Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

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svenska-nyheter
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Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon svenska-nyheter » 28. Oktober 2014 14:10

Die rot-grüne Regierung hat keine Pläne, eine obligatorische Haftpflichtversicherung für die Betreiber der schwedischen Atomkraftwerke einzuführen.

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(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

knut245
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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon knut245 » 28. Oktober 2014 19:21

Das wird auch nicht gehen. Denn eine solche Schadenshöhe ist nicht versicherbar. Die Prämien wären astronomisch, und mit einer Milliarde Schadenssumme kommt man nicht weit. Es wäre allerdings ehrlich, eine solche Versicherung mal theoretisch kalkulieren zu lassen und als Abschlag von der Steuer dem Strompreis zuzurechnen, wenigstens als Rechenexempel. Damit die Lüge von der billigen Atomkraft mal aufhört...

Der Schaden eines wirklich elementaren Atomunfalls wird an den Geschädigten hängen bleiben und letztlich an der Gesellschaft, also den Steuerzahlern.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

vibackup
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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon vibackup » 28. Oktober 2014 19:45

knut245 hat geschrieben:Das wird auch nicht gehen. Denn eine solche Schadenshöhe ist nicht versicherbar. Die Prämien wären astronomisch, und mit einer Milliarde Schadenssumme kommt man nicht weit. Es wäre allerdings ehrlich, eine solche Versicherung mal theoretisch kalkulieren zu lassen und als Abschlag von der Steuer dem Strompreis zuzurechnen, wenigstens als Rechenexempel. Damit die Lüge von der billigen Atomkraft mal aufhört...

Der Schaden eines wirklich elementaren Atomunfalls wird an den Geschädigten hängen bleiben und letztlich an der Gesellschaft, also den Steuerzahlern.

Da hast du leider recht.

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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon Petergillarsverige » 28. Oktober 2014 20:43

Wir ersetzen jetzt Atomkraft durch Braunkohle. Das ausgestoßene CO2 erwärmt die Atmosphäre. Letztes Jahr starben 6000 Menschen in den Philippinen bei einem Sturm noch nie dagewesener Stärke. Wer kommt für den Schaden auf?
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon knut245 » 29. Oktober 2014 11:01

Der, der als direkter Verursacher überführt werden kann...
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon vibackup » 29. Oktober 2014 19:26

Petergillarsverige hat geschrieben:Wir ersetzen jetzt Atomkraft durch Braunkohle. Das ausgestoßene CO2 erwärmt die Atmosphäre. Letztes Jahr starben 6000 Menschen in den Philippinen bei einem Sturm noch nie dagewesener Stärke. Wer kommt für den Schaden auf?

Das ist dumm, aber ja kein Argument für Kernkraft, oder?

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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon Petergillarsverige » 3. November 2014 15:36

Doch, ist es.
Würde man den Atomstrom durch Braunkohle erzeugen, wir hier in Deutschland können das, gibt es mehr CO2. Der Umweltschaden bei der regulären Nutzung ist derart hoch, dass Kernenergie der bessere Weg ist.
Schaut euch mal so ein Braunkohleloch an, das ist in jeder Richtung zig km groß.
Das CO2 ändert unsere Temperaturen auf der Welt. Dieser Schaden kann für uns absolut fatal werden.
Es ist keine gute Lösung das kleine Risiko der Nukleartechnik durch ein so großes wie die Braunkohleverstromung zu ersetzen.
Risiko = Gefahrenpotential mal Freisetzungswahrscheinlichkeit
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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon Lapplandinfiziert » 3. November 2014 18:48

Donnerwetter - es gibt sie noch, die Leute die noch nie etwas von Harrisburg, Sellafield, Tschernobyl (mit den Auswirkungen auch in Schweden) und Fukushima gehört haben.
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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon vibackup » 3. November 2014 19:30

Petergillarsverige hat geschrieben:Doch, ist es.
Würde man den Atomstrom durch Braunkohle erzeugen, wir hier in Deutschland können das, gibt es mehr CO2.

Das ist ein Argument gegen Kohlkraft, aber keines für Kernkraft. Think out of the box.
Es gibt andere Alternativen als nur Kohlkraft, es fehlt nur der politische Wille.

Petergillarsverige hat geschrieben:Risiko = Gefahrenpotential mal Freisetzungswahrscheinlichkeit

Eben.

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Re: Atomindustrie kommt nach wie vor billig davon

Beitragvon EuraGerhard » 4. November 2014 09:20

Petergillarsverige hat geschrieben:Würde man den Atomstrom durch Braunkohle erzeugen, wir hier in Deutschland können das, gibt es mehr CO2.

Ich stimme Dir zu, dass es Blödsinn wäre, den deutschen Atomstromanteil durch Braunkohle zu ersetzen.

Es ist allerdings ebenso Blödsinn zu glauben, man könnte umgekehrt den Kohleanteil durch Atomstrom ersetzen. Man muss hier global denken, CO2 macht schließlich auch nicht an Staatsgrenzen Halt:

Global betrachtet ist Kernenergie mit einem derzeitigen Anteil von ca. 4,5% der Weltenergieproduktion eine Nischenenergie. Der Anteil der Kohle ist mit rund 29% mehr als 6 mal so groß wie der der Kernenergie! Selbst der Anteil erneuerbarer Energien und Biobrennstoffe zusammengenommen ist heute schon etwa dreimal so groß wie der der Kernenergie. Wollte man den Kohleanteil durch Kernenergie ersetzen, müsste man die Produktionskapazität für Atomstrom also versechsfachen. Damit würde sich auch der Uranverbrauch vervielfachen. Vielleicht nicht gleich um einen Faktor 6, wenn man annimmt, dass zukünftige Reaktoren effizienter arbeiten als bisherige. Aber gehen wir mal von einem Faktor 4 aus.

Selbst nach optimistischen Schätzungen reichen allerdings die Uranvorräte bei gegenwärtigem Verbrauch nur noch maximal ca. 200 Jahre. Und wenn man den Verbrauch vervierfacht, somit nur noch für rund 50 Jahre. Das ist gerade mal die kalkulierte Lebensdauer einer einzigen Reaktorgeneration, dann ist Feierabend. Und wenn es nicht gelingt, die Effizienz der Reaktoren entsprechend zu steigern, dann ist noch viel eher Schluss.

Es ist völlig richtig, dass der CO2-Ausstoß gesenkt werden muss und dazu vor allem der Kohleanteil an der Energieproduktion gesenkt werden muss. Nur macht es dafür meiner Meinung nach keinen Sinn, auf eine in ihrem Ausbaupotenzial stark begrenzte Nischenlösung wie die Kernenergie zu setzen. Noch dazu, wenn diese Nischenlösung etliche bisher ungelöste Probleme wie z.B. die Abfallentsorgung mit sich bringt.

Übrigens, alle genannten Zahlen habe ich von der IAEA, also einer Organisation, die der Nähe zu Kernkraftgegnern sicherlich völlig unverdächtig ist.

MfG
Gerhard


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