Alte in Schweden

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Tulipa
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Alte in Schweden

Beitragvon Tulipa » 20. Januar 2009 10:35

Guten Morgen,
wie geht es eigentlich den alten Menschen in Schweden ?

Es erstaunt mich immer wieder, welches hohe Alter die meisten SchwedInnen zu erreichen scheinen und wie fit und rüstig diese dann noch sind. Schlank, gepflegt, deutlich jünger wirkend als sie tatsächlich sind und oft sehr freundlich und aufgeschlossen, solche treffe ich überall.
Aber wie geht es den vielen nicht mehr so rüstigen Menschen in den Altenheimen ? In unserer Lokalzeitung wird das gerade hoch aufgebauscht. Sich zusammenrottendes Personal lässt die "brukare" (welches Un-Wort !) noch nicht einmal Fersehgucken, weil das zu viele Umstände macht, gegen 14 h werden schon die ersten für die Nacht fertig gemacht, damit die Pfleger dann in Ruhe Fika können.
Unsere Nachbarin, knapp 90, ist ein anderer, objektiv besser gestellter Fall (vor kurzem hat diese ein Grundstück für einen SEK-Preis mit 7 Nullen verkauft - steht ja auch alles immer genau in der Zeitung). Von den 3 Kindern und etlichen Enkeln schaut so 1-2 mal im Jahr jemand für ein paar Stunden vorbei. Dafür ein Kommen und Gehen vom Hemtjänst, jede Stunde oder manchmal öfter, und immer wechselnde PflegerInnen. Das müssen viele Dutzend verschiedene sein, die die alte Frau versorgen, ihr das eingeschweisste Plastikessen bringen und dann den Rest in die Mülltonne werfen usw.
Ein schönes Alter sind für mich beide Beispiele nicht ...

Was habt ihr dazu beobachtet ?

LG
Tulipa
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Re: Alte in Schweden

Beitragvon Tulipa » 20. Januar 2009 11:33

ach ja, einen anderen Aspekt hat das Thema natürlich auch:

Ihr die ihr euren Ruhestand in Schweden verbringt bzw. vorhabt, dieses zu tun:
Wie stellt ihr euch das dort für euch selbst vor, wenn ihr nicht mehr allein zurecht kommt ?

LG
Tulipa
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nysn

Re: Alte in Schweden

Beitragvon nysn » 20. Januar 2009 11:55

Hej Tulipa,
ich denke, das ist in Schweden nicht viel anders als in Deutschland. Wer er sich leisten kann, bekommt private Pflege (wie anzunehmenderweise bei deiner Nachbarin) und wer es sich nicht leisten kann, der ist auf die kommunalen Dienste angewiesen. Da gibt es sicherlich auch Qualitätsunterschiede, je nachdem wie "reich" die Kommune jeweils ist und wie viel Geld/Ressourcen dort für Hemtjänst usw. zur Verfügung gestellt werden.

Das System stelle ich mir ähnlich vor wie eben für die kommunalen Schulen - dort, wo mehr Steuergelder zur Verfügung stehen, ist es meist auch besser.

Was ich meine durch Medienberichte/Zeitungen "wahrgenommen zu haben" (im Gegensatz zum ländlichen Süddeutschland) ist, dass es eher selbstverständlicher ist, die Oma/den Opa in ein Serviceheim zu geben. Habe eigentlich noch keine Familie kennen gelernt, wo pflegebedürftige Großeltern zu Hause betreut wurden. Doch das liegt möglicherweise an meinem "geringen Alter" :D

S-nina

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Re: Alte in Schweden

Beitragvon Tulipa » 20. Januar 2009 12:39

Danke S-Nina für die Antwort !

Der Pflegedienst unserer Nachbarin ist eindeutig städtischer Hemtjänst laut Emblem auf den Autos. Wobei es natürlich sein kann, dass sie gegen Aufpreis aufwändiger gepflegt wird als andere.
Was ich meinte, ist aber, wenn es am Geld nicht scheitert, könnte man es sich doch schöner machen, oder ? Z.B. eine bestimmte Pflegekraft fest anstellen, die dann auch etwas Gutes kocht ? Kann doch auch nicht viel teurer sein als so viele fremde Leute, die da im Haus herumtrampeln - was sich die früher sehr energische Nachbarin, wenn sie noch Kräfte hätte, mit Sicherheit verbeten würde. Scheitert das auch wieder daran, dass es politisch unkorrekt ist, Dienstboten zu haben ?
Aber du hast recht, ist wohl kein rein schwedisches Problem. Mehrgenerationenhaushalte habe ich hier allerdings tatsächlich noch nie gesehen.

