Arbeitsmoral

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Imrhien
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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Imrhien » 4. April 2008 20:19

Auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt und Schweden nicht überall gleich ist, habe ich bisher überwiegend das Gefühl, dass es wirklich entspannter ist. Von einem Paar weiss ich, dass sie für die gleiche Firma arbeiten, in der gleichen Position. Er in Schweden, sie in Deutschland. Soweit ich weiss, ich das Gehalt des Schweden tatsächlich niedriger. Dafür hat er es am Arbeitsplatz viel ruhiger. Sie zieht deshalb nun nach Schweden :) Auch wegen der Athmosphäre... Es ist nicht ganz so stressig, meint sie.
Von meinem Mann weiss ich, dass im Büro, auch wenn wichtige Termine anstehen und Termindruck herrscht, alle, der Chef eingeschlossen, sagen, dass die Familie vorgeht. Mein Mann wollte mal etwas am Wochenende arbeiten, weil das Gerät am Montag eigentlich rausgehen sollte. Da schauten sie ihn verwundert an und meinten, das wäre nicht nötig. Wenn es nicht Montag wird, dann wirds eben Dienstag... Und das obwohl es ein wichtiger Kunde war. In Deutschland wurde da (in einer für die Branchenverhältnisse fairen und guten Firma) schon eher mal erwartet, dass Überstunden gemacht werden.
Aber vermutlich ist das wie mit allem... es ist nicht überall gleich :)

Grüße
Wiebke

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Michel
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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Michel » 4. April 2008 21:44

Hej

danke für die Antworten.
Also alles ein wenig entspannter In Schweden,je nach Branche.


Michel :axe:

nobse

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon nobse » 5. April 2008 05:30

Auch wenn es mal nicht so entspannt sein sollte, von Hause aus sind sie schon viel ruhiger.
Ich hatte mal kurzzeitig in Schweden gearbeitet, trotzdem ich schon ruhig trat wurde mir gleich gesagt , : "Und du gewöhne dir deine deutsche Hektik ab!"

bjoerkebo

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon bjoerkebo » 5. April 2008 06:59

Also, ich habe zwei Kollegen,die die selbe Arbeitsmoral haben wie ich,pünktlich,gute Kommunikation,super Ideen und die Chemie passt.
Allerdings läßt die Arbeitsmoral meines Chefs sehr zu wünschen übrig.In Deutschland währe er schon einige Male geflogen......aber wir sind ja in Schweden.
Da ist halt doch einiges anders.

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trollebjär
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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon trollebjär » 5. April 2008 07:03

helden hat geschrieben:Wir hofften, wenigsten gleich zu ziehen vom Verdienst her und dass einer zuhause bleibt bei den Kindern und nur einer arbeiten geht.
Es ist die Frage, ob man sich dies in Schweden leisten kann.


Nein, nicht wirklich. Man kann es sich wahrscheinlich auch gesellschaftlich nicht leisten. Eine Hausfrau ist in Schweden suspekt. "Warum arbeitet die nicht wie alle anderen?" "Wird die von ihrem Mann unterdrückt, darf sie nicht arbeiten?" Ich kenne keine einzigeFamilie, bei dem ein Partner zuhause "Hausfrau/-mann" ist, ausser in den ersten 18 Monaten nach der Geburt eines Kindes. Und da wir erwartet, dass auch der Vater sich freinimmt. (Wer wie lange zuhause bleibt ist stark vom Gehalt abhängig, da die meisten Frauen schlechter bezahlt werden als ihre Partner, nehmen sie mehr Elternzeit- das ist aber nun wieder eine ganz andere Diskussion).
Schweden nennt sich gerne das gleichberechtigste Land der Welt, nicht zuletzt aufgrund des hohen Anteils Frauen, die erwerbstätig sind.

Gehaltsniveau: Wenn Dir ein Job über einen Headhunter vermittelt wird, kannst Du davon ausgehen, dass Dein Gehalt im Vergleich höher ist als das Deiner Kollegen. An meiner Arbeitsstelle schiessen die Dänen, Engländer, Amerikaner vom Niveau her den Vogel ab. Sonst würde man die nämlich nicht nach Schweden locken können. Du bist Fachmann im IT-Bereich, oder- da sollte das Gehalt schon deutlich über 20 000SEK liegen. Der Steuersatz, wie gesagt, ist je nach Kommune unterschiedlich. Bei höheren Gehältern (ab 320 000/Jahr) kommt man leider in den Bereich, wo man mehr bezahlen muss (zuzuglich 20% Marginalskatt im Intervall 328800 und 495 000 und ab da darüberhinaus zuzüglich 5% Värnskatt ). Sitze gerade mit meiner Steuererklärung. :smt013
Willst Du mehr wissen, schreib mir doch eine PM!

LG

Martina

nysn

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon nysn » 5. April 2008 10:29

Zum Gehaltsniveau für IT-Ingenieure wird in S unterschieden nach Abschluss und nach Arbeitgeber (privater ARbeitsmarkt / öffentlicher (staatlicher/kommunaler Dienst). Die Gehälter für letztere sind etwas niedriger.

Uni-Abschluss (civ. ing.) - da beträgt das Anfangsgehalt laut neuerster Gehaltsprognose f. 2008 des Fachverbundes "Sveriges Ingeniörer" z. B. wie folgt:
Private Arbeitgeber / Examensjahr 2006:
Durchschnittliches Monatseinkommen: 29.200 SEK
unteres Drittel: 27.500 / oberes Drittel: 31.400 SEK

für Hochschulingenieure (FH oder ähnliches gilt)
Privater Arbeitgeber
Durchschnitt - 27.500 SEK
unteres Drittel: 25.700 SEK / oberes Drittel: 29.700 SEK

Was davon im Monat übrig bleibt - hier gibts einen Gehaltsrechner, der die kommunale sowie staatliche Steuer jeweils berücksichtigt:

http://rakna.net/netto-lon.html

Mit den Krankschreibungsregeln kenne ich mich nicht im Detail aus - es gibt auf jeden Fall einen Karenztag und dann sinkt das Einkommen, je nach Länge der Krankschreibung - ich glaube am Anfang bekommt man noch 80 % vom Gehalt (allerdings nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze) und bei längerer Krankschreibung mehr als 90 Tage (?) noch weniger. Hat man ein höheres Einkommen, das über dieser Grenze liegt, kann man eine zusätzliche Versicherung z. B. über den Fachverbund der Ingenieure abschließen, die dann für ein Jahr lang die Differenz übernimmt.

Am besten nachfragen, z. B. bei: sverigesingeniorer.se

Gruß
S-nina

Manty

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Manty » 5. April 2008 11:03

janaquinn hat geschrieben:2-3facher höher als in Deutschland? Nee, dass muss dann ein anderes Schweden sein, als das in welchem ich lebe.
Und das einer von euch zuhause bei den Kindern bleibt und nur einer arbeitet, den Gedanken lasst lieber fallen. Ihr werdet beide Gehälter brauchen, viele Dinge sind teurer als in Deutschland, andere liegen ungefähr gleich.



Hm, also dann leben wir wohl in einem anderen Schweden. Ausnahmen bestimmen ja immer die Regel. Bei uns funktioniert es so und ich bin gesellschaftlich deswegen nicht geächtet von unseren Nachbarn oder Bekannten. Bei vielen Schweden weiß ich auch, daß zwar beide arbeiten, aber gar nicht Vollzeit und teilweise einer sogar einen Tag in der Woche zu Hause ist.
Sicherlich ist vieles, insbesondere Lebensmittel, teurer als in D, ist es aber nach genauem Hinsehen wirklich so viel teurer?
Wir haben trotz allem mehr in der Tasche am Ende des Monats. Einer verdient allein so viel, wie wir beide nicht mal zusammen in D hatten. Ich kann hier nur von der Baubransche sprechen. Bei weitem mehr Gehalt als in D und bei weitem weniger Streß auf der Baustelle. Das Gewerk muß Freitag fertig sein, dann ist es Freitag fertig und nicht wie in D, man könnte es doch mit ein paar Überstunden (am besten unbezahlt) bis Mittwoch schaffen.
13. Gehalt? Die Firmen möchte ich auch mal wissen, die das noch zahlen.
40 h Wochen? In den neuen Bundesländern mehr als normal und oftmals bleibt es nicht bei den 40 h. Ich wurde immer schief angekuckt, wenn ich pünktlich gegangen bin. Gerade Mütter wurden bei uns wegen des pünktlichen Feierabends geächtet und es wurde dann getuschelt von wegen na, die ihr Kindergarten hat doch auch bis halbs sechs auf, da könnte sie doch wenigstens bis um 5 bleiben. Also das möchte hier mal in Schweden erleben.
Und mit Arbeitskollegen nach der Arbeit treffen? Kann mich nicht erinnern, daß das bei uns so war. Wenn man auf Montage ist und in einem Minizimmer zusammen hausen muß, ist es ja unvermeidlich, daß man mit den Kollegen was unternimmt. Aber ansonsten?
Hier trifft sich mein Mann mindestens einmal im Monat mit seinen Arbeitskollegen.
Auch ist er jeden Abend zu Hause. Kann gar nicht so weit zurückdenken, wo es in D so war.
Es gibt viele andere Dinge, die man bezahlen muß, was man in D frei bekommt. Man brauch nur bei den Zuzahlungen im Gesundheitswesen zu kucken. Ich schlucke zwar, wenn ich mal wieder ein Medikament für mein Kind teuer bezahlen muß, aber nur, weil wer bezahlt schon gern :), nicht weil ich das Geld dafür nicht habe. In D mußte ich den Pfennig oftmals zweimal umdrehen und selbst nur die Zuzahlungen für Medikamente hat einem im Geldbeutel weh getan.
Wir wollten hier leben und müssen die Gesetze und Bestimmungen so hinnehmen, wie es ist. Wenn es finaziell nicht hinhauen würde, wären wir schon längst nicht mehr hier. Und auch wenn die Schweden vielleicht nicht so einen Druck und Streß auf Arbeit machen, kann man nicht sagen, daß sie auf der faulen Haut liegen. Dafür sind wir ja auch nicht hergekommen.

karlskronit
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Re: Arbeitsmoral

Beitragvon karlskronit » 5. April 2008 12:43

genau so ist es bein uns auch, manty. es bleibt viel mehr uebrig am ende. und so soll es sein.

mvh torsten :wink:

Zschirli

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Zschirli » 5. April 2008 12:57

Zum Thema Arbeitsmoral hab ich eine aktuelle Geschichte beizusteuern - die im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar ein wenig amuesant ist ...

Wir haben in den letzten Tagen unserem Gästezimmer ein eigenes Bad verpasst. Vieles konnten wir selber machen, scheiterten aber an Wasser- und Abwasserinstallationen. Nicht wegen Inkompetenz sondern wegen fehlender Materialien, die es auch, trotz intensiver Suche, nicht käuflich zu erwerben gab. Also hatten wir schon vor 2 Wochen den hiesigen (und einzigen) Installateur angerufen, der war dann auch mal da - bloss mal kucken. Als es nun brenzlig wurde und die ersten Gäste sich ansagten, haben wir da also Anfang der Woche noch mal nachgefragt und er hat auch fuer Donnerstag oder Freitag einen entsprechenden Monteur zugesagt. Nebst Material. Nun sagte sich ueberraschend fuer Freitag ein Uebernachtungsgast an. Wir also da angerufen - Freitag käme der Mann, gleich frueh und hätte auch alles dabei, wir sollen uns keine Sorgen machen, das kriegt er schon hin. Nun ja. Freitag war der Mensch auch da mit einem Bus voll Material.Freitag mittag lagen die Wasserleitungen so weit - mit den Anschluessen kam er nicht klar, das haben wir dann selber gemacht. Nach der Mittagspause haben wir dann das Klobecken gesetzt und erwarteten unseren Monteur unterm Haus zum Anschliessen der diversen Abflussrohre. Nicht so der Monteur - der stand in der Tuer und verabschiedete sich - er mache dann jetzt nach Hause, Wochenende usw. Auf unsere Frage nach den Abflussrohren ... "Wieso? Geht doch alles. Wasser fliesst, auch warm. Und der Abfluss? Egal, ist doch ein grosses Loch da unten unterm Haus, ist doch Sand ... das fliesst schon von alleine ab. Irgendwohin. Er habe ohnehin die Rohre nicht dabei und es sei ja auch Feierabend jetzt." :shock: Sprachs und verschwand...

Da wir das ahnten hatten wir unsere Gäste schon darauf vorbereitet, dass zwar alles nett aussieht, aber noch nicht zu benutzen ist. Gluecklicherweise waren es sehr unkomplizierte Leute, die die ganze Geschichte mit Humor genommen haben. Genau wie wir - nun im Nachhinein.

Man stelle sich das mal in Deutschland vor! Und ich weiss wovon ich rede, mein Mann war Installateur! :lol:

Manty

Re: Arbeitsmoral

Beitragvon Manty » 5. April 2008 13:06

Ja, ja so kann das gehen in Schweden und das sollte/muß man vorher einkalkulieren und man kann später gleich drüber schmunzeln. Ich tue das jedenfalls mittlerweile grundsätzlich. :D Lebt man deswegen schlechter? Wohl eher ruhiger und gelassener. Und so arbeiten ja nun nicht wirklich alle hier.
Hätte das Jemand in D gemacht, dann hätte er Montag gar nicht erst wieder kommen brauchen.

Also Nicole, was du willst, er ist doch immerhin gekommen und hat ein wenig was gemacht. :lol:


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