Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

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armes Landei

Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon armes Landei » 24. Januar 2010 21:15

Hallo,

wenn ich von Schweden nach Deutschland komme, fühle ich mich wie die arme Tante vom Lande und bin schier überwältigt vom deutschen Angebot. Es gibt ja so vieles, was es in Schweden nicht gibt und was in Deutschland schon lange ganz selbstverständlich in allen erdenklichen Variationen vorhanden ist. Nun ist es ja so, das ich wegen Schönheit, Ruhe und Natur in Schweden lebe. Aber das kostet einen hohen Preis, man muß (wenn man nicht in Stockholm, Malmö, Göteborg lebt) dafür auf viele Dinge verzichten, die früher für einen ganz normal waren (z.B. Bäcker, Apotheken, Ärzte, Kunst- und Kulturangebot, Kneipen, Kinos, Cafés, ausländische Lebensmittelgeschäfte aller Art usw ) . Das ewige Einheitsangebot allüberall in Schweden wird dann so langsam für einen das normale. Und so fühlt man sich wie das arme großäugige Landei oder wie die arme Verwandtschaft, wenn man dann mal in die alte Heimat kommt . Manchmal hab ich mich schon gefragt, ob es für DDR-Bürger genauso gewesen sein muß, wenn sie nach Westdeutschland kamen. Ich kann mir vorstellen, daß es sich ähnlich anfühlte.

Tommy3

Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Tommy3 » 24. Januar 2010 22:09

Hej,

ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen. War neulich dienstlich in Holland, auch da war das Leben viel bunter als in diesem tristen Schweden. Und die Leute in den Cafes schauten einen auch nicht komisch an, wenn man mal ein paar Worte an sie richtete.

Einkaufen: Hier in Karlskrona hat sich mächtig was getan in den letzten 10 Jahren. Vorher gabs eine Sorte Olivenöl, jetzt 15. Es gibt sogar deutsche Leberwurst im Supermarkt, was will man mehr! Brot ist nachwievor aus deutscher Sicht unannehmbar, aber ich bin ja bescheiden. Hier gibt es unheimlich viel, aber in D gibts ja immer mehr. Frage ist ob diese Auswahl immer nötig ist.

Sumac
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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Sumac » 25. Januar 2010 05:52

Tommy3 hat geschrieben: Frage ist ob diese Auswahl immer nötig ist.


mich erschlägt es immer wieder,so auch jetzt, die auswahl die in den regalen ausgelegt ist, das brauche ich nicht. :D

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon knäul » 25. Januar 2010 12:34

Bin seid längerer Zeit ca 2 Jahre zu Besuch in Berlin gewesen.Wollte nur bei meiner Ankunft nach einer

Strasse fragen , sehe jemanden ein Ersatzrad aus dem Kofferraum holen und denke den fragst du jetzt.

Steig kurz aus dem Auto frag ihn und in dem Moment beginnt ein mördermässiges gehupe hinter mir.War

übrigens schon auf dem Rückweg.Denke noch der muss doch sehen das ich nicht aus Deutschland bin

nur mal was frage,hab dann auch die Ansage angenommen und bin hin.War nur 4 Tage in Germany,haben auch voll gereicht.Was ich an Unfreundlichkeit erlebt hab hab ich hier in all den Jahren nicht erlebt.Wollt eigentlich länger bleiben habs aber nicht mehr ausgehalten.Verzichte gern auf 50 verschiedene Joghurtsorten fühlte mich erst wohler als ich wieder auf der Fähre in Richtung Schweden war.Wenn ich nicht muss fahre ich nicht mehr nach Deutschland.

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Skogstroll » 25. Januar 2010 12:50

Ganz so schlimm sind meine Erfahrungen nun nicht, und wer mal durch Stockholm unterwegs ist, hört auch genug Autohupen. Da finde ich eigentlich keinen Unterschied zu Deutschland.
Was mir hier fehlt, ist der Charme und die Vielfalt (mancher) deutscher Städte. Eine kleine alternative Kneipe in einem liebevoll restaurierten , 500 Jahre alten Fachwerkhaus und sowas in der Art. Enge, gemütliche Gassen mit Läden, die keiner Kette angehören und wo der Inhaber vielleicht sogar seine eigenen Produkte verkauft.

Es ist nicht die Masse des Angebotes, die seine Attraktivität ausmacht, sondern die Nischen, die kleinen Sachen abseits des Mainstreams. Hier in Norrbotten erleben wir nur, wie die wenigen dieser Angebote sterben und durch Konsumhangars á la Dollarstore ersetzt werden. Billigheimer und fast food bestimmt immer stärker das Bild und verdrängt alles andere, und das ist wirklich trist.

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Fischkopf » 25. Januar 2010 14:14

Hallo!

Ich habe auch nicht so schlimme Erfahrungen was Deutschland-Schweden angeht. Ich kann genauso gut hier ins Kino gehen, Kaffeetrinken beim Bäcker oder auch andere Dinge des Lebens genießen.
Lebensmittelmäßig gibt es vieles was der Schwede nicht kennt, man muß sich umstellen. Vieleicht findet der Eine oder Andere ja noch eine Marktlücke, wer weiß?

