als Ärztin nach Mora?

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Aelve
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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon Aelve » 10. November 2008 11:06

Hallo Rwitha,

genau das, was Du schreibst, habe ich auch schon so oft gedacht. Ich glaube bald, dass es so ist, dass einige Leute nur und wirklich nur überall das Negative beachten und hervorholen. Die scheinen wohl vergessen zu haben, dass das Leben kein Wunschkonzert ist, wo alles immer nur optimal zu laufen hat und je nach Wunsch.
Es ist doch so, es hat einen niemand ein problemloses Leben versprochen. In jedem Land, in jedem Ort in jeder Familie, Firma sind Probleme zu bewältigen, das ist das Leben. Mal ist es einfacher, mal schwerer. Wenn man gerade meint, man hätte ein Problem vom Tisch, dann tut sich das andere Problem auf. Wenn man sich nun irgendwo so unwohl fühlt, dass man überhaupt nicht mehr glücklich ist, da alle Umstände um einen rum, nicht mehr ertragbar sind, dann gibt es 2. Möglichkeiten, etwas zu tun:

1. Man muß seine Einstellung ändern oder
2. man muß seine Situation ändern

Und man muß versuchen, die Probleme zu lösen oder einigermaßen damit klar zu kommen. Wenn ich mich in Schweden so unwohl fühlen würde, dann würde ich nach Deutschland zurück gehen oder in ein ganz anderes Land, von dem ich annehmen würde, dass es meiner Situation gemäß besser für mich sein würde. Aber, manche Leute wollen einfach nur das Negative überall sehen, das Positive ist für sie selbstverständlich und nicht erwähnenswert.

Grüße Aelve
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Rwitha
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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon Rwitha » 10. November 2008 11:16

Aelve hat geschrieben:Wenn ich mich in Schweden so unwohl fühlen würde, dann würde ich nach Deutschland zurück gehen oder in ein ganz anderes Land...


Hej Aelve,

genau das habe ich auch gedacht. Ich kann mir natürlich über das Gesundheitssystem oder die Arbeitsbedingungen in diesem kein Urteil erlauben, weil ich's nicht kenne, aber wer fast nur Negatives auf den Tisch packt, kann in seinem gewählten Beruf (und gerade als Ärztin) nicht "glücklich" sein.
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon Lucia007 » 10. November 2008 12:35

Hej,

kann Euch nur zustimmen, auch wenn ich es selbst in Schweden ja noch nicht ausprobiert habe. Ich bin auch im Ärzteblatt-Forum schon seit längerem und hab nach einiger Zeit gemerkt, daß dort viele ihren Frust ablassen. Für mich ist das nicht so verständlich, weil ich das so sehe wie ihr: wenn man nur Negatives sieht, dann überleg ich mir entweder, ob das an mir und meiner Sichtweise liegt, oder ob ich mit falschen (übertriebenen) Erwartungen ausgewandert bin (dann liegt das aber auch an mir) und drittens, ob ich dann nicht besser zurückgehe oder woanders hin.

Ich denke, man sollte sich schon gut informieren, was einen erwartet und auch in Schweden ist nicht alles so rosig, gerade im Gesundheitssystem. Aber man muß eben auch sich klar machen, weswegen man auswandern will und was man erwarten kann und was nicht. Und Probleme wird es überall geben. Und Sprachprobleme kommen hinzu und daß man erst einmal "fremd" ist.

Ich weiß aber auch, warum ich nach Schweden möchte: weil ich die Natur und die Landschaft liebe. Weil ich Dalarna wunderschön finde. Weil dort vieles nicht so "überkorrekt-deutsch" gesehen wird. Weil die Hirarchien dort flacher sind. Weil die Deutschen oft meinen, sie sind der Nabel der Welt und da will ich nicht mitmachen. Weil ich dort noch eine Wertschätzung für meine Arbeit erkennen kann. Ich kann noch viel aufzählen. Es geht auch um Schweden an sich, nicht nur um die Arbeit.

