Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

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svenska-nyheter
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Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon svenska-nyheter » 29. Juni 2015 14:29

Insgesamt 19 Personen sind jetzt nach einer Aktion im Atomkraftwerk Oskarshamn wegen schweren Hausfriedensbruchs angeklagt worden.

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(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

vibackup
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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon vibackup » 29. Juni 2015 20:27

svenska-nyheter hat geschrieben:Insgesamt 19 Personen sind jetzt nach einer Aktion im Atomkraftwerk Oskarshamn wegen schweren Hausfriedensbruchs angeklagt worden.

Statt dass man denen einen Orden verleiht... man stelle sich vor, nicht friedliche Greenpeacer, sondern extreme <hier die extremistische Richtung des geringsten Vertrauens einsetzen> hätten dasselbe getan, nur eben nicht, um auf Sicherheitslücken aufmerksam zu machen... sondern um den Staat zu erpressen?
Soll ja gehen, so ein Kraftwerk in die Luft zu jagen... behaupten jedenfalls Leute in Japan, England, USA und an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland... und danach entstehen manchmal große Naturschutzgebiete rund um diese Kraftwerke... mehr oder minder freiwillig...
Kopfschüttelnd,

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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon Petergillarsverige » 3. Juli 2015 21:03

Hmm, friedlich sind die wenn die in einen Hochsicherheitstrakt eindringen den Wachleute mit Waffen schützen müssen?
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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon vibackup » 4. Juli 2015 09:46

Petergillarsverige hat geschrieben:Hmm, friedlich sind die wenn die in einen Hochsicherheitstrakt eindringen den Wachleute mit Waffen schützen müssen?

  1. Du kannst aus der (vermuteten) Bewaffnung der Wächter keine Schlüsse auf das Verhalten der Greenpeacer ziehen - da machst du einen logischen Denkfehler.
  2. Offenbar war das mit dem Schutz ja nicht so weit her, wenn die unbewaffnet, unbemerkt und ohne dass sie in Konflikt mit den "Wächtern" (die ja scheinbar entweder geschlafen haben, oder gar nicht da waren) geraten, da hinein können.
Bist du sicher, dass so eine eklatante Sicherheitslücke nicht etwas ist, was dringend bekannt und behoben werden muss?
Vergiss nicht: da steht eine potentielle Atombombe herum, und an die darf nun einmal kein Unbefugter ran... finde jedenfalls ich.
Dann kann man diskutieren, ob man überhaupt so gefährliche Techniken nutzen will, aber diese Frage scheint sich ja ev. gerade von selber zu erledigen...

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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon vibackup » 4. Juli 2015 10:54

Ein interessanter Aspekt:
als Greenpeace in der Barentsee gegen Ölbohrungen protestierte und die Aktivisten in Russland festgenommen wurden, löste das weltweite Proteste und Berichterstattung aus. Mit Recht, finde ich, aber hier macht Schweden dasselbe.
Und politische Prozesse darf es in keinem Land geben... ein "quod licet iovi..." ist hier nicht ok.

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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon EuraGerhard » 8. Juli 2015 08:02

Hallo,

auch wenn die Aktion dem Aufzeigen von eklatanten Sicherheitsmängeln diente, so ist der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs doch zweifellos erfüllt. Und da der Inhaber des Hausrechts offenbar nicht bereit war, auf eine Anzeige zu verzichten, hat die Staatsanwaltschaft kaum eine andere Wahl, als Anklage zu erheben. Ich gehe davon aus, dass die Aktivisten sich der rechtlichen Hintergründe bewusst waren und sie in Kauf genommen haben.

Meiner Meinung nach sollte der "gute Zweck" der Aktion aber durchaus berücksichtigt werden, entweder indem nur ein eher symbolisches Strafmaß verhängt wird, oder das Verfahren komplett eingestellt wird. Das zu entscheiden, ist aber Aufgabe des Richters, nicht des Staatsanwalts.

MfG
Gerhard

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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon Petergillarsverige » 8. Juli 2015 10:11

Es ist enorm schwierig den Tatbestand vom eigenen Gefühl zu trennen.
Lasst mal auf euch wirken:
Eine Gruppe von etwa 50 Atomkraftgegnern stürmten das Infozentrum eines geplanten Endlagers. Sie richteten einen Schaden von 250.000 DM an. Die zur Hilfe gerufene Polizei ordnete an, das Gelände zu verlassen und weigerte sich die Personalien der Demonstranten aufzunehmen. (war Tatsache)

Vier Abtreibungsgegner verschafften sich Zutritt zu einer Abtreibungsklinik und hinderten die dort tätigen Ärzte daran Abtreibungsn durchzuführen. Die zur Hilfe gerufene Polizei ordnete an, das Gebäude zu verlassen und weigerte sich die Personalien der Demonstranten aufzunehmen. (Fiktion)

Eine Gruppe bewaffneter Gegner des Dritten Reiches stürmten die Wolfsschanze, das Hauptquartier des Führers, ermordeten ihn. Die zur Hilfe gerufene Polizei ordnete an, das Gelände zu verlassen und weigerte sich die Personalien der NS-Gegner aufzunehmen. (auch Fiktion)

Ich will hier nicht über NS-Zeit oder Abtreibung diskutieren, aber mal darauf hinweisen, dass es schwer ist den Vorfall in Oskarshamn objektiv zu beurteilen.

