Als Arzt nach Schweden

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

daniel.mayer
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: 30. Dezember 2014 13:27
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Als Arzt nach Schweden

Beitragvon daniel.mayer » 8. Januar 2015 11:58

Hey,

meine Frau und ich spielen seit längerer Zeit mit dem Gedanken nach Schweden auszuwandern. Meine Frau wird im Sommer ihre Promotion abgeschlossen haben (Molekularmedizin). Sie hat bereits ein Jahr am Karolinska Institut in Stockholm während des Studiums verbracht. Ich selbst stecke mitten in der Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin (bereits 2,5 Jahre hinter mir) und bin wie so viele Kollegen am Limit der Belastbarkeit angekommen. Wir möchten beide aus unserem bekannten Trott heraus und etwas neues erleben. Meine Frau ist zunächt zwangsläufig an eine Universitätsstadt als Postdoc gebunden, mit klarer Präferenz auf Stockholm -dort hat sie bereits am Karolinska ein Job-Angebot- aber auch offen für andere (Göteborge, Uppsala, etc.). Daher suchen wir nach einer realistischen Chance die Allgemeinmedizin und die Stadt zu vereinen. Es muss für beide passen.
Ist es realisitisch bzw. empfehlenswert sich direkt z.Bsp. beim Stockholms län initiativ zu bewerben? Ich werde die Facharztausbildung in Schweden beenden. Hat jemand Erfahrung mit der Anerkennung? Muss ich erneut eine Prüfung machen? Falls ich jemals zurück nach Deutschland komme mit dem schwedischen Facharzt in der Tasche- gibt es da Probleme mit der Anerkennung?

Wir freuen uns über jede Hilfe und Tip, vielleicht hat ja jemand den gleichen Weg "Allgemeinmediziner im Umland Stockholm" hinter sich.

Vielen Dank!

Daniel

Speedy
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 616
Registriert: 20. März 2009 11:38
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon Speedy » 8. Januar 2015 12:47

Hej Daniel,

wir haben einen Arzt mit imForum (vibackup). Er wird sich sicher mit Dir in Verbindung setzten.



Gruss Erika

jörgT
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1796
Registriert: 14. Oktober 2006 14:48
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon jörgT » 8. Januar 2015 16:13

@ Mehrere, Erika ... :wink:

@ Daniel: Du hast eine PN!

Jörg

daniel.mayer
Neuling
Neuling
Beiträge: 4
Registriert: 30. Dezember 2014 13:27
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon daniel.mayer » 8. Januar 2015 16:17

Vielen Dank für Deine Antwort.
Ich bin etwas verunsichert über die notwendigen Schritte, da ich von vielen Seiten unterschiedliche Aussagen lese und gehört habe.
Ich gehe davon aus, dass unter http://www.socialstyrelsen.se/applicati ... ofmedicine
der aktuell gültige Weg steht, oder?

Daniel

Speedy
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 616
Registriert: 20. März 2009 11:38
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon Speedy » 8. Januar 2015 16:19

jörgT hat geschrieben:@ Mehrere, Erika ... :wink:

@ Daniel: Du hast eine PN!

Jörg


Hej Jörg, Du hattest Dich nicht als solcher geautet und du weisst sicher warum, sorry!!! Gruss Erika

jörgT
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1796
Registriert: 14. Oktober 2006 14:48
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon jörgT » 8. Januar 2015 16:30

http://www.socialstyrelsen.se/ansokaoml ... eiz/lakare

Hier hast Du auf die Schnelle die schwedische Variante - die Sprache kannst Du auf z.B. Englisch ändern.
Dein Link bezieht sich auf Ärzte, die ausserhalb der EU ausgebildet sind! Es gibt da grosse Unterschiede, deshalb vielleicht die verschiedenen Angaben!

Jörg

vibackup
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1183
Registriert: 26. Januar 2013 19:02
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon vibackup » 8. Januar 2015 23:07

Speedy hat geschrieben:wir haben einen Arzt mit imForum (vibackup). Er wird sich sicher mit Dir in Verbindung setzten.