Ich finde, gerade das Ärzteblatt-Forum beherbergt sehr viele, die anscheinend hauptsächlich negative ERfahrungen in Schweden gemacht haben. Das ist schade, weil es mich zu Anfang sehr abgeschreckt hat. Aber man sollte sich schon selbst ein Bild machen. Kritik ist sicher nicht schlecht. Ich möchte das auch alles lesen und hören, um darüber nachzudenken. Ich hab in Schweden eben andere Erfahrungen gemacht.

lg

Lucia

nysn

Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon nysn » 10. November 2008 13:06

Ich finde, gerade das Ärzteblatt-Forum beherbergt sehr viele, die anscheinend hauptsächlich negative ERfahrungen in Schweden gemacht haben. Das ist schade, weil es mich zu Anfang sehr abgeschreckt hat. Aber man sollte sich schon selbst ein Bild machen. Kritik ist sicher nicht schlecht. Ich möchte das auch alles lesen und hören, um darüber nachzudenken. Ich hab in Schweden eben andere Erfahrungen gemacht.


Genau, das Ärztblatt-Forum ist nicht unbedingt Schweden-positiv besetzt. Der Grund düfte wohl auch daran liegen, dass die meisten Ärzte ihre Erwartungen in Schweden erheblich runterschrauben mussten. Es wurden Leute mit Versprechungen angeworben, die man überhaupt nie und nimmer einhalten konnte und auch nie einhalten können wird.

Den Leuten auf dem Ärzteblatt traue ich auch zu, dass sie differenzierter denken und nicht nur ihren Frust ablassen wollen - sie stecken ja drin im schwedischen Gesundheitssystem und erleben die Schwächen tagtäglich mit.

Ich bin nur "Patient" und das Gott sei Dank nur ab und zu. Dass die Negativ-Meldungen bezüglich Kranken-/Gesundheitsvorsorge nicht nur leere Worte sind, durfte ich schon nach 2 Wochen nach meiner "Auswanderung" erfahren. Kurz bevor wir nach Schweden in 1994 umgezogen sind, veröffentlichte der Spiegel einen ausführlichen Artikel über die katastrophalen Zustände in Schweden - damals dachte ich auch, so schlimm kann das doch nicht sein und hoffte auf eigene, positive Erfahrungen. Heute 15 Jahre danach haben sich die Zustände nicht etwa verbessert - sondern allenfalls wurden die Probleme verlagert - und meine persönliche Einstellung dzu entspricht mittlerweile ungefähr der des Teufels zum Weihwasser.

Ich wünsche dir auch, dass du die Erfahrungen deiner Kolleginnen und Kollegen vom Ärtzeblatt-Forum nicht selbst machen musst - wage allerdings zu behaupten, dass du der einen oder anderen Aussage, die du dort gelesen hast, nach 1 bis 2 Jahren voll zustimmen wirst.

S-nina

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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon vinbär » 10. November 2008 14:29

Ich stimme S-Nina nach knapp 4 Jahren in Schweden zu, und den kritischen Inhalten in den Beiträgen des Ärzteblattes leider zum Teil auch.
Viele Ärzte arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen in deutschen Krankenhäusern und es wurden von schwedischer Seite paradisische Zustände versprochen, wenn man nur nach Schweden käme und dort arbeiten wuerde. Die Bedingungen vor Ort in S waren dann plötzlich ganz andere und vieles trat dann erst nach und nach zu Tage. Man wollte das wertvolle Gut aufgrund des Mangels ja nicht gleich wieder verlieren.
Anmerken möchte ich noch, dass das Leben und der Alltag aus mehreren Facetten besteht und man trotz der Kritik am schwedischen System in Schweden gluecklich sein kann, kommt auf den Lebensabschnitt, die Umstände und die eigenen Prämissen an. Ausserdem kann nicht jeder einfach so wieder Schweden verlassen, wenn er nicht geneigt ist, seine Einstellung zu ändern und "schwedisch" zu werden/zu denken. Lebt man erst mal ein paar Jahre hier, so wird es zumindestens wenn man Familie hat sehr schwer wieder nach D zuruckzukehren (Stichwort Schule,Arbeit des Partners...).
Ich persönlich halte es so, dass ich versuche mir der anderen Vorteile bewusst zu werden, um mit den fuer mich negativen Dingen hier zurecht zu kommen, da ich weder an der Situation noch an meiner Einstellung etwas ändern kann bzw. möchte :zwinker:

