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Schweden
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Schweden und Norwegen - Fähre, Urlaub, Reisen & Meer

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 Betreff des Beitrags: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2011 12:39 
Neuling
Neuling

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Hallo,

ich bin neu hier und hoffe, mir kann jemand weiterhelfen.

Ich stehe kurz vor dem 1. Staatsexamen für das Lehramt Realschule und habe vor, unmittelbar nach dem Examen Deutschland zu verlassen.

Ich habe gehört, dass man mit dem 1. Staatsexamen als Aushilfslehrer im Ausland arbeiten kann. Ob das stimmt, weiß ich noch nicht. Mir geht es darum, mir eine neue Existenz in Schweden aufzubauen und nicht zwangsläufig darum, an einer Schule zu arbeiten. Jedoch habe ich nicht vor, mich von einem Job zum nächsten zu tingeln.

Meine Frage an euch: Ist es möglich, mit meiner "Qualifikation" in Schweden eine Arbeitsstelle zu finden? Wenn ja, in welchem Bereich hätte ich damit am meisten Chancen? Ich habe schon als Übersetzerin und in der Erwachsenenbildung gearbeitet.

Eine Freundin von mir verbrachte ihre Kindheit in Schweden. Von ihr und einem Volkshochschulkurs habe ich bereits etwas Schwedisch gelernt, was ich jedoch nach dem Examen noch vertiefen würde. Ich weiß, dass medizinische Berufe gefragt sind, doch wie sieht es in meinem Bereich aus??

Vielen Dank für eure Antworten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2011 13:26 
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Hej spiritlion25,

ohne das weiter überprüft zu haben, sieht es wohl auch in Schweden nicht gut aus mit Arbeitsplätzen. Die Arbeitslosigkeit steigt. Speziell zum Thema Hilfslehrer habe ich irgendwo gelesen, daß es wohl nicht mehr möglich ist, ohne entsprechende schwedische Qualifikation in diesem Bereich zu arbeiten. Ist wohl seit diesem Jahr so.

Aber vielleicht äußert sich ja noch jemand zu dem Thema, der sich besser auskennt.

_________________
CU Karsten :smt006

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches. (Mark Twain)


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2011 14:12 
Schweden Guru
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Beiträge: 1380
Wohnort: Gällivare / Lappland
Es ist enorm schwierig fuer Einwanderer. Ich selbst lebe schon eine ganze Weile hier und bin schwedischer Staatsbuerger. Trotzdem bekomme ich bei Bewerbungen auch auf wirklich perfekt passende Stellen meist nur eine kommentarlose Absage.
Als Lehrer musst du zunächst deine Ausbildung vom högskoleverket bewerten lassen. Damit kannst du dann die Lehrerlegitimation beantragen. Fuer Einwanderer geht das nur schriftlich, nicht online. Nach etwa sieben Monaten bekommst du dann vielleich die Legitimation.
Manche Schulen stellen trotz Verbot noch unlegitimierte Lehrer ein. Die können sie nämlich schlechter bezahlen und jederzeit entlassen.

/Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2011 16:51 
Neuling
Neuling

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Beiträge: 3
Hallo,

Vielen Dank für eure Antworten. Es ist nicht das, was ich gerne gehört hätte, aber nur Ehrlichkeit bringt einen weiter.
Angesichts der Tatsache, dass ich mittlerweile sehr viele arbeitslose Lehrer in Deutschland kenne, scheint sich die Frage zu stellen, in welchem Land man sich lieber neu orientiert. Der früher noch hochgelobte Lehrerberuf scheint einem auch im Heimatland keine rosigen Zukunftsaussichten mehr zu bieten und wenn man dann schon immer auswandern wollte...


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 18. Dezember 2011 17:38 
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Hej!