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon tilmann » 25. Januar 2010 15:38

Skogstroll hat geschrieben:Ganz so schlimm sind meine Erfahrungen nun nicht, und wer mal durch Stockholm unterwegs ist, hört auch genug Autohupen. Da finde ich eigentlich keinen Unterschied zu Deutschland.


Das empfinde ich auch so. Generell scheint es mir, dass hier in Stockholm relativ oft und unnötig gehupt wird. Andererseits gibt es natürlich die Vielfalt der Lebensmittel hier und die kleinen Kneipen und Cafés finden sich, gleichzeitig kann man schnell in die Natur falls man das will.
Was mir am meisten fehlt ist die Möglichkeit Biofleisch einzukaufen, aber auch das findet man immer mehr.
Allerdings gibt es auch seltsame Entwicklungen, am Medborgarplatsen wurde neulich ein grosser Coop-Markt eröffnet und wenn man da in die Milchabteilung geht, wird man von aus dem Lautsprecher blökenden Kühen begrüsst. Eigentlich ein Grund den Laden zu boykotieren, finde ich, aber er liegt in der Nähe meiner Wohnung und da siegt die Faulheit...

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Berta » 25. Januar 2010 17:39

Hallo Ihr,

das hier
Svenja hat geschrieben:m meisten ging mir die Bauweise der deutschen Häuser gegen den Strich. Kam mir damals total klobig vor, weiße Schuhschachteln mit schwarzen Löchern genannt Fenster.
geht mir hier aber genauso - die Schwaben bieten ja schon eine enorm hohe Lebensqualität, aber Häuser bauen können sie nun leider wirklich nicht; da muss ich nur nach Norddeutschland fahren und alles wird besser :wink: . Mir geht es da als Eingewanderte im Schwabenland vielleicht auch nicht besser, als als Ausgewanderte in Schweden.

Ansonsten habe ich aber, gerade im Hinblick auf das ganz alltägliche Einkaufen, mein Städtchen schon sehr genossen, als ich aus Schweden zurückkam: die Bio-Molkerei in der Innenstadt, die 4 Markttage in der Woche, die vielen verschiedenen Bäckereien, die zum Teil noch nicht mal einer Kette angehören und ordentliches Brot, Brezeln, Seelen, usw. anbieten (in Uppsala, das als Stadt mindestens doppelt so groß ist, konnte man die Bäckereien an einer Hand abzählen!), die ganzen kleinen Geschäfte, in denen der Besitzer Dinge verkauft, die ich woanders nicht kaufen kann (wir haben hier sogar einen Kartoffelladen :wink: ) uswusf. Ach: Konsum ist doch was schönes!

Einen Gruß aus dem Einkaufsparadies:
Berta.

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Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon Nanna » 25. Januar 2010 22:43

Vielleicht bin ich nach so vielen Jahren hier in Schweden schon zu abgestumpft, wer weiss ;)
Aber nach Deutschland zieht mich mittlerweile nicht mehr viel. So unfreundlich wie in Deutschland bin ich noch nie hier bedient worden, selbst nicht mit allergischem Kind. Mit 3 Kindern sind wir in Deutschlan eh als asozial abgestuft, stillen im Café (sehr diskret ohne Haut) wurde mit bösen Blicken gestraft, kaum wickelmöglichkeiten, keine Spielecken im Café/Restaurant/Geschäft etc etc.
Vor allem die deutsche Mentalität macht mir zu schaffen, ich brauche dann immer ein paar Wochen zum Erholen, und ein paar Jahre Ruhe meistens :D
Das Schönste an der Rückfahrt ist das Gefühl des wirklich nach Hause kommen, so langsam sich entspannen von der hektik in Deutschland und auch das Gefühl, dass die Entscheidung damals die absolut goldrichtige war :)
Aber ich bin vielleicht nicht relevant für die Statistik, schliesslich bin ich nicht deutsche Staatsbürgerin :D (und war es auch nie).

Es gibt in Deutschland sicherlich Sachen, die gut sind und es gibt hier auch Sachen, die schlecht sind, ganz klar. Nur fehlen tut mir mittlerweile nichts mehr aus Deutschland, brauchen wir dringend Alkohol finden wir schon jemanden, der es mitbringt ;). Und alles andere bekommt man hier oder über´s Internet ;)

//Nanna

aseweg2

Re: Ausgewanderte Deutsche auf Heimatbesuch – Kulturschock

Beitragvon aseweg2 » 10. April 2010 08:51

Es erstaunt mich, wenn ich lese wie billig in Deutschland alles ist.
Habt Ihr schon einmal überlegt, woher der billige Preis kommt.
1. Preisdrückerei bei den Herstellern und Bauern.
2. Kinderarbeit in Bangladesh. Seht Euch einmal um in der Welt, und danach
schreibt Eure Berichte noch einmal.

Erkundigt Euch auch nach der Kinderarmut in Deutschland, auch nach den Familien, welche mit eigener Arbeit, Ihre Familie nicht mehr ernären können und zum Staat gehen müssen (Grundsicherung). Auch darum sind die Preise so niedrig.
Wenn Ihr dann noch Zeit aufbringen könnt, dann fragt in den Schulen nach, wie hoch der Anteil der Kinder ist, welche ohne Frühstück in die Schule kommen.
WEIl JA ALLES SO BILLIG IST.
Gruß
aseweg


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