Was kann eigentlich im worst-case passieren:
Die Gruppe war nicht im Kernkraktwerk, sondern auf dem Gelände. Dort könnte man mit einem gezielten Wurf eines Drahtes den Transformator kurzschließen. Das hätte eine Reaktorschnellabschaltung zur Folge. Die Notstromdiesel würden anspringen und den Reaktor in eine sichere Lage bringen. Diese Dieselmotoren sind gut geschützt im Reaktorgebäude (oder angrenzendes Gebäude). Kritisch wäre eine Zerstörung der Dieseltanks, wo die sich in Oskarshamn befinden weiß ich nicht, in jedem Fall aber dürften die Diesel etliche Stunden versorgt sein.
Es ist nicht machbar an hochradioaktives Material zu kommen. Die nächsten Sicherheitsbarrieren verhindern den weiteren Zutritt ins Gebäude. Mit entsprechend krimineller Energie könnte man mit einer schweren Explosion weiteren Schaden erzeugen. Das wäre als Kriegsfall einzustufen. In jedem Fall aber kann man keine nukleare Explosion erzeugen. Um eine nukleare Verseuchung zu erzeugen, z.B. durch Spregen eines Behälters im Zwischenlager, braucht man mehr als einen Rucksack. Man wird auch ein paar Wachleute umbringen müssen.
Die Zerstörung des Trafos hat einen zweistelligen Millionenbetrag als Schaden zur Folge, pro Tag Stillstand nochmal extra 1 Mill.

Muss man deshalb ein Kernkraftwerk weiter sichern, dass ein solches Eindringen verhindert wird? Ich meine Nein. Wenn wir nämlich hier "ja" sagen, müssen wir diesen Sicherheitsstandard überall anwenden.

Das Risiko ist das Produkt von Gefährdung mal Eintrittswahrscheinlichkeit.
Mit einem gewöhnlichen PKW kann ein Autofahrer etliche Menschen töten, wenn er in eine Menschenmenge fährt.
Wenn jemand mit einem VW Bus mit der Aufschrifft "Wasseruntersuchung" in München an einen Hydranten fährt, ihn öffnet und hochgiftige Substanzen ins Wassernetz einspeist, kann er die Bewohner eines ganzes Stadtteils umbringen. Bewachen wir deshalb jeden Hydranten?

Leben in einer Zivilisation bedeutet angreifbar zu sein. Damit müssen wir leben. Oskarshamn deshalb anders zu behandeln weil es ein "Atom"kraftwerk ist, ist nicht einzusehen. Es gibt sehr viele Anlagen die deutlich größere Gefährdungspotentiale haben.

In Deutschland ist das Wachpersonal bewaffnet. Das wird in Schweden nicht anders sein. Das Gelände eines Kernkraftwerkes ist weitläufig. Mit der nötigen Energie kann man den Zaun überwinden, oder mit einem Ultraleichtflieger bei Siedewasserreaktoren auf dem Dach landen. Was wäre passiert, wenn ein Wächter auf einen Green"peace" - Aktivisten geschossen hätte?

Es hat nichts mit "Frieden" zu tun, wenn man gewaltsam in ein Kraftwerksgelände eindringt.

In jedem Fall aber ist die Möglichkeit auf das Gelände zu kommen kein "eklatanter Sicherheitsmangel."
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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon EuraGerhard » 8. Juli 2015 11:38

Petergillarsverige hat geschrieben:In jedem Fall aber ist die Möglichkeit auf das Gelände zu kommen kein "eklatanter Sicherheitsmangel."

Ich habe die Aktion, um die es hier geht, mit einer anderen verwechselt. Bei dieser Aktion hier ging es entgegen meiner ursprünglichen Auffassung tatsächlich nicht um das Aufzeigen von Sicherheitsmängeln, sondern lediglich um das Ausrollen eines Transparents am Kraftwerksgebäude.

Von daher habe ich kein Problem mehr damit, wenn diese Aktivisten jetzt wegen Hausfriedensbruchs strafrechtlich verfolgt und verurteilt werden.

MfG
Gerhard

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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon vibackup » 8. Juli 2015 19:17

Petergillarsverige hat geschrieben:In jedem Fall aber ist die Möglichkeit auf das Gelände zu kommen kein "eklatanter Sicherheitsmangel."

Wenn man Sicherheitszäune "umgehen" kann?

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Re: Anklage nach Coup in Atomkraftwerk

Beitragvon Petergillarsverige » 8. Juli 2015 21:55

So wie der auf dem Bild aussieht mit Kletterseilen etc. hat er den Zaun nicht einfach "umgangen".
In ein Kernkraftwerk spaziert man nicht einfach rein wie in einen Schrebergarten. Zum Dach des Siedewasserreaktors gibt es auch keinen Fahrstuhl.
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