Arzt, was mache ich wenn...

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Gottfried
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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Gottfried » 11. März 2009 09:38

Danke Vinbär für Deinen Beitrag! :danke:
@Jörg: Eigentlich wollte ich ja NIE mehr zu diesem Thema etwas sagen, aber:
Du weißt, dass ich Dich sehr schätze! Die Aussagen der Fories sind auch aus meiner Auffassung absolut nicht gegen die praktizierenden Ärzte in Schweden gerichtet. Diese habe ich, bis auf eine Aussnahme, als kompetent und freundlich erlebt. Was für mich krank ist, ist das System. Und dieses ist kein Spiegel der Ärzteschaft, sondern wird vom Amtsschimmel dominiert.
Wenn ich Deinen glaubhaften Schilderungen folge, habt ihr um den Siljan aber auch besondere Bedingungen oder besonders motivierte Ärzte. Die Schilderungen der "negativen" Erfahrungen sind zwar nicht schön, aber auch nicht weniger glaubhaft. Es sind halt Erfahrungen und diese sind immer subjektiv.
Nimm es bitte nicht persönlich, aber Du und Deine Kollegen sind nicht gemeint. Macht weiter gute Arbeit.

VG :smt006 (auch an Deine Frau und Tochter)

Gottfried

PS: Ich ärgere mich auch über Beiträge, wie schlecht es hier in Deutschland mit der Medizin bestellt ist. Ich nehme sie als negative Erfahrungen mit dem gesicherten Wissen, das es im allgemeinen nicht soooo schlecht ist. Hier wird ausgezeichnete Arbeit geleistet...und von euch Ärzten in Schweden auch.

nysn

Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon nysn » 11. März 2009 10:08

Mit meinem "Dellwarzen"-Bericht wollte ich auch keineswegs die Ärzte "anklagen" - im Gegenteil.
Wir wären ja froh, wenn wir zu einem vorgelassen werden würden.

Die größte Hürde, die es z. B. bei unserer Vårdcentral zu überbrücken gilt, das ist die Krankenschwester, die die Telefonate entgegennimmt und die Termine vergibt.
Wird man z. B. krank, dann muss man schauen, dass man die Telefonzeiten erwischt - außerhalb der Telefonzeiten (meistens so 1 bis 2 Stunden vormittags) ist die Vårdcentral nicht erreichbar.

Das Ganze wird ja noch grottesker, wenn man sich das anhört:
- unsere Vårdcentral war/ist permanent schlecht erreichbar und hat immer lange Wartezeiten
- vor mehr als einem Jahr konnte man sich im Rahmen der freien Wahl bei privaten Ärzten "listen" - das haben die meisten wohl gemacht
- vor einigen Wochen stand in der Zeitung: die Vårdcentral muss evtl. geschlossen werden, weil zu wenige Patienten hingehen

... gehts noch?

S-nina

vinbär
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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon vinbär » 11. März 2009 11:21

Leider wird an unserer zugewiesenen Vårdcentral auch eine Distriktsläkarstelle gestrichen und danach kann die 7 Tage Garantie nicht mehr eingehalten werden.

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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon janaquinn » 11. März 2009 11:43

Mal ne´positive Nachricht von der Zahnarztfront: Mein Göga hatte wahnsinnige Zahnschmerzen, die gesamte letzte Nacht, hat heute morgen prompt einen Akkuttermin bekommen und eine sehr sehr gute Zahnärztin, die nicht die teure Wurzelbehandlung gemacht hat, sondern sich für den, für beide Seiten, besseren Weg entschieden hat: Zahn raus-Schmerzen weg....

Göga ist glücklich und schmerzfrei, dass ist was zählt und ich kann wieder schlafen :oops: :oops:

LG JANA
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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Distriktläkare » 13. März 2009 18:16

