und vor allem zu Preisen, die man hier kaum für möglich hält. Außerdem sind die Waren frisch - frisches Obst und Gemüse - man braucht nicht erst auf alle Haltbarkeitsdaten zu schauen. Hier in Schweden passiert es ganz oft, dass die abgepackte Wurst nur noch einen einzigen Tag haltbar ist - und bis zum allerletzten Tag ohne besondere Kennzeichnung verkauft wird. Heute habe ich mich z. B. echt mal wieder über die hier angebotenen Mandarinen aufgeregt - klein, fleckig und sogar schon angeschimmelte Früchte werden zum Kilopreis von stolzen 28 SEK angeboten. Die sahen so elendig aus, dass ich dachte, die würden sie in Deutschland sogar nicht mal mehr verschenken können.

Ja, man wird mit der Zeit in Schweden abgestumpft - lebt man längere Zeit hier ohne mal aus dem Land rauszukommen, vergisst man ja, was es andernorts gibt - und was der Bauer nicht kennt, dass vermisst er ja auch nicht (mehr) ...

Nicht nur dass man/frau im Sinne der Grundversorgung mit Lebensmitteln abstumpft - auch die Sinne stumpfen ab, wenn man/frau nur noch schwedische Medien verfolgt ... alles einheitlich aufbereitet, jede Zeitung schreibt das Gleiche - in jedem Fernsehsender die immer wieder gleichen Themen - genau wie es in den Supermärkten von Malmö bis Norrland überall genau das gleiche Sortiment gibt ....

Schweden ist kein Land der Vielfalt - es ist ein Land der Gleichmacherei und am besten sollten alle gleich aussehen, sich gleich anziehen und einheitlich denken ...

Meine Urlaube im Süddeutschen finde ich immer sehr befreiend - irgendwie sind die Leute zwar manchmal etwas herb, dafür lockerer, ehrlicher, weniger steif, das Klima und die ganze Stimmung ist heiterer ... die Leute reden (schwatzen) noch miteinander und starren nicht nur stumm aneinander vorbei ...

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Sumac » 24. Januar 2010 09:49

ich bin mal wieder in DE.. aber schon bei der ankunft hat mich die autoraserei rasend gemacht.
Wie liebe ich das fahren auf schwedens straßen.
in DE fährst du mit 150 km/h auf der linken seite der autobahn, weil du mal einen LKW überholen willst und gleich ist einer mit lichthupe hinter dir, der dich am liebsten noch links überholen würde.
die hektik die in DE angesagt ist, die ist einfach zum haare raufen.

einkaufen, wie liebe ich das übersichtliche sortiment in SE (obwohl auch hier manche supermärkte schon ausufern-Coop z.B.). wofür brauche ich 10 verschiedene Joghurts, verschieden aber nur vom firmennamen her.
sicher fehlt mir das eine oder andere, aber da wird man denn eben erfinderisch...

ich finde es auch gut, das ich nicht Hinz und Küster begrüßen muss. mir kommt die mentalität der schweden sehr nahe... ich fühle mich jedenfalls in SE wohler, als in DE.
das einzige was mich in SE stört, wirklich stört, ist die ärztliche versorgung und alles was dazu gehört... aber auch damit freunde ich mich so mehr und mehr an.

ich hatte gestern ein gespräch mit einer freundin in DE über SE, dabei sagte ich, ohne überheblichkeit, SE ist in all seinen dingen etwas zurück, du mußt dir SE so vorstellen, wie es in den 70er jahren in DE war.
kurz noch was zu der kleidung.. sorry, aber ich bin da kein fanatiker, der Jeans von Hugo Boss tragen muss, es tut auch eine no name jeans und nicht nur jeans, auch alles andere an bekleidung muss nicht markengrecht sein, es geht auch einfach.


jedenfalls muss ich nicht die vielfalt haben, wenn ich sowieso nur eine sache essen kann..

