Arzt, was mache ich wenn...

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Jaja, die vårdcentral

Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Jaja, die vårdcentral » 9. März 2009 20:50

Die Schweden drücken es so aus: Man muss gesund sein, um es auszuhalten, in Schweden krank zu werden (Man måste vara frisk för att orka vara sjuk i Sverige).

Es ist immer das gleiche: Abwarten. Geht vorüber. Nimm ein Paracetamol. Leg Dich hin. Das macht einen Grossteil aller schwedischen Behandlungsvorschläge aus.

Mit einer second opinion im eigentlichen Sinne braucht man in Schweden keinesfalls zu rechnen. Denn von Ystad bis Haparanda sind alle Ärzte und Krankenschwestern precis gleich geschult (und gehirngewaschen) und sagen stets das gleiche. Eine second opinion gibt es nicht.

Fahrt nach Deutschland.

Traurig, aber wahr.

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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon vinbär » 9. März 2009 21:09

Ich gehe inzwischen zu einem nichtschwedischen Arzt, auch wenn dieser ebenfalls den Behandlungsempfehlungen unterliegt, so hatte ich mehr den Eindruck, dass er auf mich eingeht.

Tulipa
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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Tulipa » 10. März 2009 11:03

Hallo,
ich will mich keinesfalls bei den Ferndiagnostizierern einreihen. Aber da war von Warzen die Rede, die von alleine weggehen sollen. Mit dieser Auskunft hatte ich mich vor einiger Zeit auch nicht zufrieden gegeben und anderweitig kundig gemacht. Und genau wie von der BVC-Schwester angekündigt, wurden die Warzen nach genau 2 Jahren weiss und dick und lösten sich innerhalb weniger Tage in Luft auf.

Mollusken oder Dellwarzen nennen die sich, wohl eine schwedische Kinderkrankheit, die hier fast jeder hat.

LG
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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Distriktläkare » 10. März 2009 11:15

Nur um das nochmal kurz klarzustellen: Meine Aussagen hier waren rein allgemeiner Natur, nicht auf einen bestimmten Krankheitsfall gemünzt. Insofern kann man hier auch nicht von Ferndiagnosen sprechen. Dass ich mehr wie ein schwedischer Arzt klinge als ich glaube, glaube ich nicht :-) Ich klinge wie ein deutscher Landarzt mit längerer Erfahrung in eben dieser "hemdsärmeligen" Tätigkeit, was mir den Umstieg auf das schwedische System erleichtert.
Ich gebe Tommy3 und "Jaja, die vårdcentral" aber absolut recht. Für nicht so kranke Menschen ist das schwedische System ok, für Leute mit häufigem Arztbedarf ist Deutschland sicherlich attraktiver. Aber dabei darf man nicht aus den Augen verlieren, dass das schwedische System - unbestritten - im internationalen Vergleich viel besser steht als das deutsche, sowohl was die Effizienz als auch was das Endergebnis (der erreichte Gesundheitszustand der Bevölkerung inkl. Lebenserwartung, Krankheitshäufigkeit etc.) angeht.
Nachzulesen ist das im letzten "World Health Report" der Weltgesundheitsorganisation WHO:

http://www.who.int/entity/whr/2000/en/whr00_en.pdf

Schweden belegt da den 4. Platz, während Deutschland im Gesamtranking (Seite 205 des o.a. Dokumentes) nur auf Platz 14 landet.

p.s. Jo, zu den Dellwarzen (molluscum contagiosum) hab ich vorsorglich nichts gesagt. Wait and see klappt da auch gut, alternativ kann man jede einzelne mit dem Skalpell oder einer Kanüle anritzen um das Immunsystem zu stimulieren, sie zu "bekämpfen". Härtere Mittel (Fluorochinolone) sind bei Kindern nicht anwendbar wegen zu hoher Nebenwirkungsrate. Der nachteil des Anritzens ist, dass es erstens natürlich unangenehm bis schmerzhaft ist und zweitens sich Narben bilden können, was natürlich gerade im Gesicht nicht gerade toll ist. Ich mache es so, dass ich sie, wenn sie in "bedeckten" Bereichen sitzen (Rücken, Po, Beine) mit der Ritzmethode behandle, während ich die in den sichtbaren Bereichen lieber lasse. Wichtig ist hier aber auch wieder, dass man eben genau erklärt, warum man "nichts macht", denn sonst wird das natürlich als Ahnungs-/ Tatenlosigkeit oder Desinteresse missverstanden. Wie sagt schon Fliege immer: Reden hilft (glaub zumindest dass der das war, keine Ahnung).