Sorry dass ich so lange nichts geschrieben habe, bin gerade mal wieder eine Woche in Mora unterwegs. Ich will auch gar nicht mehr so viel zu dem Thema schreiben, da ich ja gerade mal die vårdcentralen in Orsa und Mora kenne, und die auch noch nicht "aktiv" sondern nur von ein paar Hospitationen hier. In ein-zwei Jahren werde ich sicher mehr "aus erster Hand" berichten können. Mir scheint aber, dass wir es hier in Dalarna wirklich gut getroffen haben. Was ich bei den Kollegen, bei den Patienten in der VC und bei den Leuten, die ich hier sonst so kennengelernt habe, gehört habe, ist alles überwieged positiv (bis auf die teilweise längeren Wartezeiten wegen einiger unbesetzter Stellen). Das kann einerseits daran liegen, dass die finanzielle Situation des landstinget nicht ganz so angespannt ist wie in anderen läns (durch die vielen Touristen, die sich beim Skifahren oder bei anderen sportlichen Tätigkeiten die Haxen brechen, gibt es Kompensationszahlungen aus anderen läns bzw. Ländern), andererseits scheinen die Dalarner auch ein insgesamt eher offener und freundlicher Menschenschlag zu sein. Die angeblich typische schwedische Reserviertheit habe ich hier jedenfalls noch nie wahrgenommen (im Gegensatz zu anderen Regionen, wo ich schon war).
Was ich aber nochmal schreiben möchte: Das schwedische und das deutsche System haben sich über viele viele Jahre entwickelt, auf einer unterschiedlichen kulturellen Basis und eines unterschiedlichen Lebensstils. In Schweden ist es wohl tatsächlich (historisch) so, dass man weniger zum Arzt geht und eher versucht, selber klarzukommen. In Deutschland war das bis in die 80er Jahre auch noch so (zumindest erzählen das die "alten Hasen" unter den Allgemeinärzten). Danach - sicher auch beflügelt durch immer mehr "Gesundheitsbewusstsein" in der Bevölkerung - ging die Zahl der Arztbesuche stetig nach oben. Insbesondere Medizinbeiträge in Zeitschriften, Zeitungen und vor allem im Fernsehen führen allerdings auch zu einer latenten Panik, man könnte irgendwas verschleppen und sich dann vorhalten lassen müssen, dass man doch besser mal rechtzeitig zum Arzt gegangen wäre. Ich bin ja selber (noch) als Landarzt in Niedersachsen tätig. Die meisten Patienten sind "gestandene Menschen", die im Leben eigentlich gut klarkommen und sehr "bodenständig" sind. Aber selbst die kommen teilweise in Panik in die Praxis, weil sie hinter jeglichem Ziehen im linken Arm einen Herzinfarkt vermuten, hinter jedem Kribbeln der Finger einen Schlaganfall und hinter jedem länger als eine Woche andauernden Husten Lungenkrebs oder doch zumindest eine Lungenentzündung. Noch "schlimmer" ist es für Eltern mit kleinen Kindern. Bitte jetzt nicht falsch verstehen! Ich habe vollstes Verständnis und würde das auch nie irgendwie ins Lächerliche ziehen sondern sage immer, dass ich es gut finde, wenn man unsicher ist lieber einmal zu viel zu kommen. Aber es ist teilweise doch heftig, dass Eltern mit ihren Kindern bei jedem banalen Infekt mit leichter Temperatur zum Arzt rennen, um bloß nichts zu übersehen. Und die, die nicht gleich hinrennen, kriegen verständnislose Blicke von den "Miteltern" in den Krabbel- und sonstigen Gruppen, von wegen das wäre ja lebensgefährlich und was da alles passieren kann, so dass sie letztlich dann doch kommen "müssen". Auch das Internet ist da wirklich keine Hilfe, bei all den Panikmacheforen, die es so gibt. Ich versuche halt immer, diese "Teufel-an-die-Wand-Malerei" zu verhindern, indem ich beruhigend einwirke. Aber damit beißt man dann eben manchmal auch auf Granit, wenn die Mutter z.B. überzeugt ist, dass nur ein Antibiotikum helfen kann ("weil der Kleine" immer Antibiotika braucht, weil er sonst immer Lungenentzündung bekommt" oder so ähnlich). Hausmittel oder leichte Heilmittel werden leicht mal als "generell nutzlos" vertan. Früher war das doch so, dass die Großfamilie zusammen gewohnt hat. Da gab es diverse erfahrene Mütter und Omas, die schon mehrere Kinder "großbekommen" haben und immer eine Lösung für Wehwehchen hatten (und wussten, dass Kinder nicht gleich an einem Infekt sterben und man das auch mal locker sehen kann). Da gab es Zitronenhalswickel, Wadenwickel, diverse Tees aus Kräutern waren bekannt etc. Das ist heute alles mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. In Schweden scheint es mir sowas eher noch zu geben, zumindest sicherlich in den ländlicheren Regionen.
Nochmal zu den lästigen Dellwarzen: Wie ich bereits geschrieben habe, kann man sie schneller wegbekommen, wenn man den Körper auf ihre Existenz hinweist, indem man sie entweder anritzt oder halt meinetwegen auch ausdrückt. Das löst eine Immunantwort aus (der Körper wehrt sich primär mal gegen das was man dort lokal gemacht hat und bekämpft dann gleich noch die Viren, die da rumlungern) und die Warzen verschwinden schneller, allerdings um den Preis von Schmerzen und manchmal eben auch unschönen Narben (umso besser wenn keine entstehen). Irgenwann merkt der Körper aber auch ohne diese Eingriffe, dass da was im Busche ist und kämpft gegen die Warzen an, allerdings dauert das üblicherweise länger.
Ansonsten schließe ich mich Euch allen natürlich an, allen voran Vin- und Hansbaer.

Hjärtliga Hälsningar från Mora,

Thomas

p.s. Bin weder enthusiastisch noch mit Helferkomplex behaftet, keine Angst ;-)


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