Zu spät.
Jörg war einfach schneller, und wenn ich es recht sehe sind seine Infos auch frischer...
@ Daniel: das beantwortet teilweise meine Fragen nach dem woher und wohin...
falls es nicht unbedingt Stockholm sein muss, sondern auch Örebro in Frage kommt, kann ich Kontakte vermitteln.
Am Karolinska kenne ich nur Kollegen meiner eigenen Fachrichtung.

//M

jörgT
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1796
Registriert: 14. Oktober 2006 14:48
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon jörgT » 12. Januar 2015 11:14

Tja Michael, ich sass direkt am PC und hatte Deine Signatur Eine Weile nicht gesehen ... :lol:
Jörg

Karo0815
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 17
Registriert: 10. Februar 2016 11:55
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Deutschland

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon Karo0815 » 10. Februar 2016 16:44

Hey Leute, ich hab soeben mein Staatsexamen gemacht und möchte in Schweden als Arzt arbeiten. ich wollte so schnell wie möglich mit meiner Freundin dorthin ziehen.
Die Anerkennung meiner Approbation hab ich schon beim Socialstyrelsen beantragt...kann ja ca. 3 Monate dauern sagen die.
Ich hab da allerdings noch ein paar offene Fragen bzgl. Stellunsuche und Sprachkenntnisse:

1)Laut den offiziellen Richtlinien sind ja Sprachkenntnisse bis B2 oder sigar C1 gefordert bevor man in Schweden überhaupt anfangen kann....
ich hab abver mit einigen Ärzten persönlich gesprochen, die sagten, sie konnten mit ein paar Brocken Schwedisch direkt dort anfangen und haben dann die weiteren Sprachkurse nebenher gemacht....
Mir ist jetzt nicht ganz klar, was denn nun diesbezüglich stimmt...(Ich selbst hab bisher A1 und mache bevors nach Schweden geht auf jeden Fall noch A2).
2) Hat jemand von euch ne gute Idee, wie man mit der Stellensuche am besten anfängt? Ich hab halt bisher gar keine Ahnung, wohin ich mich da am besten wenden soll....SOll ich einfach mal Krankenhäuser persönlich anschreiben z.B.?
Für ein paar Tips wäre ich echt dankbar! :smt006

vibackup
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1183
Registriert: 26. Januar 2013 19:02
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Als Arzt nach Schweden

Beitragvon vibackup » 10. Februar 2016 20:34

Karo0815 hat geschrieben:Die Anerkennung meiner Approbation hab ich schon beim Socialstyrelsen beantragt...kann ja ca. 3 Monate dauern sagen die.

Ja, die Behörde hat erheblich nachgelassen.
Ich habe 2001 die Legitimation innerhalb einer Woche gehabt.
Karo0815 hat geschrieben:1)Laut den offiziellen Richtlinien sind ja Sprachkenntnisse bis B2 oder sigar C1 gefordert bevor man in Schweden überhaupt anfangen kann....

Das ist die Forderung, die ua. ich auf unserer (Region Örebro län) Seite geschrieben habe und die da immer noch steht.
Das ist aus schlechter Erfahrung gewachsen; Kollegen, die nicht in der Lage sind, schwedisch vorher zu lernen, sind überproportional die, die es auch hinterher nicht ordentlich lernen, und das ist eine Pest für den Arbeitgeber, denn das generiert ständige Probleme.
Als ich anfing hatten wir (und andere landsting) diese Forderung nicht.
Karo0815 hat geschrieben:ich hab abver mit einigen Ärzten persönlich gesprochen, die sagten, sie konnten mit ein paar Brocken Schwedisch direkt dort anfangen und haben dann die weiteren Sprachkurse nebenher gemacht....
Mir ist jetzt nicht ganz klar, was denn nun diesbezüglich stimmt...