Bin gerade dabei, mein erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien irgendwie in ein schwedisches Lärarexamen umzubauen... morgen geht der dicke Umschlag an das Skolverket!
Daher möchte ich noch ein bisschen die Infos ergänzen:
Man schickt seit Herbst 2011 die Unterlagen nicht mehr ans Högskoleverket, sondern an das Skolverket. Das Skolverket fordert von allen Unterlagen schwedische Übersetzungen (die "auf professionelle Weise/på professionettl sätt ausgeführt sind, also eigentlich von einem anerkannten Übersetzer).
Sehr sinnvoll ist es, wenn man ein Jahr Unterrichtserfahrung an einer Schule nachweisen kann. Das muss dann mit einem speyiellen Formular des Skolverket nachgewiesen werden. Auch etwas speziell: Das Formular ist natürlich auf Schwedisch, und ich frage mich, welcher deutscher Schulleiter ein schwedisches Formular ausfüllt.
Weiterhin sehr wichtig ist es, Schwedisch auf "Hochschulniveau" nachzuweisen: also TISUS-Test oder SAS B. Am einfachsten (zeitlich gesehen) ist es sicher, den TISUS zu versuchen, der 2 Mal im Jahr in Schweden, aber auch an einigen deutschen Unis angeboten wird. SAS B ist je nach Schule wahrscheinlich die fachlich einfachere Variante. Ich habe beide bestanden, komme auf Schwedisch auch recht gut zurecht, würde mir selbst aber jetzt kein "Uniniveau" bescheinigen. Da hätte ich wesentlich höhere Ansprüche an mich, besonders was das Schreiben von Hausarbeiten anbetrifft (Ausdruck, Formulierungen, wirklich richtige Grammatik).
Anhand aller eingereichten Papiere wird dann entweder eine Lärarbehörigkeit bescheinigt oder man erfährt, was man sonst noch dafür tun muss: Kompletteringskurser an der Uni belegen oder auch weitere Monate Unterrichtserfahrung (z. B. als Aushilfslehrer, Vertretung) sammeln.
Ich würde in jedem Fall mich zunächst auf der Internetseite des Skolverket kundig machen und mir die wichtigen Formulare herunterladen und ausdrucken und dann für alle Fragen dort anrufen. Mich hat man dort zumindest recht umfangreich beraten.
Das ganze Verfahren dauert übrigens in etwa 6 Monate bis man dann Bescheid bekommt.

So, ich hoffe, die Infos helfen weiter!
Wünsche viel Erfolg!

God Jul!
ekorre


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 24. Dezember 2011 14:16 
Neuling
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Beiträge: 3
Hallo Ekorre,

Vielen Dank für deine Antwort. Das hilft mir in der Tat weiter. Ich hatte auf eine solche Möglichkeit gehofft.
Wenn es dir nicht zu persönlich ist, vielleicht könntest du es mich kurz wissen lassen, wenn du Bescheid bekommen hast, ob dir dein Staatsexamen anerkannt wird.

Frohe Weihnachten!


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 24. Dezember 2011 14:46 
Alter Schwede
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Hej,
ich kenne eine Deutsche Lehrerin, die schon in Deutschland mehrere Jahre als Lehrerin gearbeitet hatte, also eigentlich hätte anerkannt werden müssen. Also, ohne Probleme meint man. Zumal sie schon mal hier gelebt hatte und eine PN hatte und schwedisch kann/konnte als sie kam. Jedenfalls musste sie um behörig zu werden, einen Kurs machen. Da sass sie mit anderen Ausländern und einigen Schweden, die ihre Lehrerausbildung im Ausland gemacht hatten, um zu lernen, wie man sich in Schweden verhält als Lehrer. Also, dass man die Schüler nicht schlagen darf und so weiter. Neben einem Sprachkurz, den sie nicht brauchte, war das also eine Art Knigge für schwedische Lehrer. Danach wurde sie dann behörig und darf nun an Schulen unterrichten. Nicht, dass sie so super Chancen hätte seitdem und vor allem wird sie weiterhin schlechter bezahlt.
Hier im Län wurden übrigens sehr viele Lehrer im letzten Jahr entlassen, weil sie nicht behörig waren. Auch solche, die schon jahrelang an der Schule tätig waren und Schweden sind. Die haben recht rigoros aussortiert und umverteilt. Nun haben manche Klassen unfähige aber behörige Lehrer. Für manche mag es ein Vorteil gewesen sein, für andere leider nicht. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass man mehr auf die Ausbildung der Lehrer achtet. Nur, dass jemand entlassen wird, der jahrelang gute Arbeit geleistet hat, nur weil ihm ein Stück Papier fehlt, das finde ich schade.