LG
Tulipa
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Re: Alte in Schweden

Beitragvon Aelve » 20. Januar 2009 13:16

Hallo Tulipa,

wir werden im Rentenalter in Schweden viel Zeit verbringen, aber wir haben nicht geplant, uns aus Deutschland ganz zu verabschieden.
Da hätten wir auch etwas Bedenken, wenn man pflegebedürftig ist, dass man dann etwas einsam in unserem Haus in Röllese bei Torestorp ist.
Es ist ja etwas ländlicher gelegen und wenn man kein Auto mehr fahren kann, dann sind 4 km bis zum nächsten Ort mit ein klein wenig Einkaufsmöglichkeiten weit. Insofern werden wir, wenn wir uns nicht mehr selber helfen können, wohl nicht mehr nach Schweden fahren, das ist uns schon heute ziemlich klar. Aber das nicht, weil wir denken, dass die Pflege dort in Schweden nicht so gut ist wie in Deutschland, sondern einfach nur, weil man dort dann ziemlich abseits wohnen würde, da wären wir in unserem jetzigen Wohnort besser dran. Ich habe sonst von den Altersheimen in der Region um Älvsered und Överlida herum Gutes gehört. Und ältere Leute wohnen ja manchmal dann in den extra von der Kommune für die ältere Generation gebauten Reihenhäusern, in denen sie von der Kommune Pflege erhalten und in dem Haus wohnen bleiben können, da diese Altenwohnungen altengerecht und behindertengerecht gestaltet sind. Ich habe mir sagen lassen, dass in Schweden versucht wird, alte und gebrechliche Leute länger in ihrem Zuhause wohnen zu lassen anstatt dass sie gleich in ein Altersheim gehen müssen.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
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Re: Alte in Schweden

Beitragvon knäul » 20. Januar 2009 13:41

Hej,
Habe selbst längere Zeit hier im Hemtjänst auf dem Lande gearbeitet.Es ist hier so das man versucht die Leute so lange wie möglich zu Hause zu versorgen weil man sie so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung belassen möchte.Zur Bedürftigkeit war es bei uns so das die unterschiedlichen Pflegestufen möglichst gleichmässig auf die Arbeitsgruppen aufgeteilt wurden.Wir hatten immer genug Zeit für die Leute und an Material und Geräten alles was wir brauchten.Wir haben sogar sozialbesök gemacht, also Menschen die alles allein konnten ,wir haben uns mit ihnen nur unterhalten.Fand ich toll , konnte die Sprache besser lernen und die pensionäre haben ein wenig Unterricht erteilt, die fanden das toll.Das es so viele verschiedene sind die dann kommen ist nicht schön, bei uns lag es daran das es ausschlieslich Frauen waren die dort gearbeitet haben,bei krankheit der Kinder sind sie zu hause geblieben und nicht der Mann,sofern vorhanden.
Wir hatten leider einen sehr hohen Krankenstand.Na ja ich komm lieber zum Ende , wie meine Frau jetzt sagen
würde : du redest zu viel!!
Gruss Knäul

nysn

Re: Alte in Schweden

Beitragvon nysn » 20. Januar 2009 15:13

Und ältere Leute wohnen ja manchmal dann in den extra von der Kommune für die ältere Generation gebauten Reihenhäusern, in denen sie von der Kommune Pflege erhalten und in dem Haus wohnen bleiben können, da diese Altenwohnungen altengerecht und behindertengerecht gestaltet sind.


Hej Aleve,
Meinst du damit die sog. 55plus-Wohngebiete?

Die sind in der Regel eine recht teuere Angelegenheit. Z. B. wurde bei uns gerade (mal wieder) ein solches
Gebiet fertig gestellt. Die Wohnungen werden nur an Leute verkauft, die 55 und älter sind - Preis für eine ca. 100 m2 große Wohnung - ca. 3 Mio. SEK - dann noch Nebenkosten in Höhe von ca. 6.000 SEK/Monat.

Scheitert das auch wieder daran, dass es politisch unkorrekt ist, Dienstboten zu haben ?


Würde nicht sagen, dass es an der politischen Korrektheit scheitert, sondern eher daran, dass die Schweden in der Regel nicht über die notwendigen Mittel verfügen - die Eltern haben eben oft nur so viel, dass es für sie selber reicht und die Kinder kümmern sich eben auch primär um sich selbst. Irgendwie scheinen hier die Familienbande "lockerer" geknüpft zu sein und man verlässt sich quasi von der Wiege bis zur Bahre auf den Staat - also kommunaler Pflegedienst, wenn es dann mal soweit sein sollte.

S-nina

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Re: Alte in Schweden

Beitragvon Aelve » 20. Januar 2009 15:44

Hallo S-Nina,

nein, von 55plus Wohngebiete habe ich noch nichts gehört, wo gibt es denn solche teure Altenwohnungen? Das ist ja unbezahlbar, ist da die Pflege und die Essensversorgung bis ins hohe Alter gleich einkalkuliert?

Nein, ich meine so eine Art Reihenhäuser, die ebenerdig sind. In Älvsered und in Öxabäck habe ich solche Reihenhäuser direkt im Ortskern bereits gesehen, es hieß dann von meinen Bekannten, das sind altengerechte Häuser für Senioren, die sich dort günstig einmieten können und dort werden sie gepflegt von Pflegekräften der Kommune. Ich glaube, dort kann man sich nur einmieten, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat. Vielleicht wird dörflich doch etwas mehr getan für die ältere Bevölkerung als in den Großstädten, das wird sicherlich in der Kommune so geregelt und im kleineren Kreis
sind wohl noch mehr Traditionen und Werte gefragt, das mag in Ballungsgebieten schon unpersönlicher sein. Deshalb schätze ich kleinere Orte auch mehr, denn sobald etwas zu anonym ist - wie z.B. in einer Großstadt - dann wird sich nicht mehr so sozial verhalten wie im kleinen Ort, wo jeder jeden kennt.