Naja, beides vermutlich.
Erstmal ist da eine Zeitdimension drin (siehe oben), und dann habe ich natürlich auch Leute eingestellt, die das nicht hatten. Dann nämlich, wenn es andere Qualitäten gab, die den Bewerber eben doch so attraktiv machten, und wenn ich Grund hatte, anzunehmen, dass der Bewerber die Sprache lernen würde.
Zumeist sind diese Kollegen dann aber nicht als Ärzte, sondern als Arztassistenten eingestellt worden, haben die Sprachkurse und das, was sie brauchten, bekommen, und sind dann nach (in der Regel) 6 Monaten ein Niveau erreicht, bei dem sie fit for fight waren und sind dann als Ärzte angestellt worden, was eben auch eine deutliche Lohnerhöhung mit sich brachte.
Da ich damals mehr Bewerber hatte als ich Stellen vergeben konnte, musste ich natürlich wählen.
Was ich damit sagen will: so denkt ein Arbeitgeber.
In der Regel, wenn der Arbeitgeber das schreibt, meint er das auch. Es sei denn, du hast eben sehr herausragende Qualifikationen oder bist bereit, Aufgaben anzunehmen, die andere nicht haben wollen.
Karo0815 hat geschrieben:(Ich selbst hab bisher A1 und mache bevors nach Schweden geht auf jeden Fall noch A2).

A2 reicht nicht. Mit dem Niveau bist du gefährlich, wenn du klinisch als Arzt arbeitest... sorry...
Karo0815 hat geschrieben:2) Hat jemand von euch ne gute Idee, wie man mit der Stellensuche am besten anfängt? Ich hab halt bisher gar keine Ahnung, wohin ich mich da am besten wenden soll....SOll ich einfach mal Krankenhäuser persönlich anschreiben z.B.?

Depends... siehe unten.
Aber erstmal das Generelle:
  • die meisten Einheiten des Gesundheitssystems werden von den landstingen betrieben, von denen Schweden 21 hat; die haben in der Regel alle Webseiten mit "lediga jobb"
  • Alternativ kannst du auf solche Seiten gehen:http://www.regionorebrolan.se/sv/Arbete--utbildning/ATST/ST-lakare/ST-Psykiatri/ ; ganz unten gibt es Instruktionen, wie man sich bewirbt und bei wem. So etwas solltest du auch oft findet, es gilt die Seiten der landstingen durchzuschauen
  • Du kannst natürlich auch die Personalabteilungen oder die verksamhetschefer direkt anschreiben; vermutlich werden nicht alle antworten
  • Du kannst anrufen oder auftauchen; vor allem das letztere ist das ungewöhnlichste, aber für einen Chef das am schwersten abzuweisende... BTDT...

Wenn du eine Bewerbung schreibst,
  • hilft es enorm, wenn du hier bereits geschrieben bist, weil alle Systeme, dir Zugang zu Journalen etc zu verschaffen, die Personnummer erfordern... und das ist natürlich ein Moment 22...
  • solltest du einen persönlichen Brief, einen CV (tabellarisch), ein paar Referenzen und funktionierende Kontaktinformationen zu dir und den Referenten angeben. Falls du im CV Arbeitserfahrung erwähnst, habe kopien der Zeugnisse bereit und biete an, sie bei Interesse nachzuschicken. Erwähne, das und seit wann du die schwedische legitmation hast, lege die Kopie bei und beschaffe dir ein frisches "Certifikate of good standing" / " Certificate of current professional status". Außer den Referenzen sollte die Bewerbung auf schwedisch geschrieben sein, Referenzen sind ok auf englisch; falls in einer der anderen nordischen Sprachen: kein finnisch, falls du nicht in den äußersten Norden willst...
  • schicke sie elektronisch, nicht als Papier.
  • solltest du natürlich mit den Referenten vorher reden, falls ein potentieller Chef eben doch auf die Idee kommt, die anzurufen und nachzufragen. Das ist aber eher unwahrscheinlich...
  • trag nicht zu dick auf; viele Bewerber stellen sich gerne als Gottes Gabe an die westeuropäische Medizin dar; kann man machen, aber das ist dann das Maß, das im Interview angelegt wird. Lass andere sagen, wie gut du bist (in den Referenzen).