Was die Sprache angeht, würde ich mal behaupten, dass man keine Chance hat, wenn man nur TISUS Schwedisch hat. Das mag reichen um die Papiere zu bekommen, damit wird man aber noch nicht allein eingestellt. Die wollen einen ja sehen und sprechen, wenn man denn Glück hat und soweit kommt. Und da merken die dann schon ob man die Sprache wirklich kann oder nur zum Teil. Ausnahme sind Mangelfächer, also die, in denen sie Lehrer suchen. Oder Fremdsprachen, wenn man sie als Mutterpsrachler kann und somit dann bessere Chancen hat und die Akzent weniger ausmacht.
Ich würde raten zwar alles in die Wege zu leiten um behörig zu werden, sich aber gleichzeitig auf einen Berufsumstieg vorzubereiten. Zu Anfang kann man mit ûbersetzerjobs und im Tourismus und über SPrachschulen einsteigen. Also, Deutsch als Fremdsprache oder so. Ich bin aus der Sozialpädagogik ganz raus und arbeite in verschiedenen anderen Bereichen. Das hat sich als mehr erfolgreich erwiesen.

Und noch was: Falls Du denkst, dass Schüler in Deutschland wenig Respekt vor dem Lehrer haben, und dass Eltern dazu tendieren, dass sie den Lehrern die Erziehungsaufgaben abdrücken wollen, dann kann ich Dir leider nur sagen, dass das in Schweden mindestens genauso ist. Wenn nicht noch schlimmer. Ich kenne keinen einzigen Lehrer, der mir privat gesagt hätte, dass er seinen Job an einer schwedischen Schule mag. Und da waren einige Schweden darunter. Und ich kenne ein paar ehemalige Lehrer, die umgeschult haben (Krankenhaus, Ingenieur, Polizei...). ALso auch hier leider kein beliebter Beruf mehr. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass er so wichtig ist.

Grüsse und viel Erfolg
Imhrien


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 25. Dezember 2011 22:56 
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Hej Wiebke!

Danke für alle Infos! ...habe immer wieder sehr interessiert Deine Beiträge gelesen, auch zu anderen Themen.
Die Sache mit der Lehrerbrhörighet gehe ich eigentlich genau so an wie Du es vorschlägst: Ich möchte gerne die Behörighet haben, aber ob ich dann wirklich in der Schule lande, ist eine andere Frage. Bin immer wieder erschrocken bis verwundert über das, was man von schwedischem Schulunterricht so erzählt bekommt. Habe allerdings sebst noch keinen erlebt. Kann mir also keine Meinung dazu erlauben.
Nebenbei mache ich noch ein Fernstudium beim Goethe-Institut "Deutsch für Ausländer" und ausserdem möchte ich ab nächsten hösttermin an der Kungliga Musikhögskolan Stockholm studieren. Mal sehen, ob die Aufnahmeprüfung (Master, orkester) funktioniert. Ich habe jedenfalls auch dafür alle nötigen Papiere eingereicht. Auf diese Weise hoffe ich, an gelegentliche Orchesteraushilfsjobs heranzukommen. Als freischaffender Musiker, der NICHT in Schweden studiert hat, hat man eigentlich kaum Chancen, irgendwie einen Fuss in die Tür zu kriegen (sagte man mir). Ich hätte natürlich auch nichts gegen eine "richtige" Stelle im Orchester einzuwenden, aber auf so ein riesiges Glück kann man nun wirklich nicht setzen. Man kann nur immer tapfer zum Probespiel (=Vorspielen um eine freie Stelle) fahren.
Ansonsten arbeite ich bis auf weiteres als personlig assistent (timanställd) für einen schwer Körperbehinderten. Auf Dauer suche ich aber etwas anderes. Gegen einen Job in Sachen Tourismus hätte ich auch nichts einzuenden... mal sehen, was ich noch so alles in Erfahrung bringe.

