Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswandern

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Volker
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Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswandern

Beitragvon Volker » 28. November 2007 12:00

Hallo zusammen,

DN, 1. Mai 2005, "Tyska utvandrare hoppas att framtiden finns i Sverige"
http://www.dn.se/DNet/jsp/polopoly.jsp?d=678&a=645146

Der Artikel ist zwar schon etwas älter, konnte ihn hier im Forum aber nicht erwähnt finden. Der Inhalt entspricht tendenziell meiner Erfahrung. Den Satz "In Deutschland kann man arbeiten aber nicht leben." fand ich persönlich als sehr treffend.

Da viele Urlauber Schweden nur von Sommerurlaub kennen, noch ein ergänzender Hinweis von mir in eigener Sache: Heute am Mittwoch, den 28. November hatten wir um 8:00 Schnee bei 11 Grad Minus. Und ich wohne noch in der gemäßigten Klimazone. Das ist nichts für jeden.

viele Grüße aus Östergötland
Volker

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Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Skogstroll » 28. November 2007 13:40

Lustiger Artikel, in dem ich auch meine damalige und aus heutiger Sicht etwas naive Grundeinstellung wiedererkenne. Auch in Schweden geht es ums Geld, manchmal sogar in ziemlich unverschämter Form.
Aus heutiger Sicht der Dinge könnte ich nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob ich den Schritt nochmal tun würde. Wahrscheinlich ja, aber...

Ach ja: ein halber Meter Schnee (40cm davon kamen an einem einzigen Wochenende), 19 bis 20 Grad, lokal 25. Minus, versteht sich. Die Ersatzteilpreise für die Schneefräse sind um 33% gestiegen, der Preis für Spanbriketts ("värmeloggs") um 34%, Vattenfall hat die Netzgebühr erhöht (unter Berufung auf "Gudrun"!). Macht nix, wenn ich den Schnee mit der Hand wegschaufele, wird mir auch warm...

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Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Imrhien » 28. November 2007 14:01

Hm, da hab ich wohl ziemlich Glück mit dem Wetter... in Västerås sind es grade mal -5 und der Schnee der liegt, naja, es ist zwar ein wenig weiss aber so viel ist es nun noch nicht. Morgen soll es mehr werden :)

Den Artikel muss ich mal in Ruhe lesen.

Grüße
Wiebke

bjoerkebo

Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon bjoerkebo » 28. November 2007 14:29

Habe den Artikel mal überflogen.
Also wir können nach fast einem Jahr sagen:wir würden es wieder tun,wir kommen prima klar,sind im Dorf integriert und aktiv.Und mit der Sprache haben wir auch kein Problem.
Just heute beim Mittag haben wir noch gesagt,das wir mit dem Wissen von heute nicht zurück nach Deutschland wollen.
und unterm Strich ist Schweden immer noch besser für uns.Ich habe z.B. einen Job in meinem erlernten Beruf,aus dem ich aber 10 Jahre raus war.Die Chanse hätte ich in D.nicht bekommen!

Was das Wetter angeht, Schnee um 0 Grad in Västra Götaland/Skaraborg.
Da kann man gut mit leben,wenns mehr wird,auch damit kann man lernen zu leben....wenn man es will.

Gruß

Volker
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Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Volker » 28. November 2007 14:50

Hallo Skogstroll,

ja, die Strompreise werden hier nächstes Jahr wegen einer "miljöavgift" (Umweltabgabe) wieder um etwa 10% erhöht. Ich heize zum Glück mit Holz, so dass es mir nicht so viel ausmacht. Neulich habe ich einen etwas ausgefallenen Antennenstecker für umgerechnet 9 Euro gekauft, den man in Deutschland für 2,50 bekommt. Der fehlende Konkurrenzdruck macht sich bemerkbar.

Natürlich wurde in Schweden auch vor langer Zeit die Geldwirtschaft eingeführt. Trotzdem denke ich, dass zumindestens im ländlichen Gebiet die permanente Abzocke wie in Deutschland fehlt. Hier gibt es noch kostenlose Parkplätze. Müllgebühren, Wasser und Strom sind tatsächlich billiger.

Und die Menschen sind wirklich manchmal überraschend hilfsbereit. Ich hatte mal kein Kleingeld für ein Parkhaus in Norrköping. Am Automaten war jemand spontan bereit mir 10 Kronen zu schenken. Beim Reinfahren ins Parkhaus bekommt man öfters die noch nicht ganz abgelaufenen Parkscheine der Herausfahrenden unaufgefordert geschenkt.

Wenn man in einem Laden mal etwas nicht bekommt, weil es gerade mal wieder ausverkauft ist (Kommt vielleicht nächste Woche wieder rein) dann bekommt man von dem Verkäufer meistens lang und breit erklärt, bei welcher Konkurrenz man es erhalten kann. Meistens stimmt das dann auch, falls auch nicht dort ausverkauft ist. Anscheinend wird immer nur dann nachbestellt, wenn die Ware bereits ausgegangen ist.

Im Schwarzwald gibt es z.B. einen Wasserfall, für den man Eintritt bezahlen muss, um ihn sehen zu dürfen. Mir geht es in diesem Fall nicht so sehr um das Eintrittsgeld, sondern um die ganze abstoßende Geisteshaltung, die dieser Idee entsprungen ist.