Jetzt kommt das "Depends":
  • Erleichtern wird es für dich, wenn du in den hiesigen Mangelspezialitäten arbeiten willst, also Psychiatrie und Allgemeinmedizin. Das heißt aber auch eine höhere Arbeitsbelastung, schlechtere Arbeitszeiten und Organisation, niedrigerer Status usw. Schwerer wird es, wenn du die Spezialisierungen suchst (du wirst ja vermutlich als ST oder Pre-ST starten), von denen es hier genug gibt, also die meisten Krankenhausspezialisierungen wie bspw. Internmedizin, Chirurgie etc.
  • Leichter wird es , wenn du kleine, weniger attraktive Kliniken suchst; schwerer, wenn du an die Unikliniken willst, und (noch, sie sind ja gerade dabei ihren Ruf effektiv zu ruinieren) am schwersten, wenn du am Karolinska anfangen willst. das ist eine sanning med modifikation: wenn du eine exceptionelle wissenschaftliche Karriere hast, dann wirst du attraktiver für die Unikliniken und weniger attraktiv für die kleinen Kliniken.
  • Leichter, wenn du in die Pampa gehst, zB nach Norden (Umeå und aufwärts), schwerer wenn du in die Großstadtregionen willst.

Dann eine schlechte Nachricht: bei uns im landsting gibt es gerade einen Ausgabenstopp, und ich vermute, dass wir da nicht ganz alleine sind. Man kann trotzdem einstellen, aber das ist begrenzt und man schaut mehr auf was man wirklich braucht.

Noch etwas: hast du eine Doktorarbeit?
Falls ja: wenn du mindestens zwei in wissenschaftlichen Zeitschriften publizierte Artikel hast, geht die zumeist durch (manchmal braucht es drei), aber so funktionieren ja deutsche Dissertationen in der Regel nicht.
Es geht eben leider nicht um die Qualität, sondern um formelle Kriterien.
Wird sie anerkannt, hast du ein Ausbildungsziel des ST erreicht und verkürzt deine Ausbildungszeit mit einem halben Jahr.

Klug ist es vielleicht, sich auf den homepages der dich interessierenden Spezialistvereinigungen darüber schlau zu machen, wie die Fortbildung zu dem von dir angestrebten Facharzt aussieht. Du wirst für dich vermutlich noch keine vollständigen Informationen finden, denn wir haben ein neues Regelwerk (SOSFS 2015:8) für das die Empfehlungen zur Umsetzung in der Regel noch nicht fertig sind, aber demnächst kommen werden. Vieles ist gemeinsam mit dem regelwerk das für die derzeitigen ST gilt, aber einiges ist anders.

Eventuell bekommst du ein Pre-ST angeboten; das bedeutet, dass
  • du ev weniger Lohn bekommst, aber
  • dass dein erstes Jahr wie ein Mini-AT gestaltet wird, du durchläufst also ähnliche Stationen (Medizin, Chirurgie, Psychiatrie, Allgemeinmedizin) und hast dann hinterher erstens einen besseren Überblick wie die Kliniken funktionieren da wo du bist und zweitens eine Idee, wie dieses Gesundheitssystem funktioniert (oder eben: wie es oft auch nicht funktioniert)
Überleg es dir also gut, das kann sich bezahlt machen.

Nach einem halben Jahr kriegt man hier, wenn man auch nur einen Hauch deutschen Ärzteethos mitbringt, die totale Krise. Das ist normal und nicht besorgniserregend. Danach entscheidet sich, ob man sich den Staub von den Füssen schüttelt und geht oder seinen Platz findet und bleibt.

Hier in Schweden gibt es eine enorm negative Stimmung gegen privat betriebene Einrichtungen des Gesundheitssystems (so wie die normalen Praxen in Deutschland), aber nach allem, was ich sehe gehen die besser mit den eingesetzten (Steuer-)Mitteln um, als die öffentlich betriebenen, wenn man bang for buck rechnet.
Auch wenn ich selber derzeit in einer solchen öffentlichen arbeite.

Ich glaube, du hast erst mal genug Material, ich lasse es mal gut sein hier.
Viel Erfolg,

//M (noch 16 Tage Övergripande Studierektor)


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast