alleine auswandern ?

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thalia
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alleine auswandern ?

Beitragvon thalia » 9. April 2008 10:56

Hallo zusammen. Ist jemand unter Euch, der/die alleine ausgewandert ist ? Also ohne Mann/Frau, Kinder o.ä. Was habt Ihr dabei für Erfahrungen und Probleme ? Fühlt(et) Ihr Euch einsam ? Danke für Antworten.

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trollebjär
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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon trollebjär » 9. April 2008 19:49

thalia hat geschrieben:Hallo zusammen. Ist jemand unter Euch, der/die alleine ausgewandert ist ? Also ohne Mann/Frau, Kinder o.ä. Was habt Ihr dabei für Erfahrungen und Probleme ? Fühlt(et) Ihr Euch einsam ? Danke für Antworten.


Ich bin ganz alleine nach Schweden gegangen, 1994. Zu der Zeit steckte das Internet noch in den Kinderschuhen und eine Minute mit Deutschland zu telefonieren kostetet 8 Kronen oder so. Ich habe mir unbesehen eine Wohnung im Ghetto in Malmö gemietet. In meinem Haus mit 10 Wohnungen gab es keinen einzigen schwedischen Namen an der Tür. Bin vorher viel in Schweden gewesen und kannte das Land schon recht gut (fand ich). Trotzdem haben sich viele Dinge als anders herausgestellt, als erwartet. War ziemlich klamm, da es kaum Möglichkeit gab, als Student zu jobben (ist immer noch schwer). Konnte auch keinen Studentenkredit aufnehmen (bin heute allerdings sehr froh darüber). Leute kennenlernen war schwer. Zu der Zeit hatte man einfach nicht die Möglichkeiten, sich draussen zu bewegen, wie heute. In Lund, wo ich gearbeitet habe, gab es ausser einer Hoteldisco nur Studentenklubs mit grottensclechter Musik, die einem nur den Eintritt gewährten, wenn man Student war. So ist das heute zwar auch noch, aber es gibt mehr Möglichkeiten zum Weggehen. Auch die Zahl der Cafe's muss sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht haben. Allerdings muss ich sagen ich war gestern nach 18 uhr in der Lund City und da war total tote Hose. Wo sind nur alle Menschen, fragt man sich manchmal?
Das erste Jahr war schwer- ich war viel alleine zuhaus, und das war für mich total ungewohnt. In Deutschland bin ich fast jeden Abend mit Freunden aus gewesen. Mein Schwedischlehrer, der Neubautenfan war (total ungewöhnlich für Schweden), hat sich meiner etwas angenommen und mich mitgeschleppt, wenn irgendwo eine Feier war. Aus der Zeit haben sich aber keine bleibenden Freundschaften ergeben. Habe durch die Arbeit natürlich Leute kennengelernt, mit denen ich mich dann auch ab und zu privat getroffen habe. Vieles an der Schwedischen Lebensweise hat mich verwundert, vor allem dass man so überaus traditionsreich ist. War auf tausend Hochzeiten, Doktorandfesten etc und finde diese Feiern meist unglaublich öde, schon alleine wegen der vielen Tischreden und der Sauferei. Das bin ich aus meiner Familie nicht gewohnt und habe mich damit sehr schwer getan. :smt019
Habe meinen Mann (der nicht so der typische Schwede ist) schliesslich vor 8 Jahren kennen gelernt, da war ich eigentlich schon auf dem Sprung in die USA. Dann ist das doch nix mit dem Job dort geworden und so bin ich dann hier geblieben.
Finde immer noch dass viele Schweden keinen Musikgeschmack haben. Aber das ist natürlich Ansichtssache!

Hans

Re: alleine auswandern ?

Beitragvon Hans » 9. April 2008 20:18

Auswandern

Meine Erfahrung ist genau die umgekehrte.
Sprache gelernt- gearbeitet- systematisch den deutschen Acczent abgeschliffen.
Die Hochschule war die beste Zeit.

Konnte ja studieren ohne dass das Einkommen der Eltern damit zutun hatte.
Ich verstehe in irgendeiner Weise dass man sich hier nicht wohlfühlt.

Mir scheint es mehr darum zu gehen dass man immer noch soviel Deutsch ist
und diese Deutschheit ein Hindernis ist.
Man kann seine Sitten und Bräuche nicht adaptieren und versteht nicht dass man
die socialen Signale nicht versteht.

Man muss sich fragen warum will keiner von mir wissen.
Denn viele andere haben ihre Freunde, aber ich nicht.
Viele deutsche sociale Sitten und Signale funktionieren in Schweden nicht.
Man kann auch nicht erwarten dass es so ist.
Aber wenn man Kleindeutschland in Schweden haben will
muss man ja damit rechnen dass die Schweden sich damit nicht befassen wollen.

Ist ja auch nicht ihr Bier.

Und wenn man obendrein die Gesellschaft als langweiligt empfindet muss man damit
rechnen dass die Mitglieder das spüren und merken.
Ich suche ja keinen Freund der mich und meine Sitten und Gebräuche als langweilig und trist empfindet.

Ist in Deutschland genauso.
Hier findet man, glaub ich ein Teil der Antworten.
Grüsst
H :smt006 ans

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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon thalia » 9. April 2008 20:21

Hallo Trollebjär. Danke für Deine Antwort. Das kann ich mir gut vorstellen, dass es unter den Bedingungen schwer war. Ist ja hier in D schon ziemlich gruselig unter solchen Bedingungen. Also ich möchte aufs Land, nen eigenen Hof. Das wäre mein Traum. Da hätte ich sicher genug zu tun, aber es gibt ja nicht nur Arbeit, denke ich mir. Man braucht ja doch so bisschen Zwischenmenschlichkeit. Das Prob. ist, dass es schwer ist, sich da reinzufühlen, denn hier habe ich Kontakte. Muss zwar zugeben, dass ich bisschen eigenbrödlerisch bin und auch mit Nachbarn nur Smalltalk betreibe. Aber so ganz als Eremit wäre auch nix. Hm, ist wirklich schwer.