Fröhliche Restweihnachten und einen guten Rutsch
wünscht ekorre


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 28. Dezember 2011 14:22 
Alter Schwede
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Hej Ekorre,
ich kann nur von meinem Län sprechen, wenn ich von der Schule spreche. Und da auch nur von ein paar Schulen. Obwohl ich vermutlich schon mehr von innen gesehen habe, als viele andere. Ich habe nämlich, ausser denen, in denen mein Sohn ist/war, auch einige andere besucht und teils dort gearbeitet. Teils als Hilfe für ein Mädchen, das die Sprache noch lernte, da war ich im normalen Unterricht bei verschiedenen Lehrern dabei und teils habe ich selber deutsch unterrichtet. Das war die Qual schlechthin. Und da meine ich mich selber! Die Schüler hatten teilweise null Respekt vor mir und dem Stoff und den Materialien. Und tatsächlich hat meine Nachfolgerin (Deutsch als Fremdsprache, also schwedische Kinder, die deutsch lernen) den Spruch zu hören bekommen: Warum hab ich nicht godkänt, ich bin doch immer Anwesend, mit Bleistift und Buch. Das muss man sich mal vorstellen, dass der für Anwesenheit und Bleistift und Buch das Klassenziel als erreicht eingetragen haben wollte. Dabei war er geistig nie anwesend. Er spielte schon bei mir immer mit dem Telefon, obwohl ich es mehrmals verboten hatte und es ihm immer wieder wegnahm. Er rannte durch den Klassenraum und nervte alle und zündelte mit einem Feuerzeug rum. Ich hab ihn immer wieder rausgeschickt, was auch nicht half, denn er kam einfach wieder, draussen war langweilig. Und die anderen Lehrer meinten, dass er bei ihnen ja nicht besser wäre und sie ihn mir daher nicht abnehmen könnten. Toll, oder?
Das war leider ein Extrem an dieser Schule, aber auch von anderen Beispielen weiss ich, dass es nicht immer leicht ist. Und wie gesagt, alle Lehrer mit denen ich mich privat unterhalten habe, meinten, dass sie eigentlich nur noch auf was anderes warten oder eine Umschulung beginnen möchten. Oder sie haben längst woanders gearbeitet und erzählten mir, dass sie früher mal Lehrer waren. Gerade vor Weihnachten hat mir eine Deutschlehrerin (Schwedin) frustriert erzählt, dass sie das Gefühl hat, dass sie den Schülern gar nicht mehr helfen kann und dass es nur noch schwerer wird für die Lehrer. Sie hatten gerade im Sommer erst gekündigt und hat sich selbständig gemacht. Im Bereich Gartenpflege. Ich denke, das sagt aus, wie unglücklich viele Lehrer sind.
Wie gesagt, ich kann nur über dieses Län berichten. Es kann durchaus sein, dass es in anderen Ecken Schwedens besser ist. Und ich sage auch nicht, dass es in Deutschland besser ist. Die Schulen die ich dort kenne, sind besser. Aber ich kenne auch dort nicht alle Schulen :) Mag also in beiden Ländern gleich schlimm sein, oder gleich gut. Je nach dem wo man gerade lebt und welches Glück man hat. Von der Lehrerin meines Sohnes bin ich begeistert und dort ist auch recht gute Ordnung in der Klasse. Mehr als ich es hier an anderen Schulen gesehen habe. Aber das hängt eben auch wirklich sehr stark vom Lehrer ab und von der Zusammensetzung der Klasse.