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon hottehue » 24. Januar 2010 10:05

Also ich komme ursprünglich aus dem Süden Deutschlands (Badener) und finde die Leute dort alles andere als Locker und immer für ein Schwatz da, eher ein oberflächlicher Schwatz, hallo! Und denken tun sie ja doch, ach lass mich doch in Ruhe, da muss ich doch eher den Norddeutschen die Freundlichkeit zusprechen!

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon värmlänning » 24. Januar 2010 18:04

Bei der Hektik gebe ich Sumac recht. Das Autofahren in Schweden ist echt entspannend.

Ansonsten kann ich S-Ninas Ausführungen nur unterschreiben. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. :danke:

Allein der erste Gang in den blöden Supermarkt in Puttgarden und ich werde aufgrund des Geruchs von frisch gebackenen Brot auf den Bäckereistand aufmerksam. Man steht echt davor und denkt "Wahnsinn!"
Dann geht man durch den Supermarkt und sieht eine Fleischtheke, eine richtige Fleischtheke!

Gut vielleicht gibt es sowas in Göteborg oder Stockholm, aber Karlstad ist totale Provinz und dort hab ich noch nie eine Fleischtheke gesehen.

Und der Mjöd, der angeblich Met sein soll, das ich nicht lache. Kauft ihn Euch mal - das ist kein Honigwein sondern Bier mit Honig gepanscht. Jeder Imker würde das heulen kriegen, solch eine Brühe mit dem Namen Met zu beleidigen.

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Svenja » 24. Januar 2010 18:19

Ich bin ja jetzt noch nicht so lange hier, d.h. wir zogen vor gut einem Jahr um und hatten vorher 18 Jahre die meisten Ferien in Schweden verbracht.

Selbst nach den Sommerferien konnte ich da so etwas wie einen Kulturschock erleben. Am meisten ging mir die Bauweise der deutschen Häuser gegen den Strich. Kam mir damals total klobig vor, weiße Schuhschachteln mit schwarzen Löchern genannt Fenster. Gut, in S ist der moderne Baustil auch eher das Haus von der Stange, aber immerhin noch meist Holz und dadurch weniger schwerfällig, gefühlsmäßig.

Das Angebot der Geschäfte fand ich, als wir das erste Mal in D zu Besuch waren nach dem Auswandern, umwerfend gut und dementsprechend deckten wir uns auf der Rüchfahrt ein. Da wir sehr viele KRAV-Produkte kaufen und eben nicht im Raum Stockholm wohnen, ist man von Angebot der Waren hier eher noch schmalspuriger ausgelegt, als bei konventionellen. Das waren wir von D selbst auf dem Land nicht gewöhnt. Aber wir wußten, was auf uns zukommt.

Beim Autofahren habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass "die Schweden" in puncto Raserei so langsam aufholen. Das Tempo war wesentlich gemütlicher, als wir uns vor 18 Jahren für ein Ferienhaus in S entschieden. Trotzdem ist der Unterschied der Verkehrsdichte natürlich noch immens. Und das ist wohl der "Casus knackus.

Svenja
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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Sápmi » 24. Januar 2010 20:52

värmlänning hat geschrieben:Das Tempo und die Fahrweise auf der Autobahn sowie die Verkehrsdichte waren für mich auch sehr ungewohnt.


Das gehört jetzt aber nicht zu den Dingen, die Du in S vermissen könntest, oder? :wink:
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(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Sápmi » 24. Januar 2010 20:59

S-nina hat geschrieben: die vielen gut gekleideten Menschen


Da geht's mir genau umgekehrt, also bei Urlaubsreisen in den Norden, und vielleicht gerade speziell Schweden: Die Klamotten, die dort getragen werden, finde ich viel geschmackvoller und origineller und ... naja, eben halt auch mehr nach meinem persönlichen Geschmack als hier im Süden (wobei es da ein echtes Nord-Süd-Gefälle zu geben scheinte, denn z. B. finde ich die Klamotten im Vergleich zu Frankreich wieder ganz gut :wink: )
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(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)


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