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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon Aelve » 10. November 2008 14:39

S-nina hat geschrieben:Ich persönlich halte es so, dass ich versuche mir der anderen Vorteile bewusst zu werden, um mit den fuer mich negativen Dingen hier zurecht zu kommen, da ich weder an der Situation noch an meiner Einstellung etwas ändern kann bzw. möchte


Hallo Vinbär,

anders geht es ja auch nicht. Jedes Ding hat Vorteile und Nachteile, jede Medaille zwei Seiten. Da muß ich mir überlegen, was ist für mich persönlich besser. Wenn ich die Vorteile einer Sache in Anspruch nehmen will, dann muß ich automatisch die Nachteile auch mitnehmen. Wenn ich soziale Absicherung oder bessere Familienpolitik haben will, dann weiß ich, dass das auf Kosten anderer Dinge geht. Wenn ich gesunde Luft und schöne Natur haben will, dann weiß ich, dass nicht außerdem der Kaufmann an der nächsten Ecke ist. Endweder oder. Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass die Leute immer anspruchsvoller werden. Sie möchten alles haben, Ruhe, aber Kirchen nebenan. Genügend Geld, aber nichts dafür leisten wollen. Genügend Freizeit haben, aber auch auf nichts anderes verzichten wollen. Es muß einem einfach klar sein, dass man nicht alles Gute zusammen hat. Lebe ich in Schweden, muß ich evtl. lange Fahrten zur Arbeit in Kauf nehmen.
Lange Fahrtzeiten, viele Ausgaben für Benzin und länger von Zuhause weg.
Wenn ich mir darüber klar bin, dass ich nicht nur Vorteile vorfinde bei einer Auswanderung, sondern andere Probleme dann zu lösen habe, dann ist schon viel gewonnen.

Grüße Aelve
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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon Imrhien » 10. November 2008 21:47

Zum Thema: Warum bleibt man in Schweden wenn man nur negatives berichtet?

1. Man kann es sich nicht immer aussuchen ob man das Land wechselt. Man kann es seltenst wechseln wie die Kleider. Da hängen unter Umstände andere Personen, Finanzen und und und daran.
Vermutlich wird man mit manchen Dingen einfach leben müssen, egal wo man lebt. Es gibt kein perfektes Land, überall findet man Dinge die einen stören. Das heisst für mich nicht, dass man nicht mehr darüber reden darf.

2. Manchmal ist die: In Schweden ist alles soooo toll und alle sind soooo nett und alle sind sooo freundlich und niemand wird je gemobbt und die Schule ist besser als überall sonst und alles ist so Bullerbyn- Brille ein ganz kleines bisschen nervig. Dann will man schon mal das eine oder andere Bild gerade rücken. Dies bedeutet, zumindest in meinem Fall nicht, dass ich alles in Schweden schlecht finde oder alles in Deutschland gut. Es bedeutet bei mir nur, dass ich darauf hinweisen möchte (manchmal dann vielleicht auch mit dem Hammer), dass Schweden eben auch nicht so rosige Seiten hat, wie jedes andere Land der Welt auch.