Deutsch für Ausländer, also DaF kann ich nur empfehlen. Da hast Du Chancen bei allen Stellen wie medborgarskolan oder ähnliches. Ausserdem kannst Du vielleicht im Bereich Deutsch an der Uni unterkommen. Es schadet jedenalls nicht das zu machen. ZUmal Du es dann meist mit Erwachsenen zu tun hast, oder jungen Erwachsenen. Das ist ein riesen Unterschied. Die Arbeit mit meinen Erwachsenen macht mir echt Spass. Eine Gruppe habe ich seit Jahren. Obwohl ich eigentlich längst aufhören wollte, weil cih zu viel arbeite, kann ich diese Grupper einfach nicht gehen lassen. Oder sie mich nicht :)

Tourismus: Geh doch im Frühjahr, möglichst noch früher, bei verschiedenen Stellen in der Nähe vorbei, wo man Besichtigungen machen kann. Gibt es eine Grube, ein Schloss, irgendeine Atraktion in Deiner Nähe? Etwas wo Touristen hinwollen? Dann geh hin und stell Dich persönlich vor. Die suchen oft nur Saisonarbeiter, aber das kann eine nette Abwechslung im Sommer sein. Und ein Einstieg. Je mehr schwedische Arbeitgeber Du im CV nennen kannst, desto besser für die nächste Stelle. Man verdient halt im Tourismus echt wenig. Aber dafür lernt man vieles dazu. Das gleicht sich aus. Vor allem, wenn man sonst noch was hat wovon man leben kann.

Viel Erfolg,
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 28. Dezember 2011 16:46 
Schweden Guru
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Registriert: 10. Februar 2009 20:40
Beiträge: 1395
Imrhien hat geschrieben:
Und wie gesagt, alle Lehrer mit denen ich mich privat unterhalten habe, meinten, dass sie eigentlich nur noch auf was anderes warten oder eine Umschulung beginnen möchten. Oder sie haben längst woanders gearbeitet und erzählten mir, dass sie früher mal Lehrer waren. Gerade vor Weihnachten hat mir eine Deutschlehrerin (Schwedin) frustriert erzählt, dass sie das Gefühl hat, dass sie den Schülern gar nicht mehr helfen kann und dass es nur noch schwerer wird für die Lehrer. Sie hatten gerade im Sommer erst gekündigt und hat sich selbständig gemacht. Im Bereich Gartenpflege. Ich denke, das sagt aus, wie unglücklich viele Lehrer sind.


Ich möchte nur von einem kleinen Gegenbeispiel berichten, der in der großen Masse der Lehrer möglicherweise untergeht, aber eben doch zu deinen obigen Aussagen ein nettes Gegenbeispiel darstellt: ein schwedischer Kollege von mir (Physiker) hat nach seiner Doktorarbeit nun eine Umschulung zum Lehrer durchgeführt - und ist vollauf begeistert. Er meinte, das sei das, was er immer schon machen sollte, und freut sich, wenn er die Schüler für etwas begeistern kann - was ihm wohl auch ganz gut gelingt. Auch er klagt aber allgemein darüber, dass der Lehrerberuf in Schweden nicht so angesehen/ schlecht bezahlt ist, und vermutlich auch deshalb die Motivation vieler seiner Kollegen nicht so ganz optimal ist - und im Gegenzug natürlich auch die Schüler entsprechend darauf reagieren.
Ist sicherlich stark von der Schule und vermutlich auch von län, etc. abhängig, wollte es nur als kleines Gegenbeispiel hier anführen, dass man die Hoffnung auf motivierte Lehrer vielleicht nicht ganz aufgeben sollte....


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 30. Dezember 2011 00:30 
Hallo,

habe mit Interesse diesen Pfad durchgelesen und möchte einige Anmerkungen machen:

Das Lehren in Schweden ist außerordentlich stressig, insbesondere in den Klassen 7-9 wo ja auch der Deutschunterricht hinfällt. Deutlich leichter geht es am Gymnasium. Außerdem sollte man immer schön loben, loben, loben auch wenn der Schüler doch weit entfernt von dem ist, was man als Konversationsniveau bezeichnen könnte. Mit etwas Glück bleiben die Schüler dann bei der Stange und können in der 9. Klasse doch etwas sprechen. Auch in anderen Fächern ist das Leistungsniveau für die Note "bestanden" sehr niedrig. Sitzenbleiben gibt es hier nicht und das merkt man auch, denn der Lehrer quält sich mit Schülern die deutlich mehr davon hätten wenn sie eine Klasse wiederholen würden d.h. müssten (!), insbesonder in Fächern wie Mathe.