Sei gegrüßt von Aelve
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Re: Alte in Schweden

Beitragvon blueII » 20. Januar 2009 16:00

Aelve hat geschrieben:
Nein, ich meine so eine Art Reihenhäuser, die ebenerdig sind. In Älvsered und in Öxabäck habe ich solche Reihenhäuser direkt im Ortskern bereits gesehen,


Ja die gibt es wirklich, wir haben auch sowas in unserem Ort.
Vorgelagert ist ein Heim füür geistigbehinderte Erwachsene und dahinter stehen kleine Häuschen mit vielen kleinen Wohneinheiten, wo die Senioren leben und wenn gewünscht über die Heimküche mitverpflegt werden.

Aelve hat geschrieben:Vielleicht wird dörflich doch etwas mehr getan für die ältere Bevölkerung als in den Großstädten, das wird sicherlich in der Kommune so geregelt und im kleineren Kreis
sind wohl noch mehr Traditionen und Werte gefragt,


Nun, vielleicht ist auch auf dem Land einfach mehr Armut, sodaß geholfen werden muß.
Allerdings sind die Tage dieser Einrichtungen gezählt.
Den Komunen geht das Geld mehr und mehr aus.
Auf unserer Insel steht man kurz vor der Entscheidung, ob man zuerst 5 von den 8 vorhandenen Schulen
in den nächsten 3 Jahren schließen soll oder zuerst das Alterheim. :shock:

LG
Heike

nysn

Re: Alte in Schweden

Beitragvon nysn » 20. Januar 2009 16:40

So ganz genau kenne ich mich jetzt mit den Wohnungen für Senioren nicht aus.

Bin jetzt mal davon ausgegangen, was es bei uns in der Kommune gibt - da gibt es eben die schon genannten
55plus-"Ghettos" - das sind normale "bostadsrätter", die nur an Leute diesen Alters verkauft werden - warum - keine Ahnung? Die Leute, die sich eine solche Wohnung kaufen, sind oft noch fit und nicht pflegebedürftig.
Warum die so teuer sind weiß ich auch nicht - auf jeden Fall Essen und Pflegeleistungen usw. gehören nicht dazu.

Die Wohnungen sind so gebaut, dass man als älterer Mensch bequem dort wohnen kann - also alles ebenerdig und keine Türschwellen, gut erreichbare Küchenschränke usw. Auch kann man sich diverse Dienste zusätzlich kaufen, wie Schneeräumen, Gartenarbeiten usw.
Man kann die Wohnungen auch wieder verkaufen, wenn man nicht mehr dort wohnen möchte - aber eben wohl nur an die genannte Zielgruppe.

Dann gibt es bei uns ein Servicehem (kommunalt äldreboende) - eine Art Altersheim mit Wohnungen und einigen kleineren Einheiten, die aussehen wie Reihenhäuschen - sind meist 1-, 2- oder sogar 3-Zimmer-Wohnungen (von 40 bis 80 m2).

Dahin kommt man aber nur wenn die Kommune das bewilligt hat und wenn man nicht mehr in der Lage ist, sich selber oder mithilfe von "hemtjänst" zu Hause zu versorgen. Dort gibt es dann die verschiedensten Hilfen, was der Einzelne eben so braucht.
Man bezahlt dort auch eine Miete, aber ob die nun günstig ist - keine Ahnung.

Vielleicht wird dörflich doch etwas mehr getan für die ältere Bevölkerung als in den Großstädten, das wird sicherlich in der Kommune so geregelt und im kleineren Kreis
sind wohl noch mehr Traditionen und Werte gefragt, das mag in Ballungsgebieten schon unpersönlicher sein.


Das halte ich für "unwahrscheinlich" - denn meistens haben die kleinen Kommunen weniger Geld - Werte und Traditionen spielen in der Regel bei staatlichen Leistungen in Schweden nur eine untergeordnete Rolle.

Es scheint wohl auch nicht einfach zu sein, dass man einen Platz in einem kommunalen Altersheim bewilligt bekommt - prioritiert wird immer zuerst der Hausservice "hemtjänst".

Dass bei Hemtjänst vorwiegend Frauen in Teilzeit arbeiten, kann ich auch verstehen. Denn diese Art von Arbeit ist anstrengend und zumeist sehr schlecht bezahlt. Ist auch ein recht typischer Job für Einwanderer - die werden oft vom Arbeitsamt zu dieser Art von Tätigkeit "überredet" und bekommen eine entsprechende Ausbildung bewilligt.

Gehört Älvsered nicht zur Kommune Falkenberg?

S-nina


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