In einem deutschen Hotel hatte ich mal versehentlich Bezahlfernsehen geschaut. Die Rezeption bestand darauf, dass ich für die nachweislichen 9 Minuten 11 Euro bezahle. Das Geld habe ich dann widerwillig bezahlt. Aber eine Uni als Großkunden haben sie dann verloren. Irgendwie muss es ja die ausgleichende Gerechtigkeit geben.

In anderem deutschen Hotel sah ich einen Schuhputzautomaten, den man mit Geld füttern musste. Ich habe mich dann beschwert, warum man da keine Kreditkarte reinstecken kann. Der Witz wurde aber nicht als solcher erkannt.

Die alltägliche Abzock- und Betrugsmentalität ist jedenfalls nach meiner Erfahrung in Schweden relativ gering. Auch ist die Korruption in Skandinavien geringer als in Deutschland.

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Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Skogstroll » 28. November 2007 15:02

Hej Volker,

leider ist die Kommerzialisierung auch hier in vollem Gange. In Gällivare darf ich noch überall umsonst parken. Aber schon in Kiruna oder Luleå werden teils saftige Gebühren verlangt. Für den Herbstmarkt in Jokkmokk wurde auch schon Eintritt genommen.
Hier hatten wir am letzten Wochenende wieder tomtarnas vinterspel. Bisher war das eine gemütliche Veranstaltung, teils im hembygdsområde, teils auf dem Marktplatz. In diesem Jahr hat man den grössten Teil der Ereignisse ins Skigebiet verlegt und mit Modenschau, Weihnachtsmarkt, Skotervorführungen und Bierzelt kombiniert. Eintritt 100kr. Fürs Bierzelt nochmal 200kr. Eintritt.
Die Kommune setzt sich stark für den weiteren Ausbau zum "Event" ein, auch wenn die Weihnachtsmänner selbst versuchen gegenzusteuern.

Leider wird diese Entwicklung nicht an Schweden vorbei gehen, sie kommt nur ein paar Jahre später.

Skogstroll

Storstadstjej

Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Storstadstjej » 28. November 2007 15:34

Skogstroll hat geschrieben:In Gällivare darf ich noch überall umsonst parken.

In Sthlm sollte man nicht umsonst parken, weil es nicht gratis ist ;-)

Jaja, ich weiss, Stockholm ist nicht Schweden. Aber auch sonst überall in Schweden gilt - Leben kostet, an dem einen Ort mehr, an dem anderen weniger.

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Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Volker » 28. November 2007 16:05

Hallo zusammen,

Lidl hat mitten in Finspång seine Filiale aufgemacht und dank seines riesigen Parkplatzes, der rege genutzt wird, das Parkplatzproblem hier gelöst, auch wenn die Leute es nicht immer durch einen Einkauf danken. Über den Daumen gepeilt kommen auf 100 parkende Autos 5 Ladenkunden. Auf jeden Fall ist das doch mal ein netter Service aus Deutschland.

Smultron

Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Smultron » 28. November 2007 16:25

Vor 4 Jahren wurde auch für FHaus-Besitzer die Mülltonnenpflicht u. Biomülltonne eingeführt. Mit viel Überzeugungskraft konnten wir der Kommune plausibel machen, dass wir einen Kompost haben u. im Umkreis von 400 Meter niemand durch den Geruch belästigt wird. Dies wurde anhand einer Karte kontrolliert u. erlaubt. :o So haben wir als Teilzeitschweden einen "günstigen" Preis für 14-tägige Leerung einer Tonne von Mai bis September (ab 2008 für 1.020 SKr). In diesen 4 Jahre eine Steigerung von 20%.
Aber: Das Marinemuseum in K'krona hat zzt. bis Feb an Sonn- u. Feiertag freien Eintritt. Uns wurde erzählt, wegen den leicht zurückgehenden Besucherzahlen (hoher Eintrittspreise) möchte man mit diesem Bonus werben. In vielen Büchereien kann man kostenlos 20 Min. das Internet nutzen, erfreulich. So gibt es viele positive wie negative Beispiele. Trotzdem sind wir begeisterte Schwedenfans. :huepf:
In D wird zur Zeit heiss diskutiert über die Einführung eines Rußfilters für Holzöfen. Der Schornsteinfeger entscheidet durch die Abgasmessung über einen Einbau. Die Umrüstungspreise sollen bei 1.200 Euro liegen. Mal abwarten wann S über solche Einführung spricht.

Storstadstjej

Re: Artikel in der DN, warum Deutsche nach Schweden auswande

Beitragvon Storstadstjej » 28. November 2007 16:47

Smultron hat geschrieben:Aber: Das Marinemuseum in K'krona hat zzt. bis Feb an Sonn- u. Feiertag freien Eintritt. Uns wurde erzählt, wegen den leicht zurückgehenden Besucherzahlen (hoher Eintrittspreise) möchte man mit diesem Bonus werben.

Na darauf können wir hier in Sthlm noch lange warten... Wobei ich Museenpreise doch für eine recht faire Geschichte halte - wenn sie wie in St. Petersburg ausschliesslich von Touristen zu bezahlen sind.

Smultron hat geschrieben:In vielen Büchereien kann man kostenlos 20 Min. das Internet nutzen, erfreulich.

Soweit ich mich erinnern kann, bieten in De auch viele Büchereien diesen Dienst an. War jedenfalls bis vor ein Paar Jahren so.

Den einzige signifikante Positivseite Schwedens im Bezug auf Geld ist aus meiner Sicht das kostenfreie Hochschulstudium und ein weniger bürokratisch organisierter Studienkredit.


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