Was die einzelnen Regierungsbezirke (län) angeht: In Schweden ist das Schulamt für das ganze Land zuständig, nicht wie in Deutschland jedes Bundesland für sich.

Wer nach Schweden auswandern will um dort als Lehrer zu arbeiten sollte ein paar Dinge im Rucksack haben, ich werde ein paar Dinge in meinem Bericht :

Eine(n) schwedische(n) Freundin/Freund, die/der dort wohnt. Gold wert, durch nichts zu ersetzen. Das Einwandern dauerte für mich genau einen halben Tag. Außerdem kann man wenn die Liebe stark genug ist, ein paar Jahre "so" überleben, ohne viel Geld zu verdienen. Das ist am Anfang wie Urlaub, ganz tolle Zeit.

Sprache lernen. Und zwar Englisch und Schwedisch. Da die schwedische Sprache einfach und etwas plump ist muss man zwischen den Zeilen denken lernen. Im Sprachgebraucht fehlt die doppelte Absicherung die uns die Franzosen manchmal nachsagen: "Fahr langsam weil es spielende Kinder gibt" wird hier zu "fahr langsam" oder "Achtung Kinder", je nördlicher man komt desto mehr muss man aufpassen was man sagt sonst kämpft man damit alles zu verantworten was man "irgendwann vorher" mal gesagt hat.

Das dauert leider... Zum Beispiel: Nach SFI (Schwedisch für Einwanderer, Verweilzeit für Deutsche etwa 3 Monate) sollte man versuchen nicht zu lange mit SAS (schwedisch als zweite Sprache) herumzumachen sondern besser zur Erwachsenenschule gehen, wo die schwachen "Schweden"erwachsenen sitzen, denn da wird die Sprache auch praktisch gesprochen. Danach noch Svenska A und B hinterher und zwei Jahre sind um. Aber nicht glauben dass man damit an einer Schule unterrichten kann! Meine Freundin ist mit mir durch die Schulen getingelt und an einer davon gab es eine Fremdspachenlehrerin die mich in ihre Klasse ließ. Nach wenigen Tagen hatte ich breits ein paar Vertetungsstunden in Deutsch, Englich, Mathe, Physik. Das half viel beim Sprache lernen, denn nun war man gezwungen die Sprache zu benutzen. Dann habe ich ein halbes Jahr Deutschn unterrichten wollen aber ich merkte sehr bald dass das so nicht geht, wegen der unterschiedlichen Lehrsysteme. Man sollte sich unbedingt einige Hochschulliteratur zulegen wenn man schon eine Ausbildung aus Deutschland mitbringt und sich so um die 1500 bis 2000 Seiten reinlesen, dazu noch etwas Fachdidaktik auf Schwedisch. Das war mir aber zu anstrengend also doch zur Hochschule und einfach mal studieren. Mathe studiert man hier deutlich einfacher als in Deutschland und dazu noch als Fernstudium. Deutsch wurde mir fast hinterhergeschmissen, lediglich die konstrastiven Grammatiken und eine Übersetzung hilt mich kurz auf. Ansonsten kommt es darauf an wie schnell man Schönliteratur lesen kann oder ob man die Standartwerke schon kennt. Ich kannte keines davon und mein damaliger Deutschlehrer sagte mal dass ich am besten eine Maurerlehre beginnen sollte damit man nciht erkennt dass ich trotz Abitur von Schönliteratur keine Ahnung habe. Nun gut, die Studiererei dauerte etwa 3,5 Jahre wobei ich die Fächer zuerst dtudierte und dann den pädagogischen wirklich schwierigen Teil, wegen der fremden Sprache. Der pädagigische Teil und die schwachen Englischkenntnisse waren die eigentlichen Schwierigkeiten beim Studium.