Grüße
Wiebke

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Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon jörgT » 10. November 2008 23:07

Du hast schon recht, Wiebke, mir geht die "Bullerbü"-Brille auch manchmal auf die Nerven. Deshalb sollte man sich das Land, in dem man leben und arbeiten will, genau ansehen ...
Dalarna hat in den letzten zwei Jahren eine verstärkte Auslandsrekrutierung von Ärzten betrieben, aber falsche Versprechungen hat es dabei nie gegeben. Schliesslich wollen wir die angeworbenen Kollegen täglich treffen und mit ihnen zusammenarbeiten, ohne uns schämen zu müssen.
Schweden ist - wie andere Länder auch - ein Land mit vielen Facetten. Nicht nur das Nord-Süd-Gefälle macht es schwer, von [b]dem Schweden[b] zu sprechen, ich beobachte auch zunehmend, dass es in den Städten völlig anders ist, als hier "auf dem Land".
In Deutschland hatte ich mindestens einen 10 bis 12-Stunden-Tag plus An- und Abfahrt - hier arbeite ich im Schnitt 8-9 Stunden und fahre 15 min. zur Klinik. Für mich ist das eine deutliche Verbesserung meiner Arbeitssituation. Meine Kollegen sind kompetend und ich kann die Situation in der Klinik selbst beeinflussen, was in D. nahezu unmöglich war ...
Was einige Foris so aus anderen Landesteilen berichten, scheint manchmal aus einer anderen Welt zu stammen.
Aber jeder Auswanderer macht seine eigenen Erfahrungen - und wir, die wir hier leben, sollten uns zumindest bemühen, unser Leben realistisch zu schildern. Die "rosarote Brille" ist genauso schlecht wie ein "Grauschleier" auf allem, was Schweden heisst!
Jörg :wink:

nysn

Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon nysn » 11. November 2008 00:17

Was einige Foris so aus anderen Landesteilen berichten, scheint manchmal aus einer anderen Welt zu stammen.
Aber jeder Auswanderer macht seine eigenen Erfahrungen - und wir, die wir hier leben, sollten uns zumindest bemühen, unser Leben realistisch zu schildern.


In diesem Sinne ist es ja auch "nervig" oder zumindest ziemlich unfair, wenn man dann versucht seine realistisch selbst gemachten Erfahrungen zu schildern und dann von anderen, die in anderen Landesteilen (oder wie du es dann so ausdrückst - in einer anderen Welt/in einem anderen Schweden) leben, so dargestellt zu werden, als wüsste man nicht, von was man redet und glatt auch unterstellt bekommt, dass das, was man schreibt, einfach nicht stimmt/stimmen kann/darf.

Generell scheint es so zu sein - negative Erfahrungen bezüglich Schweden sind in erster Linie mal konsequent zu verneinen und alles, was positiv ist oder annähernd positiv sein könnte, sollte womöglich noch mehr glorifiziert werden. Dieser Ansatz kommt m. E. auch ganz nahe an die schwedische Mentalität heran - sonst könnte sich dieses Märchen vom Wohlfahrtstaat wohl nicht so hartnäckig halten.

S-nina

glada

Re: als Ärztin nach Mora?

Beitragvon glada » 11. November 2008 09:13

Hallo Jörg!

Ich kann deinen Einwand durchaus verstehen, kommen wir als Einwanderer hierher und meckern über die bestehenden Bedingungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Kontroversen mehr Raum einnehmen, als wenn sich alle einig sind.

Man sollte aber auch die einzelne Situation berücksichtigen. Gerade die berufliche Situation von Ärzten in Schweden ist sehr speziell und ich bin mir nicht sicher, inwieweit ein Vergleich mit anderen Berufen möglich ist.

Auch Eltern von Kindergarten- und Schulkindern erleben in ihrem Alltag Einschränkungen, die sicherlich damit zusammen hängen, dass sie ihre Möglichkeiten nur bedingt kennen und dass ein soziales Netzwerk fehlt, das in der Not helfen kann. So entsteht eine Abhängigkeit, die Unzufriedenheit schürt.


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