Arbeitsmöglichkeiten

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Onkel Toms Hütte

Re: Arbeitsmöglichkeiten

Beitragvon Onkel Toms Hütte » 29. Dezember 2011 23:30

Hallo,

habe mit Interesse diesen Pfad durchgelesen und möchte einige Anmerkungen machen:

Das Lehren in Schweden ist außerordentlich stressig, insbesondere in den Klassen 7-9 wo ja auch der Deutschunterricht hinfällt. Deutlich leichter geht es am Gymnasium. Außerdem sollte man immer schön loben, loben, loben auch wenn der Schüler doch weit entfernt von dem ist, was man als Konversationsniveau bezeichnen könnte. Mit etwas Glück bleiben die Schüler dann bei der Stange und können in der 9. Klasse doch etwas sprechen. Auch in anderen Fächern ist das Leistungsniveau für die Note "bestanden" sehr niedrig. Sitzenbleiben gibt es hier nicht und das merkt man auch, denn der Lehrer quält sich mit Schülern die deutlich mehr davon hätten wenn sie eine Klasse wiederholen würden d.h. müssten (!), insbesonder in Fächern wie Mathe.

Was die einzelnen Regierungsbezirke (län) angeht: In Schweden ist das Schulamt für das ganze Land zuständig, nicht wie in Deutschland jedes Bundesland für sich.

Wer nach Schweden auswandern will um dort als Lehrer zu arbeiten sollte ein paar Dinge im Rucksack haben, ich werde ein paar Dinge in meinem Bericht :

Eine(n) schwedische(n) Freundin/Freund, die/der dort wohnt. Gold wert, durch nichts zu ersetzen. Das Einwandern dauerte für mich genau einen halben Tag. Außerdem kann man wenn die Liebe stark genug ist, ein paar Jahre "so" überleben, ohne viel Geld zu verdienen. Das ist am Anfang wie Urlaub, ganz tolle Zeit.

Sprache lernen. Und zwar Englisch und Schwedisch. Da die schwedische Sprache einfach und etwas plump ist muss man zwischen den Zeilen denken lernen. Im Sprachgebraucht fehlt die doppelte Absicherung die uns die Franzosen manchmal nachsagen: "Fahr langsam weil es spielende Kinder gibt" wird hier zu "fahr langsam" oder "Achtung Kinder", je nördlicher man komt desto mehr muss man aufpassen was man sagt sonst kämpft man damit alles zu verantworten was man "irgendwann vorher" mal gesagt hat.

Das dauert leider... Zum Beispiel: Nach SFI (Schwedisch für Einwanderer, Verweilzeit für Deutsche etwa 3 Monate) sollte man versuchen nicht zu lange mit SAS (schwedisch als zweite Sprache) herumzumachen sondern besser zur Erwachsenenschule gehen, wo die schwachen "Schweden"erwachsenen sitzen, denn da wird die Sprache auch praktisch gesprochen. Danach noch Svenska A und B hinterher und zwei Jahre sind um. Aber nicht glauben dass man damit an einer Schule unterrichten kann! Meine Freundin ist mit mir durch die Schulen getingelt und an einer davon gab es eine Fremdspachenlehrerin die mich in ihre Klasse ließ. Nach wenigen Tagen hatte ich breits ein paar Vertetungsstunden in Deutsch, Englich, Mathe, Physik. Das half viel beim Sprache lernen, denn nun war man gezwungen die Sprache zu benutzen. Dann habe ich ein halbes Jahr Deutschn unterrichten wollen aber ich merkte sehr bald dass das so nicht geht, wegen der unterschiedlichen Lehrsysteme. Man sollte sich unbedingt einige Hochschulliteratur zulegen wenn man schon eine Ausbildung aus Deutschland mitbringt und sich so um die 1500 bis 2000 Seiten reinlesen, dazu noch etwas Fachdidaktik auf Schwedisch. Das war mir aber zu anstrengend also doch zur Hochschule und einfach mal studieren. Mathe studiert man hier deutlich einfacher als in Deutschland und dazu noch als Fernstudium. Deutsch wurde mir fast hinterhergeschmissen, lediglich die konstrastiven Grammatiken und eine Übersetzung hilt mich kurz auf. Ansonsten kommt es darauf an wie schnell man Schönliteratur lesen kann oder ob man die Standartwerke schon kennt. Ich kannte keines davon und mein damaliger Deutschlehrer sagte mal dass ich am besten eine Maurerlehre beginnen sollte damit man nciht erkennt dass ich trotz Abitur von Schönliteratur keine Ahnung habe. Nun gut, die Studiererei dauerte etwa 3,5 Jahre wobei ich die Fächer zuerst dtudierte und dann den pädagogischen wirklich schwierigen Teil, wegen der fremden Sprache. Der pädagigische Teil und die schwachen Englischkenntnisse waren die eigentlichen Schwierigkeiten beim Studium.

Sehr hilfreich: Man sollte mal gucken ob man einen Deutschen trifft, der beide Sprachen perfekt kann. Die Examensarbeit ging dann eigentlich ganz gut, denn ich schrieb alles auf deutsch und konnte dann alles mit dem Freund ins Schwedische übersetzen. Insgesamt war mein Studium ein Jahr kürzer als die Schweden brauchen, denn ich hatte so viel gleichzeitig belegt, teilweise sogar Vertretungsstunden gegeben. Seit zwei JAhren habe ich eine Festanstellung, aber ich bin nicht glücklich denn eine Sache funktioniert hier nicht besonders gut: Freunde finden. Damit meine ich nicht welche mit denen man fischen gehen kann oder einen trinken sondern richtige Freundschaften mit sowas wie "schön dass es Dich gibt".

Ich bin am Überlegen wieder nach Deutschland zurückzukehren und muss mich gerade darum kümmern, wie man die schwedische Ausbildung in Deutschland anerkannt bekommt. Sieht kompliziert aus.

In Schweden wird seit einem halben Jahr krampfhaft versucht eine Art Legitimation einzuführen, d.h. ein Lehrer mit Examen bekommt eine Legitimation in den Fächern die er studiert hat, wenn er diese Fächer mindestens 1 Jahr in Schweden unterrichtet hat, wobei das eine Jahr auch zusammengestückelt sein kann. Wer was anderes unterrrichtet muss bis 2015 zusehen dass er die Fachkompetenz nachstudiert. Wer keine Legitimation hat darf danach in den nicht zugelassenen Fächern keine Zensuren mehr geben und kann auch schon vorher nur noch für ein Jahr begrenzt angestellt werden. Das gilt für die alten Lehrer, die neuen haben noch schärfere Regeln.

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Re: Arbeitsmöglichkeiten

Beitragvon Imrhien » 30. Dezember 2011 17:19

Hej Sams,
Du hast natürlicht absolut recht. Sorry. ich sollte das nicht nur so einseitig dunkel darstellen. Sicherlich gibt es Lehrer, die ihren Beruf lieben und glücklich sind. Auch in Schweden. Sonst gäbe es noch weniger davon! Es ist nur so, dass ich leider gerade in letzter Zeit mit ein paar gesprochen habe und privat ein paar kenne und die sind eben leider nicht mehr so glücklich. Wobei, eine kenne ich, die tatsächlich gerne Lehrerin ist und nicht wechseln will. Sie hatte nur die Schule gewechselt um wieder in der richtigen Altersstufe zu arbeiten. Seitdem geht es ihr besser. Nun ist sie wieder auf dem Gymnasium und mag ihre Arbeit. Ich glaube, dass die, die nicht so zufrieden sind, oft in der mittleren Altersgruppe sind. Also mellan och högstadium. Bis 9. Klasse. 6.-9, ist wohl am Schwierigsten, wie ich gehört habe und leider selber erlebt habe. Grundschule scheint toll zu sein. Zumindest sehen die Lehrer da noch sehr zufrieden aus, die die ich kenne. Von anderen kann ich ja ehr nur mutmassen :)
Danke für das Gegenbeispiel. Ich freu mich ja, dass es auch andere gibt und hoffe, dass es tatsächlich mehr sind als meine Beispiele. Denn meine Kinder sollen ja zufriedenen Lehrer haben. Sonst ist die Schule ja auch für die Schüler doof.

Liebe Grüsse
Wiebke

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Re: Arbeitsmöglichkeiten

Beitragvon Sams83 » 30. Dezember 2011 20:34

Hej Wiebke,

das ist leider wahr. Es ist eigentlich traurig, wieviel von den richtigen Lehrern abhängt. Da kann man wirklich viele Talente mit fördern. Es hängt doch eigentlich in der Hauptsache von den Lehrern ab, welche Fächer man in der Schule toll findet, was ja dann oft auch die spätere Berufswahl beeinflusst...

Und leider hast Du sicherlich recht, dass viele Lehrer eben unmotivierter sind als sie sein sollten. Also hoffen wir mal, dass sich das wieder ändert....

Liebe Grüße :smt006
Simone


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