Sehr hilfreich: Man sollte mal gucken ob man einen Deutschen trifft, der beide Sprachen perfekt kann. Die Examensarbeit ging dann eigentlich ganz gut, denn ich schrieb alles auf deutsch und konnte dann alles mit dem Freund ins Schwedische übersetzen. Insgesamt war mein Studium ein Jahr kürzer als die Schweden brauchen, denn ich hatte so viel gleichzeitig belegt, teilweise sogar Vertretungsstunden gegeben. Seit zwei JAhren habe ich eine Festanstellung, aber ich bin nicht glücklich denn eine Sache funktioniert hier nicht besonders gut: Freunde finden. Damit meine ich nicht welche mit denen man fischen gehen kann oder einen trinken sondern richtige Freundschaften mit sowas wie "schön dass es Dich gibt".

Ich bin am Überlegen wieder nach Deutschland zurückzukehren und muss mich gerade darum kümmern, wie man die schwedische Ausbildung in Deutschland anerkannt bekommt. Sieht kompliziert aus.

In Schweden wird seit einem halben Jahr krampfhaft versucht eine Art Legitimation einzuführen, d.h. ein Lehrer mit Examen bekommt eine Legitimation in den Fächern die er studiert hat, wenn er diese Fächer mindestens 1 Jahr in Schweden unterrichtet hat, wobei das eine Jahr auch zusammengestückelt sein kann. Wer was anderes unterrrichtet muss bis 2015 zusehen dass er die Fachkompetenz nachstudiert. Wer keine Legitimation hat darf danach in den nicht zugelassenen Fächern keine Zensuren mehr geben und kann auch schon vorher nur noch für ein Jahr begrenzt angestellt werden. Das gilt für die alten Lehrer, die neuen haben noch schärfere Regeln.


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 30. Dezember 2011 18:19 
Alter Schwede
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Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Hej Sams,
Du hast natürlicht absolut recht. Sorry. ich sollte das nicht nur so einseitig dunkel darstellen. Sicherlich gibt es Lehrer, die ihren Beruf lieben und glücklich sind. Auch in Schweden. Sonst gäbe es noch weniger davon! Es ist nur so, dass ich leider gerade in letzter Zeit mit ein paar gesprochen habe und privat ein paar kenne und die sind eben leider nicht mehr so glücklich. Wobei, eine kenne ich, die tatsächlich gerne Lehrerin ist und nicht wechseln will. Sie hatte nur die Schule gewechselt um wieder in der richtigen Altersstufe zu arbeiten. Seitdem geht es ihr besser. Nun ist sie wieder auf dem Gymnasium und mag ihre Arbeit. Ich glaube, dass die, die nicht so zufrieden sind, oft in der mittleren Altersgruppe sind. Also mellan och högstadium. Bis 9. Klasse. 6.-9, ist wohl am Schwierigsten, wie ich gehört habe und leider selber erlebt habe. Grundschule scheint toll zu sein. Zumindest sehen die Lehrer da noch sehr zufrieden aus, die die ich kenne. Von anderen kann ich ja ehr nur mutmassen :)
Danke für das Gegenbeispiel. Ich freu mich ja, dass es auch andere gibt und hoffe, dass es tatsächlich mehr sind als meine Beispiele. Denn meine Kinder sollen ja zufriedenen Lehrer haben. Sonst ist die Schule ja auch für die Schüler doof.

Liebe Grüsse
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Arbeitsmöglichkeiten
BeitragVerfasst: 30. Dezember 2011 21:34 
Schweden Guru
Schweden Guru

Registriert: 10. Februar 2009 20:40
Beiträge: 1395
Hej Wiebke,

das ist leider wahr. Es ist eigentlich traurig, wieviel von den richtigen Lehrern abhängt. Da kann man wirklich viele Talente mit fördern. Es hängt doch eigentlich in der Hauptsache von den Lehrern ab, welche Fächer man in der Schule toll findet, was ja dann oft auch die spätere Berufswahl beeinflusst...

Und leider hast Du sicherlich recht, dass viele Lehrer eben unmotivierter sind als sie sein sollten. Also hoffen wir mal, dass sich das wieder ändert....

Liebe Grüße :smt006
Simone


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