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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon thalia » 9. April 2008 20:26

Hallo Hans, auch Dir danke für die Antwort. Du hast recht, man muss sicher stark selbst die Initiative ergreifen, um nicht alleine dazustehen. Worauf ich an sich hinausmöchte ist, dass alleine auswandern ja bedeuten würde, absolut niemanden zu haben, an den man sich wenden kann, wenn man Hilfe braucht. Und immer alles gegen Geld muss man sich erstmal leisten können. Da habe ich so meine Bedenken. Oder wenn man krank ist...

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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon Wolfi » 9. April 2008 21:35

Hej!

Ich bin ganz alleine nach Schweden gegangen...

@trollebjär: Da musst du mir beim nächsten Mal drüber erzählen... (War übrigens echt nett gestern! Danke für die Einladung!)

Das erste Jahr war schwer- ich war viel alleine zuhaus, und das war für mich total ungewohnt.

Ja, so gehts mir eben gerade. Und da tut es gut, zu hören, dass es eben anderen auch ähnlich ergeht/erging. Und dass man nicht an sich zweifeln braucht, sondern es eine Frage der Zeit ist, bis man mit der neuen Kultur und ihren Gegebenheiten vertraut ist. Das ist ein Faktor, den man nicht unterschätzen darf!

Man kann seine Sitten und Bräuche nicht adaptieren und versteht nicht dass man
die socialen Signale nicht versteht.

Genau! Und dann versuche ich mich einzufühlen, wie es nun jemanden aus einem ganz anderen Kulturkreis geht. Für den es nicht mal Ähnlichkeiten in der Gesellschaft, Ähnlichkeiten in der Sprache gibt. Das macht einen wohl auch verständnisvoller, Einwanderern gegenüber, wenn man sich selbst mal in einer ähnlichen Situation befindet!

@thalia:
Hut ab vor jedem, der so einen absoluten Schritt wagt! Ich würde sagen, das Wichtigste ist die Sprache. Wobei es fürs "Überleben" sicher mit Englisch auch geht. Aber eben nicht viel weiter. Nicht für den schwedischen Alltag und die schwedische Gesellschaft. Doch für mehr Tipps gibt es ja die Experten mit langjähriger Schwedenerfahrung hier im Forum ;-)

Lg,
Wolfi

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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon trollebjär » 10. April 2008 07:13

Hans hat geschrieben:Auswandern
Aber wenn man Kleindeutschland in Schweden haben will
muss man ja damit rechnen dass die Schweden sich damit nicht befassen wollen.
Grüsst
H :smt006 ans


Eine Frage.
Eine Antwort.
Meine Antwort .
-Fel Svar, zu deutsch. Ta av kappan innan du kommer in i huset. When in Rome...
Toleransen, var blev den av?
Leben und leben lassen :smt006
blev
Live and let die

:axe:

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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon Steppenwolf » 10. April 2008 15:30

Bin vor knapp 7 Monaten alleine ausgewandert. War aber alles kein Problem weil ich von der Firma bei allem unterstuezt wurde (Wohnungssuche, Behördengänge usw.). Ich hab zwar viel freundschaftlichen Kontakt mit Kollegen und Möglichkeiten was zu unternehmen aber fühle mich trozdem manchmal etwas einsam. Liegt aber imo weniger an Mentalitätsunterschieden sondern am Altersunterschied. Viele meiner Kollegen sind erst anfang 20, ich werde dieses jahr 30. So langsam verspüre ich keine Lust mehr jedes WE zu feiern und zu saufen und mir fehlt da auch irgendwie die Kraft dazu. Brauche das WE um meine Akkus wieder aufzutanken. Als ich noch anfang 20 war war das natürlich anders. Man wird halt nicht jünger.

Würde hier gerne eine Familie gründen und hätte gerne einen Freundeskreis der es etwas ruhiger angehen lässt. Dann würde ich mich glaub ich rundum wohl fühlen. Was mir z.B. fehlt ist einfach mal ein Kumpel mit dem ich mir gemuetlich zuhause ne DVD anschaue oder wo man sich einfach mal trifft und über dies und das labert. Sone Art Freundschaft ist mir hier noch nicht begegnet. Es steht irgendwie bei allen Freizeitaktivitäten Action und saufen im Vordergrund.

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janaquinn
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Re: alleine auswandern ?

Beitragvon janaquinn » 10. April 2008 15:35

Hej Steppenwolf,
auch dir schlage ich vor, mal zu unseren Treffen zukommen:)). Deine Freizeitgestaltung hört sich an wie die unserer Familie, bedingt durch 2 Kinder. Da hat man weder die Zeit noch die Lust jedes WE auf Piste zugehen.
Im Sommer grillen wir gerne, trinken ab und an mal eine gute Flasche Wein und machen immer mal wieder Spieleabende.
Tja und DVD´s? Da haben wir mittlerweile wohl 1000Stck zusammen, jedes Genre...Action, Drama, James Bond und natürlich die Disney Streifen. :lol:

Also, wenn du Lust hast, schau einfach mal in den Thread rein, wir sind mal wieder am planen :wink:

LG JANA
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