Liebe Grüße Thomas

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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Tulipa » 10. März 2009 11:36

Also, ich finde "Ferndiagnosen" wenn sie hier im Forum oder in ähnlichem Rahmen gestellt werden, recht nützlich. Vor allem natürlich von so kompetenter Seite wie dir, lieber Thomas.
Man bekommt Erfahrungsberichte, Infos und Anregungen. Und wie man damit umgeht, muss dann selbstverständlich jeder selbst entscheiden.

LG
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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon vinbär » 10. März 2009 11:42

Apropos Ferndiagnosen. Vielleicht sollte man eine Sjuksköterska in Blickdiagnosen ausbilden, éin avancierterer Studiengang also, dann könnte man Bilder an die Vårdcentral schicken und sich dann das elektronische Rezept in der Apotheke einlösen. Das ginge natuerlich nur fuer Krankheiten bei denen Telefonrådgivning nicht ausreicht.Gegen 49 SEK/Monat mit ICA kort kann man auch uebers Handy diesen Dienst nutzen.... :wink:

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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon vinbär » 10. März 2009 11:50

Thomas, behalte Dir bitte Dein Engagement und die unschätzbare Eigenschaft/Motivation den Patienten Deine Behandlungsweise zu erklären auch in Schweden bei. Hoffe es möge nicht in der alltäglichen Routine untergehen.
Alles Gute fuer den Umzug nach Schweden.

Jaja, die vårdcentral

Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Jaja, die vårdcentral » 10. März 2009 12:53

Hallo vinbär,

lass bloss nicht die Schweden Deinen tollen Vorschlag (Blickdiagnostik, Bildübermittlung, alles vollelektronisch) lesen - sonst machen die das noch! Das meine ich ernst. Alles was Geld spart und den Patienten vom Arzt fernhält, wird in Schweden gemacht.

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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon Imrhien » 10. März 2009 13:29

Distriktläkare hat geschrieben: Meine Aussagen hier waren rein allgemeiner Natur, nicht auf einen bestimmten Krankheitsfall gemünzt. Insofern kann man hier auch nicht von Ferndiagnosen sprechen.


Danke Thomas. Deine "Ferndiagnose" kann natürlich nur theoretisch sein, da Du meine Tochter nicht gesehen hast. Aber so viel wie Du dazu gesagt hast, hat mir hier noch niemand gesagt. Da wurde einfach drauf verwiesen, dass das halt ein Ekzem wäre und ich da die Creme nehmen soll, mit Cortison. Wie oft und wie lange und ansonsten Fettcreme. Das geht schon weg. Mehr wurde dazu nicht gesagt. Ich weiss nicht, vielleicht hatte er Angst ich würde ihn nicht verstehen? Ich finde das halt nicht so gut. Aber ich werde abwarten.
Vermutlich hast Du recht und ich denke das ja auch. Es wird nichts schlimmes sein. Da es nur schon so lange geht, dachte ich, dass man das ja mal abklären kann. Denn eine Lebensmittelallergie ginge ja nicht von Fettcreme weg. Es geht halt auch nie ganz weg. Es wird nur besser und schlechter und besser. Die Neurodermitiscreme ist bisher die beste. Da ist wie gesagt gar nichts drin ausser verschiedenen Fetten. Die macht die Haut aber so weich und erhöht vermutlich die Feuchtigkeit. Wir hoffen ja immer noch, dass es wirklich nur die Kälte ist.
In dem speziellen Fall mache ich mir ja auch keine Sorgen. Es ist nichts wildes. Ich war nur etwas besorgt wegen der Grundsätzlihcen Art mit sowas umzugehen. ich hab mich halt gefragt was die machen wenn mal was schlimmeres kommt...
Vielleicht macht man sich aber auch einfach zu sehr verrückt.

Grüsse
Wiebke

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Re: Arzt, was mache ich wenn...

Beitragvon vinbär » 10. März 2009 13:55

keine Sorge, das bleibt unter uns

Jaja, die vårdcentral hat geschrieben:lass bloss nicht die Schweden Deinen tollen Vorschlag (Blickdiagnostik, Bildübermittlung, alles vollelektronisch) lesen - sonst machen die das noch!
Zuletzt geändert von Dietmar am 11. März 2009 08:49, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Admin-Hinweis: Bitte keine Voll-Quotes an den Beitrag dranhängen. Quote gekürzt.


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